Einzelbild herunterladen
 

titf^eitit wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Abonnementtpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel.

Postausschlag.

Die Jnsertiontgebühren betragen für den Raum einer Kdaltzeile 10 Psg., im amtlichen Dheile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 15.

Dienstag den 6. Februar

1894.

Amtliches.

Politische Nachrichten.

Bekanntmachung.

Die Hauptergebnisse der Rechnung der Elementarlehrer-Witwen- und Waisenkasse des Regieru. gs- bezirks Cassel für das Etatsjahr 1892/93 betreffend.

Nachdem die vorgedachte von der Königlichen Regierungs-Hauptkasse hier aufgestellte Rech­nung revidirt, den Kassen-Curatoren nebst den Belügen vorgelegt, von denselben als richtig aner­kannt und daraufhin abgeschlossen, sowie die Entlastung ertheilt worden ist, theilen wir die Haupt­ergebnisse gemäß § 48 der Statuten den Mitgliedern dieser Witwen- und Waisenkasse in Nachstehendem mit.

Zusammen st el l ü n g der Einnahmen und Ausgaben der Elementarlehrer-Witwen- und Waisenkasse des Regierungsbezirks ^Cassel für das Etatsjahr 1892/93.

S oj

l

---

Dageg

en ist

Mithin

Nach der vorigen Rech-

Nach dem Etat

Ueber- haupt

Zugang

Ab­gang

wirk­liches

Titel

Gegenstand

Ist

Rest

nung

Soll

M.

M

M.

Ps.

M.

Pf.

M. !Ps.

M.

Ps

M.

Pb

M.

Pl.

M.sPf.

83

Einnah m e.

170

83

170

83

170

Reste aus Vorjahren . .

170

83

21048

75

21048

75

21048

75

I.

Kapitalzinsen . . . .

21048

75

12

22418

48

22430

48

591

52

23022

II.

Jahresbeitr. der Gemeinden

23022

347

36

347

36

97

50

249

86

111.

Sonstige Einnahmen .

249

86

-

28980

61

28980

61

9099

56

38080

17

IV.

Zuschuß aus der Staatskasse

38080

17

182

83

72795

20

72978

03

9691(08

97(50

82571

61

Summa der Einnahme .

82571 61

9593

58

Ausgabe.

21

81

21

81

10

54

_

32

35

I.

Verwaltungskosten . . .

32

35

72569

44

72569

44

9969

82

82539

26

11

Pensionen .....

82539

26

203

95

203

95

203

95

III.

Sonstige Ausgaben . . .

'

72795

20/72795

20

9980

36 203 95

82571

61

Summa der Ausgabe .

82571

61

1

^

Vergleicht sich mit der Ein-

9776(41

nähme.

Cassel, den 22. Januar 1894.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. v. A l t e n b o ck u m

Am Sonnabend Vormittag unternahmen Ihre M a j e st ä t e n der Kaiser und die Kaiserin eine gemeinsame Ausfahrt und ge­legentlich derselben einen Spaziergang im Thier­garten. Ins königliche Schloß zurückgekehrt, hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Generalstabs, und arbeitete sodann längere Zeit mit dem Chef des Militair- kabinets. Um 1 Uhr begaben beide Majestäten Allerhöchstsich nach der Dreisaltigkeitskirche, um daselbst der Trauung des Hofmarschalls Grafen v. Pückler mit der Gräfin v. d. Schulenburg bei- zuwohnen. Nach vollzogener Trauung fand im Elisabeth-Saal des königlichen Schlosses eine größere Frühstückstafel statt, zu welcher auch die nächsten Angehörigen des neuvermählten Paares mit einer Einladung beehrt worden waren.

DerHamb. Korresp." meldet:Es gilt jetzt als feststehend, baß der Besuch des Kaisers beim F ü r st e n B i s m a r ck um die Mitte dieser Monats erfolgen wird. Es heißt, daß er mit der Reise des Kaisers nach Kiel zur Vereidigung der Marinetruppen in Verbindung gebracht wird. Mit den Vorbereitungen zur Dekorirung des Bahnhofs ist bereits begonnen worden. Der Bahnsteig und das Bahnhofsgebäude soll mit mehreren Tausend bunten Lampions beleuchtet werden."

Der Reichstag tritt an diesen, Montag in die E i n z e l b e r a t h u n g des Rei ch sHaus- tz a l t s e t a t s ein.

