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Mr. 9. Dienstag den 23. Januar

1894.

Amtliches.

Hersfeld, den 8. Januar 1894.

Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Juli 1894 gekündigten Schuldverschreibungen der Staatsanleihe nun 1868 A rc. liegt im Geschäfts­lokale des Unterzeichneten sowie in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises zur Einsicht der Interessenten auf.

Zugleich wird aus die diese Nummerliste be­treffende Bekanntmachung der Königlichen Haupt­verwaltung der Staatsschulden vom 5. Dezember 1893, abgedruckt im NegierungsAmtsblatte für 1893 Seite 329 und besonders auf die darin enthaltene Aufforderung, betreffend die Einlösung der von den früher gekündigten Schuldverschrei­bungen der Staatsanleihen von 1868 A, 1850, 1852, 1853 und 1862 noch rückständigen Stücke, ferner auf die Aufforderung zum Umtausch der noch rückständigen. Schuldverschreibungen der kon- solidirten 4'/ , procentigen Staatsanleihe in 4 procentige Confols aufmerksam gemacht.

J. I. Nr. 124. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Zugelaufen: ein weißer Spitzhnnd. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Sorgn.

Polilischc Rnchrichlcn.

Am Sonnabend Vormittag unternahm S e. Majestät der Kaiser zunächst eine Aus­fahrt nach dem Thiergarten und die gewohnte Promenade daselbst. Auf- der Rückfahrt besuchte AUerhöchstderselbe den Staatssekretair des Aus­wärtigen, Frhrn. Marschall v. Biederstem, in

(Nachdruck »erboten.)

Gsttes Finger.

Erzählung von C. von Fallender«.

(Fortsetzung.)

So verging der Winter. Die Liebenden sprachen sich oft im Vorstübchen bei Mutter Gertrud, und als nun der Frühling in Sicht war, konnte man sich auch hier und dort treffen. Allerdings hatte es Erdmann sehr verstimmt, daß Juttas Vater seinen Besuch ebenfalls nicht angenommen und jeden Annäherungsversuch vereitelte.

Desto öfter trafen sich die Liebenden an der Eiche und manches Brieflein ging durch diesen seltsamen Postkasten von hüben nach drüben, von drüben nach Hüben.

Aber der Verräther schläft nicht unb das Auge der Eifersucht blickt scharf!

Der neue Rentmeister Asmus Hahnel, ein noch junger aber total verlebter Mann, der sich nicht im entferntesten mit Erdmann messen konnte, hatte es verstanden, sich Bult's Gunst zu ge­winnen.

So kam ein Ränkeschmied in das Vult'sche Haus und rasch war der Rentmeister Bult's er­wählter Günstling, der bald eine Partie Trick­track, bald Schafskopf mit ihm spielte. Der Rentmeister verstand es meisterhaft, das heiße Eisen zu schmieden. Er benutzte eine gute Stunde und fing bei dem alten Herrn an, behüt

dessen Wohnung und nahm daselbst den Vortrag des Staatssekretairs entgegen. In das Schloß zurückgekehrt, empfing Se. Majestät von 10 Uhr ab den Chef des Generalstabes zum Vortrage und arbeitete sodann mit dem Chef des Militair- kabinets. Um 1 Uhr nahm Se. Majestät eine Reihe militairischer Meldungen entgegen. Nach­mittags um 2 Uhr unternahm Se. Majestät der Kaiser einen Spazierritt durch den Thiergarten, kehrte von demselben nach 4 Uhr ins königliche Schloß zurück und erledigte von da ab RegierungS- geschäfte. Um 53h Uhr empfing Se. Majestät die kaiserlich türkische Ordensmission. Um 6 Uhr fand in der Bildergalerie und im Marinesaale des königlichen Schlosses Gala-Tafel statt, bei welcher das MusikkorpS des Garde - Füsilier- Regiments die Tafelmusik ausführte. Um 8 Uhr besuchte sodann das Kaiserpaar mit seinen fürst­lichen Gästen das Theatre pare im Königlichen Opernhause, woselbst dieselben bis nach 11 Uhr verweilten.

Im Abgeordnetenhause ist der Entwurf eines Gesetzes über dieLa u d wi r t h s ch aft s k a m m ern nebst der dazu gehörigen Begründung zur Ver- thehkAng gelangt. Auch ist Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend das R u h e g e h a l l der Lehrer undLehrerinnen an den öffent­lichen nichtstaatlichen m i t t l e r e n Schule n und die Fürsorge für ihre Hinterbliebenen, dem Abgeordnetenhause bereits zugegangen.

DieHanib. Nachr." melden: Der Gesundheits­zustand des F ü r st e u Bis m a r es hat sich in den letzten Tagen, nach Ueberwindung der In­fluenza, wieder gehoben, auch die Schlaflosigkeit der Nächte hat abgenommen. Die rheumatischen Gesichtsschmerzen verursachen dem Fürsten noch Beschwerden, aber das Allgemeinbefinden weist unverkennbare Besserung auf.

fam zu sondiren, und fand ihn auch nicht abge­neigt, in eine Heirath mit Jutta zu willigen

Heiratheu muß das Mädel ja doch einmal!" meinte der Vater lächelnd.

