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Herssel-tl Breisblatt
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Mr. 104, Dienstag den 5. September
1893.
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mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt" für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. September 1893.
Nachstehende Vorschriften bezüglich des Zu- und Abgangswesens bei Einkommensteuersachen theile ich den Herren Orts- (Guts-) Vorständen des Kreises zur Nachachtung mit.
1. Eine Abgangstellung veranlagter Einkommen- steuerbeträge aus dem Grunde, weil der Steuerpflichtige heimlich verzogen und nicht ermittelt ist, findet nach den Vorschriften im Artikel 78 der Anweisung vom 5. August 1891 nicht statt. Vielmehr sind derartige unbei- treibliche Steuerrückstände geeigneten Falles auf Grund der Bestimmung im §. 64 des Einkommensteuergesetzes (Artikel 82 Nr. 6 der Anweisung vom 5. August 1891) niederzuschlagen.
2. Wenn ein Steuerpflichtiger seinen bisherigen Wohnsitz an einen anderen Ort des Preußischen Staates verlegt, hat die Hebestelle des seitherigen Wohnortes dem Gemeinde- (Guts-) V o r st a u d auf sein r echt - zeitiges Ersuchen behufs vorschrists- niäßiger Ausfüllung des Abgangsbelages
(Nachdruck verboten.)
Unebenburtig.
Roman von H. von Z i e g l e r.
(Fortsetzung.)
Graf und Gräfin Wildenstein waren für zwei Tage zu einer silbern Hochzeit verreist und Therese athmete auf über diesen günstigen Zufall; so konnte sie Hohenthal doch ungestört sprechen, vielleicht auch diesen mit Stetten bekannt machen. Als die Zeit heranrückte, in der der Kourirzug ankam, ward die Comteß unruhig, in nervöser Haft schritt sie durch's Zimmer, auf jedes kleinste Geräusch genau achtend; endlich hielt vor dem Hause ein Wagen, sie hörte des Barons Schritt, seine Stimme, aber wie gelähmt blieb sie stehen, ein jeder Blutstropfen wich aus ihrem Antlitz.
Gleich darauf eilte die Jungfer herein. „Gnädige Comteß," meldete sie ganz aufgeregt, „der Herr Baron von Hohenthal sind ange- kommen."
»Ich — lasse sehr bitten," hauchte Therese, deren Antlitz jeden Schein von Farbe verlor und hielt sich an die Tischkante, um nicht zu sinken; sie vernahm den schweren, festen Schritt ihres Verlobten, aber sie konnte ihm nicht entgegen gehen, ihre Knie wankten. Und dann stand er vor ihr, bleich, gefaßt und äußerlich unverändert, voll warmer Herzlichkeit nahm er ihre eisigkalten
(Muster XVI zur Anw. vom 5. August 1891) mitzutheilen, bis zu welchem Zeitpunkte die Einkommensteuer bereits gezahlt oder beigetrieben ist. (Vergl. Art. 75 Abs. 4 bis 7 der Anweisung vom 5. August 1891.) Von diesem Zeitpunkte ab ist nach Vorschrift des Art. 75 der Anweisung die Einkommensteuer an dem bisherigen Wohnorte in Abgang, an dem neuen Wohnort dagegen in Zugang zu stellen, mithin die während des Ueberweisungs- verfahrens etwa fällig werdende fernere Vierteljahrsrate von der Hebestelle des neuen Wohnsitzes einzuziehen.
3. Das dem Artikel 75 der Anweisung vom 5. August 1891 beigegebene Muster XVI ist, wie schon die Kopfinschrift desselben ergiebt,. ausschließlich dazu bestimmt, als Abgangsbelag zu dienen. Nachdem die Behörde des neuen Wohnortes aus der auf der linken Seite des Belages gegebenen Bescheinigung die erforderlichen Notizen zur Begründung des entsprechenden Zuganges entnommen und die rechte Seite des Belages ausgefüllt hat, ist derselbe der Behörde des Abgangsortes zurückzusenden.
Eines besonderen Zugangsbelages bedarf es in den hier fraglichen Fällen nicht.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungskommission:
Freiherr von Schleinitz, Königlicher Landrath.
I. III. Nr. 2012. '
Der zweite Abschnitt unserer diesjährigen Obst- verwerthungskurse im pomologischen Garten hier- selbst findet statt:
für Damen vom 29. August bis 1. September, für Herren vom 5. September bis 8. September.
Finger in seine Hände und sagte halblaut:
„Da bin id), Comteß Therese, und ich danke Ihnen für das Vertrauen, welches Sie mir bewiesen. Seien Sie ruhig, fürchten Sie nichts, ich bleibe Ihr Freund und werde Ihnen helfen, so viel in meinen Kräften steht."
