ihm zu zahlenden Kanalbenutzungsbeitrages, der Stadtrath hat dem Gesuche entsprochen, womit man sich einverstanden erklärte. — Als zweiter
Punkt auf der Tagesordnung stand die Stadtrechnung vom Jahre 1892. Die zur Prüfung derselben eingesetzte Kommission hatte dieselbe durchgesehen und nichts dagegen zu erinnern gefunden, weshalb die Rechnung an den Stadtrath kurzer Hand zurückgeht. — Einem Beschlusse des Stadtrathes auf Weiterverpachtung einiger zu Michaeli d. J. pachtlos gewordener städtischer Grundstücke stimmte man zu, ebenso hieß man die anderweite Fassung des zu erlassenden neuen Trottoirstatuts für hiesige Stadt gut. — Ein in der Sache, betreffend den Verkauf eines städtischen Bauplatzes, früher gefaßter Beschluß erfuhr eine kleine Berichtigung. — Somit war die Tagesordnung für die öffentliche Sitzung, an welcher sich eine vertrauliche anreihte, erledigt.
t Hersfeld, 25. Oktober. Bei der bevorstehenden Landtagswahl ist die hiesige Stadt in
fünf Urwahlbezirke eingetheilt.
Der erste Bezirk „ zweite „ „ dritte „ „ vierte „ „ fünfte „
umfaßt die Haus-Nrn. 1—139
//
140—295
296—509 510—637'/,
außerhalb der
Häuser Stadt.
Die Wahl der Wahlmänner wird am 31. Oktober d. J. Vormittags 10 Uhr im Rathhause vorgenommen und zwar:
für den Bezirk I im Zimmer Nr. 7
// // "
Zu wählen sind in den drei ersten Bezirken je 6, im vierten 5 und im fünften 3, zusammen 26
Wahlmänner.
bassel, 24. Oktober. Zum Nachfolger des Prinzen Friedrich von Hohenzollern, im Kommando der 22. Division, ist, wie verlautet, General- Major von Schell, früher Oberst und Kommandeuer des Infanterie - Regiments von Wittich hier, in Aussicht genommen.
Cassel, 23. Oktober. Die dritte und letzte diesjährige S ch w u r g e r i ch t s p e r i o d e des Landgerichtsbezirks Cassel wird gutem Vernehmen nach in der zweiten Hälfte des Monats November stattfinden. Der Beginn der Verhandlungen ist desinitiv noch nicht bestimmt, doch werden sich dieselben bis gegen Schluß der zweiten Woche erstrecken, da 9 bis 10 Straffälle dem Schwurgericht zur Aburtheilung und Verhandlung über- wiesen werden.
Wolfhagen, 22. Oktober. In den, benachbarten Dorfe I st h a tritt seit einigen Wochen die D i p h t h e r i t i s recht bösartig auf. Von den erkrankten Kindern sind bereits acht gestorben. Die Schule wurde auf Anordnung der Behörde geschlossen.
Eschwege, 21. Oktober. Zu welcher Unan- nehmkichkeit und finanziellen Schädigung allzugroße Vertrauensseligkeit führen kann, zeigt folgender Vorfall, der zur Warnung für andere Geschäftsleute hier Platz finden möge. Zu einem hiesigen Schneidermeister kam vor Kurzem ein etwas zweifelhafter Kunde, um sich auf Credit zwei An- züge zu bestellen. Dieser wurde ihm gewährt, doch behielt sich der Lieferant das Rückkaufsrecht
vor. Nach Erhalt der beiden Anzüge hatte nun aber der mit unredlichen Absichten umgehende Empfänger nichts Eiligeres zu thun, als den einen derselben nach Auswärts zu schicken, während er den zweiten zu seiner ständigen Bekleidung verwandte, um etwaiger gerichtlicher Pfändung var- zubeugen. Hierüber von dem Schneidermeister aus offener Straße zur Rede gestellt, überhäufte der Schwindler den Ersteren mit Schimpfworten und bedrohte ihn sogar mit gezogenem Messer. Nunmehr hat der (Geschäftsmann Strafantrag gegen den Messerhelden gestellt, der demselben eine (Gefängnisstrafe ein bringen wird. Der allzu vertrauensselige Schneidermeister aber wird kaum eine Entschädigung für sein nicht gerade kleines (Guthaben erhalten.
