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ist und auf das bie Feinde des Reichs im AuS- lande mit Reid und Mißtrauen, unsere und des Friedens Freunde aber mit Genugthuung bliesen. Vor 21 Jahren sagte Fürst Bismarck im Reichs­tage, er und seine Nachfolger würden nickt er­müden und wenn es noch einmal 50 Jahre dauern sollte um mit dem großen Nachbar- reiche zu einem besseren wirtschaftlichen Ver­hältnisse zn kommen. Unsere Getreidezoller- höhung im Jahre 1887 war wesentlich mit von dem Gedanken eingegeden, damit einen Kompen- sationsgegenstand für einen russischen Vertrag zu schaffen. Jetzt sind wir nach harten Mühen so weil, das lang Erstrebte zu erreichen; da wird die Volksvertretung nicht verweigern, was einem großen Theil der schaffenden Arbeit sehr nützlich, dem andern nicht schädlich ist und was auch in politischer Hinsicht günstig zu wirken verspricht.

Politische Nachrichten.

Berlin, 5. März.

Se. Majestät der Kaiser wohnte am Freitag Vormittag von 103/4 bis 1/j Uhr der Sitzung des Landes - OekonomiekollegiumS im Cländehause der Provinz Brandenburg hierselbst bei. Abends entsprachen beide Majestäten einer Einladung des Herzogs von Sagan zuni Diner. Am Sonnabend Vormittag um 9 Uhr unter­nahmen Ihre Majestäten der Kaiser und dieKaiserin eine gemeinsame Spazier­fahrt durch den Thiergarten. Nach der Rückkehr von derselben empfing Se. Majestät der Kaiser den Chef des Generalstabes der Armee zum Vor- trage und arbeitete daraus längere Zeit mit dem Chef des Militairkabinets. Mittags 1 Uhr nahm Se. Majestät eine größere Anzahl militairischer Dielbungen entgegen; auch hatte, daran an­schließend, der frühere kaiserlich deutsche Gesandte in China, v. Brandt, die Ehre des Empfanges. Am Sonntag Vormittag begab sich das Kaiserpaar nach der Interims-Tomkirche und wohnte da­selbst dem Gottesdienste bei. Am Abend be­suchten der Kaiser und die Kaiserin das Neue Theater, woselbst eine Vorstellung zu einem wohlthätigen Zwecke stattfand.

DieKölnische Zeitung" meldet aus Peters­burg, daß der Kaiser und die Kaiserin dem General v. Werder ihr Erscheinen bei dem am 7. b. M. in der deutschen Botschaft stattfindenden Ballfest zugesagt haben.

Das Abgeordnetenhaus hat seine Sitz­ungstage während der vergangenen Woche wiederum der zweiten Etatsberathung gewidmet. Bei der Handels- und Gewerbeverwaltung kam u. A. der gewerbliche F o r l b i l d u n g s u n t e r - richt zur Sprache, insbesondere der Zeichen­unterricht, der nur bei vollem Tageslicht, und darum nur an Sonntagvormittagen ertheilt werden kann; der Minister hofft, daß sich darüber eine Verständigung mit den Kirchenbehörden werde erzielen lassen. Auch theilte er mit, daß eine Aenderung der Schiedsgerichte bei der JnvaliditätSversicherung in Aussicht genommen sei. Beim Etat der direkten Steuern wurde namentlich das E i n s ch ä tz u n g s w e s e n erörtert und vom Regierungstische aus mitgetheilt, daß die Berufungen 1893/94 nur 10 pCt. der Zahl aller Steuerpflichtigen betragen hätten vor der Einführung der Deklaration über 9 pCt. Es wurde anerkannt, daß die Regierung bemüht sei, allen berechtigten Beschwerden abzuhelfen. Beim K u l t u S e t a t gab das Centrum Wünsche nach der Wiederherstellung der katholischen Ab­theilung im Kultusministerium kund, und klagte über Mangel an Parität im Schulwesen und bei der Besetzung von Beamtenstellen. Der Kultus­minister wies im Einzelnen nach, daß die Regierung von einer imparitätischen Auffassung den Katholiken gegenüber weit entfernt ist. Was die katholische Abtheilung betrifft, so hat sie früher große Zwie­spalt im Ministerium gestiftet; in allen katholischen Angelegenheiten werden jetzt auch katholische Räthe und Referenten bestellt.

Ueber die K a t a st r o p h e auf derBran­denburg" veröffentlicht dieN.-Osts.-Ztg." einen offenbar aus Marinekreisen stammenden Artikel, in dem es heißt: Das Material ist an der Bruchstelle des Ventils nicht zu schwach gewesen, auch zeigte das Material sich an dieser Stelle von tadelloser Qualität, so daß die An­nahme irrig ist, die in Folge der unter dem abgerissenen Flansch eingelegten Dichtung ver­anlaßte Spannung sei verhängnißvoll geworden. Dagegen war, dem Vernehmen nach, die Sicherung

an der Expansionsstopfbüchse ungenügend kon- struirt. Dieser Umstand wirkte augenscheinlich ausschlaggebend, um das Unglück eintreten zu lassen. Die Schiffsbesatzung hat bei der Abmessung der Schuldfrage unbedingt außer Betracht zu bleiben, dagegen richtet sich das Augenmerk nun­mehr auf die Konstruktion und damit auf die Erbauer des Schiffes, welches übrigens in allen seinen Theilen eine geradezu mustergültige Vol­lendung aufweist.