Allerdings, und ich meröe sie auf den Händen tragen!" versicherte der Rentmeister.

So machen Sie sich das Mädel geneigt!" lachte BultEin gewandter Mann versteht das!" ; Von diesem Tage an erwies Hähnel Jutta i alle möglichen Aufmerksamkeiten, aber das junge Mädchen blieb kalt wie Eis Nun schöpfte der i Arge Verdacht und schlich ihr auf Schritt und Tritt nach, wobei es ihm gelang, nicht nur ihre Rendezvous mit Erdmann an der Wodanseiche und bei Mutter Gertrud im Stäbchen zu ent­decken, sondern auch den Platz auszuspären, wo sie ihre Briefe an Erdmann verbarg Ein solches Briefchen zeigte er dann Jan Bult eines Tages vor. Dieser gerieth in eine gewaltige Aufregung, als der Arglistige ihm das alles zeigte und heuchlerisch hinzusetzte:

So hoch ich die Ehre schätze, lieber Freund, die Sie mir mit einer Verbindung zwischen Jutta und mir erweisen, so leiste ich doch gern Verzicht, wenn Sie anderweitig gebunden sind!"

O nein," schrie da Bult zornig,so ist es nicht! Aber den Schleicher, den Erdmann, den soll der Teufel holen! Nein, ich halte mein Wort und wenn ich Jutta an den Haaren zum Altar ziehen soll!"

Die Kommission des Reichstags zur Vorberathung der Novelle zuni Vieh- seuch engesetz hat in ihrer Sitzung am Donnerstag, in welcher die erste Lesung der Vorlage beendigt wurde, den § 7 in folgender Fassung angenommen:Für die aus polizeiliche Anordnung getödteten oder nach dieser Anordnung gefallenen, sowie für diejenigen Thiere, mUche nach Vornahme der gemäß § 44a und 45 polizei­lich angeordneten Impfung an der Seuche oder an einer erweisbar auf die Impfung zurückzu- führenden anderen Krankheit eingehen, muß vor­behaltlich der in diesem Gesetz bezeichneten Aus­nahmen eine Entschädigung gemährt werden." Absatz 1 § 59 erhielt folgende Fassung: Als Entschädigung soll der gemeine Werth des Thieres gewährt werden, ohne Rücksicht auf den Minver- werth, welchen das Thier dadurch erlitten hat, daß es von der Seuche ergriffen oder der Impfung unterworfen worden ist. Bei den mit der Rotz­krankheit behafteten Thieren hat jedoch die Ent­schädigung 3/+, bei dem mit der Lungenseuche behafteten Rindvieh, sowie bei den nach Vornahme der polizeilich ungeordneten Impfung einge- gangenen Thieren */, des so berechneten Werthes zu betragen.

Der dem Abgeordnetenhause vorgelegte Ent­wurf eines Gesetzes über die Land­wirt H f ch u f t s k u in m e r n lautet in seinen wichtigsten Bestimmungen: § 1. Zum Zwecke der corporativen Organisation des landwirth- schaftlichen Berufsstandes werden Landwirth: schaftskammern errichtet, welche der Regel nach das Gebiet einer Provinz umfassen. Jni Be- dürfnißfulle können für eine Provinz mehrere Landwirthschaftskummern gebildet werden. § 2. Die Lundwirthschaftskammern haben die Be- stimmung, die Gesammtinteressen der Land- und

Nun, nun," begütigte ihn der Rentmeister, ,das verhüte der Himmel! Ich denke, es läßt sich noch alles im Frieden schlichten! Binnen kurzem bin ich Neutamtmann und dieser Titel, dieses Ansehen, wird Fräulein Jutta wohl mit ihrem Schicksal versöhnen!"

Dabei versprach er dem zornigen Mann, ihn zu begleiten, wenn er Jutta und Erdmann, die sich an der Eiche träfen, überraschen würde.

Es war ein wundervoller April-Abend, als Jutta mit Erdmann unter der Eiche zusammentraf.

Weißt Du, Jutta," sagte Erdmann, nachdem sie auf dem Steine Platz genommen,daß ich große Hoffnungen auf die Kunst-Ausstellung in der Hauptstadt setze? Ich habe zwei Kamin- Friese in schwarzem Marmor und eine Statuette der Pomong in carrarischem Marmor ausgestellt; werden meine Werke preisgekrönt so versuche ich es noch einmal, trete vor Deinen Vater hin und halte um Dich au!"

Da brauchen Sie sich keine Mühe zu geben," klang hier die Stimme Butts verbissen hinter der Eiche heraus,Sie sind ein Nedde und be­kommen Juttas Hand nie, hören Sie, nie! So wahr Gott der Allmächtige lebt, ich halte Wort, es sei denn, daß diese Eiche nicht mehr stünde und vom Wind fortgeweht wäre!"

Dabei riß er Jutta rauh empor und schrie: Komm heim, Mädchen! Du bist hier am fal­schen Orte!"