Baoth aus Saarburg erkannt, der desertirt ist, nachdem er vorher von seinen Stubenkameraden 6 Mark erhalten und zum Einkäufe von Lebensmitteln ausgeschickt worden war.
Grebenstein, 2. Dezember. Gestern wurde der hiesige Arbeiter Schloß im Stadtwalde beim Fällen von Holz von einem stürzenden Stamme erschlagen, sodaß er auf der Stelle seinen Geist aufgab.
Münden, 5. Dezbr. Vorgestern im Dunkelwerden machte auf Anordnung der Aerzte ein Reconvalescent, Herr L., einen Spaziergang durch deu nahe belegenen Tannenwald an der Fulda entlang. Plötzlich aber wurde der kranke Mensch von einem Tagedieb mit dem Bemerken angehalten: „Verkaufen Sie mir Ihren Ueberzieher". Der Angeredete erwiderte, er sei krank und brauche deu Ueberzieher selbst. „Dann geben Sie mir Ihr Geld," äußerte der Gauner. Als auch das natürlich verweigert wurde, nahm der Räuber einen Knüttel, schlug den Bedauernswerthen über den Kopf und stieß ihn in die Fulda. Hier versetzte er seinem Opfer mehrere Messerstiche in den Kopf, in die Schultern und die linke Seite, worauf er entfloh. Der in der Nähe stationirte Bahnwärter hörte die Hilferufe und gelang es ihm, den Bedauernswerthen aus dem Wasser zu ziehen, nach der Bahnbude mit Hüfe eines zweiten Passanten zu tragen und dann in seine Wohnung nach Münden zu überführen.
Vermischtes.
— Schneidemühl, 5. Dezember. Aus dem großen Sandhügel dringt noch immer Wasser hervor. Die Vermuthung oes Brunnenmachers Beyer, die Quelle mürbe unter dem Terrain i seitlich ausbrechen, hat sich bestätigt. Trotzdem ; die Kellerräume des Soinmerfeldschen Grundstückes : mit Sand zugeschüttet sind, hat sich doch in den j benachbarten Kellern Wasser eingefunden, das i nach vorgenommenen Messungen seit Sonnabend ; um sieben Centimeter gestiegen ist. Daß man ! es hier nicht mit Grundwaffer zu thun hat, ist ; unzweifelhaft.
i — Berlin, 4. Dezember. In einem recht unliebsamen Abenteuer hat der Matrose Otto Quadfasel hier die Erfahrung machen müssen, daß ^Stiefel eine gar gefährliche Waffe i sein können. Er war mit dem Schoner „Georg ' Fischer" von Gibraltar in Stettin eingelaufen und nach Berlin gekommen, um sich hier bei der Binuenschifffahrt anheuern zu lassen. Er kreuzte durch Berlin, lief in ein Wirthshaus in der Artilleriestraße ein, wo ein Schlosser mit seiner Braut frühstückte, und legt sich dort vor Anker. Nachdem er einige Gläser Bier in sich verstaut hatte, machte er dem Mädchen gegenüber einen Scherz, der aber von dem Schlosser übel vermerkt wurde. Ehe der Matrose aus dem Lokal hinaus- lavireu konnte, hatte der Schlosser einen Stiefel ausgezogen und fuhr bamit auf den Seemann ein. Dieser erlitt eine gefährliche Havarie, indem ihm mehrere Lecke am Schädel beigebracht wurden. Als nun Quadfasel in der Kambüse beilegen wollte, um sich das Blut abzuwaschen, nahm der ■ Baas (Wirth) Kurs auf ihn und der Seemann . fühlte am Achterdeck einen zweiten Stiesel, der j ihn auf die Straße bugsirte. Hier traf er in einem Polizeibeamten einen Lootfen, der ihn zum Docken uach der königlichen Klinik, das Brautpaar aber nach dem 6. Polizeirevier brächte.
— Schöningen (Herzogthum Braunschweig). Zwei Knechte des Landwirths Jacobs aus Hotens- leben waren auf einem Acker in der Nähe des Braunkohlenbergwerks Victoria mit Pflügen beschäftigt, als plötzlich der eine der vier vor den Pflug gespannten Ochsen in die Erde versank. Alle Versuche, das Thier zu retten, blieben erfolglos. Leicht hätten die Knechte auch versinken können Eine Untersuchung der Oert- lichkeit ist eingeleitet.
— H a m bürg, 4. Dezember. Nach einer soeben von der Direktion des Büreaus „Veritas" veröffentlichten Statistik sind im Oktober, so meit es sich hat ermitteln lassen, 120 Schiffe mit 53,360 R e g i st e r t o n s verloren gegangen. Unter diesen befinden sich 10 deutsche Fahrzeuge mit 2250 R egisterto n s.
