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Wilhelm Wolfs (S. 1), Am 6. April 1816 in Fehrhellin als Sohn eines Schneiders geboren und früh verwaist, war Wolfs als Lehrling der Maschinenbauerei in die königliche Eisengießerei zu Berlin eiitgetreten, Hier fiel sehr bald seine beson­dere Begabung auf, und auf Beuths Veranlassung wurde er zur Erlernung der in Berlin fast erstor- benen Kunstgießerei als Staatsstipendiat nach Paris geschickt, Zwei Jahre arbeitete er dort in der Gießerei von Soyer und zwei weitere Jahre in München'm der von Stiglmayr, um dann, nach Berlin zurückgekehrt, eine eigne Gießerei tu eröffnen, aus der bald die trefflichsten Leistungen, unter andern die großen Bronze­thüren "des Schinkelschen Museums, der von Cornelius entworfene Glaubensschild und der Schild für den Thronsaal des Berliner Schlosses, hervorgingen. Hier entstan­den ferner: Die Herder - Büste für das Denkmal zu Mohrungen (1852), die Büsten Kuglers und Bachs für Ber­lin, in der Bronzestatue der Shtr* fürstin Luise Henriette für Oranien­burg (1858). in den Porträtreliefs berühmter Chemiker für das Chemische Laboratorium zu Berlin. Durch die ungemein lebenswahre Gruppe einer Bull­dogge mit ihren Jungen begründete der Künstler 1847 seinen Ruf als einen der tüch­tigsten Schilderer der Tierwelt und erwarb sich den ehrenvollen Namen: „Tier-Wolff," welcher ihm auch nach seinem am 30. Mai 1887 erfolgten Tode verblieb.

Trerkarnxse bei den Javanern. In früheren Zeilen ließen die javanischen Fürsten nichr selten zum Tode verurteilte Verbrecher mit Tigern fechten; noch vor einigen zwanzig Jahren ereignete sich ein solcher Fall am Hofe des Sultans von Djocjocarta. Zwei Javanesen, welche der Brandstiftung überführt

worden waren, wurden verurteilt, gegen Tiger zu fechten. Man gab jedem einen javanischen kurzen Dolch mit abgebrochener Spitze (kris) und ließ in einem kleinen Raum auf jeden einen Tiger los. Einer von ihnen war in wenig Minuten form« lich auseinandergerissen; dem zweiten gelang es jedoch, nach einem zweistündigen heftigen Stomps seinen furchtbaren Feind durch verschiedene Ver­wundungen am Kopf zu töten. Man hatte die Grausamkeit, noch einen zweiten kleineren Tiger gegen ihn loszulassen. Als er jedoch auch diesen glücklich überwand, wurde Gnade über ihn aus­gesprochen. Dieser glückliche Erfolg galt'als eine göttliche Offenbarung seiner Unschuld; der Sultan schenkte ihm nicht nur die Freiheit, sondern erhob ihn zur Belohnung auch sogar in den javanischen Adelstand. — Seitdem sich der Einfluß der Euro- väer an den früher unabhängigen javanischen Fürstenhöfen mehr und mehr geltend gemacht hat, kommen dergleichen grausame Kämpfe, wie der zuletzt beschriebene, nur noch vereinzelt bei großen Festlichkeiten vor, Dagegen fleht man bei Haupt- ungen geringeren Ranges häüfia Gefechte zwischen wilden Schweinen und Böcken, oder Schweinen und Hunden, welche in einem kleinen Käfig vor sich gehen. Auch Hahnenkämpfe lieben sie leidenschaftlich. Die javanischen Kampfhähne werden von Jugend auf dazu angeleitet uno die Krallen verschiedenemal täglich mit der Rinde einer Kokusnuß gerieben, um sie scharf und spitz zu machen, während der Schnäbel gleichfalls durch oft wiederholtes Reiben mit der Hand hart und glatt gemacht wird. Auch eine Art kleiner Wachteln und selbst große Heu­schrecken und verschiedene Arten Käfer läßt man mit einander fechten und wirklich erstaunlich ist es, wenn man steht, auf welche verschiedenartige Weise die Javanesen diese kleinen Tierchen gegen ein­

ander in Wut zu bringen wissen. Alle diese ver­schiedenartigen Gefechte hätten für die Javaner mutig Interesse, wäre nicht ihre unbegrenzte Leiden­schaft für Wetten unb Hazardspielc. Große Sum­men Geldes werden häufig auf den Erfolg eines Kampfes verwettet.

Zk-utlüt gesagt. Wirt: „Mein Wein scheint Ihnen nicht zu munden, war vielleicht die Flasche nicht luftdicht verschlossen?" Gast: „Das schon, aber nicht wasserdicht!"

Die viel um wordene.

„Sie waren im Berner Oberlande, Herr Leutnant! Haben

Sie auch die Jungfrau gesehen?"

„Neel Wurde jerade von 'ner Menge Engländer poussiert! Konnte nich an sie herankommen!"

Beruhigend. „He, Kutscher, durchs Wagen­dach läuft' ja das Wasser durch. Ist das immer so?" — „Nee, nur wenn's regnet."

Uerstell-Rätsel von J. H.

