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Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. N,.

ßtlssel-kl Kreisblatt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 141. Sonnabend den 1. Dezember 1893.

Erstes Watt.

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auf das Zersfelder Freisilall

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Sonntagsblatt" für den Monat Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 27. November 1893.

Nach einer Mittheilung der Königlichen Staats­anwaltschaft zu Cassel sind die Herren Ortsvor­stände zu

Allendorf, Ausbach, Siebebad), Bingartes, Eich- hof, Eilra, Friedewald, Friedlos, Harnrode, Heringen, Kathus, Kleinensee, Lampertsfeld, Leimbach, Lengers, Malkomes, Meckbach, Meck- lar, Meisebach, Oberhaun, Oberrode, Peters­berg, Reimboldshausen, Sieglos, Sorga, Wehrs­hausen, Widdershausen und Wilhelmshof

mit der Einsendung der am 1. August d. Js. fällig gewesenen Anzeigen an diese Behörde über das Ableben bestrafter Personen für das I. Kalen­der-Halbjahr (1/1 bis 30/6 93) noch im Rück­stände.

Die diesseitige Verfügung oom 24. September 1890, im Kreisblatt Nr. 114, wird deshalb mit der Weisung in Erinnerung gebracht, mir über die erfolgte Einreichung der betreffenden Anzeige bis zum 5. Dezember b. Is. zu berichten. I. 1. Nr. 6771. Der Königliche Landrath __ Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 25. November 1893.

In dem Amtsblatt Nr. 49 vom l. I. ist eine von den Herren Ministern des Innern und für Handel und Gewerbe unterm 19. v. Mts. erlassene Polizei-Verordnung, betreffend den Verkehr mit Sprengstoffen, veröffentlicht.

Die betheiligten Gewerbetreibenden sowie die Ortspolizeibehörden werden schon jetzt auf den Inhalt dieser Verordnung hingewiesen, damit bei dem Inkrafttreten derselben (1. April 1894) die erforderlichen Einrichtungen getroffen sind.

I. 1. Nr. 6532. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 1. Dezember 1893.

Dre Herren Gutsvorsteher und Bürgermeister er Landgemeinden des Kreises werden davon in venntni6 gesetzt, daß in diesen. Tagen die Prüfung er Quittungskarten aller Versicherungspflichtigen Perfonen durch den gegenwärtig im Kreise weilenden Kontrol-Beamten der Jnvaliditäts- und Alters- Versicherungsanstalt stattfinden wird, und sind deshalb auf bezügliche Benachrichtigung von Seiten des Beamten alsbald die Quittungskarten stimmt; ^cher versicherungSpflichtiger Personen des be­

treffenden Gemeindebezirkes einzuziehen und in Ihrem Geschäftszimmer bereit zu halten.

I. 6867. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Des Königs Majestät haben dem Vorstände des H e l e n e n - K i n d e r h e i m s in Pyrmont l mittelst Allerhöchster Ordre vom 13ten v. M. die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der ihm von dem Landesdirektor der Fürftenthümer Waldeck und Pyrmont gestatteten öffentlichen Ausspielung von goldenen und silbernen Gegenständen juni Besten der Anstalt auch in den Provinzen West­falen, Rheinland, Hessen-Nassau, Hannover und j Brandenburg, sowie im Stadtkreise Berlin Loose zu vertreiben. Zu dieser im Laufe des nächsten Jahres zu veranstaltenden Lotterie dürfen 80 000 Loose zu je 1 Mark ausgegeben werden, während die Anzahl der Gewinne 2058 beträgt, im Ge- sammtwerthe von 40000 Mark.

Indem ich dies zur öffentlichen Kenntniß bringe, ersuche ich die Polizeibehörden, den Vertrieb der Loose im hiesigen Bezirk nicht zu beanstanden.

Gaffel am 25. November 1893.

Der Regierungs - Präsident I. V.: v. Pawel.

Nichtamtlich es.

f Die Handelspolitik im Reichstage.

Die Handelsverträge mit Rumänien, Serbien und Spanien sind nach dreitägiger Debatte an eine Kommission verwiesen worden. Die Stellung der Parteien läßt sich in Kürze wie folgt bestimmen: Die gesammte Linke, also freisinnige Vereinigung, freisinnige Volkspartei, süddeutsche Volkspartei, Socialdemokraten, ist für die 1891/92 begonnene Handelspolitik und für die neuen Verträge; die Nationalliberalen sind ebenfalls Anhänger der herrschenden Handelspolitik und werden auch die neuen Verträge genehmigen, falls nicht noch in der Kommission eine Benachtheiligung der Land- wirthschaft nachgewiesen wird; ähnlich ist der Standpunkt des Centrums, nur daß hier vielleicht eine größere Zahl als bei den Nationalliberalen Vorbehalte gegen die neuen Verträge macht; die Polen wollen sich erst nach der Kommissionsbe- rathung en'tscheiden; gespalten ist die deutsche Reichspartei; die Redner der deutsch-konservativen endlich erwiesen sich der ganzen neueren Handels­politik abgeneigt.

