(M.lvvt U'ö&mthdi ^n'i Mal Tiensliq, Tomurslaa im» Sonuabmb.
Abonnkmevispn is vintkljädrlich 1 Dtazk 40 Psg. exel. Postaufschlaq.
Die Jnsertions^bühren bsiragen für den Raum einer Spall;rile 10 Pfg., im amtlichen Tbeile 15 Ps>,. Reklamen die Zeile 20 iM.
Bei grösseren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Hklsseliitl freisblatt
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „JvnstrLrtes SonntagsblatL".
Ur. 10?.
Dienstag den 12. September
1893.
Amtliches.
Hersfeld, den 7. September 1893.
Den Herren Ortsvorständen werden demnächst die RekrunruugS-Stammrollen der Jahrgänge 1871, 1872 und 1873, welche mit den alpha- b 'thischen Listen diesseits gleichgestellt worden sind, gemäß §. 46 >2 der Wehrordnung vom 22. November 1888 zugehen; dieselben sind nebst den Anlagen in der Gemeinde-Nepositur auszubewahren.
J. II. Nr. 2271. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 31. August 1893.
Mit Genehmigung Königlicher Regierung zu Cassel werden in Zukunft die Einkommensteuer - Z u - und A b g a n g s l i st c n der Landgemeinden und zwar zum e r st e n Male für das e r st e H a l b j a h r 189 3/9 4 in dem Bureau des Unterzeichneten aufgestellt, wovon ich den Herren Orts- (Guts-) Vorständen des Kreises mit der Veranlassung Mittheilung mache, daß die Ueberweisungsbeläge zur Be- g r ü n d u n g der E i u k o m m e n st e u e r a b - gänge bei Einseudung der KontrolauSzüge mit vorzulegen sind.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veronlagnngskommission:
Freiherr von Schleinitz, Königlicher Landrath.
J. III. Nr. 1991.
Bekanntmachung.
Zu der am 18. d. Mts. in Philippsthal resp. Weidenhain abzuhaltenden Lehrer-Conferenz werden hierdurch die Herrn Lokalschulinspektoren und Herrn Lehrer ergebenst eingeladen.
Anfang in Philippsthal wie gewöhnlich. Bibliothek: 9 ‘ /.2 Uhr morgens.
Philippsthal, den 9. September 1893.
Der Kreisschulinspektor: 3k oseustock, Pfarrer.
Nichtamtliches.
t Französische Eindrücke ans Cothringen.
Fast ein Vierteljahrhundert ist seit bem großen Kriege, durch den Elsaß-Lothringen wieder an das alte Mutterland kam, verflossen. Die Generation, welche die Verwandlung französischer Bezirke in deutsches Neichslaud mit durch machte, lebt uoch, mancherlei auf Tradition und verwandtschaftlichen Beziehungen beruhende Sympathien für Frankreich sind, namentlich in dem älteren Geschlecht Lothringens noch vorhanden, und selbst die Hoffnung ist nicht ausgestorben, daß der Frankfurter Friedeusvertrag aufgehoben und das Land wieder mit Frankreich vereinigt werde. Es .wäre ungerecht zu verlangen, daß alle Herzen alsbald mit derselben Wärme für das neue, wie für das alte Vaterland schlagen wüßten, und es wäre verkehrt, zu verkennen, daß die Arbeit von mindestens ein bis zwei Menschengeschlechtern dazu gehört, um nach der äußeren Eingliederung an das Reich allenthalben auch die innigste geistige Verbindung wiederherzustellen.
In der Erkenntniß dieses langwierigen Prozesses hat man Anfangs hie und da die Berichte über den Aufenthalt unseres Kaisers in und bei Metz, die von so viel Begeisterung wie nur irgend bei dem Empfang in alten Landestheilen zu melden wußten, geradezu mit einem gewissen Mißtrauen ausgenommen. Es ließ sich denken, daß sich die alldeutsche Minderheit in Lothringen bemühen werde, möglichst vollzählig ihre Huldigungen bem Reichsoberhaupte darzubringen, während vielleicht die eingeborene Bevölkerung sich etwas zurückhaltender zeigen würde. Aber mit den amtlichen Kreisen hatten auch die Gemeinden, die Geistlichkeit, ungezählte Vereine ?c. nicht gesäumt, dem Kaiser einen großartigen Empfang zu bereiten und ihre loyalen Gesinnungen kundzuthun. Könnte noch ein Zweifel daran sein, daß die lothringenschen Kaisertage über alles Erwarten eindrucksvoll verlaufen sind, so würde er durch die gänzlich unverdächtigen Berichte der französischen Blätter beseitigt werden.
