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Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Mr. 111.

Donnerstag den 21. September

1893.

DNMNK-KckdNg.

Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Aboune- ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage

Jllustrirtes Sonntagsblatt"

Wir bitten das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.

Der vierteljährliche Abounementspreis für das Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gra­tis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.

Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kreis­blatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bis zum 1. Oktober d. I. gratis und franko zugesandt.

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Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 20. September 1893.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 28. Februar 1880 Nr. 2182, im Kreisblatt Nr. 18, betreffend die Einzahlung der Forstgelder an die Königliche Forstkasse, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 28. d. Mts. bei Meiduug von 3 Mark Strafe erinnert.

I. 5627. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

< Nachdruck verboten.»

Unebenvurtig.

Roman von H. von Ziegler. (Fortsetzung.)

Als beider Schritte verhallt waren, griff Rudolf au die wUb pochenden Schläfen und stöhnte qualvoll:O, Allmächtiger, es ist furchtbar schwer, fest zu bleiben, aber ich kann nicht anders und ich würde ebenso wieder handeln, wenn es sein müßte. Ich habe meine Schwester für immer verloren," da brach er plötzlich ab und lauschte, eine Stimme rief seinen Namen, angst­voll, dringend und immer von neuem:Rudolf, yiubolf!" Nur eine konnte so rufen, Therese. Aber er ahnte auch weshalb, und stürzte hinaus aus dem Zimmer, den Gang hinab, nach dem Schlafgemach des Vaters.

Auf der Schivelle desselben stand eine schwarze Frauengestalt.

Er stirbt, Rudolf, komm zu ihm," klang es ihm toulos entgegen; der eine ernste Augenblick riß alle Schranken nieder, welche Menschen Kurz­sichtigkeit errichtet.

Vater, o mein theurer Vater, soll ich Dich verlieren," stöhnte der unglückliche Sohn, und sank zu Boden neben bem Sterbelager, au das soeben der Tod heranschwebte. Da lächelte Graf

Hersseld, den 15. September 1893.

Für die am 18. Oktober 1874 zu Holzheim geborene Tochter des Küfers Adam Opfer, Christine, ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

J. I. 5552. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Nichtamtliches.

t Der Kaiser ist snödeMtsch- laud und in Angaru.

Den Kaiserfesttagen in Lothringen, die uns die erfreuliche Thatsache vor Augen führten, daß wie der Kaiser sich in seinem Schreiben an den Statthalter ausdrückteder Anschluß Lothrin­gens an das deutsche Vaterland sich von Jahr zu Jahr enger und inniger gestaltet hat," sind die Kaisertage im Elsaß, Baden und Württem­berg gefolgt, die nicht minder erhebende Eindrücke hervorgerufen und hinterlassen haben. Es ist noch nicht lange Zeit her, daß die demokratische süddeutsche Presse mit Bitterkeit über die zu­nehmendeVerpreußung" Süddeutschlands und insbesondere Württembergs sprach, und ängstliche Gemüther wollten schon in dergleichen Kundge­bungen Beweise für die Zunahme particularisti- scher, der Einheit des Reichs nachtheiliger Be­strebungen erblicken. Die wenigen Tage, die unser Kaiser in Baden und Württemberg ver­bracht hat, haben den künstlich zurecht gemachten Nebelschleier zerrissen, und nach den Festtagen in Karlsruhe und Stuttgart steht die leuchtende und erwärmende Sonne nationaler Einheit wieder in voller Klarheit auch an dem Himmel Süddeutsch­lands. Nicht, daß jemals die Gesinnungen wirk­

Wildeustein matt, sein brechender Blick umfaßte beide Kinder, ihre Namen war der letzte Hauch seiner Lippen, dann ging er hinüber, still und friedlich.

Betend knieten die Geschwister nebeneinander, endlich erhob sich Rudolf und drückte dem Ver­klärten sanft die Augen zu, ein Arm streifte das Gewand Theresen'ü, er athmete schwerer, aber dennoch that er nicht, als bemerkte er sie.

Sie sah es wohl, sie kannte ihn zu genau, um eine weichere Regung zu erwarten und dennoch ließ es sie nicht ruhen, noch einen letzten Ver- söhnungsversuch zu machen.

