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Nr. 119. Dienstag den 10. Oktober 1893.
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Amtliches.
Cassel, den 2. Oktober 1893.
Gemäß §. 26 der Verordnung vom 30. Mai 1849, die Ausführung der Wahl der Abgeordneten zur zweiten Kammer betreffend (Gesetz-Samml. 1849 S. 205 und Amtsblatt 1867 S. 793), sowie §. 23 des Wahlreglements vom 18. September 1893 sind zu W a h l k o m m i s s a r i e n bei der bevorstehenden Abgeordnetenwahl bestimmt worden:
1) 20.
6) für den sechsten Wahlbezirk (Kreise R o t e n b u r g und H e r s f e l d) der Landrath von Trott § u Solz in Rotenburg.
Der RegierungS-Präsident.
I. V.: (gez.) von Altenbockum.
Das deutsche Heer nach bar Neuformatien.
In den jüngsten Tagen sind in der deutschen Armee diejenigen Formationen zur Ausführung gelaugt, welche das Gesetz, betreffend die Friedens- Präsenzstärke des deutschen Heeres vom 3. August d. I. vorgesehen hat. Die aus Abgaben der einzelnen Truppentheile im Rahmen derselben neu gebildeten Glieder sind dem organischen Verbände derselben eingereiht worden. Da wo es sich um die Aufstellung neuer Truppentheile handelt, wurden die aus der zugebörigen Waffe entnommenen Elemente zu neuen Verbänden zu- sammengefaßt und haben die neuen Standorte bezogen.
In seiner gegenwärtigen Zusammensetzung zeigt das deutsche Heer, nach erfolgtet Durchführung der Militairvorlage, folgendes allgemeine Bild:
Bei der Infanterie sind den 173 Regimentern zu drei Bataillonen ebensoviel Ha'lb- bataillone (zu zwei Kompagnieen) hinzugetreten, so daß diese Waffe hinfort inkl. der 19 Jäger- unb Schützenbataillone 538 Bataillone und 173 Halbbataillone zählt. Davon kommen 133 Regi- niente^ auf Preußen, 20 Regimenter auf Bayern, " "^) Sachsen, 8 auf Württemberg. Vou den - ^ägerbataillouen gehören 14 zu Preußen, 3 M Sachsen, 2 zu Bayern.
.Bestimmung der neuen Halbbataillone ist bet der nunmehr eingeführten zweijährigen ^e stründliche Ausbildung der drei Bataillone für den Krieg dadurch zu er- svic»^"' Oaf> ste denselben solche Nebeudienst- lfen, Kommandos und Mannschaftsabgaben,
abnehmen, welche hinderlich und störend für den Dienstbetrieb und für die feldmäßige Ausbildung bei zwei Jahren Dienstzeit sind. Zu solchen Verrichtungen gehört die Gestellung von Burschen, Ordonanzen, gehören ferner militairische Arbeitsleistungen, und Aushülfe bei den Uebungen des Benrlaubtenstandes rc.
Die Ausbildung der jährlichen Rekruten geschieht wie bisher, d. h. bei den Kompagnieen der 3 Bataillone, und auch bei den vierten Bataillonen wird dieser Modus innegehalten werden. Im Laufe der Sommerübungsperiode wird das vierte oder Halbbataillou dadurch, daß es die Mannschaften unb Unteroffiziere des Beurlaubtenstandes in seine Reihen aufnimmt, ebenfalls zeitweise zu einem Vollbataillon anwachsen und als solches exerziren und manöveriren. Es wird damit die Möglichkeit gegeben sein, die Uebungen des Beurlaubtenstandes, die in Zukunft einen größeren Umfang als bisher annehmen werden, lehrreicher und gründlicher zu gestalten, als es bis jetzt bei dem Mangel an Zeit und an Lehrkräften möglich war. Der an personellen Kräften ausreichend bemessene Stamm des vierten Bataillons bietet dabei die Möglichkeit, aus zwei Kompagnieen vier Kompagnieen mit Hülfe der Offiziere und Avancirten des Beurlaubtenstandes zu bilden.
Die Kavallerie ist durch die neue Organi- sation nicht berührt worden. Sie behält ihre Formation in 73 Regimenter (Preußen), 10 Regimenter (Bayern), 6 Regimenter (Sachsen), 4 Regimenter (Württemberg), insgesammt 465 Eskadrons.
Bei der Artillerie dagegen ist eine wesentliche Verstärkung und Neugliederung ein getreten, im Hinblick auf die wichtigen und vielseitigen Aufgaben, die dieser Waffe aus den Gefechtsfeldern der modernen Kriegführung zufallen. Die Verstärkung besteht in 60 im Laufe der abge- laufenen Woche neu formirten fahrenden Batte- rieen, die in Abtheilungen zu je drei Batterieen zusammengefaßt und 16 Regimentern zugetheilt worden sind. Eine Ausgleichung des Standes der Feld-Artillerieregimenter ist damit nicht be- abfichtigt. Die verschiedene Zusammensetzung derselben in der Zahl der Abtheilungen, wie in der der Batterieen, bleibt nach wie vor bestehen.