Hannover, 23. Oktober. Der große Spieler- und Wucherpryzeß hat heute unter großem An- ,range des Publikums vor der Strafkammer la e Pest gen königlichen Landgerichts begonnen. führt. Landgerichtsdirektor Heinroth, un 1roat1'^ ist durch Staatsanwalt ^nL>f^ Seel vertreten; den ' ' ^ eine Reihe von Vertheidigern zur aette.
Vermischtes.
— Berlin, 23. Oft. Die Durchstechereien von Eisenbahnbeamten auf der Stettiner- und Nordbahn sind von dem Kriminalkommissär Zillmann aufgedeckt worden. Bisher sind einige dreißig Beamte vom Fahrpersonal, Zugführer und Schaffner, verhaftet worden. Es handelt sich um Billetschiebereien im größten Style. Wie erinnerlich, hat die Berliner Kriminalpolizei große Durchstechereien mit Fahrscheinen seitens der Beamten auf der mecklenburgischen Friedrich- Franz-Bahn und auf der Hamburg-Büchener Bahn entdeckt. Aus der erstgenannten Bahnstrecke ist die Zahl der Defraudanten von anfänglich 17 auf 50 gestiegen, bei der Hamburg-Büchener Bahn ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen, die Zahl der Defraudanten also noch nicht zu über- sehen; im Direktionsbezirk Köln sind bereits 60 Beamte in die Untersuchung verwickelt. Es lag daher nahe, auch die Stettiuer- und die Nordbahn einer Beobachtung zu unterwerfen. Als am Sonnabend früh kurz vor 6 Uhr ein Zug nach Stargard abgehen sollte und das Fahrpersonal am Büffet des Wartesaales noch ein Glas Bier trank, bemerkte einer von den Beamten: „Was soll denn das bedeuten? Der ganze Bahnhof steht voller Kriminalbeamten!" „Ach was, entgegnete ein Anderer — uns kann Keiner!" In demselben Augenblicke eilte Kommissar Zillmann auf den Perron und verhaftete soviel Beamte des Zuges, daß schleunigst Nothbremser herbeigeholt werden mußten, um den Zug auf der Fahrt zu bedienen. Die Verhaftungen wurden bis gestern Abend fortgesetzt. Kommissar Zillmann ist nicht allein als Viehhändler aus der Strecke gefahren, er hat auch, um die Täuschung vollkommen zu machen, Pferde und Rindvieh verladen und begleitet, er hat mit den Zugbeamten gekneipt und sich in deren Vertrauen eingeschlichen, so daß er für Trinkgelder halb umsonst fahren konnte. Die Erledigung der Aufgabe ist nicht leicht gewesen. Fünfzehn Kriminalbeamte waren unter Leitung des Kommissars Zillmann den ganzen Sommer über in den Seebädern der Ostsee thätig, um den Durchstechereien auf die Spur zu kommen. Unter den Verhafteten befindet sich ein Schiffs- kapitain außer Diensten, der zum Eisenbahndienst übergegangen, ein Inhaber des Eisernen Kreuzes erster Klasse und verschiedene sehr gut fituirte Beamte. Welchen Umfang die Untersuchung annehmen wird, läßt sich noch gar nicht absehen.
— Heidelberg, 19. Oktober. Ein heiteres Vorkommnis, welches sich am vorigen Dienstag bei der Gestellung der Rekruten des hiesigen Aushebungsbezirkes abspielte, wird viel belacht. Unter den angehenden Jüngern des Mars befand sich auch ein strammer Bauernknecht, in langen Stiefeln, eleganter Joppe und mit einer grasgrünen Kravatte um den Hals. Der zur Uebernahme des seinem Regimente zugefallenen Antheils der Rekruten von Karlsruhe hierhergekommene Vizefeldwebel musterte den sein herausgeputzten Burschen mit kritischen Blicken und rief demselben dann spöttisch zü! „Du jefällst mir!" Der Angeredete antwortete darauf zum allgemeinen Gaudium seiner Kameraden: „Du mir a!"
