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das Frühstück einzunehmen. Auch den Nachmittag über gedachten die Kaiserlichen Majestäten in Berlin zu verbleiben und erst am Abend, nach dem Besuch des Theaters, nach dem Neuen Palais zurückzukehren. Morgen gedenkt Se. Majestät der Kaiser an der St. HubertuS-Parforcejagd im Grunewald theilzunehmen.

Unter den ersten Vorlage», die dem Reichstag zugehen sollen, befinden sich die H a n d e l s v er­trüge mit Rumänien, Serbien und Spanien. Die provisorischen Abkommen mit Rumänien und Serbien laufen bis Ende des Jahres, das Pro­visorium mit Spanien ist soeben vom 1. November bis Ende des Jahres verlängert worden. Der Reichstag wird bis zum Beginn der Weihnachts­ferien reichlich Zeit haben, diese Handelsverträge zu berathen. Wenn die deutsch-russische Zollkonsereuz zu Ende kommen wird, läßt sich noch in keiner Weise absehen; es können noch Monate darüber hingehen. Ferner wird der Reichstag alsbald den R e i ch s h a u s h a l t er­halten. Eine Reihe von Sonderetats liegen dem Bundesrath bereits vor. Auch das Vieh- s e u ch e n g e s e tz ist zur Einbringung im Reichs­tage fertig; es entspricht der Vorlage, die dem Reichstag im vorigen Winter zuging, aber wegen der Militärdebatten nicht zur Berathung kam.

Es wird, wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, beabsichtigt, im Zusammenhang mit der Ausge­staltung des Reichsstempelwesens auch einen Stempel von 10 Pfennigen auf Frachtbriefe einzuführen. Da der 50-Pfennig-Postpacketverkehr frei bleibt, sollen auch die Eisenbahnfrachtpapiere so weit freigelaffen werden, daß keine Prä- gravirung der Eisenbahnfracht gegenüber dem Postverkehr eintritt. Einer gleichen Behandlung wie die Eisenbahnfrachtpapiere sollen auch die des Schifffahrtsverkehrs unterliegen.

Aus Straßburg erhält die „Nordd. Allg. Ztg." folgende telegraphische Mittheilung: In Plaine bei Schirmeck, auf deutschem Gebiete 200 Meter von der Grenze, traf am 1. d. M. der Förster Reiß auf fünf französische Wilderer. Diese schaffen auf Reiß, der in der Nothwehr zwei Schüsse abgab und zwei Wilderer tödtete. Er selbst blieb unverletzt; der gerichtliche Thatbestand wurde sofort festgestellt.

Die Lorbern, welche die Spanier in ihrem nothgedrungenen Feldzuge gegen die marok­kanischen R i f f-K a b y l e n bis jetzt gepflückt haben, nehmen sich recht dürftig aus. Mit Mühe und Noth können sie sich in Melilla trotz aller dahin schon abgeschickten Verstärkungen der mit großer Uebermacht andrängenden und recht gut bewaffneten Kabylen erwehren, kaum, daß sich jetzt General Ortega durch Erstürmung der von den braunen Feinden fast noch auf spanischem Gebiete angelegten Verschanzungen etwas Luft gemacht hat. Die Verluste der Spanier in den Gefechten vor Melilla vom 27.—30. Oktober sind allerdings nach Angabe der jetzt veröffent­lichten offiziellen Verlustlisten nicht so groß, als es ursprünglich hieß, im Ganzen fielen 4 Offiziere und 18 Unteroffiziere und Soldaten, während 15 Offiziere, sowie 73 Unteroffiziere und Soldaten verwundet wurden. — Immerhin kann sich aber der marokkanische Feldzug der Spanier in die Länge ziehen, was in Hinblick auf die in der marokkanischen Frage liegenden internationalen Schwierigkeiten, die sich bereits leise zu regen beginnen, nicht unbedenklich wäre.

Der jüngste Kolonialkrieg der Engländer, derjenige gegen die M a t a b e l e in Südafrika, hat nach kurzer Dauer mit der völligen Nieder­lage der Matabele geendet. Dieselben wurden in mehreren Gefechten von den Truppen der englisch-südafrikanischen Gesellschaft gänzlich ge­schlagen und zersprengt. König Lobengula irrt als Flüchtling umher, seine Residenz Buluwayu wurde von den Truppen der Kompagnie besetzt.

Mit der Silberfrage ist in Nordamerika jetzt reiner Tisch gemacht worden. Am Montag hat der Senat mit 11 Stimmen Mehrheit die Abschaffung der Sherman'schen Silberbill be- schloffen und am Mittwoch ist dieser Beschluß vom Repräsentantenhause mit 191 gegen 94 Stimmen endgültig bestätigt worden; auch in der Union sind nunmehr die Tage der Silber­herrschaft vorüber. — Die Weltaus st ellung in Chicago ist nach halbjähriger Dauer am 30. Oktober ohne besondere Feierlichkeiten ge­schlossen worden.

