geniäß wurde heute Mittag 12 Uhr das sogenannte Lullusfeuer auf dem Marktplatz angezündet. Riit der Lulluswoche beginnen auch die Kirmesfestlichkeiten. — Nächsten Mittwoch ist Kram- und V i e h m a r k t.
* Hersfeld, 16. Oktober. Im verflossenen Monat sind die Getreidepreise nach den Angaben der „Statistischen Correspondenz" allgemein heruntergegangen. — Es betrug nämlich der Preis für 1 OÖO kg Weizen im Durchschnitt des preußischen Staates 146 Mark, gegen 153 Mark im August. Der Roggen kostete im Durchschnitt 130 Mark gegen 136 im August, die Gerste 143 Mark, gegen 144 Mark, der Hafer 162 Mark gegen 167 Mark. Die Preise von Kocherbsen, Speisebohnen und Linsen haben sich kaum geändert, Erbsen kosteten 227 Mark, Bohnen 245 Mark, Linsen 460 Mark. Dagegen ist der Preis für 1000 Kilo Eßkartoffeln von 56,5 Mark im August auf 48,7 Mark im September gesunken. Stroh hat denselben Preis von 56,3 Mark behalten, Hew ist von 99,3 Mark, auf 94,4 Mark gesunken.
Fulda, 13. Oktober. Gestern Vormittag sollte in der Marienkapelle des hiesigen Domes die Trauung eines Brautpaares stattfinden. Wie gewöhnlich hatte sich auch zu dieser Brautmesse ein zahlreiches Publikum eingefunden. Die angesetzte Stunde und mehr verstrich, ohne daß das Brautpaar gekommen ist. Niemand dachte daran, daß ein herbes Mißgeschick im Hochzeitshause eingekehrt sein könnte. Im Begriffe, die Fahrt zur Kirche anzutreten, wurde der Bräutigam, ein Herr aus Hanau, vom Schlage gerührt, der zwar nur leichter Natur war und nur eine partielle Lähmung am Unterkörper zurückließ, aber doch das Vorhaben unausführbar machte. Aerztliche Hilfe war rasch zur Stelle und diese vermochte es, daß die Population des Brautpaares doch noch vorgenommen werden konnte, allerdigs nicht vor dem Altare, sondern zu Hause.
Cafsel, 13. Oktober. Der Geschäftsreisende für die Parfümerie- und Seifenfabrik von Schön u. Comp. in Leipzig, der am 13. Dezember 1866 geborene Eugen August B u r d a ch aus dem Brandenburgischen, welcher sich seit voriger Woche im hiesigen Landgerichtsgefängniß in Untersuchung befand, hat sich in der Nacht zum Donnerstag in seiner Zelle e rh ä n g t und sich somit seinem irdischen Richter entzogen. Er hatte zu dem Zwecke sein leinenes Taschentuch als Seil gewickelt, ganz einfach, ohne eine Schliepe zu machen, au das Fensterkreuz seiner Zelle gehängt und darauf den Kopf dadurch gesteckt. Es muß also sehr lange gedauert haben bis durch Strangulation der Tod eingetreteu ist.
Cafsel, 13. Oktbr. Vergangene Nacht wurden bei einem Hause am Nammelsberg in Wahlers- Hausen dumpfe Hülferufe vernommen und die aus dem Schlafe geweckten Bewohner fanden, daß dieselben aus dem ca. 40 Meter tiefen Brunnen kamen. Die Kette zum Emporzieheu des Eimers lag oben auf dem Brunnenrand, ebenfalls lagen hier Frauenoberkleider. Es stellte sich heraus, daß ein Mädchen in dem nur einige Fuß Wasser enthaltenden Brunnen lag, welches nun mittels der Kette heraufgezogen wurde. Das 25jährige Mädchen, welches sich vor längerer Zeit von Hause entfernt haben soll, gab an, nach Hause gewollt und sich auf den Brunnenrand gesetzt zu haben, wo es eingeschlafen und in den Brunnen gestürzt sei. Es ist dies jedoch nicht wahrscheinlich, da das Mädchen außer leichten Hautabschürfungen keine Verletzung davongetragen hat. Es wird erzählt, daß der Liebhaber des Mädchens dasselbe in den Brunnen hinabgelassen, die Kette heraufgezogen und sich dann entfernt habe. Untersuchung ist eingeleitet.
