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Kilder-Saal
ffetnrid? Eduard pape (S. 83). Die Titelseite unsrer heutigen Nummer ziert das Bild eines der verdienstvollsten Männer despreußischen StaatS. Der Präsident der Civil-Gesetz-Kommission, Wirk
licher Geheimer Rat Dr. jur. Papc,
wurde am 10. September 1816 zu Brilon in Westfalen geboren. Ein Leben voll rastloser Thätigkeit, dem Staat gewidmet, lag hinter dem hochgeschätzten Beamten, als es demselben am 11. Januar 1887 vergönnt war, sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum feiern zu können. Bereits 1873 wurde H. E. Pape mit dem Ehrentitel Ex- eellenz zum Wirkl. Geh. Rat ernannt. Was derselbe vollbrachte, ist eng mit der Geschichte unsers Vaterlandes verwebt. Mit ihm sind die Lösungen größer nationaler Aufgaben ihrem Abschluß zugeführt und andre von ihm erkannt und bezeichnet, deren Vollendung für die Zukunft segensreich zu werden verspricht.
Sammel-Körner.
Eine Erinnerung an die Feldpost. Im Verlage von Gebrüder Hae- ring in Braunschweig ist unter dem Titel „Erinnerungen aus dem deutschfranzösischen Kriege. Für die Jugend und das Volk erzählt von Ernst Stier" ein sehr lesenswertes Büchlein erschienen, in welchem der Verfasser, ein Lehrer, seine eigenen Er- lebnifse in dem großen Kriege, welchen er als Soldat mitgemacht, in anregenden Schilderungen der Oeffent- lichkcit übergeben hat. An einer Stelle, wo der Verfasser die Vorgänge vor der Schlacht von St. Privat darstellt, ist folgende interessante Begebenheit, eine Erinnerung an dieFeldpost, erwähnt. „DieSonne
ging — ein böses Vorzeichen — blutigrot auf. Werden wir auch iwch deinen Untergang erleben, oder leuchtest du uns heute zum frühen Tod? Die 20. Division nahm Aufstellung zwischen Trouville und Mars la Tour. Der Kommandeur, Generalleutnant v. Kraatz-Koschlau, besichtigte die einzelnen Bataillone und hielt dann eine begeisterte Ansprache, des Inhalts, daß eine gewaltige, vielleicht die Entscheidungsfchlacht des ganzen Krieges bevorstehe, daß er auf die Tapferkeit der Truppen rechne, der Sieg könne und würde dann nicht fehlen. Da uns aber sehr große Verluste erwarteten, hatte er der Feldpost befohlen, Korrespondenzkarten zu verteilen, damit jeder noch einmal in
die Heimat schreiben könne. Nun kamen die Postillone zwischen die Reihen geritten und hatten vor und hinter sich große Hafersäcke voll Karten. Wie Fortuna ihre Gäben aus dem Füllhorn, schüttere unser Postknecht seine fliegenden Blätter in die Lüfte. Das gab ein Drängen und Rennen! Herr Postrat, mir auch ein Stück!" rief’S von wen Seiten. Nicht nur eins, zwei, drei, vier, denn jeder hatte doch Eltern und Geschwister, Freunde und Freundinnen, Verwandte und Bekannte, denen er noch so gern einige Worte schreiben wollte. Wie die arme Frau den Arzt, als er ihr alle zwei Stunden einen Theelöffel voll
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verschrieben hatte, auch um eine Uhr uno einen Löffel bat, so wollten jetzt die meisten von der Post auch Tinte und Feder, oder wenigstens einen Bleistift geliehen haben, da man mit dem Finger oder einem fpitzen Holz nicht schreiben könnte. Wer seine Karten beendet hatte, borgte dann die Bleifeder dem Nachbar, der keine besaß, oder schrieb für einen Kameraden, welcher nicht gut yut dem Papier, aber desto besser mit Spaten und Kochtopf umzugehen wußte. Aus diese Weise wurden schließlich alle be
friedigt. Unser Postillon kam wieder geritten, hielt den Sack auf, und jeder warf hinein, was er in der Eile geschriftstellert hatte. Wenn der Sack so schwer wurde, daß der Postillion ihn nicht mehr halten konnte, ließ er ihn auf die Erde fallen und nahm einen neuen leeren. Dann wurden alle Säcke zugebnnden und zu einem Haufen zusammenge- trägcn."
Sicherer Beweis. A.: „Ich höre, Ihr Neffe ivill Arzt werden; macht er gute Fortschritte?" B.: „O ja, mich zur Ader lassen, das versteht er schon vorzüglich.
Erinker-D enklehre. „Soll ich jetzt noch einen Schoppen genehmigen? Mein Magen sagt: ja, mein Verstand sagt: nein. Mein Verstand ist klüger als der Magen und der klügere giebt nach — Kellner, noch einen Topf!"
Rebus.
(Auflösung folgt in nächster Nummer.)