Auf dem RevolutionSschauplatze in Brasilien ist es neuerdings wiederum zu heftigen Kämpfen zwischen den beiden feindlichen Parteien gekommen, aber immer wieder ohne

entscheidende Resultate. Indessen macht die Regierung des Präsidenten Peixote doch merk­liche Anstrengungen, den Aufständischen zu Leibe zu gehen, wozu namentlich der Ankauf von sechs amerikanischen Schiffen gehört, die vermuthlich der brasilianischen Regierung als Ersatz für die aufständische Flotte dienen sollen. Anderseits sucht die in Desterro eingesetzte provisorische Regierung der Insurgenten eine Landarmee zu organisiren, welche offenbar nach Norden auf Rio de Janeiro zu, vorrücken soll.

Aus Provinz und Nachbargebiet

Hersfeld, den 3. November 1893.

* Nach den im Reichs-Versicherungsamt gefer­tigten Zusammenstellungen, welche auf den von den Vorständen ■ der Versicherungsanstalten und der zugelassenen Kasseneinrichtungen gemachten Angaben beruhen, betrug am 1. Oktober 1893 die Zahl der seit dem Inkrafttreten des In - validitäts - und Altersversicherungs­gesetzes erhobenen Ansprüche auf Bewilligung von Altersrente bei den 31 Versicherungs­anstalten und den 9 vorhandenen Kaffeneinrich- tungen 253 700. Von diesen wurden 200 532 Rentenansprüche anerkannt und 44195 zurück­gewiesen, 3607 blieben unerledigt, während die übrigen 5366 Anträge auf andere Weise ihre Erledigung gefunden haben. Von den erhobenen Ansprüchen entfallen auf Hessen-Nassau 5563. Die Zahl der während desselben Zeitraums erhobenen Ansprüche auf Bewilligung von Invalidenrente betrug bei den 31 Ver­sicherungsanstalten und den 9 Kasseneinrichtungen insgesammt 71385. Von diesen wurden 44 642 Rentenansprüche anerkannt und 17925 zurück­gewiesen, 5378 blieben unerledigt, während die übrigen 3440 Anträge auf andere Weise ihre Erledigung gefunden haben. Von den geltend gemachten Jnvalidenrentenansprüchen entfallen aus Hessen-Nassau 1551. — Unter den Personen, die in den Genuß der Invalidenrente traten, befinden sich, dem „R.-A." zufolge, 1220, welche bereits vorher eine Altersrente bezogen.

* Der Monat November hat eine große Anzahl von Tagen aufzuweisen, die der Landmann für bedeutungsvoll hält, weil sie nach den alten Bauernregeln Einfluß auf die kommende Witte­rung haben sollen, so heißt es z. B. gleich vom

1. November, dem Allerheiligen-Tage:

Wenn'« zum Allerbeilgen schneit, Leqe Deinen Pelz bereit.

Auf den 11. November, den Martinstag wer­den mehrere Wetterregeln angewandt; da heißt es in einer:

MartinStag trüb,

Macht den Winter lind und lieb;

Ist er hell,

So macht er das Wasser zur Schell.

In einer anderen Bauernregel wirb der Tag als der echte Frostbringer bezeichnet, denn es heißt:

Sankt Martin,

Feuer im Kamin.

Vom 19. Noveinber, dem Tage der heiligen Elisabeth, sagt man:

Sankt Elisabeth sagt's an,

Was der Winter für ein Mann.

Und vom 23., dem Clemens-Tage, heißt es kurz und bündig:

Clemens bringt den Winter

Der 25. November, St. Kathrina, ist besonders gefürchtet; von ihm wird gesagt:

Kathrinenwinter

Ein Plackwinter, während der Andreastag, der 30. November, mit folgender Bauernregel verzeichnet ist:

Andreasschnee

Thut dem Korne weh.

Endlich heißt es noch vom Schneefall im No­vember :

Viel und langer Schnee Giebt viel Frucht und Klee.

* Den Oberförstern Simon zu Ellnhausen, Martin zu Großenlüder, Dr. Martin zu Jesberg, Meyer zu Oedelüheiin undSellheim zu Hann. Münden, Verwalter der Oberförsterei Gahrenberg, ist der Titel Forstmeister mit dem Range der Räthe vierter Klasse verliehen worden.

*(DerFußbodenanstrichalsKrank-

H e i t s h e r d.) Das sächsische medizinische Landes- Collegium hat neuerdings auf unsere Fußböden als einen bisher völlig unbeachteten Krankheits­herd hingewiesen Die zu ihrem Anstrich ver­wendeten Farben und mit Weingeist gesättigten Schellacklösungen sollen häufig stark bleihaltig sein. Dieser Umstand hat oft langwierige chronische Bleivergiftungen im Gefolge, deren Ursprung man sich bisher in vielen Fällen nicht zu er­

klären wußte. In vielbetretenen Räumen lösen sich nämlich früher oder später Lacktheilchen ab, fliegen als Staubatonie in der Luft umher und werden so von uns eingeathmet und durch die Lungen unserm Blute zugeführt. Dies geschieht auch durch Speisen, die wir in solchen Zimmern genießen. Um solche Vergiftungen zu vermeiden, müßten wir daher mehr als bisher unsere Auf­merksamkeit auf diesen Punkt lenken und die zum Anstrich benutzten Farben oder Lacke, zuvor von einem Chemiker auf etwaige Bleihaltigkeit hin untersuchen lassen.

