der Deutsche Kaiser und mehrere deutsche Fürsten daselbst zu dem Zwecke ein, um au der Feier des fünfzigjährigen Militairdienst- Jubiläums des Königs Albert theil- zunehmen.
Gegenüber den Meldungen mehrerer Blätter, daß der Gesundheitszustand der Truppen bei den Kaisermanövern ein ungünstiger gewesen sei in Folge mangelhafter und oft verspäteter Verpflegung, stellt die „Kölnische Zeitung" nach eingeholten Erkundigungen fest, daß der Gesundheitszustand beim 8. Armeekorps einschließlich der Landwehrbrigade bester gewesen ist, als das durchschnittliche Verhältniß in den Garnisonen. Epidemische Krankheiten seien nicht beobachtet worden und nur ein Hitzschlag sei vorgekommen. Auch beim 16. Armeekorps sei der Gesundheitszustand befriedigend gewesen; allerdings sei bei Beginn der Brigademanöver in einzelnen Regimentern Brechdurchfall aufgetreten, aber keineswegs bösartig, so daß nur in vereinzelten Fällen Lazarethbehandlung nöthig gewesen sei.
F ü r st B i s m a r ck soll außer an Ischias noch an Gürtelrose und tic douloureux gelitten haben. Sämmtliche Erscheinungen sind jetzt aber im Abnehmen.
In Frankreich herrscht gewissermaßen Nationaltraner um den so rasch dahingeschiedenen Generalstabschef General M i r i b e l. Galt doch der allerdings sehr befähigte Offizier in den Augen der Chauvinisten au der Seine als der „Moltke Frankreichs," letzten doch auf ihn Armee wie Nation in Hinblick auf den zukünftigen Revanchekrieg gegen Deutschland die größten Hoffnungen — und nun sind dieselben jäh geknickt worden! Kein Wunder, wenn daher die französische Presse aller Parteischattirungen den Tod des Generaks Miribel schier wie ein nationales Unglück betrachtet und sich geberdet, als habe Deutschland durch das Ableben Miribels einen großen Vortheil über Frankreich erlangt. Am Freitag fand in Grenoble das Leichenbegängniß Miribel's in feierlicher Weise statt.
Der bevorstehende russische Flottenbesuch i n T o u l o n hat eine augenscheinliche Gegendemonstration hervorgerufen, welche Franzofen und Rüsten doch etwas zu denken geben sollte. Ein englisches Geschwader unter Lord Seymour wird am 11. Oktober aus den griechischen Gewässern in Tarent in Unteritalien eintreffen und dann noch einige andere italienische Hafenstädte, unter ihnen auch Neapel, anlausen. Da also der Besuch des englischen Geschwaders an der italienischen Küste ungefähr zum nämlichen Zeitpunkte stattfinden wird, zu welchem man in Toulon der Ankunft der russischen Kriegsschiffe entgegensieht, so ist der demonstrative Zweck dieser Fahrt des englischen Geschwaders wohl unverkennbar. In Italien hat die Nachricht von dem bevorstehenden Erscheinen einer englischen Flotte an den italienischen Gestaden große Befriedigung hervorgerufen, in Tarent, Neapel u. s. w. soll eine glänzende Begrüßung der englischen Gäste stattfinden.
Aus Provinz und Nachbargebiet.
Hers seid, den 15. September 1893.