Ganz einerlei Und unbeschadet Wen man dazu ladet, Ob fein, gut und brav, Ob Bürger ob Graf: Ein Esel, ein Schaf, Eine Falsche, ein Lasse, Eine Schlechte, ein Asse Ist immer dabei,

(Auflösung folgt in Nr, 16.)

Kuchstavrn-Riitsel.

Mit A duftreiche Alpenweide,

Mit E ein Bergwald, bnchenprächtig, Mit I ein Fluß im Perlenkleide, Mit N ein Schutzort, kampfeSmächtig

(Auflöfung folgt in nächster Nummer.)

Lin UrteilGouuods überUichardwaguer findet sich in dem sehr amüsanten „Tagebuch eines wandernden Kapellmeisters" von Martin Röder (Leipzig, Fr. Thiel). Es warflm März 1878 und Gounod war nach Mailand, wo Röder lebte, ge-

kommen, um der Cinq Mars am

Erstaufführung seiner neuen Oper Skalathcater beizuwohnen. Am

Abend vor der Aufführung, die übrigens ein groß­artiger Durchfall war, hatten die Mailänder Künst­ler im degli artisti sich um Gounod versnin- melt. Röder erzählt nun: Plötzlich legte Gounod feine Hand auf meine Schulter. „Sie sind Deut­scher und natürlich auch Wagnerianer!" redete er mich an, unb ein leises, seines scherzspöttisches Lächeln umspielte seine beweglichen Mundwinkel. Auf meine ebenso kurze als bejahende Antwort machte sich denn Gounod, sich leicht auf einen vor ihm stehenden Sofa werfend, daran, mir seine Ansichten über Wagner und dessen Kunst­richtung kund zu geben. „Wagner ist der genialste Thcatermusikcr, welchen es je ge­geben. Aber er war blind — feine Anhän­ger raubten ihm das Augenlicht. Hätte dieser seltene Mann die Wege weiter verfolgt, auf welchen er mit Tannhäuser und Lohengrin sogleich die Herzen seiner Landsleute und der ganzen gebildeten Kunstwelt erobert, dann hätten wir heute eine Kunster- chcinung vor uns, wie sie die Welt vielleicht nie gesehen! — So aber" — und mitleidsvoll zuckte er die Achsel, „geht Wagner unter — und er hat sich selbst sein Grab gegraben!

Gehen Siezn ihm undsagenSic ihm, ich hätte Ihnen dies gesagt!" Ich sah nur zü wohl ein, dass ein'Wortstreit über diesen I hochinteressanten Gegenstand für beide Teile i von irgendwelchem Nutzen nicht hätte sein können, unb lenkte daher das Gespräch auf

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ein andres Thema. Gounod sprang plötzlich wie in wilder Verzückung von bem Sofa auf, und sich nochmals mir zuwendend, rief er laut und begeistert aus: „O göttlicher Mo­zart! Was hast Du mit Deinen zwei Moll- tonfeitern und dem Komturmotiv in der Don -Juan - Ouvertüre mit'einfachsten Mit- tellr für Wirkungen erzielt! — Ja> bem ist so, mein Lieber, und sagen Sie Ihrem Wag­ner, daß er ein Genie ist, ein großes Genie, daß er aber vergessen hat, sich bei der Vor­sehung dafür zu bedanken." Sprach's und hatte bald den berühmten Maler Pagliano beim Schöpf, mit ihm über die neuesten Fort­schritte der amürosianischen Malerschule sprechend. Bei Gounod ging's von der Zeit ' bergab. Cinq Mars, Polyeucte, Tribut de I Zamorw eine Kette von Mißerfolgen — bei Wag- I ner: Täistan und Isolde, Nibelungen, Parsifal, j welch gewaltige Höhe! —

Genreindesteuersveiheit. Das Städtchen j Klingenberg am Main zieht aus seinen Thon- i gruben soviel Geld, daß die Bürger nicht nur | keine Steuern zahlen, sondern jährlich aus der I

an

Stadtkasse eine hübsche Stimme erhalten. Im vorigen Jahre hat sogar jeder, zur Ableistung seiner Militärpflicht eingerückte Bürgersohn der Stadt Klingenberg aus der Gemeindekasse ein Weihnachtsgeschenk von fünfzehn Mark erhalten.

Line Finanfgrösse A.: „Sie sind mir die Ihnen geliehenen hundert Mark bereits drei Jahre schuldig, ohne daß Sie daran denken, mich zu be­zahlen. Ich will Ihnen einen Borschlag machen: Bezahlen Sie mich sogleich unb ich erlasse Ihnen fünfzig Procent!" — B.: „So annehmbar Ihr Vorschlag ist, will ich Ihnen doch einen andern machen. $3arten Sie noch biet Jahre und wir sind quitt!" „

Zweisilbige Scharade.

Die ersten lieben Laub und Gras, Und springen dann und wann: Beim dritten, wie ich oftmals las, Schwört gern der Muselmann.

Die dritte schmückt die ersten zwei, Als od's kein männlich Vorrecht sei.

Das Ganze ist in manchem Land Als eßbar fleischiger Pilz bekannt.

(Auflösung, folgt in nächster Nummer.)

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