* (Personal-Veränderungen.) E r - nannt: der zweite Pfarrer Henze in Witzen- Hausen zum Pfarrer der reformirten Gemeinde in Kirchhain, der Civilsupernumerar Klingelhöfer zum Assistenten bei der Regierung in Cassel, der Katasterlandmesser Heucke vom 1. Januar 1894 ab zum Katasterassistenten bei der Regierung in Cassel. — Verliehen: dem Königlichen Bau­rath Hoffmann in Fulda der Rothe Adlerorden III. Klasse mit der Schleife.

△ Hersfeld, 3. November. Vorbei ist die Zeit des Sonnenscheins, und düster schwere Nebel lagern auf Wald und Flur. Der November, der Monat der „schlechten Stimmung", ist nunmehr eingezogen. Noch durchzieht ihn nicht die ahnende, hoffende Freude, die den Weihnachtsmonat hin­durch die Menschenherzen wärmt und erleuchtet; nur das Drückende der verlorenen Sommerfreude und Sonnenhelle lastet jetzt auf uns. Ein einziger Klang von Leid und Entsagung scheint diesen Monat zu durchziehen. — Die Tage werden immer kürzer und kürzer. Am ersten Tage ging die Sonne noch um 7 Uhr 6 Minuten auf und um 4 Uhr 42 Minuten unter; am 30. November aber beginnt der Tag erst um 7 Uhr 54 Minuten und endet schon um 4 Uhr 4 Minuten. Die Tages­dauer sinkt also im jetzigen Monat von 9 Stunden 36 Minuten auf 8 Stunden 10 Minuten.

[:] Hersfeld, 2. November. (Schöffen­gericht.) Der 14 Jahre alte Heinrich Ries von Heenes erhielt wegen Forstdiebstahls eine Geldstrafe von 2 Mk. ev. 1 Tag Gefängniß. — Wegen Sachbeschädigung wurde der Tagelöhner Peter M i ch a e l i von hier mit 3 Tagen Ge­fängniß bestraft. — Die Fabrikarbeiter Theodor Henning und Carl W a l p e r t von hier erhielten wegen Entwendung von Aepfeln aus einem Garten eine Geldstrafe von je 1 Mk. ev. je 1 Tag Haft.

f Hersfeld, 3. November. Bezüglich der am Mittwoch im neuen Teich aufgefundenen Kinbes­te i ch e erfahren wir, daß ein hiesiges Mädchen, als der That verdächtig, heute Morgen verhaftet worden ist.

X Bedra, 2. November. Gestern beging der Eisenbahn-Zugführer Herr F e h l i n g dahier sein Fünfundzwanzigjähriges Dienst - jubiläum. Aus diesem Anlaß ließ der Vete- ranen-Verein Bebra dem Jubilar durch die Kapelle des Herrn Otter aus Hersfeld eine solenne Morgenmusik darbringen. Später versammelten sich eine Anzahl guter Freunde und Kollegen in der Wohnung des Jubilars zu einem gemüthlichen Frühschoppen, wobei es natürlich an schwungvollen Toasten auf den Jubilar nicht fehlte. Herr Inspektor K y r i tz brächte ihm seine persönlichen Glückwünsche dar. Zahlreiche Glückwunschschreiben aus Nah und Fern, die dem Jubilar zugingen, bewiesen die Liebe und Verehrung, deren sich ^^^^ selbe in weiteren Kreisen erfreut. Möge Herr Fehling noch lange seines Amtes in Zufriedenheit und Glück walten.

Cassel, 2. November. Se. Hoheit der Erb­prinz Bernhard von S a ch s e n - M e i n i ngen, der neu ernannte Kommandeur der 22. Division, traf gestern Nachmittag mit dem Berliner Schnell­zuge um 3 Uhr 13 Minuten hier ein und wurde am Bahnhöfe von den Stabsoffizieren der 22. Di­vision, Hauptmann Liman und Premierlieutenan! Ahmed Jzzet Bey, empfangen.

Cassel, 2. November. In einem Hause der Frankfurter Straße war eine Hausfrau 11,lt Wäscheaufhängen vom Fenster der zweiten Etage aus auf die nach dem Hinterhause führende Schnur beschäftigt, als plötzlich der Porzellanring der Leine, die sich verkoppelt hatte, zerbrach. Die Frau wollte die Wäsche zu sich ziehen, bog sich dabei zu weit aus dem Fenster und betam das Uebergewicht, so daß sie vom Fenster zweiten Etage herunterstürzte, zunächst auf ein Stalldach und von da auf den Hof, wobei m schwere Verletzungen erlitt.

Cassel, 1. November. Der Hilfsaufseher u^ hiesigen Zuchthaus Ger st ung, welcher an