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Mit wöchentlicher Gratis Veilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 130.Sonnabend den 23. Dezember 1893.
Erstes Blatt.
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Die Expedition.
Amtliches.
Königliche Regierung.
Cassel, den 9. Dezember 1893
Anläßlich eines Specialfalles ersuche ich die
Geläuterte Herzen.
Novelle von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
Dann bog der Zug plötzlich in eine düstere Waldgegend ein, wo sich große dunkle Tannen uefenhoch aus schwarzem Moor erhoben und jeder Fernsicht den Blick entzogen. Das Gebirge blieb dahinter zurück, die anmuthigen Höhen und lieblichen Thäler — und Alles, Alles, was Karlsbad 1o bezaubernd macht.
»Vorbei! Vorbei!" erklang es in Annies Herzen, und sie lehnte sich in ihren Sitz zurück, deckte die Hand über die Augen und weinte. —
* * *
SedjS Jahre waren vergangen, und es war hinter. Der Schnee fiel dicht vom Himmel )e>ab und hüllte das Land in eine kalte Leichen- eae, unter der fast alles Pflanzenleben erstarrte.
Nordstürme durchtosten die Lüfte, die Ge- waffer waren erstarrt und auf den entlaubten aumen lag glitzernder Reif. Ein großes Sterben herrschte in der Natur.
Aber in dem stillen Wittwenhäuschen der Frau Kruhtsräthin Göhren in Stettin herrschte be- lagliche Wärme und sommerlicher Frieden. Es war ein bescheidenes Haus mit kleinen einfach
Herren Landräthe, die Ihnen Nachgeordneten Polizeibehörden anweisen zu wollen, bei Bestrafung der Contravenienten gegen die Polizei-Verordnung vom 8. November 1873 (Amtsblatt 1874 S. 62) — betreffend das Verbot die Hunde aufsichtslos herumlaufen zu lassen — genau die Strafbe- stimmungen der genannten Verordnung einzuhalten. Der Regierungs Präsident. I. V.: v. P a w e l. An die Herrn Landräthe des Regierungsbezirks.
A. II. 10890U.
* *
Hersfeld, den 21. Dezember 1893.
Wird den Ortspolizeibehörden zur Nachachtung mitgetheilt.
I. 7104. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Cassel, den 14. Dezember 1893.
Für die zu Ostern k. Js. zur Konfirmation kommenden Zwangszöglinge evangelischer und katholischer Konfession suche ich Lehr- । und Dienststellen.
Lehrstellen in folg endenBerufs- , arten: Schlosser, Schmied, Buchbinder, Schnei- i der, Klempner, Schuhmacher, Korbmacher, Sattler, Bäcker, Metzger, Küfer, Wagner und Schreiner.
Lehrbedingungen: 3jährige Lehrzeit, Lehrgeld einschließlich Krankenkassen-Beitrag in der Stadt 40 Alk. und auf dem Lande 37 Mk. 50 Pf. jährlich. Die übrigen Bedingungen werden durch den Lehrvertrag geregelt.
Den baldigst durch den zuständigen Herrn Pfarrer und Bürgermeister an mich einzureichenden Bewerbungsgesuchen ist die Beantwortung nachstehender Fragen beizufügen:
a. Alter des Meisters und seiner Ehefrau?
b. Zahl und Alter der vorhandenen Kinder?
c. Vermögens- und Erwerbs-Verhältnisse?
d. Bürgerliche und kirchliche Führung?
6. Ist der Meister, vermöge seiner geschäftlichen
Tüchtigkeit und seines Geschäftsumfangs zur
eingerichteten Zimmern, an Traulichkeit aber überreich.
Mutter und Tochter saßen am gemüthlichen Familientisch und arbeiteten. Die Räthin hatte einen großen Nähkorb vor sich stehen und nähte emsig darauf los. Die Servietten, die sie säumte, sollten morgen noch in die große Wüsche. Annie war mit einer feinen Stickerei beschäftigt und entwickelte gleichfalls eine emsige Thätigkeit.