— (A u s dem W i l d e r e r l e b e n.] Es fehlt dem wilden Wildschützleben nicht an komischen Zwischensällen. Ein Heidenjux ist es zum Bei spiel, wenn es dem Wilderer gelingt, den Jäger hinters Licht zu führen, und das trifft nicht selten zu. Einmal bemerkte ein Förster, es war in der Gegend von Lenggries in Oberbaiern, einen
gericht.) Wegen Sachbeschädigung wurde der 5 Drechsler Johannes Sommer von Motzfeld zu i 4 Wochen Gefängniß verurtheilt. — Die Maurer- ( gesellen Heinrich Moßebach von Philippsthal, i Michael Herrmann und Johannes Ortmann von Dorndorf, Heinrich Herr m a n n von Heim- i boldshausen und Peter D i e tz e l von Heringen , sowie der Maurerlehrling Adam K l o tz b a ch von > Philippsthal erhielten wegen groben Unfugs eine ( Geldstrafe von je G Mark ev. je 2 Tage Haft.
Cassel, 4. Dez. Ein höchst betrübender I Unglücksfall ereignete sich am Sonnabend Vormittag auf der Bühne des königlichen Theaters. ' Dort war vor Beginn der Probe der Theaterarbeiter Biermann mit Abräumungsarbeiten be- schäftigt, that einen Fehltritt, stürzte in einen Unterraum und zwar so unglücklich, daß er einen doppelten Schädelbruch Erlitt. Zunächst wurde der Unglückliche uach seiner Wohnung und sodann, nach ärztlicher Anordnung, nach dem Landkrankenhaus gebracht, wo er bereits in der folgenden Nacht seinen Verletzungen erlegen ist. B. hinterläßt eine Frau und zwei unerzogene Kinder.
Cassel, 5. Dezbr. Gestern Mittag wurde ein in einem hiesigen Gasthof bediensteter Kellner verhaftet, weil er verdächtig ist, einem Berliner Reisenden aus dem Zimmer einen 1000 Mark- Schein, sowie zwei goldene Ringe gestohlen zu haben.
Cassel, 6. Dezember. Der Communallandtag wird sich noch in der jetzigen Sitzungsperiode mit der Wahl des neuen Landes •• direktors für den Regierungsbezirk Cassel zu beschäftigen haben, nachdem der bisherige Landesdirektor Herr von Hundelshausen erklärt hat, eine Wiederwahl nicht annehmen zu wollen. Der Tag der Wahl ist noch nicht endgiltig festgesetzt. ! Als Kandidaten kommen sicherem Vernehmen nach : besonders Oberbürgermeister Herr Westerburg und ' Herr Landrath von Riedesel-Gelnhausen in Be- i tracht.
Rotenburg, 5. Dezember. Der Schreckens- : ruf Feuer und eine gewaltige Gluth, welche z den nordöstlichen Himmel umstrahlte, riß gestern Abend gegen 4 / ? 10 Uhr die Bürger unserer; Stadt aus ihrer Ruhe. Es brannte eine der > großen Fruchtschenern der königl. Domaine i Schafhof, die, mit unausgedroschenem Hafer | gefüllt, mit einer zweiten großen Scheuer zu- ■ sammenhängt, welche Roggen- und Weizengarben ■ bis zum Dache barg. Diese zweite ist von der ersteren Scheuer durch eine aus Bruchsteinen anf- geführte Brandmauer getrennt, der es in Verbindung mit den Anstrengungen der Feuerwehren zu danken war, daß das Feuer auf seinen ursprünglichen Heerd beschränkt wurde. Als ein großes Glück ist wohl anznsehen, daß Schnee die Dächer bedeckte und Windstille herrschte, der gewaltige Funkenregen hätte sonst leicht größeres Unglück herbeiführen können. (Kr.)
Marburg, 1. Dez. In seltener Rüstigkeit und geistiger Frische feierte heute der in allen Kreisen bekannte und hochverehrte Oberpedell der hiesigen Universität, Herr L. Kraatz, sein 50jäh- riges Dienstjubiläum.
Marburg, 2. Dezember. Ein hiesiges Blatt erfährt aus angeblich sicherer Quelle, daß das . General-Commando des 11. Armeecorps die Er- [ richtung eines großen Schieß- und Exerzierplatzes ' auf dem benachbarten Burgwald plant. Das Kriegsministerium hat bereits Offiziere zum Studium der Terrainverhältnisse hierher gesandt.
Hanau, 4 Dezember. In dem benachbarten Hochstadt brach in der Hofrailhe des Bürger- meisters gestern Abend um 7 Uhr Feuer aus. Die ^Stallungen und Scheuer wurden ein Raub der Flammen, das Wohnhaus wurde nur wenig beschädigt. Wie. das Feuer entstanden, ist bis jetzt noch unaufgeklärt geblieben. ErwähnenSwerth 'lf, daß es in Hochstadt seit 100 Jahren nicht gebrannt hat.
^-Ulda, 5. Dezember. Ihre Majestät die Kaiserin hat gestern der evangelischen Kleinkinderschule ihr Portrait in Lebensgröße geschenkt Das Bild ist in prachtvollen Kupferbronce- Rahmen gefaßt.
Lenderscheid, 5. Dezember. Hier verstarb gestern Nachmittag der Rittergutsbesitzer Herr Baron Hans Erich v. B a u m b a ch - Lenderscheid nach mehrwöchentlichem Kranksein im Alter von erst 38 Jahren.