Erklärung des Vexierbildes in voriger Nummer:
Die alte grämliche Pensionsmutter scheint ihren Zög- lingen kein allzu musterhaftes Beispiel darzubieten, läuft sie doch, wo schon der Unterricht begonnen, noch in der Nachtmütze umher. Man erblickt sie, sobald man das Bild mit einer Wendung »ach links stellt. Die Schulter der Lehrerin bildet ihre Nase, der Hut der größeren Schülerin ihre Brille, die Gardine ihre Nachtmütze.
Auflösungen aus voriger Nummer: derzveisilb.Scharade: dankbar: des Zahlen-Buchstaben-Rätselk: Gubrun, Ölmalerei, Tulpe. Hertha, Efau, Sherit, Idiot, rodest», Hinbu, Inner, Gorl, Epos — Göthes Iphl- genie auf Tauris — des Scherz-Krebswort-Rätscls: Gesang; des Wortspiel-Rätsels: Kunde.
Das letzte Mittel. Ein alter VolkSschullehrer zu Osnabrück, jetzt längst verstorben, hatte einst in seiner Schule einen bösen Buben, an welchem alle Besserungsmittel: Bitten, Ermahnungen, Drohungen, Nachsitzen, Hungern, Schläge n. dgl., so viele auch an ihm versucht waren, durchaus erfolglos blieben. Einst hatte derselbe inieder sehr gesündigt, und die ganze Schule harrte der neuen Strafe, welche der Lehrer über ihn verfügen werde.
Da sprach der alte Mann; „Kinder, wW für Mittel ich schon angewendet habe, um diesen Sünder auf einen bessern Weg zu bringen, mißt Ihr, und
Ihr seht es täglich, daß alle meine
Sorge um ihn vergeblich gewesen ist. Jetzt bleibt mir nur noch ein einziges Mittel übrig, schlägt auch das nicht an, ist der Unglückliche für Zeit und Ewigkeit verloren. Wohlan, Kinder, kniet mit mir nieder vor Gott, es bleibt uns nichts mehr übrig, als für Euern armen Mitschüler ju beten." Das thaten alle Kinder, der böse Knabe stutzte, wurde gerührt von dem lauten Gebet, das der Lehrer sprach und besserte sich bon der Stunde au. — (Solche Mittel darf man aber nicht zu oft anwenden, sonst gehen Eindruck, Wirkung und Erfolg verloren.)
Das? paganini, der unsterbliche Violinist, ein ebenso guter Wirt wie ausgezeichneter Künstler war, erweist sich daraus, daß er seinem Sohne Achill ein Vermögen von zwei Millionen Franken hinterließ. Aber auch dieser glückliche Erbe bewies schon als Knabe, daß nichts weniger als die Eigenschaft eines Verschwenders in ihm steckte. Als sich nämlich der kleine Achill einst bei bem Sänger Lablache befand, welcher sich mit zwei Herren unterhielt, erregte die Wahrnehmung, daß in dem kleinen Salon des Sängers vier Kerzen brannten, seine Empörung. Er schlich sich an den ihn: zunächst stehenden Leuchter und verlöschte das Licht, während die Herren sich eifrig unterhielten. Wohl hatte Lablache dies bemerkt, bedeutete indes seine Kollegen, den Knaben gewähren zu lassen. Dieser löschte schnell auch das zweite und bald darauf das dritte Licht. Eben war er dabei, auch das vierte Licht auszulöschen, als Lablache in freundlichem Tone zu ihm sagte: „Aber Kind, wenn Du das Licht auch ausbläst, können wir ja nicht mehr sehen!" Unser Achill jedoch ließ sich dadurch in feinem Vorhaben nicht abhalten, son- 1 dern fragte trotzig: „Braucht man denn zum plaudern zu sehen?" und schnitt ohne Umstände auch dem vierten Licht den Lebensfaden ab.
Geographische Rätsel von J. H.
Wortspiel-Rätsel.
Wir thun es, wenn wir Eile haben, Und,,schneller kommen wir dann fort; Dasselbe ist dem lieben Schwaben Ein freundlich angenehmer Ort.
Krebs wart-Rätsel.
ES sei's der Mensch zu jeder That,
Die edel ist und zielbewußt,
Es thu's der Mensch sich, manche Saat Keimt frisch empor dann, ihm gut Lust. Liest man es rückwärts, zeigt cm Städtchen sich, In dem ein Held durch Mörderhand erblich.
Dreisilbige Scharabc.
Als wir die ersten waren
. Noch ganz allein,
Da konnten wir vor Jahren
So harmlos fein;
Die andre und die dritte.
Recht nach Verliebtensitte
Erbaut aus Dunst unb Flor,
Sie führten uns empor
Zum ewig öffnen Hoffnungsthor.
Das Gange sei gepriesen als Ein Kroniuwel der prächtigen Pfalz.
(Auflösungen folgen in nächster Nummer.)
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__Gesetz vom 31. VI. 70.____________________
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