Die deutschen M i l i t a i r v e r e i n e in Nordamerika werden im nächsten Jahre einen Maffenausflug nach Deutschland anläßlich der 25. Wiederkehr des Sedantages unternehmen. Vermutlich werden sie Leipzig, welches sich zu diesem Zweck schon als Feststadt angeboten hat, als Ort der festlichen Begehung des Sedan- Jubiläums wählen.

Die Entscheidung in der G l a d st o n e - CrisiS ist gefallen, am Freitag hat die Königin Victoria das E n t l a s s u n g s g e s u ch des alten Gladstone angenomme n. Am nächsten Tage wurde Lord Rosebery, der Minister des Auswärtigen, von der Königin Victoria in Windsor empfangen und dürfte er hierbei zum Ministerpräsidenten ernannt worden sein; Glad- stone selbst hatte ihn der Königin als seinen Nachfolger empfohlen. Wahrscheinlich treten noch einige andere Veränderungen im englischen Cabinet ein. Die äußerliche Veranlassung der Demission Gladstones bilden das schwere Augen­leiden, von dem er befallen worden ist, dann auch sein hohes Alter; Gladstone wird im kommen- ben Dezember 85 Jahre alt, und diese Last der Jahre beginnt der berühmte Staatsmann allmälich doch zu fühlen. Zweifellos haben ihn aber auch politische Ursachen zu seinem Rücktrittsgesuche bewogen, die vorwiegend int englischen Partei­leben wurzeln.

Bei der Neuwahl des Präsidenten in U r u g u a y wurde Joss Ellaris mit 54 Stimmen gewählt. Zu Unruhen scheint es bei der Wahl nicht ge­kommen zu sein. Die Insurgenten im süd - l i ck e n Brasilien wurden bei Saraudi von den RegierungStruppen geschlagen; die Besiegten verloren 400 Todte und zahlreiche Gefangene.

Der englische M i l i t a i r p o st e n in Bordax, an der Nordostgrenze Indiens, soll von dem feindlichen Aborstamme überfallen und bis auf den letzten Mann niedergemetzelt worden sein.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

Hersfeld, den 5. März 1894.

* Jagdkalender. Im Monat März dürfen nur Auer-, Birk- u. Fasanenhähne, sowie Enten, Trappen, Schnepfen und wilde Schwäne geschossen werden. Die Monate März und April sind die einzigen, in denen auch Rehböcke Schon­zeit haben.

* Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Ziehung der Großen Lotterie zu Mei - ningen zum Besten der Kinderheilstätte zu Salzungen am 8, 9. und 10 März b. I., also in wenigen Tagen, stattsindet. Gleichzeitig sei nochmals bemerkt, das 5000 Gewinne, darunter der erste Hauptgewinn im Werthe von 50 000 Mark, zur Ausspielung kommen. Loose ä 1 Mark sind noch in allen, durch Plakate kenntlichen Verkaufs­stellen zu haben.

* Die Psingstturnfahrt der deut­schen Turner nach Italien, entpuppt sich als einP r i v a t u n t e r n e h m e n" eines Mainzer Turnvereins, gegen das der Ausschuß des Mittelrheinischen Turnkreises der Deutschen Turnerschaft sehr energisch Verwahrung einlegt. Abgesehen davon," heißt es in einer offiziellen Kundgebung des genannten Ausschusses,daß es wenig schicklich und durchaus nicht turnerisch ist, die deutsche Turnerschaft zwei Monate vor dem achten deutschen Turnfest zu einer, dieses Fest unbedingt schädigenden Vergnügungsfahrt nach Italien einzuladen, muß auch hervorgehoben werden, daß die geplante Turnfahrt einPrivat­unternehmen" ist. Wir können demnach nur vringend anrathen, daß unsere Turngenossen diesem Lockruf nicht folgen, sondern Zeit, Kräfte und Geld für das d e u t s ch e Turnfest in Breslau bereit halten."

