mosphären — gefahren wird, ilt damit imitier für das Maschinen- und Heizerpersonal eine gewisse Gefahr verbunden, und besonders bei den Probefahrten, bei denen eben feftgefteUt werden soll, ob alle Maschinentheile, Kessel und Zubehör den Ansprüchen genügen. Von außen kann man den einzelnen Theilen nicht immer ansehen, ob sie die genügende Haltbarkeit besitzen, sie müssen deshalb probirt werden. Alle irgendwie zu treffenden Vorsichtsmaßregeln werden angewandt; solches Unglück, wie das geschehene, ist aber voraussichtlich nicht abzuwenden gewesen. _
Es ist ersreulich, trotz alles Unglücks festzujtellen, daß der Admiral, welcher das Panzergeschwader koinmandirt, melden konnte, daß das Betragen des Maschinenpersonals bei der Katastrophe auf „Brandenburg" als musterhaft bezeichnet werden mußte. Se. Majestät der Kaiser haben hieraus Veranlassung genommen, nachstehendes Telegramm an den Kommandanten des Schiffes, Kapitain z. S. Bendemann, zu erlassen:
Telegramm
S r. M a j e st a t d e s K a i s e r s u n d K ö n i g S. Berlin, Schloß, 17. Februar 1894, 10,57 V -M.
Kapitain zur See Bendemann Kiel.
S. M. S. „Brandenburg".
Tief erschüttert von der furchtbaren Katastrophe, drängt es Mich, Ihnen und der gesummten Besatzung Meine aus dem Grunde des Herzens kommende Allerwärmste königliche Theilnahme anszu- drücken. Der in treuer Pflichterfüllung erlittene Heldentod sichert den Gebliebenen einen Ehrenplatz in Meinem Gedächtniß und in den Annalen der Marine für alle Zeiten! Wir stehen Alle in Gottes Hand! Im festen Vertrauen auf Ihn fügen wir uns in Ergebung seinem unerforsch- lichen Willen und sehen der Zukunft zuversichtlich und getrost entgegen. Ich werde den Gefallenen zur Erinnerung eine Gedächtnißtafel in die Garnisonkirche zu Kiel stiften, Und im Uebrigen „Volldampf voraus".
Wilhelm I. R
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Der Kaiser hat einen Riesenlorbeerkranz, mit weißen Blüthen durchflochten und mit langer Atlasschleise, welche in Golddruck das kaiserliche W mit der Krone trägt, am Sonnabend nach Kiel absenden lassen mit der Bestimmung, daß derselbe an der Städte niedergelegt werde, wo die Leichen der auf dem Panzerschiff „Brandenburg" Verunglückten ausgebahrt werden.
Politische Nachrichten.
Berlin, 18. Februar.
Gestern früh war S e. M a j e st ä t der Kaiser schon sehr zeitig im Arbeitszimmer zur Erledigung von RegierungSgeschästen erschienen, hatte alsbald eine kurze Besprechung mit dem Chef des Geheimen Civilkabinets und unternahm nach derselben mit Ihrer Maje st a l der Kaiserin eine ge- meinsame Spazierfahrt. Rückkehrend von dieser fuhr Se. Majestät zum Palais des Reichskanzlers und nahm dort den Vortrag desselben entgegen,
blasses Gesicht. „Warum sollten Sie keine geliebte Frau finden?" bemerkte Frau Pohlmann mit halblauter Stimme. Wer Liebe ernstlich und aufrichtig sucht, der wird auch Liebe finden."
„Ich will das nicht bestreiten, aber ich muß offen gestehen, daß ich, bisher nur den Geschäften lebend, noch nicht dazu gekommen bin, nach Liebe zu suchen, und da ist sie denn selbst wie der Dieb in der Nacht über mich gekommen, urplötzlich, mächtig und unwiderstehlich, aber auch zugleich gänzlich hoffnungslos."
„Dies ist sehr, sehr zu beklagen," erwiderte Frau Pohlmann, „aber rrotz der bittersten Enttäuschung würve ich an Ihrer Stelle doch nicht alle Hoffnung aufgeben, Herr Hillessen, denn es wird uns im Leben, wenn auch oft nach langem Warten doch oft noch ein heißer Wunsch erfüllt."
„Diese Ihre Worte sind für mich allerdings ein unendlicher Trost," sprach jetzt Hillessen mit eigenthümlicher Betonung und, während seine Augen stärkeren Glanz erhielten, „und ich wage es auszusprechen, was mich quält und was mein Herz mit Wonne und Weh erfüllt, gnädige Frau. Ich liebe unendlich Ihre Tochter, Fräulein Carola, uno wäre glücklich, wenn ich sie besitzen könnte."
