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Htlssel-tt Kreisbliltt

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 185

Dienstag den 24. Oktober

1893

Amtliches.

Hersfeld, den 20. Oktober 1893.

Mit Rücksicht auf die Höhe der vorhandenen Reservefonds wird für das Jahr 1894 von der Erhebung jeglicher Viehseuchen-Abgabe abgesehen.

Da gleichwohl eine Zahlung des Viehbestandes am 2. bezw. 3. November b. Js. zu statisti­schen rc. Zwecken erforderlich ist, ist dieselbe seitens der Herren Ortsvorstände des Kreises vornehmen zu lassen und mir bis zum 20. November d. Js. berichtlich anzuzeigen:

a) wie viel Stück Pferde und Fohlen,

b) Rindvieh

bei der Zahlung ermittelt worden sind.

I. 6104. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 20. Oktober 1893.

Der Schulknabe August Rössel von Lindigs- hof bei Dermbach ist ergriffen und an seine Eltern abgeliefert worden.

Das Ausschreiben vom 12. Oktober er. 1. Nr. 6000 (Kreisblatt Nr. 121) hat hierdurch Erledigung gefunden.

l. 6115. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

Das Geschäftslokal be?" Landes-Renterei befindet sich vom 21. Oktober d. J. ab

Vtthnhofsstvatze Nr. 6<- in bent neuerbauten Kause des Schreinermeisters B a u m g a r d t.

Hersfeld, den 17. Oktober 1893.

Der Landes-Rentmeister Fasold.

(Nachdruck verboten.) Unebeubürtig.

Roman von H. von Zieqler.

(Fortsetzung.)

Ah, er ist fort und sie mit ihm! Welche Angst ich hatte, dieser finstere Mann könne so­gleich mit der Pistole auf mich losgehen; so ist's ganz gut, denn natürlich reise ich noch vor dem Duell ab. Tante Melanie's Absicht mit der Heirath war ganz schön, aber doch zu schwer aus­führbar, denn der Graf ist gleich da mit Drohungen und er wird sie auch aussühreu. Nein, nein, da giebt's anderweitig auch schöne, reiche Mädchen, die nicht so schwer zu erlangen sind. Wäre mir dieser Herr Onkel nicht da­zwischen gekommen, hahaha! dann hätte ich das Fräulein sogleich als Braut umarmt und der Tante vorgestellt. Sie war schuld an dem Plane, renn in meinem Kopfe wäre der wohl nicht ent- sprungen."

Noch immer heftig zitternd, lehnte Nora indeß rn den Kissen des Wagens, während Wildenstein m 'en rhr saß, ohne eine Silbe zu reden, starr mnaus m das Dunkel der Nacht blickend, aus ein 1 a)on hier und da einige Laternen der Stadt ausleuchteten.

E^ war eine seltsame Situation, Seite an

Politische Nachrichten.

Berlin, 23. Oktober.

Am gestrigen Tage wurde das Geburtsfest der Kaiserin im Neuen Palais festlich begangen. Wie alljährlich, so hatte auch diesmal der Kaiser die Vorbereitungen zur Geburtstagsfeier geleitet und persönlich auch den Aufbau Der Gescheute geordnet. Die Feier fand zunächst im engsten Kreise der Kaiserfamilie statt. Zur persönlichen Gratulation war schon in früher Morgenstunde der Prinz Heinrich aus Darmstadt im Neuen Palais eingetroffen, während der Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein sich mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 8 Uhr 5 Minuten früh zur Abstattung seiner Glückwünsche dorthin begeben hatte. -- Um 8 </4 Uhr begaben sich Ihre Majestäten mit der Prinzessin Anialie und den Damen und Herren ihrer Umgebung nach der Hauskapelle in Communs I, woselbst Herr Hofprediger Wendland aus Potsdam- den Gottesdienst abhielt. Nachdem derselbe beendet, kehrten die Majestäten über die Moppke zu Fuß nach dem Neuen Palais zurück. Dort hatte vor demselben die Kapelle des Garde-Jäger-Bataillons Aufstellung genommen, um den Kaiserlichen Majestäten eine Morgenmusik zu bringen. Später hatten auch die Herren des Kaiserlichen Haupt­quartiers der Kaiserin persönlich ihre Glückwünsche darbringen dürfen. Der R e g e n t von Braunschweig, Prinz Albrecht von Preußen, begab sich mit dem Zuge um 11 Uhr zur Gratu­lation nach dem Neuen Palais. Auch die ur Potsdam anwesenden fürstlichen Herrschaften hatten Mittags ihre Glückwünsche dargebracht. Zur Feier des Tages fand dann um 12*/4 Uhr bei den Majestäten im Neuen Palais eine größere Frühstücktafel statt. Nach Aufhebung der Tafel

Seite mit dem schönen Mädchen, welches er sogar aus höchster Gefahr gerettet und doch im Herzen fern von ihr. Er fühlte sich stolz und glücklich, daß er es gewesen, der sie befreien durfte, er wartete sehnlichst auf ein Wort von ihren Lippen; und endlich kam es! Leise, zitternd, wie ein Hauch schlug ihre Stimme an sein Ohr:

Ich bin Ihnen vielen, vielen Dank schuldig, Herr Graf."

