lichen Majestäten im Neuen Palais zu Ehren der Anwesenheit der erlauchten fürstlichen Gäste eine Theater-Vorstellung statt. Um 10 Uhr verabschiedeten sich Ihre kaiserl. Hoheiten der Großfürst und die Großfürstin Wladimir von Rußland von den anwesenden Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften vor ihrer Abreise nach Petersburg. Se. Majestät der Kaiser und König gab den erlauchten Gästen bei deren Abfahrt bis zur Wildparkstation das Geleit.
Die Vereidigung derRekruten der Garnisonen Berlin, Spandau, Charlottenburg und Groß-Lichterfelde fand am Donnerstag Nachmittag um 12 3/+ Uhr programmmäßig statt. Die Divisiousgeistlichen Platz und Schulte ermähnten die Soldaten, treu zur Fahne zu halten, und die Vereidigung erfolgte brigadeweise so, daß die Feldzeichen vor der Front Aufstellung nahmen und die Soldaten je einer Brigade durch Hochheben der rechten Hand gemeinsam schworen. Der Kaiser ■ war bei jeder Brigade zugegen. Er ritt mitten auf den Platz und sprach mit markiger Stimme: „Ihr habt soeben vor Gottes Antlitz Mir Treue geschworen und seid hierdurch in demselben Augenblick Meine Soldaten und Meine Kameraden geworden. Ihr habt die Ehre, zu Meiner Garde zu gehören und in und um meinen Wohnort, । meine Hauptstadt zu stehen. Ihr seid berufen, Mich in erster Linie vor dem äußeren und inneren Feind zu schützen, seid treu und vergeht nicht, daß Eure Ehre die Meinige ist." General v. Winterfeld brächte hierauf ein Hoch auf den obersten Kriegsherrn aus, und die Fahnen-Kom- pagnie defilirte unter den Klängen des Preußenmarsches in das Schloß zurück.
Ueber eine in der Spieler-Angelegenheit er- gangene kaiserliche Kabinetsordre meldet die „Tgl. Rundschau": „Der Kaiser hat in der soeben erlassenen Ordre lediglich besohlen, daß auf Grund der Verordnung über die Ehrengerichte vom 2. Mai 1874 gegen alle Offiziere, | die auch nur im Geringsten in den Spieler- und : Wucherprozeß verwickelt gewesen sind, auf ehrengerichtlichem Wege eingeschritten und daß jeder Offizier unnachsichtlich und ohne Ausnahme zur Verabschiedung eingegeben werden soll, der hierbei die Standesehre irgendwie verletzt hat. Im weiteren Verlauf der Ordre hat der Kaiser seinem Unwillen Ausdruck gegeben, daß die genannte alte und eine ähnliche, bei seinem Regierungsantritt gegebene neuere Ordre über die Nothwendigkeit einer einfacheren und sparsameren Lebensweise so wenig beachtet worden ist, und hat an die Generalkommandos den Befiehl erlassen, ihm : diejenigen Regimentskommandeure namhaft zu machen, welche in der Befolgung dieser Ordres nicht mit der nöthigen Strenge vorgegangen sind । und die ihnen anvertrauten Offizierkorps nicht mit der erforderlichen Sorgfalt überwacht haben. ’ In der Verordnung vom 2. Mai 1874 sind als ; Handlungen, die dem Rus des Einzelnen und der Genossenschaft nachtheilig werden können, ausdrücklich genannt: alle Ausschweifungen, Trunk, Hazardspiel und die Uebernahme solcher Verpflichtungen, mit denen auch nur der Schein unredlichen Benehmens verbunden sein könnte, sowie überhaupt jedes Streben nach Gewinn auf einem Wege, dessen Lauterkeit nicht klar erkennbar ist. „Völlige Erschütterung des Grundes und Bodens", heißt es da, „worauf der Ossizierstand steht, ist die Gefahr, welche das Streben nach Gewinn und Wohlleben mit sich bringen würde."
König Alb er t hat sich gelegentlich einer Besichtigung der Dresdener Bahnhofsbauten leider eine Erkältung zugezogen. In Folge dessen sah sich der erlauchte Monarch bereits genöthigt, noch in letzter Stunde auf seinen geplanten Besuch beim Albertfest in Leipzig zu verzichten und ebenso mußte er aus die persönliche Eröffnung des Landtages verzichten, so daß hierbei Prinz Georg seinen königlichen Bruder vertreten hat. Nach neueren Dresdener Meldungen leidet der König an einem leichten Bronchialcatarrh unter Fiebererscheinungen und muß das Bett hüten, doch giebt das Allgemeinbefinden des hohen Patienten zu keinen Besorgnissen Anlaß.
Staatsfecretair Dr. v. Stephan hat in Köln anläßlich der Einweihung des neuen Reichspostgebäudes eine warm empfundene patriotische Ansprache gehalten. Dieselbe gipfelte in einem Hinweise auf die Zeit der nationalen und territorialen Zerrisienheit Deutschlands und auf die jetzige Macht des geeinten Deutschen Vaterlandes. Die gesummte Ein- weihungsfeier trug einen ungemein festlichen Charakter, sie wurde durch ein großes Festessen,
das eine zahlreiche Betheiligung aufwies, im Gürzenich beschlossen.