Cafsel, 16. Oktober. In einem Extrazug wurden gestern Sonntag Abend 5 Uhr 30 Min. die aus der Provinz 'Hessen-Nassau zum Garde- k o r p s rekrutirten Mannschaften, ca. 500, nach Berlin befördert.
Cafsel, 16. Oktober. Als Kandidat der nationalliberalen Partei für den Landkreis Cassel- Witzenhausen zur bevorstehenden Landtagswahl ist Herr Donlünenpächter P e st a l o z z i in Hapdau bei Altmorschen aufgestellt.
Jestädt, 14. Oktober. Ein 12jähriger Knabe, Zögling des reformirten Waisenhauses in Cassel, welcher die Ferien bei seiner Schwester hier ver- lebt, geriet!) neulich durch Unvorsichtigkeit beim Mtterschneiden mit der rechten Hand in die Futter- Ichneidmaschine, so daß ihm vier Finger zerquetscht wurden. Der bedauernswertste Junge wurde nach ^ichwege ins Landkrankenhaus gebracht.
Hohenrode, 13. Oktober. Der beim Landwirth Stümpel bedienstete 16 jährige Kruse aus Silixen wurde gestern Mittag, als er die zur Erde gefallene Leine aufheben wollte, von dem Pferde an den Kopf geschlagen, wodurch ihm die Schädeldecke vollständig zertrümmert wurde. Kruse ist wenige Stunden nach erhaltener Verletzung im Landkrankenhause zu Rinteln gestorben.
Niederhone, 12. Okt. Vor einigen Tagen vergnügten sich hier mehrere Knaben damit, daß sie mittels Steine Zündhütchen aufschlugen. Plötzlich flog dem Sohn eines Weichenstellers ein solches gerade in das Auge, aus dem sofort das Blut hervorquoll. Auf Anrathen eines Esch- weger Arztes, der zufällig anwesend war, brachten die betrübten Eltern den Jungen nach Göttingen in die Universitätsklinik. Ob die Sehkraft erhalten bleibt, steht dahin.
Frankenberg, 12. Oktober. In der Nacht zum Dienstag brach in dem Hause des Gastwirths Dude zu Obernburg Feuer aus, welches bei dem herrschenden Winde bald größere Ausdehnung annahm und trotz der angestrengtesten Löscharbeiten 8 Gebäude in Asche legte.
Fritzlar, 13. Oktober. Vorgestern Mittag wurde die in Mandern verhaftete und seither im hiesigen Gerichtsgefängniß inhaftirt gewesene Mörderin aus Niedermöllrich, welche am 21. September daselbst den 6jährigen Sohn ihres Nachbars mit einem Schlachtmesser abschlachtete, in die Jrrenheilanstalt nach Marburg transportirt.
Gemünden, 12. Oktbr. Während der gestern unter großer Betheiligung stattgefundenen Beerdigung des am Sonnabend den 7. b. durch den verhangnißvollen Schuß zu Grüssen getödteten ersten Opfers ist am Mittag nach fast viertägigen Qualen auch der zweite Knabe verschieden. Nächst den unglücklichen Eltern ist der unbescholtene junge Mensch tief zu beklagen, dessen Unvorsichtigkeit den Tod zweier jungen Menschen herbeigeführt hat.