Erschreckt über dieses neue, plötzliche Geständ- niß Hillessens erhob sich Frau Pohlmann von ihrem Stuhle und den Gast erstaunt anblickend, sagte sie, rhre Erregung beherrschend:
„Herr Hillessen, Ihr Antrag ist eine Ehre für
während Ihre Majestät die Kaiserin Allerhöchstsich nach dem königlichen Schlosse begab. Sparer hörte Se. Majestät im Schlosse den Vortrag des Chefs des Generalstabes, arbeitete, daran anschließend, längere Zeit mit dem Chef des Militair- kabinets, nahm hierauf den Vortrag deö StaatS- sekretairs des Reichs-MarineamtS entgegen und empfing kurz vor 1 Uhr den kommandirenden General des 7. Armeekorps, Generallientenant v. Goetze. Um 1 Uhr nahm Se. Majestät militairische Meldungen entgegen und empfing dann noch den Domdechanten aus Naumbnrg a. S., Wirklichen Geheimen Rath Dr. von Brandenstein. — Heute Vormittag wohnten Ihre M a j e st ä t e n der Kaiser und die K a i s e r i n dem Gottesdienste in der Dom-Jnterimskirche bei. Um 12 Uhr Mittags fand im königlichen Schlosse eine Sitzung des Kronrathes statt. Zur Früh- stückstafel waren mit Einladungen beehrt worden: der Herzog und die Herzogin von Sagan, der königliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am grobherzoglich badischen Hofe, o; Eisendecher, Freiherr und Freifrau v. Loon, Graf und Gräfin zu Dohna, der kaiserlich deutsche Gesandte in Bukarest, Graf v. Lerchen, der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Graf v. Posadowsky-Wehner und der Major Freiherr v. Sander. Abends wohnten der Kaiser und die Kaiserin dem Diner bei dem Prinzen und der Frau Prinzessin Aribert von Anhalt bei.
Der „Reichs-Anz " schreibt im nichtamtlichen Theil seiner gestrigen Abendnummer: „Durch eine Anzahl Zeitungen ist in den letzten Tagen die Nachricht gegangen, es sei eine umfassende Vereinigung der Kriegsschulen und anderer militärischer BildungSanstalten bei Potsdam geplant. Dort sollten neue großartige Baulichkeiten aufgeführt, und in Verbindung mit dieser „Militärakademie" eine große Bade- und Schwimman- stalt errichtet werden. Die Nachricht entbehrt, wie uns von zuständiger Seite geschrieben wird, durchaus der Begründung. Es besteht die Absicht, für die sehr alte und den heutigen Anforderungen in keiner Weise genügende Kriegsschule in Potsdam einen Ersatzbau zu beschaffen, zu welchem Zweck in den Etat für 1894/95 eine erste Rate zur Projektbearbeitung eingestellt ist; die Erbauung neuer Etablissements in oder bei Potsdam steht aber überhaupt nicht in Frage."
Aus Friedrichs ruh wird gemeldet: Dem Vernehmen nach trifft Se. Majestät der Kaiser am Montag Nachmittag um 5 Uhr 57 Minuten hier ein und reist kurz nach 9 Uhr nach Hamburg weiter, wo die Ankunft Abends 10 Uhr 24 Min. erfolgt. Von dort setzt Se. Majestät 10 Uhr 30 Minuten die Reise fort und kommt am Dienstag früh 7 Uhr 20 Minuten in Bremen an; 7 Uhr 24 Min. erfolgt die Abfahrt nach Oldenburg, woselbst die Ankunft um 8 7-2 Uhr stattfindet. Nach zweistündigem Aufenthalte in Oldenburg wird die Reise fortgesetzt. Um 117 > Uhr Mittags trifft Se. Majestät in WilhelmShaven ein.
Das Befinden des Königs Albert von Sachsen hat sich erfreulicher Weise derartig gebessert, daß weitere Bulletins einstweilen nicht mehr zur Ausgabe gelangen.
' uns, muß aber mit Bedauern abgelehnt werden, denn unsere Tochter gilt bereits als heimlich mit Professor Galen verlobt. Entschuldigen Sie mich gütigst jetzt einige Augenblicke, ich will dem Diener ; sagen, daß er den Kaffee bringt."
Verblüfft und verlegen saß Hillessen jetzt allein in dem Pavillon Er schlug sich mit den Händen • vor die Stirn und seufzte:
, „Ich werde hier wegen diesem Mädchen völlig ‘ zum Narren. Solch ein Unglück, daß mir der Professor zuvorgekommen ist und daß ich mir deshalb lauter Abweisungen mit meiner Werbung ; hole, ist ganz unerhört. Und dies muß gerade mir passiren! Was nutzt mir nun der glänzende ' Direktorposten und was hilft mir mein vieles Geld!"
Zum ersten Male in seinem Leben sah Hillessen ein, daß Geld und Ehrenstellen das Glück der : Menschen nicht allein zu begründen vermögen, sondern daß es noch ganz andere Mächte im Herzen und Gemüth giebt, welche die Erdensöhne glücklich oder unglücklich machen können. Das Schicksal hatte den verwegenen Streber und Glücksritter durch die Erfahrungen des heutigen Tages gewissermaßen vor einen Scheideweg gestellt, wo er seinen bisherigen Irrweg einsehen und den rechten Pfad wählen konnte, den schmalen Pfad der Selbstbeherrschung und der Entsagung, wenn uns Güter dieses Lebens versagt sind/ aber Hillessen konnte auch verwegen auf der Bahn des
Die Vermählung der Prinzessin V i e t o r i a Me l it a von Sachsen - Coburg und Gotha mit dem Großherzog v on Hessen findet, der „Magd. Zlg." zufolge, am 22. April in Koburg in Gegenwart des K a i s e r S statt. Die König in Victoria von England trifft am 16. April in Koburg ein.
Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte in seiner Sitzung vorn Freitag den allergrößten Theil des Justrzetats. Das Herren- h a u s genehmigte am gleichen Tage die Novelle zum Berggesetz.
Nach den der Zentralstelle der preußischen Staatsforstverwaltung bis jetzt vorliegenden Nachrichten beläuft sich die Masse des durch den kürzlich stattgehabten Sturmwind geworfenen Holzes in denStaatSforsten auf rund 700 000 fm. Diese durch Schätzung gewonnene Zahl dürfte indessen, dem „St.-A." zufolge, kaum an die Wirklichkeit heranreichen. Auch stehen aus vielen Oberförstereien die Berichte über den muthmaßlichen Umfang des entstandenen Sturmschadens noch aus.
Auch die E n g l ä n d e r haben jetzt ihre Anarchistenschmerzen. Die in Greenich stattgefundene Explosion erweist sich als ein anarchistischer Act, der bei der Explosion ums Leben Gekommene ist ein französischer Anarchist, der mit Londoner Gesinnungsgenossen enge Fühlung unterhielt. Der Getödtete heißt Bourdin. Vermuthlich wird man sich infolge des Greenicher Vorfalles nun auch in England bequemen, den Anarchisten etwas schärfer auf die Finger zu sehen.
Jn Rio de Ja n eiro grassirt das Gelbe Fieber ziemlich stark, die Seuche wird vielleicht auf die dortigen kriegerischen Operationen nicht ohne Einfluß bleiben. An Bord des amerikanischen Kreuzers „Neuwark" kam ein Todesfall an Gelbem Fieber vor, in Folge dessen der „Neuwark" nach Montevideo abgegangen ist; die anderen vor Rio de Janeiro ankernden amerikanischen Kriegsschiffe haben sich weiter in die Bai hinaus- gelegt.___________________________________________________
Aus Provinz und Nachvargebiet.
Hers seid, den 19. Februar 1894.
* (Einziehung der gestempelten Briefumschläge und Streifbänder.) Die noch in den Händen des Publikums befindlichen gestempelten Briefumschläge und gestempelten Streifbänder, welche feit dem 10. Dezember 1890 seitens der Verkehrsanstalten nicht mehr verkauft worden sind, sollen nur noch bis Ende Juni 1894 zur Frankirnng von Postsendungen zugelassen werden. Vom 1. Juli 1894 ab verlieren die bezeichneten Wertzeichen ihre Gültigkeit. Dem Publikum soll indeß gestattet sein, vom 1. Juli 1894 ab die alsdann noch nicht verwendeten derartigen Werthzeichen bis spätestens Ende Dezember 1894 nach dem Nennwerth des Stempels gegen Freimarken zu 10 oder 3 Pfennig bei gleichzeitigem Rückempfang des Betrages der Herstellungskosten von 1 Pfennig für den Brief- , Umschlag und 72 Pfennig für das Streifband umzutauschen. Ist nur ein einzelnes Streifband
Ehrgeizes und der Leidenschaften weiterschreiten und fein verlockendes Ziel mit allen Mitteln der Lilt und Verschlagenheit zu erreichen suchen.
Mit seinem klaren Geiste übersah er nicht den Wendepunkt, an dem er nun wieder in seinem Leben gekommen war, aber es fehlte ihm die sittliche Kraft der Entsagung, und da er in seinem Streben so viel Erfolg gehabt hatte, war auch die Leidenschaft in ihm so mächtig, daß er sie nicht bändigen konnte, sondern vielmehr immer und immer wieder darüber nachdachte, wie er ben heißesten Wunsch seines Herzens verwirklichen konnte.
Diese Gedanken niußte Hillessen allerdings jetzt zurückvrängen, denn eben kehrte die Familie Pohlmann mit dem Professor Galen in den Pavillon zurück und der Diener begann den Kaffee zu ferviren.
Mit nicht zu verkennender Absichtlichkeit zogen Herr und ^rau Pohlmann den Bankdirektor Hillessen in ein Gespräch über die Aufführung einer neuen Oper, und da auch der Professor Galen und der Referendar Ernst Pohlmann, fo= wie Carola sich lebhaft an dieser Unterhaltung beteiligten, so war auch Hillessen die Möglichkeit abgeschnitten, seinen leidenschaftlichen Lieblingsgedanken weiteren Ausdruck zu geben, und sehr erleichtert athmeten die Eltern der jungen Dame auf, als sich eine halbe Stunde später Hillessen verabschiedete. (Forts, f.)