In Marseille ist am Mittwoch Abend eine mit Dynamit geladene Höllenmaschine vor der K o m in a n d a n t n r des 15. Armeekorps explodirt. Das Attentat hat nur unbedeutenden materiellen Schaden angerichtet, indem ein Schilderhaus und die Fenster des Gebäudes zertrümmert wurden. Personen sind nicht verletzt worden. Eine zweite Bombe wurde in der Flur des Hauses gefunden. Ein Italiener, welcher der That verdächtig sein soll, wurde verhaftet.
Wie dem „W. T. B." aus Barcelona gemeldet wird, hat die am Mittwoch daselbst erfolgte Verhaftung des sozialistischen Führers Fontanals, welcher durch die gerichtliche Untersuchung in den Anarchisten-Prozeß verwickelt sein soll, in Arbeiterkreisen große Erregung hervorgerufen. Die Vereinigung der Arbeiter, deren Leiter Fontanals ist, hat gegen die Verhaftung Verwahrung eingelegt und jedes Einverständniß mit den Anarchisten von sich gewiesen. — InVillanueva ist eine Nitroglycerin-Bombe in der Nähe der Gendarmeriekaserne explodirt, hat aber nur Materialschaden angerichtet.
Aus Provinz und Nachbar gebiet.
Hersfeld, den 17. November 1893.
* Nach der neuesten Lebensmittelpreistabelle der „Statist. Korr." ist der Preis von Weizen und Roggen im Oktober abermals niedriger geworden. Der Weizen steht um mehrere Mark unter dem bisherigen niedrigen Preise des letzten Jahrzehnts, und der Roggen ist nur einmal, in der Zeit vom August 1887 bis April 1888, billiger gewesen. Auch der Kartoffelpreis ist sehr erheblich zurückgegangen und steht bereits unter dem niedrigen des Vorjahres. Die Futterpreise bleiben a n - dauernd hoch. Ein Vergleich der Lebensmittelpreise mit denen des Oktobers vorigen Jahres ergiebt: im Laufe des letzten Jahres billiger geworden sind: Roggenmehl um 10,7 Prozent, Weizen um 9,5, Roggen um 9,1, Hammelfleisch um 4,0, Rindfleisch um 3,9, Koch- erbsen um 3,8, Weizenmehl . um 3,3, Linsen um 2,7, Speisebohnen um 2,0, Kalbfleisch um 1,6, Schweinefleisch um 1,5, Eßbulter um 0,8, Kaffee und Gerste um 0,7 und Kartoffeln um 0,2 Prozent. Denselben Preis wie im Vorjahre hatte der Javareis. Theurer sind geworden der Speck um 0,6, Eier um 2,8, Schweineschmalz um 3,7, Haser 14,7, Stroh um 26,9, und Heu um 35,0 Prozent.
* Nachdem nunmehr die Ziehung der vierten Klasse 189. Lotterie beendet ist, erfolgt vom 21. November ab die Auszahlung der Gewinne gegen Rücklieferung der Loose. Bis zum 25. November Abends 6 Uhr, muß die Erneuerung der Loose zur ersten Klasse 190. Lotterie bewirkt sein, falls der bisherige Besitzer des Looses von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen will.
* lSt e rn s ch n u p p e n s ch w ä r m e im Novembe r.) Die Beobachtungsbedingungen für den Schwärm der Leoniden, der also aus dem Sternbilde des großen Löwen auszustrahlen scheint, sind in den Anfangslagen dieser Himmelserscheinung nur wenig günstige gewesen. Für die Tage vom 27. bis zum 29. sei jetzt auf den Schwärm der Andromediden aufmerksam gemacht. Das Sternbild der Andromeda steht unter demjenigen des Perseus und letzteres ist in diesem Monate nahezu im Zenith. Im vorigen Jahre find bekanntlich die Andromediden in reicher Pracht aufgetreten und namentlich in Nordamerika beobachtet worden. Ein gleich großartiges Schauspiel ist für dieses Jahr aber nicht zu erwarten.
* Ueber die Verbreitung der Iagdlieb - h a b e r e i in Preußen giebt die Zahl der ausgegebenen Jagdscheine genaue Kunde. Nach einer im „Reichs-Anz." veröffentlichten Zusammenstellung sind in der Zeit vom l. August 1892 bis 31. Juli 1893 in Preußen nicht weniger als 196774 Jagdscheine ausgegeben worden, so daß auf ungefähr 80 männliche Personen 1 Jagdschein entfällt. Rechnet man die nahezu 4 000 000 betragenden Personen unter >8 Jahren, von denen sich nur wenige im Besitze eines Jagdscheines befinden dürften, ab, so kommt auf ungefähr 55 Erwachsene 1 Jagdliebhaber. Im Vergleiche zum Vorjahre sind 8250 Jagdscheine mehr ausgegeben worden, während im Jahre zuvor eine Abnahme um 1019 stattgefunden hatte. Vor 10 Jahren wurden nur 163 769, vor 20 Jahren 125141
I Jagdscheine ausgegeben, so daß also die Zunahme in 20 Jahren 71 633 betrug. Die meisten Jagdscheine entfallen auf das Rheinland trotz der dort wenig ergiebigen Jagd (24 880). Nur wenig zurück steht Sachsen mit 24598, dann folgen Schlesien mit 21760, und Brandenburg mit 19251,
* Das beste Mittel gegen Schnupfen soll nach Dr. Onimuß in Monako Citronensaft sein. Man gießt in die hohle Hand eine ordentliche Portion Saft einer gut reifen Citrone und zieht denselben durch die Nase in den Mund. Zwei bis drei solcher Aufsaugungen genügen zur Heilung. Auch bei chronischer Halsentzündung und solchen, die den Schlund lokalisiren, soll nach der „W. Drog.-Ztg." das Verfahren ausgezeichnete Wirkung thun.