— O b e r p l e i ch f e l d. Am vergangenen Sonntag spielten hier zwei Knaben „Gäules". Der Aeltere führte den Jüngeren in den eben leeren Pferdestall und band ihn an die Krippe. Der „Gaul" sagte: „Wenn Du mir nichts zu fressen giebst, werde ich wild," riß dabei an der Krippe, die locker gewesen zu sein scheint. Der schwere Stein stürzte herab und zermalmte den Kopf des unglücklichen Kindes.
— Böhle (Westfalen), 17. Oktober. Auf gräßliche Art taut hier ein Schaffner ums Leben. Derselbe befand sich auf dem Laufbrett als der Zug über eine Brücke führ. Der Beamte schlug mit dem Kopf an einen Pfeiler und war sofort todt.
— Pari s. Das ben russischen Gästen zu Ehren gestern auf dem Marsfelde verunstaltete Volksfest hat 50000 Fr. gekostet. Es wurden verzehrt: 25 Fässer Wein, 4000 Flaschen Mineralwasser, 2000 Flaschen Champagner, 500 Liter Cognac, 500 Liter russischer Salat, 40 Fässer russische Sardinen, 100 Liter Oel, 100 Kilogr. Zucker, 100 Kilogr. Salz rc.
— Eine Liebestragödie. Aus Mailand meldet das Neue Wiener Tagblatt: Eine in N i m i n i vorgekommene Liebestragödie erregt großes Aufsehen. Der 24jährige Beamte Tonini unb die 18jährige Zaira B e n v e n u t i, die Tochter eines angesehenen Bankiers, tödteten sich in einem Hotel, weil ihrer Vereinigung Hindernisse im Wege standen.
— K o n st a n t i n o p e l, 23. Oktober. Die Meldung des „Standard", daß die Cholera in Konstantinopel größere Verheerungen anrichte, wird hier als übertrieben bezeichnet. Seit dem ersten Auftreten der Seuche seien insgesammt 349 Personen an Cholera erkrankt und 208 gestorben ; in ben Jedermann zugänglichen fremden Spitälern sei kein Cholerafall vorgekommen.
— Chicago. Ein sehr merkwürdiger Patient wurde unlängst einem hiesigen Zahnarzt vorgeführt. „Georg", ein Flußpferd aus einer hier befindlichen Menagerie, litt seit längerer Zeit an Zahnschmerzen; das liebe Thier hatte einen faulen Backenzahn, und man beschloß, ihm denselben ausziehen zu lassen. Das war aber leichter gedacht als gethan, und noch niemals hat wohl ein Zahnarzt einen ungeduldigeren Patienten gehabt, als den leidenden „Georg". Schließlich gelang es aber doch, das Ungeheuer in die richtige Lage zu bringen; mittelst eines großen Stückes Holz wurde ihm das Maul geöffnet und offen gehalten, und dann ging die Operation von statten. Der kranke Zahn wich aber erst, nachdem vier zahnärztliche Gehülfen und ein Menageriediener eine Stunde lang daran „herumgedoktert" hatten. Jetzt ist das Flußpferd wieder gesund und gut gelaunt.