Die Opposition gegen die Handelsverträge geht von der schwierigen Lage aus, in der sich die Landwirthschaft vielfach befindet. Sachlich stand also der Streit auf der Frage: Sind die Handels­verträge mit Oesterreich-Ungarn, Italien 2C. an den gegenwärtigen Leiden der Landwirthschaft, namentlich den niedrigen Getreidepreisen, schuld, muthen die neuen Verträge mit Rumänien rc. der Landwirthschaft neue Opfer zu? Darauf kam Alles an: die Gegner der Handelspolitik mußten den Nachweis einer solchen Schädigung führen. Ist nun dieser Nachweis geführt worden? Je unbefangener und objektiver man die Verhand­lungen durchmustert, um so entschiedener lautet die Antwort: Nein.

Aus dem erdrückenden Material, das der Staats­

sekretär Freiherr v. Marschall, vorbrachte, ging schlagend hervor, daß die Handelsverträge erfüllt haben, was man von ihnen erwarten durfte, daß die erzielte Stetigkeit in den Zollverhältnissen zum Vortheil für unseren Waarenverkehr ausgeschlagen ist, daß sich unsere Handelsbilanz nicht ver­schlechtert, sondern verbessert hat, daß es eine Verkehrtheit ist, von einem Tribut an Oesterreich- Ungarn zu sprechen, daß die speculative Einfuhr fremden Getreides während der letzten Jahrzehnte niemals geringer war, als gegenwärtig, daß es ein greller Widerspruch ist, zu behaupten, einer­seits daß das Ausland den Zoll trage und anderer­seits daß der ermäßigte Zoll an dem starken Preis­sturz für Getreide schuld sei, einem Preissturz, den auch der 75 Markzoll gegen Rußland für die Tonne Roggen und Weizen nicht aufzuhalten vermochte.

Konnte gegen diese Beweisführung kein Material vorgebracht meinen, so blieb auch die wiederholte Aufforderung vom Regierungstische, doch nun klipp und klar die hehauptete Schädigung der Land­wirthschaft durch die Handelsverträge zu erweisen, unbefriedigt. Der einzige Vorhalt gegen die Regierung blieb der, daß sie bei Ablauf der früheren Handelsverträge im Februar 1892 eine Kampfstellung hätte einnehmen, daß sie einen wie ein Redner sagte bis zu einem gewissen Gradeverheerenden" Zollkrieg gegen alle Welt hätten führen sollen. Frankreich hat eine solche Kampfstellung eingenommen, aber mit dem Erfolge, daß ihm werthvolle Absatzgebiete, so z. B. in der Schweiz, verloren gingen. Bei unserer dem Werth nach jährlich nach Milliarden rechnenden Ausfuhr hätte dieVerheerung" eines allgemeinen Zoll­kriegs Tausende und Abertausende schaffender Männer und Frauen brotlos, b. h. unvermögend, Brotfrucht zu kaufen, gemacht. Was wäre damit der Landwirthschaft gedient gewesen?

Alan mag den Mühen und Sorgen der Land- wirthe noch so wohlwollend gegenüber steten, ihre Bedeutung für Staat und Reich noch so hoch schützen wenn sachliche Gründe noch etwas gelten, so sind die Vertreter des Bundes der Landwirthe mit ihrer Opposition gegen die Handels­verträge unterlegen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 30. November.

S e. M a j e st ä t der Kaiser arbeitete im Laufe des heutigen Vormittags mit dem Chef des Militairkabinets. Um ll3/+ Uhr sind sodann Ihre Majestäten der Kaiser nnd die Kaiserin mittelst Svnderzugeü von der Wildparkstation aus nach Hannover abgereist, woselbst die Ankunft Allerhöchstderselben am Nachmittag um 4 Uhr erfolgen dürfte. Während der Dauer der An­wesenheit in Hannover nimmt das Kaiserpaar im königlichen Schlosse daselbst Wohnung. Dort findet auch heute um 5 Uhr das Diner statt, worauf um 7'/., Uhr der Besuch des Theaters in Aussicht genommen ist. Morgen werden Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin in Hannover verbleiben Nachmittags um 5 Uhr wird Se. Majestät der Kaiser, einer Einladung des Königs- Ulanenregiments entsprechend, sich zur Theilnahme an einem Mittagsmahls nach dem Offizierkasino