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ersfelLer greisblntt.
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Ur. 81.
Dienstag den 30. Februar
1894.
Amtliches.
Angültigkeits-Erklärung.
Der auf den Namen des Jakob Plant II. aus Schenklengsfeld unterm 15. Dezember v. Js. ertheilte Wandergewerbeschein Nr. 2364 für das Jahr 1894 zum Handel mit allen gesetzlich ge- statteten Gegenständen, welcher angeblich verloren ist, wird hierdurch mit dem Bemerken ungültig erklärt, daß dem rc. Plant ein Ersatz-Wanderge- merbeschein ertheilt worden ist.
Cassel, den 6. Februar 1894.
Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten.
Hersfeld, den 16. Februar 1894.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben den Stutenbesitzern in ihren Gemeinden rc. alsbald in ortsüblicher Weise bekannt zu geben, daß die Königlichen Beschäler am 23. V. Mts. in Station Hersfeld und am 24. d. Mts. in Station Philippsthal eintreffen werden.
J. I. Nr. 780. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Das Änglück auf dein Panzerschiff „Brandenburg."
Die deutsche Marine ist abermals von einem schweren Unglück betroffen worden. An Bord eines neuen Panzerschiffes hat es in Folge einer Dampsrohr-Explosion viele Todte und Verwundete gegeben. Ueber das Unglück liegen folgende Meldungen vor:
. Kiel, 16. Februar. Auf dem neuen Panzer
^Nachdruck verboten.)
3n bett Fcsscln der Schuld.
giintuialnovelle von E. Tturm (Fortsetzung.)
Hilleffeus Antlitz sah aber bei dieser Aufforderung nicht so aus, als wolle er derselben zustimmen, sondern düster aufblickend sagte er:
„Gewähren Sie mir wenigstens die eine Bitte, Herr Pohlmann, und verschieben Sie die officielle Verlobnngsanzeige Ihrer Tochter mit dem Professor Galen."
„Was soll dies nützen?" antwortete Pohlmann mißmuthig.
„Nun ich bilde mir dann solange immer noch ein, daß ich eine schwache Hoffnung habe."
„Macht Sie kühlen Rechner denn die Liebe auch blind und närrisch?" frug jetzt Pohlmann ironisch, aber wenn er vielleicht gehofft hatte, damit eine abkühlende Wirkung bei Hillessen zu erzielen, so hatte er sich sehr getäuscht, denn dieser antwortete mit dem Tone der Ueberzeugung:
„Mir scheint es wenigstens, daß meine Liebe zu Fräulein Carola Pohlmann meinen kühlen Verstand geraubt hat, und da ich denselben alt Ihr erster Mitarbeiter im Dienste der Central - Commerzbank sehr nothwendig brauche, so wird wohl nichts weiter übrig bleiben, als daß Sie mir die Hoffnung, Ihre Tochter dennoch freien zu können, nicht ganz rauben."
schiff „Brandenburg" fand eine Dampf- rohr-Explosion heute Vormittag bei der forcirten Probefahrt statt. Bisher sind außer den Verletzten 46 Todte ermittelt. Neun Personen sind schwer verwundet. Vier Werftdampfer sind zur Hülfeleistung abgesandt.
Kiel, 16. Februar. Der Unfall auf dem Panzerschiff „Brandenburg" ist heute Vormittag bei der Probefahrt passirt. Nach amtlicher Mittheilung ist auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise das Hauptdampfrohr der Steuerbord- Maschine geplatzt. Das Unglück ereignete sich hinter dem Stoller Grund, etwa 3 Meilen von Buelk. Als die Nachricht von der Explosion hier gemeldet wurde, erhielt das Wachtschiff Dampfer „Pelikan" Befehl, zur Hülfcleistuug zur „Brandenburg" abzugehen. An Bord des „Pelikan" befand sich Se. königl. Hoheit Prinz Heinrich. Die Todten, deren Zahl 39 beträgt, sind bereits hierher geschafft. Die in der Todtenliste aufgeführten ; Handwerker sind Arbeiter der kaiserlichen Werst. Es scheint sicher, daß die Zahl der Verwundeten, von denen inzwischen zwei gestorben sind, nicht mehr als neun beträgt.
Kiel, 16. Februar. Das Unglück auf dem ! Panzerschiffe „Brandenburg" ereignete sich um > 11 Uhr Vormittags. Als die Explosion erfolgte, wurden sofort alle Mannschaften auf Deck beordert und die Pumpen klar gemacht. Zur Zeit der Explosion befanden sich 41 Personen im Maschinen- raum, unter denen viele Arbeiter waren. Von diesen hat sich nur ein einziger, der an der Treppe stand, gerettet. Die „Brandenburg" ist hier noch nicht eingetroffen; dieselbe liegt angeblich in der Strander Bucht.
* *
In Ergänzung obiger Meldungen entnehmen 'wir dem „Reichs-Anzeiger" Folgendes:
„Aber das ist ja eine ganz thörichte Hoffnung, mein lieber Hillessen!" rief Pohlmann mit wachsendem Unmuthe.