Von den im Lanfe dieser Woche neu formirten 60 Feldbatterieen kommen 48 auf Preußen (in 16 Abtheilungen a 3 Batterieen), die übrigen 12 Batterieen entfallen auf Bayern, Sachsen und Württemberg.
Außerdem sind drei neue Batterieen als zweite Abtheilung der Feldartillerie-Schießschule zu Lehr- zwecken ausgestellt worden.
Die F u ßartillerie hat durch die neue Formation eine Organisation und Stärke erreicht, wie sie nur wenig Armeen besitzen. Dem 9. und 14. Fußartillerie-Bataillon ist ein zweites Bataillon hinzugefügt worden und dadurch ein 9. uub 14. Fußartillerie-Regiment entstanden. Das zweite Fußartillerie-Regiment hat ein 3. Bataillon erhalten.
_ Neu formirt ward das Fußartillerie-Regiment Nr. 15 zu 2 Bataillonen in Thorn, und vorläufig auf dem Lager-Schießplatz zu Gruppe in Westpreußen untergebracht.
Die Waffe der Fußartillerie zählt nach vollzogener Neuorganisation 37 Bataillone in 14 preußischen, 2 bayrischen und ein^ sächsischen Regiment, sowie einem preußischen Fußartilleriebataillon Nr. 13, welches an Stelle des früheren württembergischen Bataillons getreten ist. Der Vermehrung der Truppentheile entsprechend, sind auch die Kommandobehörden der Fußartillerie vermehrt, d. h. es sind zwei neue Fußartillerieinspektionen errichtet worden, so daß es deren nun sechs giebt.
Bei der P i o n i e r t r u p p e haben ebenfalls Neubildungen stattgefunden. Es wurden drei Bataillone formirt, so daß. es jetzt im Ganzen 23 Bataillone giebt, von denen 19 auf Preußen, 2 Bataillone auf Bayern, sowie je 1 Bataillon auf Sachsen und Württemberg kommen. Die drei neuen Bataillone Nr. 18, 19, 20 wurden dem 1., 15. und 16. Armeekorps zugetheilt, so daß diese Korps jetzt zwei Pionierbataillone zählen. Mit Rücksicht darauf sind in jenen Korps besondere Kommandeure der Pioniere als Regimentskommandeure ernannt worden.
Die Eisenbahntruppen haben ein drittes Regiment zu den schon bestandenen zwei Regimentern in dieser Woche erhalten. Dasselbe, ebenfalls in zwei Bataillone gegliedert, wird seinen Standort in Jüterbog haben.
Bei dem Train wurde nur eine Kompagnie errichtet und dieselbe dem 16. Trainbataillon eingereiht. Die 21 Trainbataillone haben damit nun sämmtlich drei Kompagnien.
In den Tagen vom 14. zum 17. Oktober findet diesmal die Einstellung des neuen Ersatzes (abgesehen von der Kavallerie und der reitenden Artillerie) in das Heer statt Damit beginnt die Einführung der zweijährigen Dienstzeit, und fängt das erste Arbeitsjahr für die Armee an, welches so sehr erhöhte Ansprüche au die physische und geistige Spannkraft und Lehr- thätigkeit des Offizier- und des Untcrofsizierkorpö stellt.
Der pflichttreue Sinn und die selbstlose Hingebung an den Dienst, wie sie im preußischen Heere zur festgewurzelten Tradition geworden, wird den Führern und Lehrern der waffenfähigen Jugend auch ferner ein Leitstern sein und ihnen die Kraft und das Streben verleihen, den ernsten Pflichten zu genügen, welche die Erhaltung der Wehrkraft und damit die Erhaltung der Ehre und Macht des Vaterlandes erfordert.
(Nordd. A. Ztg.)
Politischc Nachrichten.
Berlin, 7. Oktober.
S e. M a j e st ä t der K a i s e r u n d K ö u i g hat auch während der letztvergangenen Tage ununterbrochen des Morgens Pürschjagden aus Hochwild in der Romintener Halde abgehalten, welche meist vom besten Erfolge begünstigt waren. Ein Thiermaler ist gegenwärtig bamit beauftragt, die hervorragendsten Stücke Wild abzuzeichnen. Während dieser Woche nahm Se. Majestät die Verträge des Militair- und des Civilkabinets und des Geheimen Regierungsraths Mießuer entgegen und arbeitete in den Abendstunden dann noch