Arnstadt. Eine fürchterliche That ist vor einigen Tagen in dem nahen Dorfe Geschwenda begangen worden. Es brannte auf dem mit Heu gefüllten Ziegeleiboden der früheren Abendrothschen Ziegelei. Als die Feuerwehr in das Gebäude eindrang, vernahm sie ein Stöhnen und als man diesem nachforschte, fand man die Frau Abendroth mit eingeschlagenem Kopf bewußtlos vor. Man stellte fest, daß der eigene Ehemann, von dem sie seit zwei Monaten getrennt lebte, sie mit einem Knüppel mißhandelt, dann in den Keller geworfen und schließlich das Gebäude angesteckt hat. Der Mann selbst wurde mit ausgeschnittener Halsschlagader und durchschnittener Kehle im Schweinestall vorgefunden. Die Schnitte hatte er sich mit einer Glasscherbe beigebracht. Auf dem Transport verstarb er.
Vermischtes.
— Berlin. Immer wunderlichere Blüthen treibt die M o d e. Im bevorstehenden Winter wird sich vor Allem die Pelzkonfektion durch Extravaganzen auszeichnen. Das Neueste sind Muffs, auf denen ein kleiner, aus ausgestopftem Pelzwerk gebildeter Hund ruht, der an eine silberne Kette gebunden ist.
— N euß, 12. Oktober. Die Nachricht von der Verhaftung des Mörders des 4'/-jährigen Kindes bestätigt sich leider nicht. In den jüngsten Tagen sind zwar mehrere der That verdächtige Personen festgenommen worden, indeß mangelt es an ausreichenden Beweisgründen.
— Bonn, 13. Oktober. Wie der „G.-Anz." meldet, Überfuhr der Personenzug von Köln bei einem Bahnübergang in der Nähe von Brühl ein Fuhrwerk. Von den Insassen wurden drei Personen getödtet, zwei verwundet. Die Verwundeten wurden in die hiesige Klinik übergeführt.
— Stuttgart, 13. Oktober. Der Urheber des vorgestern gegen das Paso Neumann gerichteten scharfen Revolverschusses ist in der Person des Wirthschaftspächters des gegenüber liegenden Liederhallengartens ermittelt worden, welcher an- ; giebt, daß er einen in letzteren eingeschlichenen Dieb verscheuchen wollte.
— Von der Bergstraße, 11. Oktober. Der Abendschnellzug Heidelberg - Frankfurt hat gestern Abend oberhalb Bensheim 65 Schafe über- fahren und dabei ein entsetzliches Blutbad angerichtet. Die Schafe waren aus einem Pferch anügebrochen und auf den nahen Bahndamm gelaufen.
— Stettin, 14. Oktober. Die Polizei macht bekannt, daß weitere acht Erkrankungen und fünf Todesfälle an Cholera vorgefallen sind
und untersagte die Abhaltung des Jahrmarktes, sowie öffentliche Tanzlustbarkeiten.
— Esseg, 14. Oktober. Im hiesigen Gefängniß sind drei Cholerafälle vorgekommen.
— Aus dem Pusterthale, 7. Oktober. Ein 24 Jahre altes Mädchen verließ Ende voriger Woche das Haus, um ins Gebirge zu steigen. Um leichter klettern zu können, ließ sie in einem Heustadel Schuhe und Strümpfe zurück. Auf einer gefährlichen Höhe angelangt, rutschte sie plötzlich aus und kollerte einen Abhang hinunter, bis sie an einem Baume hängen blieb. Das Mädchen war schon während des Sturzes in Ohnmacht gefallen. Entsetzlich muß aber das Erwachen gewesen sein, als die Aermste bemerkte, | daß sich der Baum, der sie noch festhielt, kaum ; einen Meter weit von einer mehr als 100 Meter ' tiefen, senkrechten Absturzstelle befand. Durch Blutverlust ermattet, war das Mädchen nicht im Stande, sich selbst aus der gefährlichen Lage zu befreien. Alles Suchen nach ihr war vergebens. In dieser entsetzlichen Lage brächte die Verunglückte zwei Tage und zwei Nächte zu, bis es ihr gelang, einen oberhalb vorbeikommenden Hirtenbuben um Hülfe anzurufen, welcher sofort zu Thal eilte, worauf dann Leute aus Desereggen die Halbtodte in Sicherheit brachten. Hierzu mußten sich der gefährlichen Stellen halber die Rettungsmänner der Steigeisen und Stricke bedienen.