„Nun, so lassen Sie mir wenigstens diese und schieben Sie die officielle Verlobung Ihrer Tochter noch 'einige Monate hinaus," sagte Hillessen in flehendem Tone.
Und um den Quälgeist heute nur wieder los zu werden, sagte Pohlmann.
„Nun gut, Carolas Verlobung mit Professor Galen soll erst in drei Monaten officiell bekannt gemacht werden. Auf irgend welche andere Zugeständnisse lasse ich mich aber unter keinen Umständen ein. Bitte, merken Sie sich das, lieber Hillessen, denn ich habe keine Macht mehr über das Herz meiner Tochter, nachdem sie sich mit meiner Einwilligung einen Bräutigam gewählt hat. Und nun kommen Sie mit mir in den Garten, wo wir den Kaffee trinken wollen. Man wird uns schon lange vermißt haben."
Pohlmann schob jetzt seinen Arm unter denjenigen HillessenS, zog diesen aus dem Zimmer und führte ihn in den Garten.
Hillessen schien jetzt .feine trübe Stimmung überwunden zu haben, denn er zeigte wieder eine heitere Miene und sprach mit Bewunderung von den Schönheiten des Gartens, durch welchen er an Pohlmanns Seite schritt. Bald standen die beiden Herren vor dem Pavillon, in welchem jedoch nur Frau Pohlmann weilte und die An
Der durch die Tagesblätter schon zu allgemeiner Kenntniß gebrachte schreckliche Unglücksfall auf S. M. S. „Brandenburg" hat sich nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten ereignet, als das auf Probefahrt begriffene Schiff sich außerhalb des Hafens von Kiel befand. Die sämmtlichen'zwölf Kessel waren im Betrieb, die Maschinen arbeiteten mit etwa 7000 Pferdekräften, also nicht mit Forcirung, denn bei solcher werden auf diesen Schiffen mehr als 10000 Pferdekräfte entwickelt. Das Unglück entstand durch Losreißen der Befestigung des Dampfabsperroentils der Steuerbord-Maschine. Dadurch wurde dem Dampf aus sämmtlichen Keffeln der Weg in den mit Menschen ungesüßten Maschinenraum freigegeben. Er verbreitete sich in denselben sofort, alles verbrühend, was er an lebenden Wesen vorfand, drang durch die offene Verbindungsthür in den Backbord-Maschinenraum, durch die Niedergangsöffnungen in die darüber liegenden Räume für elektrische Maschinen, Destillirapparate und Vor- räthe, sein Vernichtungswerk fortsetzend. Fast sämmtliche der in diesen Räumen beschäftigten Personen müssen augenblicklichem Tode verfallen gewesen sein, denn der ausströmende Dampf hatte eine Temperatur von etwa 180 Grad und wird von dieser bei seiner Ausbreitung nicht sehr viel verloren haben, ehe er die unglücklichen Opfer erreichte. Ueber die eigentliche Ursache des Unglücks, den Grund des Reißens der er-- wähnten Befestigung ist noch nichts bekannt.
Das Reichs-Marineamt hat seinen Maschinen- konstrukteur sofort nach Kiel entsandt zur Ermittelung derselben.
Solche Unglücksfälle ereignen sich in jeder Marine, wie Derjenige weiß, welcher die Nachrichten über solche Vorkommnisse verfolgt. Seitdem mit so hohen Dampfspannungen — hier zwölf At-
kommenden einlud, Platz zu nehmen.
„Hier trinken wir doch Kaffee," bemerkte Pohlmann zu seiner Frau, und als dieselbe zustimmend nickte, sagte er, „nun so wollen mir Professor Galen, Ernst und Carola auch herbeirufen."
„Dort drüben an dem Springbrunnen stehen sie alle drei," entgegnete Frau Pohlmann.
„Bitte nehmen Sie doch im Pavillon Platz, Herr Hillessen," sagte dann die Dame des Hauses, während der Hausherr davon eilte, um seine Kinder und Professor Galen herbeizuholen.
„Hier ist es wie im Paradiese, gnädige Frau," bemerkte Hillessen, als er neben Frau Pohlmann auf deren wiederholte Aufforderung in dem reizend auf einem kleinen Hügel in dem großen Garten gelegenen Pavillon Platz nahm. „Wenn man doch auch ein so schönes Heim besitzen könnte!"
„Nun, das könnten Sie sich doch schaffen, Herr Hillessen!" entgegnete Frau Pohlmann. „Einem Mann in Ihrer Stellung und bei Ihren Talenten kann es doch wahrhaftig nicht schwer fallen, sich ein schönes Heim zu gründen "
„Ein feines Haus und einen hübschen Garten dazu könnte ich mir allerdings jeden Tag taufen, aber das ist noch lange kein glückliches Heim," sagte Hillessen, „dies kann nur eine Frau und zwar nur eine geliebte Frau schaffen, und eine solche werde ich schwerlich finden."
Erstaunt über dieses offene und schwermüthige Geständnis; blickte Frau Pohlmann auf Hillessen»