* (Personal-Veränderungen.) Ernannt: der Oberförster Ramsthal in Germerode zum Regierungs- und Forstrath bei der Regierung in Koblenz, der Gerichts-Neferendar Herrfahrdt zum Regierungs-Referendar bei der Regierung in Castel, der Postanwärter Haferlach in Bebra zum Postassistenten, der Wachtmeister Otto zum Hausverwalter bei dem Landkrankenhause in Hers- selb, der Wärter Kahl 2r zum Oberwärter bei dem Landeshospital in Haina. — Verliehen: dem bisherigen 4. Pfarrer (Subdiaconus) an der lutherischen Pfarrkirche in Marburg, Heermann, auf erfolgte Präsentation die zweite (Ecclesiasteu-) Stelle an derselben Gemeinde, dem Pfarrgehülfen Hermann Bartling in Großnenndorf die Pfarrstelle in Springstille. — Vers etzt: die Ober-Post- secretäre Schmidtborn von Hanau nach Wiesbaden, und Kotte von Wetzlar nach Hanau, der Post- secretär Benkert von Eschwege nach Elsterwerda, der Postverwalter Linz von Frankershansen (Kr. Eschwege) nach Vöhl.
* Dem preußischen Landtage wird ein Gesetzentwurf zur Regelung der Gemeindeverhältnisse der Provinz Hessen-Nassau vorgelegt werden, der sich der neuen Gemeindeordnung für die östlichen Provinzen eng anschließen soll; der Entwurf wird zunächst dem Provinziallandtage der Provinz Hessen-Nassau zur Begutachtung vorgelegt.
* In Castel hat sich am Montag die geplante Mittelstandspartei unter dem Namen Teuto - burger Partei konstituirt. Als Programm wurde festgestellt: Pflege des deutschen National- gedankens bei Schonung berechtigter Stammeseigenthümlichkeiten , konfessioneller und gesellschaftlicher Anschauungen; Schutz verfastungs- mäßiger Errungenschaften, parlamentarische Vertretung deutscher Mittelstände; Schutz der Schwachen wider die Ausbeutung durch Stärkere. Anwesend waren 100 Personen. Nächste Versammlung im Mai in Berlin.
* Die Entscheidung des Reichsgerichts derzu- folge unreelle Reklame als Betrug anzu- sehen ist, sucht man bereits zu fruktifiziren. Ein Nähmaschinenhändler erläßt unter Hinweis auf diese Entscheidung die öffentliche Aufforderung an einen Konkurrenten, den Passus seiner Anzeige, daß er Reparaturen an Nähmaschinen selbst aussühre, abändern zu lasten, da der betreffende Konkurrent Nichtsachmann sei und die Reparaturen nicht selbst ausführen könne, sondern in anderen Fabriken bewirken lasten müsse.
* Falsche Zwanzigpfeunigstücke sind seit einiger Zeit wiederum in Umlauf gesetzt worden. Nun ist in Braunschweig ein Mann festgenommen worden, der geständlich feit dem ' Monat Juli d. J. solche Falschstücke angefertigt und in den Verkehr gebracht hat. Von diesen aus einer Legirung von Zinn und Blei oder aus Zinn allein bestehenden, die Jahreszahl „1888" tragenden Münzstücken, die den Adler etwas ver- j wischt erscheinen lasten, muß noch eine ziemliche Menge im Verkehr sein. Außer diesem unschädlich gemachten Falschmünzer müssen aber noch andere gegenwärtig thätig sein, denn man hat auch noch Zwanzigpfennigstücke aus minderwerthem Nickel mit der Jahreszahl „1887", Zehnpfennigstücke aus Blei mit der Jahreszahl „1876", Fünfpfennigstücke aus Blei mit Zinn mit der Jahreszahl „1876", Markstücke in ähnlicker Zusammensetzung mit den Jahreszahlen „1875, 1876 und 1887", Zweimarkstücke aus Hartguß mit der Jahreszahl „1877" und Thalerstücke aus Blei bezw. Hartguß mit der Jahreszahl „1824" angehalten, deren Verfertiger noch nicht ermittelt sind.
* Von Seiten der Eisenbahndirektionen wurde Fürsorge getroffen, daß bei Unglücksfällen die Eisenbahnbeamten noch vor Ankunft des Arztes die erste Hülfe leisten können. Zu diesem Zwecke sind in jedem Zuge die zur ersten Hülfe nöthigen Gegenstände in einer befonderen Kiste vorhanden. Die Stationsbeamten und Zugbeamten sind mit den betreffenden Maßregeln seitens der Bahnärzte bekannt gemacht worden.