Es war sehr anheimelnd im Wohnzimmer der beiden Damen. Auf den Fenstern blühte und duftete ein ganzer Blumenflor und der gelbe Kanarienvogel in seinem vergoldeten Bauer sang fast eben so schön, wie im Lenz die Vöglein im Walde. Sogar Suse, die schneeweiße Hauskatze, schnurrte behaglich am warmen Ofen. Von der Straße her tönte der Klang einer Drehorgel, welche den Donauwalzer spielte und auf dem Servirtischchen summte das Wasserkesselchen auf der Berzeliuslampe, aus beut der Nachmittagskaffee gebrüht werden sollte.
Annie war kein halbes Kind mehr, sondern eine gereifte Jungfrau von dreiundzwanzig Jahren. Aber die schlanke zierliche Gestalt bewegte sich noch eben so leicht und ohne Zwang, als ob sie nur siebzehn Jahre zählte. Friede leuchtete aus den blauen Augen und Gesundheit von der zart
gründlichen Ausbildung eines Lehrlings geeignet ?
f. Ist die Ausnutzung des Lehrlings in nicht geschäftlichen, insbesondere landwirthschaft- lichen Arbeiten, nicht zu befürchten?
Die Dienststellen werden für männliche Zöglinge in der Landwirthschaft und für weibliche in der Haus- und Landwirthschaft gesucht. Die Miethbedingungen werden in jedem einzelnen Falle nach Lage der Verhältnisse festgesetzt.
Da auch öfters während des Jahres Lehr- und Dienst-Unterbringungen erfolgen, so ist bei den Angeboten die weitere Angabe sehr erwünscht, so solche auch, falls zu Ostern Berücksichtigung nicht erfolgen kann, bis Ende k. Js. aufrecht erhalten werden.
Der Abschluß der Lehrverträge sowie die Vereinbarung der Miethbedingungen, welche letztere der Regel nach schriftlich nicht zu erfolgen pflegt, wird durch die zuständigen Herrn Geistlichen vermittelt. # H
Alle Meldungsgesuche, 'ur welche bis zum 1, März^ k. Js. ein Bescheid nicht ergangen ist, können zu Ostern nicht berücksichtigt werden.
Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, Vorstehendes in entsprechender Weise in dem amtlichen Theile des dortigen Kreisblatts baldgefälligst bekannt geben zu wollen.
Der Landes-Direktor: von Hundelshausen.j An die Königlichen Herren Landräthe des Regierungsbezirks Cassel. I. II. Nr. 5566.
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Hersfeld, den 21. Dezember 1893.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises mit der Veranlassung mitgetheilt, etwaigen Interessenten die obige Bekanntmachung zur Kenntniß zu bringen.
I- 7173. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter
gerötheten Wange. Das süße Gesicht war heiter und frisch, sie blühte wie eine Rose.
Sie hatte den ersten größten Schmerz ihres Lebens längst überwunden und wieder Freude am Dasein gewonnen. Aber vergessen hatte sie doch nicht und die Erinnerung an ihre verlorene Liebe feuchtete ihr noch oft die Wimpern, doch die Thränen kamen nie wieder ins Strömen.
Sechs Jahre waren vergangen, seitdem Bernthal sich von Annie getrennt hatte, und sie hatte nichts wieder von ihm erfahren. Sie wußte nicht, ob er lebendig war oder todt — aber die Treue hatte sie ihm gehalten. Den jungen Männern, welche sich um ihre Gunst bewarben, begegnete sie mit ruhiger Unbefangenheit und versicherte ihnen lachenden Mundes, daß sie nicht daran dächte, zu heirathen und frohen Herzens dem ehrsamen Stande der alten Jungfern ent- gegengehe.
Sie tummelte sich von früh bis spät in dem kleinen Haushalt umher, kochte, bügelte und hantierte mit Lust und Freude. Arbeit war ihre beste Arznei gegen Schwermuth und ließ ihr keine Zeit zum Grübeln und Trauern. Zuweilen saug sie auch bei der Arbeit, aber kein trauriges Lied, sondern eine heitre fröhliche Weise. So schwanden die Jahre dahin, ruhig, ohne Stürme