* (Re ich s g e ri cht s - E n ts che i d ungen.) Verweigernder Vater eines von seiner Mutter oder Stiefmutter mißhandelten Kindes die Stellung des zur Strafverfolgung erforderlichen Strafantrags, so ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats, vom 2. November 1893, im Gebiet der preußischen Vormundschaftsordnung vom 5. Juli 1875 das

Vormundschaftsgericht befugt, einen Pfleger behufs Stellung des Strafantrags zu bestellen, welcher den Strafantrag zu stellen hat. Das heimliche, unberechtigte M i t s a h r e n auf dem Trittbrett eines in einem Eisenbahnzug eingestellten Personenwagens in der Absicht, sich so eine unentgeltliche Beförderung zu verschaffen, ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts IV. Strafsenats, vom 20. Oktober 1893, als Betrug zu bestrafen. Der bei einem unfallversicherungs- pflichtigen Betriebe beschäftigte und hierbei durch Fahrlässigkeit des Betriebsunternehmers verletzte Arbeiter kann, nach einem Urtheil des Reichs­gerichts III. Strafsenats, vom 20. November 1893, nicht neben der ihm nach dem Unsaliver- sicheruugsgesetz zustehenden Entschädi­gung von dem wegen fahrlässiger Körperver­letzung angeklagten Betriebsunternehmer die int § 231 Str.-G.-B. neben der Strafe zugelassene Buße verlangen.

[§J Hersfeld, 5. März. Der in unserem Reichstagswahlbezirk gewählte antisemitische Ab­geordnete Herr Werner hat es für nöthig ge­halten, in der Sitzung des Reichstages vom 2. b. M. unter Anderem auch den Wunsch auszusprechen, daß der Stadt Hersfeld die bis­herige provisorische Kriegsschule noch ferner belassen werden möge. Herr Werner hat gewiß eine löbliche Absicht da­bei gehabt. Wir glauben jedoch, daß es besser gewesen wäre, wenn er sich vorher mit seinen Hersfelder Wählern oder auch mit der Stadtbe­hörde darüber verständigt hätte, denn dann wäre ihm mitgetheilt worden, daß die einstwei - lige Belassung der Kriegsschule in Hersfeld bereits beschlossene Sache und die Verwendung seinerseits mithin über­flüssig sei.

t Hersfeld, 5 März. Heute fand am hiesigen Gymnasium unter dem Vorsitz des Herrn Direktor Dr. Duden die mündliche Reifeprüfung der Abiturienten statt. Von den 20 Prüflingen erhielten 18 das Zeugniß der Reife, 12 davon bereits auf Grund ihrer guten schriftlichen Leistungen.

Hersfeld, 5. März. Pflanzet Obst- bäume! Jetzt ist die rechte Zeit zur Anpflan­zung von Obstbäumen aller Art in Feldern, Höfen, Gärten und an Wegen, darum versäume Niemand, sich schnell aus guten Baumschulen die praktischsten Sorten kommen zu lassen, die verhältnißmäßig geringen Kosten werden in wenigen Jahren reich­lich Zinsen tragen.

Rotenburg, 1. März. Am gestrigen Tage erhängte sich die Frau des Wagners Becker hier­selbst, deren Mann sich vor einigen Wochen von hier entfernte, ohne das Ziel seiner Reise anzu- geben. Ueber den Beweggrund zu ihrer That hat die Selbstmörderin nichts hinterlassen. (Kr.)

Cassel, 3. März. Heute wurde die Prüfung der zweiten Serie junger Leute, welche die Be­rechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erwerben wollen, auf dem Stadtbau beendet. Von den betheiligten 11 Candidaten hatten die meisten so ungenügende schriftliche Arbeiten ge­liefert, daß nur vier noch zur mündlichen Prüfung zugelassen wurden, die dann auch bestanden.

Hanau, 3. März. Eine hiesige Familie, die ihren Lebensunterhalt schon seit langen Jahren dadurch fristete, daß sie Kiessand aus dem Main schöpfte, hatte am gerstigen Tage ihren Kahn überladen, derselbe sank und mit ihm die Insassen, Vater, Sohn und Tochter. Der Vater und Sohn wurden von einem vorüberfahrenden Schiffe gerettet, die Tochter hingegen, welche etwa 30 Jahre alt ist, verschwand in den Wellen und konnte nur als Leiche herausgezogen werden.

Hoof, 28. Februar. Gestern Nachmittag machte der Leinweber N. zu Großenritte in seiner Behausung durch Erhängen seinem Leben ein ©nbe. Der Mann, welcher in seinen Verhält- niffen zurückgekommen war, hinterläßt eine schon ältere Frau.

Spickcrshausen, 2. März. Der Ackersmann W. von hier war gestern in den Wald gefahren, um Holz zu holen. Auf dem Nachhauseweg scheuten die Pferde, dabei kam er zu Falle, gc- rieth unter die Räder des schwer beladenen Wagens und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Marburg, 1. März. Gegenwärtig weilen rn unserer Stadt eine Anzahl activer Militär- Assistenzärzte 1. und 2. Klasse zur Ableistung eines 14 teigigen medicinischen Kursus. Am Montag Morgen gelang es drei Kranken, aus der hiesigen Jrrenheilanstalt zu entlaufen. Zwei derselben wurden von den alsbald nachetlenden Wärterinnen wieder zurückgebracht, während es