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Amsel-er Kreisbliltt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 122. Dienstag den 17. Oktober 1893.
Amtliches.
Hersfeld, den 16, Oktober 1893.
Im Anschluß an meine Verfügungen vom 29. v. Mts. I. 5730, im Kreisblatt Nr. 115, und vom 5. d. Mts. I. 5882, im Kreisblatt Nr. 118, werden die Herren Bürgermeister der (in letzterer Verfügung bezeichneten) Urwahlorte hierdurch angewiesen, die Ihnen in diesen Tagen zugehen- den Abtheilungslisten vom 20. bis einschließlich 22. d. M t s. in Ihrem Geschätfs- lokale auszulegen, vorher aber in .Ihrer Gemeinde öffentlich bekannt machen zu lassen, daß die Liste, wie angeordnet, offen liegt, und Einwendungen gegen deren Richtigkeit und Vollständigkeit binnen 3 Tagen bei Ihnen schriftlich oder zu Protokoll angebracht werden können.
Am 23. d. Mts. sind sodann die Listen durch Extra-Boten hierher zu senden unter Beifügung der etwa erhobenen Einwendungen sowie der berichtlichen Anzeige, daß die Liste nach vor- gängiger deshalbiger Bekanntmachung während der bezeichneten drei Tage offen gelegen hat, und nur die überreichten (oder überhaupt keine) Reklamationen dagegen erhoben worden sind.
Die bis Abends den 23. dahier nicht eingetroffenen AbtheilungSlisten werden durch Warteboten sofort abgeholt werden.
Die übrigen Herren Ortsvorstände des Kreises haben in gleicher Weise sofort bei Empfang dieser Verfügung in Ihren Gemeinden bezse. Gutsbezirken die oben vorgeschriebene Bekanntmachung (daß die Abtheilungsliste bei dem Orts- vorstande des betreffenden Urwahlortes während der bezeichneten drei Tage offen liegt, und bei jenem die etwaigen Einwendungen anzubringen sind) zu erlassen, und alsbald, spätestens bis
(Nachdruck verboten.)
Unebrnbürtig.
Roman von H. von Z i e g i e r.
(Fortsetzung.)
Der Bazar der Fürstin PorScu fand in ihren schönen GesellschastSräumen statt; es waren Tische und Buden mit sehr vielen, sehr kostbaren Sachen ausgestellt und die jüngsten, schönsten Damen der vornehmen Gesellschaft zu Verkäuferinnen ausgewählt. Eine der lieblichsten von allen war Nora zur Stellen in einer eleganten hellblauseidenen Toilette, ein gleiches Band durch die dunkelblonden Flechten geschlungen.
Die Fürstin Melanie hatte ihr einen Tisch mit Kunstsachen angewiesen, Gegenstände, die sich schwer verkauften, aber die junge Schauspielerin ging kühn aus Werk und war auch sehr bald von Herren umringt, die sich beeilten, ihr allerlei abzunehmen.
feie besaß eine frische, heitere Weise zu plaudern und z» lachen, ebenso fern von Koketterie «ls blöde Befangenheit; dabei hatte sie eine wnj eigene Art, aufdringliche Schmeichler mit emem erstaunten, vornehmen Blicke abzuhalten, der den Betreffenden fataler berührte, als irgend "n^scharfes Wort.
Fürstin Melanie, welche eine kostbare schwarze ^ammtrobe und sehr schöne Brillanten trug, war
zum 22. d. M t s. bei Meidung der Zusendung eines Warteboten mir anzuzeigen, daß solches geschehen ist.
I. 6053. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Polizei-Verorduung.
Aus Grund des §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizei - Verwaltung in den neuerworbenen Landestheilen ist mit Zustimmung der Gemeindevertretung folgende für den hiesigen Gemeindebezirk gültige Polizei- Verordnung getroffen worden:
„Wer während der Saatzeit vom 25. April bis zum 25. Mai und vom 25. September bis zum 25. Oktober seine Haustauben in's Feld fliegen läßt, wird mit einer Geldstrafe bis zu neun Mark oder mit entsprechender Haft bestraft".
Wölfershausen, den 30. September 1893.
'Der Bürgermeister
H o b e r t.
Politische Nachrichten.
fee. Maje st ä t der Kaiser und König arbeitete am Freitag Mittag, nach der Rückkehr von der Morgenpürsche, auf Jagdschloß Hubertus- stock mit dem Chef des Militairkabinets. Auch am Sonnabend hatte der Monarch einige Vorträge entgegengenommen und Negierungsan- gelegenheiten erledigt.