— Das bereits aus Detroit gemeldete große E i s e u b a h n - ll n g l ü ck ereignete sich am Morgen des 20. Oktober um 4 Uhr auf dem Bahnhof der Chicago- und Grand Trunk-Eisen- bahn in Battle Creek in Michigan, wo ein mit Ne wyorkern und Bostoner Aus flü glern nach der Chicagoer Ausstellung besetzter Extrazug mit einem Pacific-Eilzug zusammenstieß. Der Eilzug fuhr mit einer Geschwindigkeit von 30 englischen Meilen die Stunde. Die beiden Lokomotiven gerietheu in einander und wurden völlig zertrümmert. Die hinter den Lokomotiven befindlichen Wagen schoben sich in einander hinein. Die Wagentrümmer gerietheu in Brand und die Fahrgäste wurden hilflos unter denselben begraben. 26 Personen haben nach den letzten Meldungen ihren Tod gefunden. Viele davon sind verbrannt. Es dauerte eine ganze Weile, bis Wasser zum Löschen des Feuers herbeigeschafft werden konnte. Den Verwundeten sind Beine und Arme vielfach verbrannt. Sämmtliche Aerzte Battle Creeks erschienen alsbald auf der Unglücksstätte. Die Verwundeten wurden in das Bahnhofsgebäude geschafft. Die Todten hatten sich fast sämmtlich in dem dritten Wagen des Extrazuges befunden, der, wie die amerikanische Blätter hervorheben, die Unglückszahl „13" trug. — Am Tage vorher stieß drei Meilen von Kanakee der mit Ausflüglern nach der Chicagoer Weltausstellung besetzte New-Orleans limited Zug mit einem Kohleuzuge auf der Illinois Central Eisenbahn zusammen. 8 Personen wurden schwer verwundet.
St«rndesamtsbe;irk Hersfeld.
Vom 1. bis incl. 15. Oktober 1893. Eheschließungen.
Am 7. Jakob Heinrich Gonnermann, Wagner zu Kalkobes, mit der Dienstmagd Gertrude Christine Ringler hier. — 14. Johannes Wille, Posthülf«bote in Cassel, mit der Näherin Elise Rudolph dahier. Johannes Range, Schlosser, mit der Dienstmagd Katharina Elisabeth Licht dahier.
Geburtsanzeigen.
Am 1. Anna, T. der unverheiratheten Margretha Heubel.
— 2. Oskar Ferdinand, S. des Oekonomen Friedrich Friedrich. — 4. AloiS Bernhard, S. des Buchbinders Alois Quenzer, — 6. Anna Katharina, T. des Fabrikarbeiters Heinrich August Marr. Anna Martha, T. des Fabrikarbeiters Johannes Schmidt. Wilhelm, S. des Privatmanns Georg Eduard Wormbs. — 7. Arthur, S. des Privatmanns Georg Eduard Wormbs. — 8. Friedrich, S. des Hutmachers Martin Biel. — 9 Engelhardine, T. des Tuchmachers Karl Henning. — 11. Ernst, S. des Metzgers Johann Konrad Herda. Konrad, S. der Dienstmagd Margrethe Habermehl zu Kalkobes. — 13. Louise Johanne, T. des Lohgerbergesellen Johannes Steinhauer. — 14. Anna, T. des Fabrikarbeiters Ernst Kehre«. Wilhelmine, T des Tagelöhners Philipp Heß. Rosine, T. des Tagelöhners Christian Bust. Wilhelmine, T. des Maurers Karl Johann Christian Dinser.
S t e r b e f 8 l l e.
Am 1. Anna, T. des Müllers Heinrich Kleinschmidt auS Spangenberg, 4 Jahre alt. Anna Maria, T. des Dachdeckers Heinrich Glutb, 2 Jahre alt. Loren; Fink, Tagelöhner aus Obersuhl, 59 Jahre alt. — 4. Nikolaus, S. bei Weißgerber- gehülfen Johannes Witzel zu Kalkobes, 8 Monate alt. Laura Regine, Ehefrau des Banunternehmers Johannes Julius Roll, 55 Jahre alt. Katharina Elisabeth, Ehefrau des Schuhmachers Johannes Langenberg, 28 Jahre alt. Johann Friedrich, S. des Sattler« Friedrich Carl Müller, 28 Tage alt. — 6. Catharina Elisabeth, T. des Fabrikarbeiters Wilhelm
4 Jahre alt. Anna, T. des Weißgerbers George Heußner zu Kalkobes, 3 Jahre alt. — 7. Anna Catharina, Ehefrau des Schreiners Peter Otter, 42 Jahre alt. Clife Schulz, Fabrikarbeiterin, 18 Jahre alt. — 8. Johanne«, S. des Zimmermanns Konrad Herbst zu Kalkobes, 2 Jahre alt.
12. Valentin, S. des Kürschners Johann Georg Heußner aus Kalkobes, 10 Monate alt. — 13. Peter Diebcner, Schäfer. 59 Jahre alt.