— Gishorn, 12. Oktober. Eine Brand- stiftung mit Mordversuch wird aus Itzu m bei Hildesheim gemeldet. Der Schäfer des Vorstehers Riechers wurde Sonntag Abend auf der Weide von zwei Männern belästigt und durch einen Messerstich in die Brust verletzt; das Messer glitt aber ab. Der Schäfer versetzte dem Angreifer einen Stockhieb über den Kopf, woraus Beide entliefen. Montag früh fand er, daß ein Schaf aus der Hürde gestohlen und an Ort und Stelle abgeschlachtet war. Gestern Abend, als der Schäfer bereits in seiner Hütte sich niedergelegt hatte, hörte er Männerstimmen und rufen, daß er, der Schäfer, jetzt verbrennen müsse, weil er Sonntag Abend einen der Männer geschlagen. Es wurde auch ein brennender Gegenstand in die Hütte geworfen und der Deckel zugeschlagen. Der Schäfer klemmte aber noch rechtzeitig seinen Stock dazwischen und vermochte sich zu retten. Die Hütte nebst Bett u. s. m. brannte vollständig ab. Er sah, daß fünf Männer sich an der Heerde zu schaffen machten. Durch den Feuerschein herbeigelokt erschienen drei zu Wagen nach Hildesheim zurückkehrende Einwohner, worauf die Kerle entliefen. Einem Hammel war bereits der Hals durchschnitten.
— N e w a r k Ein „Fall aus eine m B a l l s a a l e" wird demnächst vor dem hiesigen Gericht verhandelt werden. Eine junge Dame hatte, wie ein medizinisches Journal berichtet, während des Tanzes das Unglück, hinzufallen und sich das Bein zu brechen. Sie hat nun eine Klage gegen ihren Tänzer für Schadenersatz angestrengt. Sie beschuldigte den Herrn, daß er durch seine Ungeschicklichkeit die Ursache des Unfalls gewesen.
— P isa, 12. Oktober. In der letzten Nacht platzte au der Porta Florentina eine Bombe, wodurch eine große Panik hervorgerufen wurde. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Menschenverluste sind nicht zu beklagen.
— R o m, 12. Oktober Die im Ballon untern o m mene Hochzeitsreise des L u f t s cl) isfers Charbonnet (Turin,) wovon bereits berichtet wurde, hat ein fürchterliches Ende genommen. Beim Passieren der französischen Alpen platzte der Ballon in der Nähe von Ceres Die Insassen stürzten aus der Höhe herab auf eine Felskante, wobei Charbonnet zerschmettert, seine junge Frau schwer verwundet wurde. Den Hausfreund Namens Porta, der unterwegs in den Ballon eingestiegen war, fand man sterbend auf.
— New - Nork, 13. Oktober. Auf der Michigan-Central-Eisenbahn fand heute früh ein Z u s a m m e n st o b zwischen zwei Vergnügungszügen bei Jackson (Mississippi) statt. Wie es heißt, sollen 17 Personen getödtet und etwa 50 verwundet worden sein.
Weizen (ä 100 Kilogr.) 14 Alk. 70 Pf. bis 15 Mk. 25 Pf. (Durchschnittspreis 14 Mk. 98 Pf.) Roggen (ä 100 Kilogr.) 13 Mk. — Pf. bis 14 Mk. — Pf. (Durchschnittspreis 13 Mk 50 Pf.) Hafer (a 100 Kilogr.) 16 Mk. 45 Pf. bis 18 Mk. — Pf. (Durchschnittspreis 17 Mk. 28 Ps.)