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Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJlluftrirtes Sonntagsblatt".

Ur. 114. Donnerstag den 28. September 1893.

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Die Expedition.

^ Die bevsrstehenöen Canb- tagswahlen.

Nachdem soeben für die Landtagswahlen ein neues Reglement erlassen worden ist und da die Urwahlen Ende Oktober stattfinden wer­den, ist es an der Zeit, sich darüber klar zu werden, welche Pflichten und Aufgaben hiermit an das preußische Volk herantreten.

Die hinter uns liegende fünfjährige Gesetz­gebungsperiode ist von seltener Fruchtbarkeit gewesen. Wir brauchen nur hinzuweisen auf

das Zustandekommen der Landgemeindeordnung in den sieben östlichen Provinzen und ihre Ein­führung in Schleswig-Holstein, sowie auf die durchgreifende Umgestaltung der staatlichen und kommunalen Besteuerung, Ziele, die lange ver­gebens erstrebt wurden und nunmehr glücklich erreicht werben sind.

Nach solchen Leistungen der gesetzgeberischen Thätigkeit ist es natürlich, daß nicht sofort neue große organische Gesetze in Angriff genommen werden können. Die Aufgabe der nächsten Jahre wird zuvörderst darin bestehen, die neuen Gesetze völlig aus- und durchzusühren, ihre Wirksamkeit zu erproben und etwa hervortretenden Mängeln abzuhelfen. Will der Durchführung dieser Gesetze erwächst den Verwaltungsbehörden eine Arbeit, welche die Beschäftigung mit neuen eben so großen Aufgaben vor der Hand nicht zuläßt. Jnsbefon- dere aber wird der Bevölkerung Zeit zu lassen | sein, sich in die neuen Gesetze, namentlich in ; die Reform der staatlichen und tommunalen Be­steuerung, einzuleben.

Wenn hiernach auch fürs Erste der Landes- ! Vertretung so große Aufgaben wie in den letzten j Jahren nicht gestellt werden dürften, so verlieren j damit die Wahlen, aus denen sie hervorgehen ; soll, nicht an Wichtigkeit. Um dies zu erkennen, bedarf es nicht erst des Hinweises auf Dinge, die Niemand voraussehen kann, die aber in einem Zeitraum von fünf Jahren möglicher Weife ein- treten und Beschlüsse des Landtages von weit­tragender Bedeutung erfordern können. Gewiß ist, daß auch in den nächsten Jahren die Gesetz­gebung vielfach in Anspruch genommen werden wird, um Begonnenes fortzuentwickeln, Mangel- Haftes zu verbessern, Neues zu schaffen. Es kann nicht ausbleiben, daß die Fragen, welche auf politischem, socialem und wirthschaftlichem Gebiet

das Volk bewegen, auch den Landtag beschäftigen und zu wichtigen Berathungen und Beschlüssen führen werden.

Ergiebt sich hieraus die Bedeutung der bevor­stehenden Wahlen zum Hause der Abgeordneten so darf weder der Meinung, daß es auf diese weniger ankomme, als auf die ReichstagSwahlen, noch der Ermiwung und Abspannung von den erst vor wenigen Monaten stattgestäbten Wahl­kämpfen Raum gegeben werben.

Die Wähler haben dafür zu sorgen, daß das neue Abgeordnetenhaus gleich dem bisherigen den ihm gestellten Aufgaben gewachsen und Willens sei, sie im Einvernehmen mit der Staatsregierung zu erfüllen. An Anstrengungen, andere Bahnen der Politik einzuschlagen, wird es nicht fehlen. Um so größer ist die Pflicht Derjenigen, welche die bisher errungenen Erfolge zu würdigen wissen, darauf hin zu arbeiten, daß durch die Zusammen­setzung des neuen Abgeordnetenhauses eine ge­deihliche Fortentwickelung unseres Staatswesens gesichert bleibe.

Politische Nachrichten.

S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r hat nunmehr auch seinen Jagdaufenthalt in Ungarn be­endigt, er reifte am Montag Abend 9 Uhr nach herzlichster Verabschiedung vom Erzherzog Frie­drich und unter den lebhaften Zurufen der am Bahnhöfe versammelten Volksmenge von Mohnes ab; der König Albert von Sachsen und der Prinz Leopold von Bayern waren bereits Nachmittags von Mohacs abgereist. Soweit bekannt, gedachte der Kaiser am Mittwoch Abend in Swinemünde einzulresfen und alsdann sofort an Bord der Hohenzollern" zu gehen, deren Eintreffen in

(Nachdruck verboten.) Unevenhürtig.

