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Kttsfeliikr Kreistilltt.

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Dr. 6.

Dienstag den 16. Januar

1894.

f Arbeitslose.

Seitdem der Winter sein gestrenges Regiment ausübt und namentlich auf den Bauplätzen die Arbeit ruht, beginnt in den Blättern der Sozial- demokratie wiederum die Agitation für dieAr­beitslosen" ; Versammlungen werden abgehalten, Erhebungen" vorgenommen, durch die allerorten dargethan werden soll, daß ein Nothstand bestehe.

Sieht man sich die Arbeitslosen näher an, die sich zu solchen Kundgebungen zusammenfinden, so kann man sie in zwei Klassen scheiden. Die eine wird von den sogenannten Saisonarbeitern, also zumeist Bauarbeitern, gebildet, deren Löhne, "eben wegen der kürzeren Zeit, in der sie beschäftigt werden können, so hoch gestellt sind, daß der Alaun, der durch diese besondere Thätigkeit von vornherein aufs Znrücklegen für den Winter an­gewiesen ist, auch thatsächlich sparen kann. Ja, der solide Bauarbeiter so ist es in vielen Gegenden die Regel der vom Frühjahr bis in den Herbst in der Stadt gearbeitet hat, geht zum Winter auf das Land, in die Zuckerfabrik oder auf die Dreschtenne, um dort ein einträg­liches Winterbrot zu finden. Wem nun das Sparen nicht glückte, wer Winterarbeit nicht fand oder sie verschmäht alle diese stellen nunmehr die eine Kompagnie der Arbeitslosen. Die andere aber, die sich Winters namentlich in den Groß­städten zusammenfindet, wird von den sogenannten Stromern gebildet, deren fröhlicher Sommerberuf dieWalze" ist, die auch Sommers keine Arbeit kennen, als sich, unbekümmert um das Nachtlager und um den morgenden Tag, von Thür zu Thür zu fechten, von der Gntmüthigkeit und dem Mit­leid der seßhaften Leute, und darunter zumeist derkleinen Lente", zu ernähren. Bläst der Boreas mit geschwellten Backen über Weg und Steg, zu einem Loche der dürftigen Bekleidung

(Nachdruck verboten.)

Gottes Finger.

Erzählung von C. von Falkenberg. (Fortsetzung.)

Der Pfarrer schüttelte den Kopf, wandle sich nun aber an Frau Nedde. Doch diese meinte kühl bis ans Herz hinan, was sie denn bei dem Streite thun könne, wenn sie den Hausfrieden aufrecht erhalten wolle? Darauf verschwand sie ebenfalls und der Herr Pfarrer mußte sich zum Rückzüge entschließen, den er anch mit schwerem Herzen antrat.

Der arme Erdmann, welcher Alles mit an ge­hört, hätte weinen mögen; als er sich aber be­sonnen, flüsterte er:

Und ich versöhne sie doch wieder!" Nachbar Bukt nahm sich jetzt eine Verwandte ins Haus, Jutta aber ließ er zn Ostern konfirmiren und schickte sie dann bei Nacht und Nebel auf ein Gut, wo sie die Wirthschaft erlernen sollte und damit sie dem Rangen, dem Erdman», aus den Augen komme " Das wäre nun wohl gar nicht nöthig gewesen, denn Nedde, dessen Erdmann schon ein Jahr früher die Schule verlassen hatte und diese Zeit über nur noch Privatunterricht zur Vervollkommnung seines Wissens genommen, wobei er ein bedeutendes Zeichentalent verrathen hatte, wurde zu einem geschickten Bildhauer,

herein und zum andern hinaus, so streben die fahrenden Gesellen den Städten zu, wo sie schützende Mauern, vielleicht sogar Wärmehallen und andere Wohlthätigkeitsanstalten finden. Und in den Versammlungen derArbeitslosen" führen als­dann die Stromer, die bei den Wanderungen durch vieler Herren Länder das Mundwerk haben wohl gebrauchen lernen, das große Wort.

Wie stellt sichs aber, wenn die Gemeinde sol­chenArbeitslosen" Arbeitsgelegenheit, soge­nannte Nothstandsarbeit, schafft? Da ist ein Beispiel lehrreich, das in jüngster Zeit zu Mann­heim passirt ist. Der Stadtrath wollte sie mit Steinklopfen beschäftigen, und die Arbeitslosen übernahmen das auch, und zwar im sogenannten Kollektivakkord. Der Stadtrath zahlte für einen Haufen Steine so und soviel; die Arbeiter aber theilten den Verdienst gleichmäßig unter sich, gleichviel ob einer kräftig oder schwach, ob einer geschickt oder ungeübt, fleißig oder träge war. Das war also recht sozialistisch und brüderlich gehandelt; aber es dauerte nur eine kurze Weile. Die guten und fleißigen Arbeiter schieden sich bald ab, da sie es über wurden, für die Andern mitzuschaffen, die nichts thun mochten und auch nichts weiter wollten, als sich mitdurch- schleifen lassen. Man ist jetzt dabei, kleine Arbeitergruppen zu beschäftigen, die sich nach freier Wahl zusammenstellen und für sich abge­lohnt werden.