* Hersfeld, 15. September. Wie aus dem Jnseratentheil der heutigen Nummer ersichtlich, ist der auf den 22. d. Mts. dahier angesetzte Kram- und Viehmarkt auf den 21. d. Mts. verlegt worden.
t Hersfeld, 15. September. (Durchschnittspreise der wichtig st en Lebensmittel im August 1893.) Die Getreidepreise des Monats August sind gegen die des Monats Juli fast durchweg heruntergegangen, nur Gerste hat denselben Durchschnittspreis für 1000 kg — 144 Mark — gewahrt. Weizen ist von 158 auf 153 Mark, Roggen von 143 auf 136 Mark und Hafer von 174 auf 167 Mark gesunken. Auch Kartoffeln und Stroh sind billiger geworden, erstere kosteten im Juli 60,6 Mark, im August nur 56,5 Mark, letzteres im Juli 57,3 Mark, im August 56,3 Mark. Nur der Preis des Heus ist von 96,4 Mark im Juli, auf 99,3 Mark im August gestiegen. — Die Fleischpreise sind fast genau diefelben geblieben wie im Juli. Das Kilogramm Rindfleisch kostete im Durchschnitt 1,22 Mark, Schweinefleisch 1,35 Mark, Kalbfleisch 1,19 Mark, Hammelfleisch 1,20 Mark, geräucherter Speck 1,71 Mark. Die Eßbutter ist gegen den Juli im Preise gestiegen, das Kilogramm kostete im Durchschnitt 2,38 Mark gegen 2,29 Mark. Am theuersten war sie in Aachen und Neuß (2,70 Mark), am billigsten in Bromberg (2,06 Mark). Ebenso ist der Preis der Eier von 8,15 Mark für das Schock im Juli aus 3,26 Mark im August gestiegen, und zwar zeigt sich hier die geivaltige Differenz von 4,80 Mark in Aachen und Neuß und 2,22 Mark in Posen. Der Preis des Schweineschmalzes ist mit 1,68 Mark derselbe geblieben. Am theuersten war das Kilogramm Schmalz mit 2 Mark in Königsberg i. Pr. und Trier, am billigsten mit 1,50 Mark in Osnabrück und Paderborn.
[] Hersfeld, 14. September. (Schöffen- gericht.) Wegen Diebstahls wurde der Dienst-
knecht Heinrich Wilhelm Fey von Meckbach zu 12 Tagen Gefängniß verurtheilt. — Die Ehefrau des Dachdeckers Hugo E l s ch n e r von hier wurde wegen Forstdiebstahls mit 1 Tag Gefängniß bestraft. — Wegen Beleidigung erhielt der Tagelöhner Johannes Klee von Rotensee eine Geld- von 4 Mk. ev. 2 Tage Haft. — Wegen desselben Vergehens belegte der Gerichtshof den Fabrikarbeiter Julius Diel von Rotensee mit einer Geldstrafe von 3 Mk. ev. 1 Tag Haft.
Cassel, 14. September. Die Abfahrt Ihrer Majestät der Kaiserin nach Stuttgart wird heute Vormittag 9 Uhr 15 Minuten mittelst Sonderzug vom Bahnhof Wilhelmshöhe aus erfolgen. Die Kaiserin wird Sonntag den 17. d. Mts. früh Morgens wieder nach Wilhelmshöhe zurückkehren.
Cafsel, 14. September. Seine Durchlaucht der Für st Friedrich zu Waldeck und P y r m o n t hat das P r o t e c t o r a t über den Krieger-Verband in Hessen und W a l d e ck übernommen.
Casfel, 14. September. Gestern wurde an den Bleichen die Leiche eines einige Monate alten Kindes gefunden, welche in Lumpen eingewickelt war. Untersuchung ist eingeleitet.