Rudolf," bat sie in bebenden Tönen, die ge­falteten Hände ihm entgegenstreckend,habe Er- barmen, sage, daß Du mir vergiebst hier am Todtenbette unseres geliebten Vaters! Hast Du mich denn wirklich aus Deinem Herzen gestrichen?"

®in dumpfes Stöhnen rang sich aus seiner Brust, dann murmelte er zornig vor sich hin: Ich wallte, daß ich's könnte!"

Bruder," schrie die junge Frau herzzerreißend und stürzte vor ihm hin,so liebst Du mich doch noch! Nein, nein, Du hast Deine Schwester nicht verstoßen "

Aber die bösen Mächte in seiner Seele siegten von neuem; kalt und feindselig trat er zurück, ein unnahbarer Ausdruck prägte sich in den

lich andere waren: aber die im Parteiinteresse genährte, mit diesen oder jenen Verhältnissen oder Schlagworten begründete Verstimmung wußte den Eindruck schwindender Zufriedenheit hervor- zurufen. Ja, zum Beweise berief man sich auch auf die letzten volksparteilichen Wahlergebnisse. Wir wollen hier nicht die Frage erörtern, inwie­fern Wahlen überhaupt als der reine Ausdruck des Volkswillens gelten können: sicher ist, daß das württembergische wie das badische Volk seine nationale Gesinnung bei den Kaiserfesttagen in ganz unverfälschter Weise zum Ausdruck gebracht und jede Besorgniß über seine innersten Gefühle wie über den Werth, den man etwa ini Süden der Einheit und der Erhaltung des Reichs bei­legen könnte, vollkommen zerstreut und zerstört hat. Die treue bundesfreundliche Gesinnung des Königs von Württemberg, die stets über allen Zweifel erhaben war, ist so darf man sagen das Spiegelbild der Gesinnung seines Volks: unser Kaiserpaar wu ^" von den Württembergern mit einer Wärme begrüßt, wie sie in anderen Theilen Deutschlands kaum in höherem Grade möglich sein würde.

So konnte denn unser Kaiser, gestärkt und gehoben durch die herrlichen Eindrücke in Elsaß- Lothringen wie in Baden und Württemberg, und in dem Bewußtsein, für sein unablässig eifriges Wirken im Dienste des Reichs auch in Süd- deutschland Anerkennung und Dank gefunden und die Herzen sich neugewonnen zu haben, am Sonn­abend seine Reise nach Ungarn sortsetzeu, wo ihn andere Pflichten seines hohen Berufs Hin- führten. Wie in Elsaß-Lothringen und Süd­deutschland der Sohn des Königs von Italien den Kriegsübungen beiwohnte, so hat Kaiser Wilhelm jetzt einer Einladung des Kaisers und Königs Franz Josef zu den großen Manövern in Ungarn Folge geleistet. Es bedarf wohl kaum

! bleichen Zügen, und er sagte kurz:

!Doch, ich thal's!" Ich habe keine Schwester mehr sondern, nur ein fleckenloses Wappen­schild!"

Rudolf," erwiderte Therese, schwer aufseufzeud, Du hast es gewollt, mir gehen in dieser Stunde auf ewig von einander, und nimmer wird mein Weg den Deinen kreuzen, selbst wenn- ich sterbe, kann ich nicht mehr nach dem rufen, der mir einst theuer war, denn mein Bruder hat keine Schwester mehr! Ob Dein reines Wappen­schild im Stande sein wird, einst die Sehnsucht nach der zu stillen, die Dich auch in dieser schweren Stunde liebt und segnet, muht Du erst versuchen. Lebe wohl, Rudolf!"

Lebe wohl," klaug's zurück, und die junge Frau schritt hinaus, aber als sich die Thür hinter ihr geschlossen, vernahm sie drin einen dumpfen Fall; Graf Rudolf war an der Leiche seines Vaters besinnungslos zusammengebrochen.

Voll stiller Verzweiflung suchte Frau zur Stellen den Baron und ihr Kind auf, kaum ver­mochte sie die Worte hervorzustoßen:

Lassen Sie uns fortfahren, Eduard, mein Vater ist hinübergeschlummert."

Arme Therese," sprach Hohenthal feierlich, Sie thun mir unsäglich leid; Sie haben recht, wir wollen sogleich fortfahren."