Sein Herz bebte vor Entzücken, aber beunod) beherrschte er sich genug, um ruhig zu erwidern:

Durchaus nicht, gnädiges Fräulein, es war Kavalierspflicht, die ich geübt und nur durchaus selbstverständlich."

Aber, daß Sie gerade Derjenigen beigestanden haben, die die Ihnen so wehe gethan" ihre Stimme stockte. Wie gern hätte Wildenstein ihre kleine Hand ergriffen, um sie zu beruhigen, aber er beherrschte sich vollständig.

Ich kann verstehen und vergeben; Sie beur­theilen die Vergangenheit genau so schroff wie Ihr Herr Vater. Lassen wir das Thema fallen. Wir wollen einander völlig fremd sein wie Men­schen, die sich zufällig zum ersten Male getroffen haben."

O doch nicht, Graf Wildenstein, ich schätze Sie mehr, als die anderen Herren, denn Sie sagten mir nie fade Komplimente und und

reiste der Kaiser, begleitet vom Regenten von Braunschweig und dem Prinzen Heinrich von Preußen, zur Theilnahme an den Jubiläumsfest- lichkeiten von der Station Wildpark aus mittels Sonderzuges nach Dresden ab. Die Kaiserin verbrachte die Nachmittagsstunden im Familien­kreise. Am Abend um 8 Uhr fand im 9teueu Palais eine Soiree statt, zu der etwa 50 Ein­ladungen ergangen waren. Zum gestrigen Ge­burtstage waren der Kaiserin von nah 'und fern überaus zahlreiche Glückwunschschreiben und Tele­gramme, sowie prachtvolle Blumenspenden zuge- gaugen. Die Wachen und Posten zogen im Paradeanzuge mit Haarbusch auf. Die königlichen Schlöffer und Palais, die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser hatten zur Feier des Tages Flaggenschmuck angelegt.

König Albert von Sachsen beging am Sonntag sein 5 0 j ü h r i g e s Militair- d i e n st j u b i l ä u m in Gegenwart eines glänzenden Kreises fürstlicher Gäste, der sämmtlichen komman- direnden Generäle des Reichsheeres u. s. w. und unter zahlreichen Kundgebungen freudiger Theil­nahme aus weiten Schichten des Sachsenvolkes. Kaiser Wilhelm selbst hatte es sich nicht nehmen lassen, zu dem herrlichen Ehrentage seines er­lauchten Freundes und Verbündeten nach Dresden zu kommen und dem ruhmgekrönten fürstlichen Feldherrn, dem erfolgreichen Helfer am Werke der deutschen Einigung, dem treuen Waffengenossen der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich, persönlich seine herzlichsten Glückwünsche darzubringeu.

DieRordd. Allg. Ztg." schreibt: Trotz sehr bestimmter Dementis taucht die Behauptung ungewöhnlich großer M a r i n e f 0 r d e r u n g c u immer von Neuem in der Presse auf. Wir glauben dem gegenüber auf Grund zuverlässiger Nachrichten versichern zu dürfen, daß Seine Majestät der Kaiser aus eigenster Entschließung

mir thut es am meisten leid, daß ich Sie Haffen soll."

Ein glückseliger Dankesblick des ernsten Mannes flog zum Himmel auf bei den naiven Worten; ein Licht, blendend und wundersam berauschend, märchenhaft tauchte tu weiter Ferne auf. Ob es eines Tages wohl ihm leuchten sollte!

Wenn ich also nicht ihr Oheim wäre, Fräu­lein Nora, würden Sie mich ganz gern .haben?" frug er dann plötzlich.

Ja gewiß. Ich habe Sie ganz anders be­urtheilt, Herr Graf: Nun ich weiß, wie adels- stolz Sie sind fürchte ich mich vor Ihnen."

Er mußte lächeln, dann aber antwortete er ernst:

Sie können nicht begreifen, Fräulein Nora, daß ein Charakter sich erst im Leben entwickelt. Damals als meine theure Schwester, Ihre Mutter, denjenigen fand, den sie liebte, da ver­stand ich noch nicht, was eben echte Liebe war. Heute denke ich anders und würde mich selig preisen, wenn ein paar süße, dunkle Augen mich liebevoll anblicken möchten, ohne auch nur an mein gräfliches Wappenschild zu denken."

Die arme Mama hat viel gelitten, als Sie dieselbe verstießen."

Wissen Sie denn aber, Nora, ob ich nicht auch sehr unglücklich darüber war?" fuhr er auf.