Wie aus Sigmaringen gemeldet wird, hat Se. Majestät der Kaiser dem Für st e n v o n H o h e n z o l l e r n telegraphisch mitgetheilt, daß der P r i n z F r i e d r i ch von Hohen-
ganz selig, denn Graf Wildenstein hatte sich soeben eingefunden und der „geliebte" Neffe Gregor war angelangt. Es war ein langer, uneleganter junger Mann, ganz hübsch aber verzweifelt geistlos aussehend, überall mit seinen und anderer Leute Gliedmaßen kollidirend und dazu lachend; zu reden war ihm etwas mühevoll und angreifend und die anderen Menschen besorgten es ja schon ganz genügend.
„Siehst Du die Dame dort am Tisch, Gregor?" flüsterte die Fürstin ihrem Neffen zu, „es ist eine sehr reiche, hübsche liebenswürdige Schauspielerin, der Du Dich nähern sollst. Vielleicht verliebst Du Dich in sie und heirathest sie, wie ?"
„O ja, ja, warum nicht, hahaha!" lachte der Prinz geistreich, ich will einmal hingehen und ihr etwas abkaufen."
„Was Du ihr dann schenken könntest. Nun sei klug, mein Junge, und versuche Dein Glück!"
Der „kluge Junge" nickte ganz einverstanden und ging hinüber zu der ihm bezeichnete» Bnde, um mit der Zukünftige» ein geistreiches Gespräch anzuknüpfen.
„Sie verkaufen hier, Fräulein?" begann er.
„Ja wohl, mein Prinz, und wenn irgend etwas Sie lockt, dann kaufen Sie es. Der erste Eindruck ist der richtige. Ich bin auch ganz solide in ben Preisen."
„Ist es nicht sehr heiß hier, Fräulein?"
z o l l e r n zum kommandirenden General des 3. Armeekorps ernannt worden sei.
Die Erwägungen hinsichtlich der beabsichtigten Erweiterungen der Reichsstempelabgaben sind, wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, noch nicht beendet. Es kann deshalb auch noch keine Rede davon sein, daß der Bundesrath in dieser Frage eine Entscheidung getroffen habe.
Zur Unterstützung der im Reichsamt des Innern unablässig geforderten Arbeiten über die Ausführung der Bestimmungen, betreffend die Sonntagsruhe für die Industrie, werden, wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, noch einige technische Hülfskräste herangezogen werden.
Die durch die Blätter gehenden Meldungen über die Umgestaltung des Irren- wesens lassen vermuthen, die diesbezüglichen Erhebungen und Vorarbeiten gestatteten bereits die Aufstellung eines vollständigen Reformplanes. Das ist aber noch nicht der Fall; daß in Verbindung mit einer zukünftigen Revision der Civilprozeßordnung auch eine erneute Prüfung der Bestimmungen über das EntmündignngS - verfahren stattfinden dürfte, kann als sicher bezeichnet werden.
Die Meldung der Presse, daß die Neuan- forderungen für Verkehrsanlagen für den nächsten Etat in vollem Umfange bewilligt sind, dürfte nur für das Bereich der Eisenbahnverwaltung zutreffen, welche auch bei ihren Neuanmeldungen auf die Finanzlage volle Rücksicht genommen hatte. Betreffs der anderen Ressorts sind die Verhandlungen aber noch in der Schwebe, und es bleibt zunächst deren Ergebniß abzuwarten.
Die Besserung in dem Befinden des Fürsten BiSmarck schreitet derart fort, daß der Fürst am Sonnabend trotz der rauhen Witterung einen
„O nein. Wie wär's mit diesem Apollokopfe? Oder vielleicht dieser Kupferstich? Haben Sie schon den Guido Reni gesehen?"
„Nein, wer ist das, Fräulein?"
Nora blickte erstaunt den prinzlichen Frager an, der dabei so harmlos lächelte, daß es einen Stein hätte rühren können.
„O heilige Einfalt!" murmelte sie vor sich hin, ward aber im selben Momente dnnkelroth, als eine tiefe Männerstimme freundlich fragte:
„Haben Sie mir schon Kunstsachen zurückgelegt, gnädiges Fräulein? Sie wissen, ich merkte hundert Mark dafür vor."
„Nora's soeben noch lachendes Gesicht ward starr und kalt, sie wandle ihm faum das Köpfchen zu: „Noch nicht, Herr Graf, vergeben Sie mir."
„Aber ich bitte, gnädiges Fräulein. So werden Sie mir vielleicht gestatten, Ihre Schätze zn mustern."
„Gewiß, es darf ein Jeder die Sachen ansehen."
Der eisige Ton machte Wildenstein stutzig; forschend blickte er in des Mädchens schönes Antlitz, welches mit einem Male sich glühend roth färbte, doch noch ehe er sie anreden konnte, hatte sie sich zu dem Prinzen mit einer gleichgiltigen Bemerkung gewandt.
„Wir haben uns lange nicht getroffen, gnädiges