Man sieht aus diesen: Beispiel, daß es den Gemeinden nicht leicht gemacht wird, den Arbeits­losen zu helfen, von denen doch nur solche Hülfe verdienen, die wirklich arbeiten wollen.

Politsschc Nachrichten.

Berlin, 13. Januar.

Am Freitag früh, kurz nach 7 Uhr, begaben

Luigi Luchesini, nach der Hauptstadt in die Lehre gegeben.

Erdmann nahm von Ebert Wollin herzlichen Abschied. Als die Beiden allein waren, flüsterte der erstere:

Ebert, willst Du mir einen Gefallen thun?" Gern!"

So forsche einmal nach, wo sich die arme Jutta aushält!"

Hoho, Erdmann! Also doch?"

Ei," entgegnete der Jüngling nun,sei doch stille!"

Der andere lachte und sagte:

Gut, ich thu's! Lebe wohl!"

Und wieder griff übers Jahr Gottes warnende Hand zwischen die Streitenden. Gehrhard Nedde wurde plötzlich schwer krank. Es ging aus fein Letztes. Zwei Wünsche hatte er nur noch:er wollte Erdmann sehen und sich mit Jan, dem alten Freunde, versöhnen."

Erdmann war bald zur Stelle, aber Pfarrer Gesenius fand bei Jan van der Butt jetzt auch verschlossene Thüren. Er erklärte jetzt gerade heraus, er wolle nicht, wolle dem Manne nicht vergeben, der ihm die Gattin zu Tode geärgert; unser Herrgott mache jetzt nur jene böse That an dem Schändlichen voll.

Schämen Sie sich solcher gottlosen Rede," er­widerte da aber der alte Pfarrer.Unser Herr­

Ihre Kaiserlichen und Königlichen Majestäten Allerhöchstsich nach dem Anhalter Bahnhöfe, um Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich bei Aller- höchstderen Ankunft zu begrüßen und nach ihrem Palais zu geleiten, von wo beide Majestäten nach kurzem Aufenthalte daselbst ins königliche Schloß zurückkehrten. Um 10 Uhr Vormittags fuhr Se. Majestät der Kaiser zur Hofjagd nach dem Grune- wald, woselbst ein eingestelltes Jagen auf Dam­wild stattfand. Nach Beendigung der Hofjagd , kehrte Se. Majestät gegen 21/.2 Uhr in Begleitung des Erbgroßherzogs von Sachsen nach Berlin ' zurück und arbeitete während der Nachmittagsstunden im Arbeitszimmer des königlichen Schlaffes allein. ; Heute Vormittag unternahm Se. Majestät der : Kaiser zunächst eine längere Promenade durch . den Thiergarten, hörte, in das königliche Schloß zurückgekehrt, den Vortrag des Chefs des General- stabes, und arbeitete sodann mit dem Chef des Militairkabinets. Von l Uhr ab nahm Se. Majestät eine Reihe militairischer Meldungen ent­gegen.

Die Präsidentenwahl im Abge - o r d n e t e n h a u s e ist für Donnerstag den 18. d. M., früh 10 Uhr, in Aussicht genommen. Unmittelbar daran dürfte sich, nach denB. P. N", die Vorlegung des Staatshaushaltsetats durch den Herrn Finanzminister schließen. Nach- ; dem dann der Etat vertheilt worden, dürften einige Tage Pause zur Vorbereitung der General- ! debatte über den Etat gelassen werden. Man hoffe Dienstag den 23. Januar in diese eintreten i und sie jedenfalls vor der Unterbrechung der Sitzungen durch Kaisers Geburtstag zum Ab­schluß bringen zu können.

In der Sitzung des R e i ch s t a g e s am Sonn­abend wurde das H a n d e l s p r o v i s o r i u m zwischen dem Reich und Spanien in dritter

gott ist kein Gott der Rache, sondern ein Gott der Liebe, und an Ihrem Liebsten wird er Sie einst strafen, weil Sie den Freund haben sterben lassen unversöhnt in seiner letzten Noth!"

Diese Worte erschütterten wohl den starken Mann, aber trotzig im innersten Herzen drehte er sich herum und sagte:

Nein, Herr Pastor, ich kann's nicht!"

Es war übrigens auch schon zu spät und das Weinen im Nachbarhause verkündigte, daß der Schnitter Tod die längst welke Blume gemäht hatte.

Erdmann erhielt in dem Rektor Wollin einen guten Vormund, der ihn sogleich wieder nach der Hauptstadt schickte, seine Lehrzeit zu vollenden, denn die Frau Gertrud stellte sich wie eine Un­sinnige an, und die Feindschaft zwischen den Nachbarhäusern steigerte sich nun noch mehr.

Erdmann hatte während der Trauerfeierlichkeiten kaum an Jutta gedacht, erst bei der Abreise' ge­stand ihm Ebert, daß er ihren Aufenthalt nicht habe auskundschasten können, da der Alte das Geheimniß, wie einst die Drachen verborgene Schätze, hüte.

Darüber vergingen fast drei Jahre und Erd­mann beendigte seine Lehrzeit zur vollsten Zu­friedenheit seines Meisters, der ihm zuredete, nach Italien, dem Vaterlande der Kunst, zu gehen, um sich dort vollends zum Künstler antzubilden; er wolle ihm eine Empfehlung an Meister Giuseppe