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itrsftlitr ireisblitt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllnstrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 108. Donnerstag den 14. September 1893.

Amtliches.

Hersfeld, den 9. September 1893.

Im diesjährigen Aprilhefte des deutschen Handelsarchivs, Theil 1 Seite 220, sind die aus Anlaß der schweizerisch-französischen Zollverhält­nisse von der französischen Zollverwaltung aus­gestellten Bedingungen veröffentlicht worden, denen die durch. die Schweiz nach Frankreich gehenden Waarensendungen entsprechen müssen, um in letzterem Lande zu den Zollsätzen des Minimal­tarifs zugelassen zu werden.

Nach den von der Französischen Negietung neuerdings getroffenen Bestimmungen ist hierin zufolge einer Mittheilung des Herrn Reichs­kanzlers, insofern eine Aenderung eingetreten, als nunmehr an Stelle der für Stückgüter vorge- schriebenen Plombirung Ursprungszeugnisse treten können, welche von diesseitigen Zollämtern oder Ortsbehörde-u oder von schweizerischen Zollagenten ausgestellt sind, während direkte Wagenladungen nach wie vor plombirt werden müssen; indessen ist in letzterer Hinsicht die Plombirung nicht nur Seitens der diesseitigen Zollämter und Eisenbahn­stationen, sondern auch Seitens der schweizerischen Eingangszollstellen zulässig.

Bau einer Anweisung der Zollämter, die Ur­sprungszeugnisse auf Erfordern auszustellen, ist von dem Herrn Finanz-Minister abgesehen worden, weil diese Amtsstellen weniger als die Ortsbe­hörden in der Lage sind, sich über den inländischen Ursprung der zu versendenden Waaren zu ver­gewissern.

Es wird dies hierdurch zur allgemeinen Kennt­niß gebracht.

I. 5030. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

(Nachdruck verboten.)

Unebeubürtig.

Roman von H. von Zie^ler.

(Fortsetzung.)

Vier Jahre sind vergangen, vorübergerauscht in die Ewigkeit, und wie vielerlei hat sich ge­ändert! Graf Rudolf von Wildenstein hing den bunten Rock an den Nagel und mürbe Landwirth, er schaffte den Pächter ab unb bewirthschaftete das Gut für seinen Vater mit der größten Uhu ficht und Energie. Was ihm an Erfahrung ab- ging, ergänzte Baron Hohenthal, dessen Besitzung ja an diejenige Wildensteins grenzte, unb mit den ihn treneste Freundschaft verband.

Rudolf war sehr ernst geworden, nachdem sein holdester Jugendtraum jäh und mitleidslos zer­rissen, und so blieb es denn still und eintönig in dem 'großen, alten Grafenschlosse. Das Helle Mädchenlachen von ehedem war verklungen, das heitere gesellige Leben vorüber aber der Wappenschild der Wildensieine zeigte keinen Flecken.

Die Gräfin hatte sich nie von dem Schlage erholt, den sie beim Abschiede der Tochter vom Schicksal erhalten, sie kränkelte fortwährend, und als vor nun fast zwei Jahren eine große Typhus­epidemie im Dorfe auftrat, war die Gräfin das Opfer derselben. Ihre Krankheit war kurz, aber entsetzlich; mitten in den heftigsten Fieberanfällen

Hersfeld, den 12. September 1893.

Im Interesse der richtigen und rechtzeitigen Ausführung des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli d. J. (Gesetz-Samml. S. 152) muß Werth darauf gelegt werden, daß die Gemeinden über die bei der ersten Ausführung zunächst in Betracht kommenden Gesetzesvorschriften in einer dem praktischen Bedürfnisse entsprechenden Form der Darstellung unterrichtet werden.

Zu diesem Zwecke eignet sich eine in dein Ver­lage von Karl Heymann, Mauerstraße 44 in Berlin, unter dem Titel:Das Kommunalab- gabengesetz vom 14. Juli 1893, nebst einem An­hänge, enthaltend die Grundzüge des Gesetzes" erschienene Druckschrift. Dieselbe enthält außer dem vollständigen' Texte des Gesetzes eine syste­matische Darstellung der wesentlichen Bestimmnngen der §§. 1 bis 60 desselben, jedoch unter gleich- ; zeitiger Berücksichtigung der Aufsichtsbestimmungeu i der §§ 78, 79 und der Uebergangsbestimmungen : des §. 97 insoweit, als es die nothwendige Be­lehrung der Gemeinden einerseits über die Rechte und Pflichten der Aufsichtsbehörden, andererseits wegen der Ueberleitung des bestehenden in den zukünftigen Rechtszustand erfordert.

Den Herren Ortsvorständen wird in den nächsten Tagen je ein Exemplar dieser Druck­schrift zum die n st li ch en Gebrauch e zu - gehen. Dieselbe ist alsbald in das Jnvenlarien- Verzeichniß einzutragen.

L 5423. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Politische Nachrichten.