Roman von H. von Z i e q l e r.

(Fortsetzung.)

Sie kennen mich also gar nicht mehr, Graf Wildenstein?" fragte sie kokett,und doch habe ich Sie, auch ohne Vorstellung auf den ersten Blick wieder erkannt."

Ich besitze dasselbe gute Gedächtniß, Durch­laucht, Ihr Haar allein schon würde Sie auch solchen Menschen verrathen, die Sie weniger gut kennen, als ich die Ehre habe," erwiderte Wilden­stein kühl.

O, so müßte ich noch mehr zürnen, Herr Graf, daß Sie nicht 511 mir kamen, trotz unsrer alten Freundschaft."

Ich war mehrere Jahre verreist und bin erst seit vierundzwanzig Stunden wieder hier, Frau Fürstin," entgegnete der Graf ernst und ablehnend, und will keinerlei gesellige Beziehungen au= knüpfen, sondern nur in mein Heim zurückkehren."

Verführerisch schimmerten Melanie's dunkle Augen, doch umsonst! Einmal hatte sie ihn be- thört und nie wieder; er gehörte nicht zit den Leichtgläubigen, welche rasch vergessen.

Als dann Stellen als Wolfram wieder auf- trat, als er mit unendlicher Wehmulh das Lied an den Abendstern sang, und Wildenstein tiefer-

ß rissen lauschte, da bog sich die Fürstin zu ihm, daß die Spitzen ihres Aermels seine Hand streiften, und flüsterte leise ihm zu:

Haben Sie ihn wiedererkannt, den interessanten Mann, der Theresett heimfühne?"

Aber ein Blick unnahbarer Abwehr, schneidender Kälte traf jetzt die Dame, und ohne zu ant- worten sah der Graf auf die Bühne. Doch Melanie ließ sich nicht abschrecken, schmeichelnd flüsterte sie ihm zu:

Zürnen Sie mir, Herr Graf, daß ich diesen wunden Punkt berührte? Sie wissen, wie herz­lich ich Antheil an Ihrem Befinden nehme."

Ich danke Ihnen, Durchlaucht, aber es giebt Angelegenheiten, an die auch wahre Freundschaft; nicht rühren darf."

Kanin war der Vorhang gefallen, so stand; Wildenstein auf, verneigte sich leicht vor ber schönen Fürstin und eilte, ohne sich weiter um | diese zu kümmern hinaus. Er wollte und mußte Stetten sprechen. Was fragte er jetzt nach dem schönen rothhaarigen Weibe, deren vollen Zorn er sich zweimal an einem Tage zugezogen! Nur fort wollte er, ihm schien der Boden unter den i Füßen zu brenuen.

Hastig eilte er hinter die Coulissen und fragte nach Herrn zur Stellen; man sagte ihm, derselbe ' sei noch in der Garderobe zum umziehen, müsse I aber bald herauskommen. So schrill denn Graf I

Rudolf wartend hin und her, ohne auch nur mit einem Blicke nach den kichernden Schauspiele­rinnen nachzusehen, die den ernsten Mann erstaunt an blichen. Sollte er ein Verwandter von Stellen sein, denn dieser war ebenfalls so kühl ablehnend und gar nicht kollegialisch zu ihnen.

Endlich öffnete sich die Thür, der Sänger er- schien im Rahmen derselben, fertig zum Fort- gehen und blickte sehr verwundert auf, als ein Fremder zu ihm trat und mit erregter Stimme um einige Minuten Gehör bat.

Ich habe zwar nicht die Ehre, Sie zu kennen meinte Stellen höflich,doch bitte ich sehr, hier in meine Garderobe einzutreten."

Graf Wildenstein athmete gepreßt, als sich die Thür hinter ihnen schloß, und seine nächste Frage lautete:Kennen Sie mich denn gar nicht mehr?"

Prüfend schaute der Sänger in das bärtige, gebräunte, zuckende Antlitz des vor ihm Stehen den; nur die Augen schienen ihm bekannt, doch dann schüttelte er verneinend den Kopf.

Ich bebaute, mein Herr, mein Gedächtniß ist nicht das beste."

Sie sollten Theresen's Bruder nicht wieber- erkennen?"

Da veränderte sich Miene und Haltung zur Stelten's in erschreckender Weise; kalt, abstoßend, beinah feindselig stand er da; die Hände sanken