* Hersfeld, 17. November. Weihnachts- Packetsendungen nach den Vereinigten Staaten, welche mit der deutschen Packetpost den Adressaten rechtzeitig zum Fest zugehen sollen, sind zweckmäßig vor Ablauf des Monats November zur Post zu liefern, bei späterer Absendung kann wegen der in New-Aork mit der Verzollung verknüpften Umständlichkeiten und Stauungen auf eine rechtzeitige Zustellung der Packete nicht sicher gerechnet werden.
Hersfeld, 16. November. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einenErlaßdesEisen- b a h n - M i n i st e r s an sämmtliche Eisenbahn- Direktionen, worin er diesen zur Pflicht macht, dafür zu sorgen, daß bei Absperrung der Perrons mit der erforderlichen Rücksicht gegen das Publikum vorgegangen und untersucht werde, wie weit Mängel hervorgetreten und Beschwerden gerechtfertigt sind.
* Hersfeld, 16. November. Dem Förster N o g a tz in Gittersdorf ist das goldne Ehren- portepee verliehen worden.
Hersfeld, 17. November. Die dritte diesjährige Schwurgerichtsperiode des Landgerichtsbezirks Kassel wird am 23. November d. Js. ihren Anfang nehmen und kommt an diesem Tage die Strafsache gegen den Schneidergesellen Ferdinand H a r t m a n n von hier wegen raubähnlichen Diebstahls zur Verhandlung.
V ebra, 15. Novbr. Als heute Morgen im benachbarten Gilfers Hausen der Oekonom Lange seine Dienstmagd, weil dieselbe trotz vorgerückter Zeit noch nicht aufgestanden war, wecken wollte, mußte er die schreckliche Entdeckung machen, daß das Mädchen todt im Bette lag, während das Zimmer von Rauch und Qualm erfüllt war. Durch das Oesinen der Thür und den dadurch entstandenen Luftzug sing auch das Bett an, hell in Flammen zu gerathen, die allerdings schnell gelöscht werden konnten. Das Mädchen hatte Tags und Abends vorher die Kirmeß mitgemacht, sich übermüdet zu Bett gelegt und war von dem Qualm erstickt worden. (C A. Z.)
Malges, 15. November. Gestern Abend um 8 Uhr brach in dem Hause des Johannes Lübeck dahier Feuer aus. Das Wohnhaus sowie Scheuer und Stallung sind ganz niedergebrannt. Das Feuer ist in der oberen Stube in der Wohnung der Wittwe Koch, welche wohnberechtigt in bem Hause ist, ausgebrochen. Die Wittwe Koch selbst ist, trotzdem sie zweimal von der Feuerwehr aus bem brennenden Hause entfernt worden ist, bei Rettung ihrer Habseligkeiten in den Flammen um5 gekommen und wurde deren Leiche heute Morgen verkohlt ausgefunden (H. K.)
Carlshafen, 12. November. Gestern Nachmittag 4 Uhr wurde hier ein Riesen-Luftballon in nordwestlicher Richtung bemerkt. Durch das Fernglas sahen wir auch die darunter hängende Gondel mit einigen Insassen. Heute erfahren wir nun, daß der Ballon bei der 6 Kilometer von hier entfernten Eisenbahnstation Lauenförde sich niedergelassen und demselben zwei Offiziere der Luftschifferabtheilung entstiegen sind, welche Morgens 9 Uhr von Charlottenburg abgefahren und nach glücklicher, bei nicht zu starker östlicher Luft vollbrachter Fahrt nach 4 Uhr Anker warfen, um alsbald den gegen 5 Uhr von Lauenförde nach Berlin abgehenden Personenzug zur Rückfahrt benutzen zu können.
Hannover, 15. November. Heute begann vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts ein Nachspiel zu dem großen Spieler- und Wuchererprozeß. Es sind des gewerbs und gewohnheitsmäßigen Wuchers angeklagt: Rentier Krain und Frau Guhl aus Berlin, die Agenten Hollmann und Hirsch und die Wittwe Schwietzer aus Hannover. Den Vorsitz des Gerichtshofes führt wiederum Landgerichts-Direktor Heinroth, die Staatsanwaltschaft vertritt Gerichtsassestor