Er hatte das trauliche „Du" bereits fallen lassen, die Gräfin blickte in sein farbloses, um Jahre gealtertes Gesicht, und ein tiefer Schmerz wogte auf in ihrem .Innern; ehe er's zu hindern vermochte, war sie vor ihm in die Knie gesunken unb rief leidenschaftlich aufschluchzend:
„Baron Hohenthal, können Sie mir verzeihen, daß ich Ihnen so weh gethan! Ich habe Ihr Glück vernichtet und Sie kommen voll himmlischer Güte zu mir. Ich habe das nicht verdient, o, aber ich danke es Ihnen vieltausendmal!"
Ganz erschrocken beugte sich der Baron nieder, um die Knieende auszuheben, tröstend wie ein Vater legte er den Arm um ihre Schultern, und das alte, heiße Gefühl wallte in ihm auf, daß er sie nun nicht mehr sein nennen, nicht mehr ihre Stirn und Augen küssen dürfte.
„Still, Comteß Therese, reden Sie nicht so! Fassen Sie sich und erzählen Sie mir alles, denn unsere Zeit ist kostbar, und — das Berühren der vergangenen Tage bewegt Sie und mich gleich heftig. Kommen Sie, setzen Sie sich aufs
Die Thätigkeit erstreckt sich hierbei besonders auf die verschiedenen Verwerthungsarten des Kern- und späteren Steinobstes und ist den Theilnehmern sowie auch anderen Interessenten die Verarbeitung eigenen Obstes hierbei ermöglicht.
In Anbetracht der diesjährigen reichen Obsternte verfehlen wir nicht, nachdrücklichst zu dem Besuch dieser Kurse aufzumuntern.
Anmeldungen zu denselben sind zu richten an den Leiter der Kurse, Herrn Jnstitutsgärtner Carl H n b e r in Cassel, pomologischer Garten, Frankfurter Landstraße 50.
Cassel am 14. August 1893.
Die Direktion des landwirthschaftlichen Central- Vereins für den Regierungsbezirk Cassel. von der Malsburg.
Gefunden: Ein Filzhut und ein Stab-Eisen. Dieldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Kalkobes.
Politische Nachrichten.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen am Freitag Vormittag in C o b l e n z ein, auf dem Bahnhöfe vom Prinz- Regenten Albrecht von Braunschweig, vom Reichskanzler Grafen Caprivi, der Generalität und dem Oberbürgermeister Schriller empfangen. Im Schlosse fand Empfang der Provinzialbehörden und Frühstückstafel statt, worauf die Majestäten eine Rundfahrt durch die festlich geschmückte Stadt machten und überall von den Volksmassen jubelnd begrüßt mürben. Später unternahm der Kaiser eine Rheinfahrt mittels Salondampfers. Nach der Rückkehr von diesem Ausfluge begab sich der Kaiser nach dem Bahnhöfe und empfing hier um 6 Uhr den K-ronprinzen v o n
; Sopha und erlauben Sie mir einen Stuhl da- ueben."
Seinem milden Zureden, seiner warmen Herzlichkeit gegenüber fand Therese endlich ihre Fassung wieder und begann, stockend und von Thränen häufig unterbrochen, die ganze Geschichte ihrer Liebe zu erzählen. Hohenthal saß daneben, still, wortlos, die Augen zu Boden auf das bunte Teppichmuster gerichtet; ab und zu nur preßten sich seine Lippen fester zusammen, ein tiefer, schwerer Seufzer hob seine Brust; als das junge Mädchen endlich schwieg, sah er auf. Sein Blick war unsäglich wehmüthig.
„So sind Sie also fest entschlossen, Gräfin Wildenstein, jenen Herrn zur Stetten zu heirathen und ihm nach Rußland zu folgen? Sie haben alle Konsequenzen dieses Schrittes erwogen?"
„Alle, Baron Hohenthal, im April werde ich mündig und — und — will ihm dann meine Hand reichen."
„Aber wenn Ihre' Eltern sich weigern? Wo wollen Sie hin, wenn das Vaterhaus sich vor Ihnen schließt?"
„Ich weiß eö nicht!" Verzweifelnd rang Therese die Hände, „o, Eduard, helfen Sie mir, meine ganze Hoffnung steht bei Ihnen."
„Armes, armes Kind," sagte er zärtlich wie ein Vater, „nun lassen Sie mich sehen; vielleicht findet sich ein Ausweg, aber erst muß ich Herrn