Im preußischen Abgeordnetenhause beginnt am Dienstag die Generaldebatte über die wichtigste Vorlage der gegenwärtigen Session, über den die Errichtung von LandwirthschaftSkammern be­treffenden Gesetzentwurf.

Die Trauung des Groß Herzogs

(Nachdruck verboten.)

In den Fesseln der Schuld.

Criminalnovelle von C. Sturm.

(Fortsetzung.)

Dann ist es aber auch besser, wenn die Poli­zei, um allen Übeln Gerüchten vorzubeugen, selbst den Leichnam an Ort und Stelle des Unglücks aushebt," erklärte der Direktor Pohlmann. /Bleiben Sie also hier, Berner, und halten Sie bei der Leiche Wache. Ich werde sehr rasch in die Stadt zurückfahren und die nöthige Meldung machen."

Pohlmann wandte sich zum Gehen, dann aber plötzlich umkehrend, sagte er noch:

Sehen Sie doch einmal nach. Berner, ob an der Leiche vielleicht eine Blutspur oder sonstige Verletzung wahrzunehmen ist. Es wäre doch nicht unmöglich, daß ein Verbrechen begangen wurde, fe Auch wollen Sie nachforschen, ob Uhr und Geld- k börse noch bei dem Verunglückten vorhanden ist. UJch habe in der ersten Aufregung gar nicht daran gedacht, danach zu sehen."

Uhr und Börse ist hier," entgegnete Berner, die Leiche untersuchend,also scheint ein Ver­brechen ausgeschlossen zu sein. Und an bem Körper sehe ich auch keine Verwundung, nur scheint bei dem Sturze vom Pferde Herr Rustan

einen starken Stoß vor den Kopf erlitten zu haben, denn hier an der linken Seite desselben ist eine starke Abschürfung der Haut doch unter den Haaren zu erkennen."

Und am Halse ist wohl auch nichts zu sehen," bemerkte Pohlmann und untersuchte selbst Hals, Gesicht und Brust des Todten.

Auch dort war nichts bemerkbar, welches irgend einen Verdacht erweckte, und dies war dem Direktor Pohlmann sehr lieb, denn sehr fatal hätte es ihm werden müssen, wenn etwa Ver- gistungsspuren an Rustans Leiche äußerlich wären wahrzunehmen gewesen.

Unter den jetzigen Umständen, wo Rustan's Pferd durchgegangen, und dieser selbst todt im Wasser gefunden worden, konnte natürlich so leicht Niemand auf den Gedanken kommen, daß Rustan durch Selbstmord geendet hatte. Es war dies auch in der That bei der Aufhebung der Leiche des Bankdirektor Rustan durch die Polizei und einen Gerichtsarzt der Fall. Man nahm es als so durchaus selbstverständlich an, daß Rustan durch einen verhäugnißvollen Sturz von seinem scheu gewordenen Pferde um's Leben ge- kommen war, daß Niemand auch im Entferntesten daran dachte, nach einer anderen Todesursache an der Leiche zn forschen.

An dem Vormittage, an welchem Professor Galen, in der Absicht, um Carolas Hand zu werben, in die Pohlmann'sche Villa eingetreten war, stieg für sämmtliche Bewohner derselben, mit Ausnahme des abwesenden Hausherrn, die Sonne des Glückes glänzend auf. Mit dem ihm eigenen und doch so sehr zum Herzen dringenden milden Lächeln empfing der Referendar Ernst Pohlmann bereits an der Thüre des Hauses den verehrten und geliebten Freund und geleitete den­selben in den großen Eßsalon, wo der Professor von Frau Pohlmann und Carola in der liebens­würdigsten Weise empfangen wurde.

Schön wie eine Mairose und doch so bescheiden und keusch wie ein stilles Veilchen stand Carola vor dem stattlichen Freier, der seine dunkeln Augen tief in die blauen Augensterne dei jungen Mädchens senkte, als wollte er sich nochmals seines LiebeSglückeS versichern. Ja, das hold­selige Lächeln und das Senken der Augen Caro­las, nach einem kurzen höchste Freude verrathen­dem Aufblick derselben, überzeugte den Professor Galen auf's Neue, daß er geliebt wurde, innig geliebt von Carola Pohlmann, und sein eigenes Herz verkündete ihm jubelnd, daß er die Rechte gefunden hatte.

Mein Mann läßt sich besten« entschuldigen, daß er zu seinem großen Bedauern verhindert ist,