Den erhebenden und so bedeutungsvoll ge­wordenen Kaisertagen in Elsaß-Lothringen

hörte die pflegende Diakonissin wieder und wie­der die jammernden Worte:Therese mein Kind! Mein Liebling!"

Gatte und Sohn wichen nicht aus dem Kranken­zimmer, sie scheuten nicht die Ansteckung, sie wollten bis zuletzt die Theure sehen, denn daß keine Hoffnung war, sahen selbst die Laien. Unb endlich ging die arme Dulderin ein in den ewigen Himmelsfrieden, tieferschüttert knieten die Ihrigen am Todtenbett; sie dachten wohl Beide im Innern an diejenige, die jetzt hier fehlte, und die so fern von dem Vaterhause weilte.

Baron Hohenthal hatte, als die Krankheit der Gräfin eine schlimmere Wendung nahm, an Therese geschrieben, deren Mann noch immer in Rußland engagii t war; nach dem Eintritt des Todes telegraphirte er sofort, war seine Pflicht, als ihr einziger Freund in der Heimath! Umgehend erhielt er abermals ein Telegramm: Bitte, bringen Sie Mama von mir einen Kranz! Therese.

Er that es; am Tage der Beisetzung brächte er, nachdem seine eigene Blumenspende bereits abgegeben, einen wundervollen Kranz zartester Gardenien und legte ihn der Verklärten auf's Herz.

Es ist das letzte Liebenszeichen Theresens," sagte er leise, tieferschüttert zu Graf Rudolf, der einigermaßen erstaunt diesem Beginnen zusah; laß die Blumen liegen, Freund, sie verdüstern

haben sich nicht minder schöne Kaisertage in Baden angereiht. Auch in Karlsruhe ist Sr. Majestät dem Kaiser eine ebenso begeisterte und herzliche Aufnahme bereitet worden, wie sie der erlauchte Monarch vorher schon in Metz und in Straßburg gefunden hatte; ebenso begrüßte die Karlsruher Bevölkerung den italienischen Thron­folger sehr sympathisch, welcher bekanntlich den Kaiser aus dem Reichslande nach Baden begleitet hat. Am Montag Vormittag nahm der Kaiser bei Karlsruhe die Parade über das 14. Armee­korps ab, von welcher der allerhöchste Kriegsherr, begleitet vom Großherzog von Baden und vom Prinzen von Neapel, an der Spitze der Fahnen- kompagnie, gegen 2'/.2 Uhr Nachmittags wieder in die Stadt zurückkehrte. Am Dienstag und Mittwoch wohnte der Kaiser den Manövern des 14. Armeekorps gegen das 15. (elsässische) Korps bei, am Donnerstag gedenkt er in Stuttgart ein- zutreffen

Bei bem Paradediner am Dienstag in Karls­ruhe brächte Se. Majestät der Kaiser in Erwiderung auf eine Ansprache des Großherzogs folgenden Triukspruch aus:

Durch Eurer königlichen Hoheit gnädige Worte und durch deu Empfang, den Sie mit Ihrem Hause und Volke Diir bereitet, haben Sie Mich zu Ihrem Schuldner gemacht, und bewegten - Herzens spreche Ich Ihnen Meinen innigsten Dank j dafür ans. Wie sollte es auch anders sein! Führt Mich dort der Weg, den Ich bis hierher gemacht habe, von dem Schloß am Rhein, wo Ich soeben noch unter den schönsten Erinnerungen weilen konnte, über die Stätten dahin, auf denen Unser Reich geschmiedet und die deutsche Kaiser­krone erkämpft wurde, hierher in dieses herrliche Land, in dieses gastliche Haus, in besten Mir wohlbekannten Räumen allerorten Erinnerungen

Dein Wappenschild nicht, denn die Liebe allein hat sie gesandt."

Und der Graf nickte nur schmerzlich; Niemand sah, wie seine Hand späterhin über die Blumen glitt, niemand vernahm den bebenden Laut von seinen Lippen: Therese!

Seitdem war Jahr und Tag vergangen, und nun mit dem beginnenden Frühling fing auch der alte Graf an, zu kränkeln.

Er wurde schwächer und hinfälliger, die Füße versagten ihm den Dienst und endlich mußte man ihn im Rollstuhl hinausfahren, um die milde Mailnft einzuathinen. Der Arzt erklärte das Leiden für Wassersucht und meinte, Hoffnung sei kaum noch vorhanden, den Patienten noch ferner zu erhalten, doch könne sich der jetzige Instand noch Tage unb Wochen hinziehen.

Auch diesmal schrieb Baron Hohenthal sofort an Frau zur Stellen und zwar mit der Bitte, sogleich 511 kommen, um den sterbenden Vater wiederzusehen unb sich wenn möglich mit ihm zu versöhnen.

Eines Tages kam er auf den Wildenstein und suchte Rudolf aus, einen Brief in Händen haltend.

Mein Freund," sagte er ernst und bewegt, ich bringe Dir eine Nachricht, die vielleicht uns allen ein Segen werden kann. Du weißt, daß Dein Vater nicht lange mehr zu leben hat"

Ich weiß es," bestätigte Rudolf düster,er