#ri$fint wöchentlich drei Mal Diknftaq, D»n»erst«A und Sonnabend.
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Die Znsertionlqebühren betraqen für den Raum einer Sdaltjeile 10 Pig., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg.
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Hersstliitl Kreisbliitt
Mit wöchentlicher Gratis'Beilage „Mustrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 2. Sonnabend den 6. Januar
1894.
Bestellungen auf das MMer MÄ mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „JUuftrirtes Sonntagsblatt" für das 1. Quartal 1894 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Berlin, den 2. November 1893.
Bekanntmachung wegen Ausreichung der Zipsscheine Reihe II zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konso- lidirten 4°/otigen Staatsanleihe von 1884.
Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsolidirten 4prozentigen Staatsanleihe von 1884 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1894 bis 31. Dezember 1903 nebst den Anweisungen zur Abhebung der solgenden Reihe werden vom l. Dezember 1893 ab von der Controlle der Staatspapiere Hierselbst, Oranienstraße 92/94 unten links, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jeden Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine können bei der Controlle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungs- Hauptkassen, sowie in Frankfurt a/M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfangnahme bei der Controlle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine nummerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist eS doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher dar eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
In Schriftwechsel kann die Kontrolle der S t a a t S p a p i e r e sich mit d e n Inhabern der Zin » scheinan - Weisungen nicht c i n l a s s e n.
Wer die Zinsscheine durch eine der oben genannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Anweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkafsen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Controlle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkasien mittels besonderer Eingabe einzureichen.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez. von Hosfmann.
I. 2338. * * *
Cassel, den 10, November 1893.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen Regierungs - Hauptkasse und den Steuerkasien unseres Bezirks verabreicht werden.
Königliche Regierung. (Unterschrift).
Hersfeld, den 5. Januar 1894.
Diejenigen Herren Orlsoorstäude, welche mit der Erledigung meiner nachstehenden Verfügungen noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. b. Mts. bei Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert:
1. Verfügung vom 18. Dezember 1878 Nr. 2674, im Kreisölatt Nr. 102, betreffend die Unterbringung verwahrloster Kinder;
2. Verfügung vom 1. März 1881 Nr. 2605, im Kreisblatt Nr. 19, betreffend die in fremder Pflege befindlichen Kinder unter 6 Jahren;
3. Verfügung vom 27. März 1887 Nr. 3412, im Kreisblatt Nr. 39, betreffend Bißverletzungen an Menschen durch tollwuthkranke Thiere.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Der unterm 21. vorigen Monats gegen die Zuchthausgefangenen Heinrich Quasten und Johann Thöne erlassene Steckbrief ist erledigt, nachdem nunmehr auch Thöne, und zwar in Bremerhaven ergriffen worden ist.
Ziegenhain, Regbz. Cassel, den 29. Dezbr. 1893.
Königliche Strafanstalt.
Nichtamtliches.
•$• Iuv inneren Lage.
Der erregte Ton der Debatten, mit denen der Reichstag den ersten Theil der laufenden Session abschloß, hat während der Ferien in einzelnen mit der Annahme des rumänischen und des spanischen Handelsvertrags nicht einverstandenen Organen noch nachgeklungen. Von einer Seite wird behauptet, daß der Reichskanzler das Tafel- luch mit der conservativen Partei zerschnitten und eine unüberbrückbare Kluft zwischen sich und ihr geschaffen habe. Indessen. hatte sich der Reichskanzler, der sich selber einen alten conservativen Mann nannte, während der ganzen letzten Debatten an keiner Stelle gegen die conservative Partei im Ganzen gekehrt, sondern gegen einen Theil derselben die Mahnung wiederholt, nicht in einseitiger Uebertreibung wirthschaftlicher Interessen und übereifrigen Agitationen das conservative Grundprincip preiszugeben, das die Autori
tät über die Majorität setzt. Leider sind jedoch Kundgebungen nicht vereinzelt geblieben, in denen nicht nur der gegenwärtigen Regierung unbedingte Opposition angesagt, sondern selbst der Autorität der Krone zu nahe getreten wurde. So hat kürzlich wieder ein bayrischer Agrarier erklärt, „der derzeitigen Reichsregierung sei Alles zuzu- trauen, denn ihr sei nicht mehr das Wohl des Vaterlandes oberste Richtschnur, sondern der höhere Wille"! Abgesehen von der Tendenz, die leitenden Staatsmänner im Reiche als unselbstständige Figuren hinzustellen, hat doch auch bisher in Preußen und im Reiche der höhere Wille immer nur das Wohl des Vaterlandes zur Richtschnur genommen.
Eine andere Warnung ging dahin, die Interessengemeinschaft zwischen Laudwirthschast und Industrie nicht zu lockern. Auch sie wird noch nicht allseitig beherzigt, und neuerdings kann man sogar offen die Parole vernehmen: geWi.die Industrie; wenn schon die Zollpolitik die Zustände der Laudwirthschast nicht verbessern kann, soll auch die Industrie keine Vortheile von ihr haben. Das märe ein gefährliches Beginnen. Die Interessen der Landwirthschaft werden dadurch zu ihrem eigenen Nachiheil isolirt und nicht nur das; werden solche Gegensätze wachgerusen, so bleiben die Dinge schwerlich dabei stehen, und bloße Jnteressen- unlerschiede, wie in der Landwirthschaft selbst je nach Besitzgröße, Betriebsformen, gewerblichen Zuständen 2C., können sich dann höchst unerwünscht zu mehr oder weniger scharfen Gegensätzen auswachsen.
Die wirthschastlichen Fragen, die in der Handelspolitik zur Entscheidung stehen, sind vor Allem Fragen der Zweckmäßigkeit und berühren kein rein politisches Prinzip weder das conservative, noch das liberale. Um so leichter sollte es sein, sich gewissenhaft rein sachlicher Behandlung zu befleißigen, statt sich in Stimmungen von parteipolitischer oder persönlicher Feindseligkeit hineinzureden und zu schreiben oder sich gegen sachliche Gründe auf ein imperatives Mandat der Wähler zu berufen. Man hat zwar gesagt, ebenso wie sich Kandidaten bei den letzten Reichstagsmahlen auf die Militärvorlage verpflichtet hätten, müßten auch die auf das Programm des Bundes der Landwirthe Gewählten gegen neue Handelsverträge stimmen. Allein der Vergleich paßt nicht, weil die Militärvorlage Monate lang in breitester Oeffentlichkeit erörtert worden war, mährend damals Niemand den Inhalt neuer Handelsverträge kannte und heute noch nicht zu übersehen ist, mas Alles in einem etwaigen Vertrage mit Rußland stehen werde. Jene Berufung verstößt also gegen die Vorschrift der Verfassung, daß der Abgeordnete das ganze Volk vertreten und die Dinge frei und unabhängig beurtheilen soll.
Sollte ein Vertrag mit Rußland zu Stande kommen, so wird er doch wahrscheinlich nicht vor Februar dem Reichstage zugehen können. Bis dahin wird sich der Reichstag den wichtigen Finanzfragen zu widmen haben und der Landtag seine Thätigkeit begonnen haben. Wir können nichts Besseres wünschen, als daß allenthalben eine besonnene sachliche Behandlung über einseitige verbitterte Tendenzen den Sieg davon trage.