Casfel, 14. September. Die neue 8'/.^ Million en-An leihe der Stadt Cassel hat die Allerhöchste Genehmigung erhalten. Im „Staatsanzeiger" wird heute ein Privilegium zur Ausfertigung auf den Inhaber lautender Schuldverschreibungen der Residenzstadt Casfel im Betrage von 8,500,000 Reichsmark veröffentlicht.
Schmalkalden, 12. September. Heute Vormittag um 9 Uhr hat sich in der Falschen Ziegelei ein schwerer Unglücksfall ereignet. Beim Abgraben von Lehm und Kies ist eine Wand eingestürzt und hat zwei Arbeiter verschüttet. Nachdem man die Verunglückten aus dem Schutt hervorgezogen, war der Eine, Richard Reich aus Mittelstille, leider seinen Verletzungen erlegen. Der Unglückliche ist Familienvater. Der andere Arbeiter ist mit dem Leben davongekommen.
Beverungen, 10. September. Im dem benachbarten Dorfe Rothe ereignete sich gestern Nachmittag ein recht bedauernswerther Unglücksfall. Der Fuhrwerksbesitzer August Hartmann von dort war mit seinem Knechte in einer Lehmgrube in der Nähe des Ortes beschäftigt; plötzlich lösten sich überhängende Erdmassen, wodurch Beide verschüttet wurden. Ein gerade hinzukommendes Mädchen holte schnell Hilfe herbei, und es gelang alsbald, die Unglücklichen noch lebend hervorzuholen, jedoch sind die Verletzungen derart, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. — In Natingen wurde vor einigen Tagen der 70jährige Ackerwirth Wesche aus der Weide von seinem eigenen Ochsen überfallen und mit den Hörnern derart zugerichtet, daß er als Leiche nach Hause gebracht wurde.
Oedelsheim, 9. September. Infolge von Blutvergiftung starb hier die Ehefrau des- Land- wirths St. Dieselbe hatte sich beim Reinigen von kupfernem Kochgeschirr den Finger geritzt, was sie Anfangs nicht beachtete, bis nach einigen Tagen der Arm anfing anzuschwellen und die Ueberführung in die Klinik nach Göttingen nöthig wurde. Es war jedoch schon zu spät, denn nach 14 Tagen trat der Tod durch Blutvergiftung ein. Eine Mahnung, bei derartigen Unfällen vorsichtig zu sein.
Vermischtes.
— (Auch ein H e i r a t h s a u f g e b o t.) Vom Niederrhein, wird der „K. V. Z." folgende „wahre Geschichte" mitgetheilt : Vor Jahren begegnet ein alter Pfarrer, eines jener Originale, die selten werden, einem Burschen aus seiner Gemeinde und fragt ihn, ob er denn immer noch nicht heirathe, auf sein Anwesen gehöre doch eine Frau. Der Bursche meinte, mit dem Heirathen habe es seine Schwierigkeit, dazu gehörten Zwei. Der Pfarrer fragt, ob er denn keine Passende gesunden habe. „O", meint der Bursche, „das wohl, aber ich kann so recht nicht vorwärts kommen damit, die Tochter des und des Bauern hätte ich gern." „Die wäre auch gut für Dich", ent- gegnete der Pfarrer, „laß mich nur sorgen. Und was geschieht? Am nächsten Sonntag verkündigt der Pfarrer die beiden jungen Leute als Braut und Bräutigam. Nach dem Hochamt kommt der Vater der Braut zum Pfarrer unb sagt: „Aber Herr Pastor, was fangen Sie an?" „Was denn?" fragt der Pastor. „Ja, meine Tochter mit dem und bem aufzubieten!" „Ist das denn nicht gut?" entgegnet der Pastor, „Unb als der Bauer sagt: „Ja, da wissen wir ja Alle nichts