Bockenheiin, 2. Dezbr. Vorgestern wurde im Biegwald eine Husaren-Uniform aufgefunden. Sie wurde als die des seit etwa acht Tagen aus der hiesigen Kaserne verschwundenen Rekruten
Bauern, der schon lange in dem Verdacht stand, ein arger Wildschütz zu sein, wie er eben einen starken Gemsbock von der Benediktinerwand herab und direkt in sein Haus trug. Spornstreichs eilte der Förster mit seinem Gehilfen in das Haus des Bauern, den er jedoch an der Wiege des mit einem dichten Schleier verdeckten kleinen Kindes antraf. Etwas überrascht, wie es möglich sei, daß der Bauer schon zu Hause wäre, da doch noch keine halbe Stunde vergangen war, stellte er den „schwarzen Toni", so hieß der Bauer allgemein, zur Rede über sein Wildern, aber Toni that sehr verwundert darüber, wie man solchen Verdacht auf ihn werfen könne, und erklärte sich sofort bereit, mit dem Jäger die Haussuchung vorzunehmen, wenn der Forstgehilfe inzwischen auf das Kind Acht gebe. „'S ist alleweil kränklich," fügte er erläuternd hinzu. Jeder Winkel wurde aufmerksam durchsucht, aber trotz allen Suchens nicht die geringste verdächtige Spur gefunden, so daß der Förster sich endlich kopfschüttelnd entfernte. Unter der Thür sagte der Toni noch zum Forstgehilfen mit der unschuldigsten Miene von der Welt: „I bedank mich, daß's so Acht geben hab's aufs Kind, b'hüt Enk Gott." Als der Förster eine Strecke weit gegangen war, meinte er zum Gehilfen: „Bei allen Heiligen Hätt' i geschmor'n, daß der Toni einen Gamsbock g'wildert hat, aber so thut man einem Menschen oft Unrecht." Toni aber hielt sich die Seiten vor Lachen, denn der Forstgehilfe hatte die ganze Zeit — bei/ Gemsbock gewiegt. Toni hatte natürlich den Förster gleichfalls bemerkt und, zu Hause angelangt, das erlegte Wild rasch entschlossen in die eben leere Wiege gelegt und sein säuberlich zugedeckt. — Manchmal freilich ist es unigekehrt, und der Wilddieb wird überlistet: Im Haidenhofer Jagdrevier bei Passau hatte eines Sonntags früh der Jagdpächter Franz Kainz ein Zusammentreffen mit einem Wilderer. Als jener früh halb vier Uhr sich im genannten Gebiet auf den Anstand begab, erblickte er am Waldessaum zwei Männer, von denen einer gegen seinen Standort zukam, während der andere, der ein Gewehr in der Hand trug, in entgegengesetzter Richtung putschte. Als der Erstere den Jäger entdeckte, nahm er nach flüchtigem Gruße Reißaus, ohne mehr seinen Kumpan warnen zu können, der dann auch auf den hinter einem Baume versteckten Jagdpächter zukam. Auf zehn Schritt Entfernung ertönte plötzlich das „Halt, Gewehr nieder, oder ich schieß!" des Pächters, doch blitzschnell hatte auch der Wilderer mit schußbereitem Gewehr hinter einem Baume Deckung gesucht. „Schießt Du her, so schieß ich hin!" lautete die Antwort, und die Beiden standen sich, ohne zu weichen, geraume Zeit gegenüber. Da kam dem Jagdpächter ein guter Gedanke. „Brennens dem Kerl eins aufie, Herr Lehrer!" rief er. Und der Wilderer, in der irrigen Meinung, es mit zwei Gegnern zu thun zu haben, ließ im gleichen Moment tödtlich erschrocken sein Gewehr fallen und schlug sich schleunigst in die Büsche. Der Jagdpächter zog mit dem erbeuteten Vorderlader stolz als Sieger heimwärts.
— A n der P a c i f i c k ü st e wüthet, wie aus New-Pork gemeldet wird, ein orkanartiger Sturm, welcher bedeutenden Schaden anrichtet. In Kalifornien werden die Aus- stellungsarbeiten durch den koloffalen Schneefall unterbrochen; die Eröffnung der Ausstellung erscheint deshalb für den 1. Januar sehr fraglich.
— Wie aus Chicago gemeldet wird, wurde der Schatzmeister der Jndiaua-Jllinoisbahn auf | offener Straße am lichten Tage überfallen und seines Portefeuilles mit 50,000 Dollars Inhalt beraubt.
Verfälschte schwarze Leide. Man verbrenne ein Müsterchcn des Stoffes. von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Rechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbrännlicher Farbe. Verfälschte Seide idie leicht speckig wird und brid)t) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter «wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nickt, foe Leisen Fabrik <*- llenneberg, (f. u. k. Hostief.), Zürich versendet gern Muster von ihren echten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke Porto- und zollfrei iu's Haus.
Kirchliche Nachrichten.
Donnerstag den 7. Dezember Abends S Uhr: Gottesdienst in der Hospitalskapelle: Herr Superintendent Dr. Vial.