Die Pariser Presse hatte Berichterstatter in großer Zahl nach Metz entsandt. Die meisten hatten sich redlich bemalst, ihre Leser aus allerlei yjtitierfolge des Kaiserbesuchs und sonstige Dinge, die ihyen zur Genugthuung dienen könnten, vorzu- bereiten. Aber die überlegene Ironie und die kleinen Bosheiten hielten nicht lange vor. Die Ergüsse der Blätter wurden kleinlauter und gingen schließlich gar in widerwillige Anerkennung und Bewunderung des moralischen Eroberungszugs unseres Kaisers über. Man war geradezu verblüfft über die Stimmung der eingeborenen Bevölkerung, wie sie sich überall kundthat, sei es, daß der Kaiser ohne jeden Truppenkordon durch die ihm zujubelnde Wage ritt, sei es, daß er sich schlicht und leutselig mit den Umwohnern seines Schlosses Urville bei Metz unterhielt, sei es auch, daß die Leute untereinander ihre Eindrücke aus- tauschten. Voll tiefer Trauer versichert ein Pariser Blatt, daß selbst aus dem französischen Grenzgebiet von St. Di6 und Nancy her, Tausende von Schaulustigen zur deutschen Truppenparade gepilgert seien, und daß die Republikaner, von Wilhelm II. redend, kurzweg ,,1’empereur“ sagten, wie wenn sie seine Unterthanen seien. „Wir Alten haben so lange vergebens auf die Rückkehr der Nothhosen gewartet, daß wir des Wartens müde geworden sind. Wir finden uns in die Lage, und unsere Kinder mögen sich mit ihr befreunden,' so erklärte ein hervorragender Protestier einem Berichterstatter. Demselben Berichterstatter hat namentlich der Tag von Urville einen tiefen Eindruck gemacht, bei dem der Kaiser durch sein Auftreten unter der Ortsbevölkerung die „höchste Geschicklichkeit", die Leute zu gewinnen, bewiesen habe. Weiter heißt es dann: „Es ist unleugbar, daß durch die Gewohnheiten die Wünsche und die Instinkte überwuchert worden, und daß unter dem Gewicht der täglichen Nothwendigkeiten des Lebens (denn seit 23 Jahren mußte man leben) viele Schmerzen eingeschlummert sind. Man hat mit dem Protestiren begonnen; heute ist man weiser: man „hofft" nur noch; es ist zu befürchten, daß man in zehn Jahren soweit sein wird, sich höchstens noch der Zeit zu erinnern, wo man hoffte."
Für uns ergibt sich daraus die erfreuliche
Thatsache, daß die Eroberung der Herzen der Reichsländer fortgeschritten ist und dank dem persönlichen Erscheinen unseres Kaisers weiter fortschreiten wird. DerKaiserlicheHerrhatin Metzernste markige Worte gesprochen, deren Bedeutung weit über die Grenzen der Reichslande hinausreicht. Die Elsaß-Lothringer aber werden daraus von Neuem die Erkenntniß schöpfen, daß ihre friedliche Wohlfahrt am besten im engen Anschluß an Kaiser und Weid) geborgen ist.
Politische Nachrichten.
Das Manöver fand am Freitag bei Kürzel und Pange statt. Gras/Häseler kommandirte das 16. Korps. Der Kaiser führte bei diesem Korps ein aus zwölf Regimentern bestehendes Kavalleriekorps. Der Kronprinz von Italien folgte den Manövern mit großer Aufmerksamkeit. Das lothringische KorpS wurde von dem übermächtigen Feind bedrängt, Härte aber eine außerordentlich günstige Stellung am linken Niedufer besetzt. Zuerst entwickelte sich auf beiden Seiten ein Artilleriekampf. Das achte Korps konnte mit dem rechten Flügel kein Terrain gewinnen, dagegen gelang der fünften bayerischen Division aus dem linken Flügel der Uebergang über die Ried bei Pange. Das sechzehnte Korps mußte seinen rechten Flügel zurückziehen. Nunmehr ging der Kaiser mit dem Kavalleriekorps auf dem rechten Flügel des 16. Korps vor und attackirte in schwierigstem Terrain glänzend die den linken Flügel des Gegners bildende bayerische Division. Hierauf wurde das Gefecht eingestellt. Die Leistungen der Truppen waren trotz der großen Anstrengungen nach 3 Biwaks, in der letzten Nacht bei Regen, ganz ausgezeichnet. Speziell war die Haltung der Landwehrbrigade des 8. Korps sehr gut. Wadj der Kritik desilirte die bayerische Division vor dem Kaiser vorbei. Alsdann rückten die Truppen theils nach Metz, theils nach den Bahnhöfen ab, von wo in 43 Sonderzügen das ganze 8. und der größte Theil des 16 Korps innerhalb 24 Stunden die Fahrt nach der Heimath antrat. 60000 Mann standen im Feuer.
Aus Straß bürg wird vom 9. b. M. gemeldet: Die ganze Stadt, insbesondere die Straßen, welche Se. Majestät der Kaiser bei seinem Einzüge berührt, sind aufs Prachtvollste geschmückt. Die Landbevölkerung ist schaarenweise herbeigeströmt, der Fremdeuzufluß sehr groß. Es herrscht eine festliche, gehobene Stimmung — Der Sonderzug mit den fürstlichen Gästen, der Generalität und den Militairattaches ist um 9 Uhr 30 Min. hier eingetroffen. — Se. Majestät der Kaiser traf mittelst Sonderzuges um 9 Uhr 55 Min. auf dem Bahnhof Neudorf ein, woselbst der Statthalter Fürst zu Hohenlohe Se. Majestät erwartete. Der Kaiser stieg alsbald zu Pferde unb ritt, begleitet von der Generalität und den höheren Offizieren, direkt zum Polygon, wo in- zwischen die Paradeaufstellung beendigt war und wohin sich die Fürstlichkeiten bereits vorher bege- ben hatten. Eine große Volksmenge hatte auf dem ganzen Wege Aufstellung genommen und begrüßte Se Majestät den Kaiser mit lautem Jubel. Das Wetter ist prächtig. — Die Kaiserparade