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Ur. 101. Dienstag de» 29. August 1893.
Politische Nachrichten.
Hersfeld, den 28. August 1893.
einen schmerzlichen Verlust hat unsere Stadt und unsern Kreis betroffen. Nach längerem Kranksein verstarb gestern Abend
der Areisdeputirte
Herr Ludwig Moll.
Seine Thätigkeit, in uneigennützigster Weise dem öffentlichen Wohle gewidmet, ist ja Allen bekannt, welche dem Dahingeschiedenen nahe gestanden, sein Wirken beobachtet haben. Die Landwirthschaft fand in ihren Bestrebungen nach Verbesserung ihrer Lage einen opferwilligen Förderer ihrer Interessen in ihm, auf dem Gebiete des Genossenschafts- wesens hat er praktisch seine Kenntnisse und reichen Erfahrungen zum allgemeinen Besten zu verwerthen gewußt. Dafür legt die hier gegründete Molkerei-Genossenschaft mit ihren Filialen in Schenklengsfeld und Niederjossa Zeugniß ab; die Weiterentwicklung der Darlehnskassen, deren segensreiche Thätigkeit Niemanden unbekannt geblieben, ist ein Gegenstand seiner besonderen Aufmerksamkeit gewesen, und in seiner Eigenschaft als Ver- bands-Vorstand war ihm keine Mühe zu groß, keine Arbeit zu beschwerlich, um auch hier fördernd und helfend einzuwirken. Als Mitglied des Kreistages und des Kreisausschusses lange Jahre thätig, in den verschiedensten Commissionen bewährt, war seine Wirksamkeit eine hervorragend werthvolle. Aber nicht minder als ehrenhafter Mann, als redlich denkender und handelnder Staatsbürger, als treuer Vaterlandssreund, als frommer Christ ist er von uns geschätzt, uns vorbildlich gewesen. Tief beklagen wir sein zu frühes Hin- scheiden. Sein Andenken wird bei uns nicht erlöschen.
3m Damen des Kreisansslhusses:
Areiherr von Schkeinitz,
Königlicher Landrath.
Amtliches.
Hersfeld, den 26. August 1893.
Der Oekonom Eduard Corell zu Niederjoffa hat für seinen am 22. Februar 1877 zu Oberjossa,
(Nachdruck vcrboten.)
Unebruvürlig.
Roman von H. von Zieglcr.
(Fortsetzung.)
„Darf ich bitten, einen Moment zil warten, mein Herr, ich will gleich sehen, ob die Aufnahme gelungen ist."
„Ich hoffe doch. Zweimal habe ich mich noch nie ausnehmen lassen."
Beim Ton dieser Stimme entsank Theresen's Händen das Buch wie gestern Abend der Theaterzettel, ihr Athem flog, und tief drin im Herzen erklang heller, jauchzender die wunderbare Melodie der wahren edeln Liebe. Friedrich zur Stetten rvar's ja, der jetzt mit einem Laut der Neber- raschung sie erkannte und auf sie quellte.
„Comteß Wildenstein, Sie hier, welch' ein Glück, welch' eine Freude für mich!" rief er.
Ihre Hände fanden sich, ihre Augen senkten sich ineinander, einen Moment schien ihnen die Welt still zu stehen vor Seligkeit, und erst nach einer Pause trat der stattliche Mann ernst einen Schritt zurück.
„Verzeihen Sie mir, gnädigste Gräfin, daß ich mich hinreißen ließ," sagte er verlegen.
„Herr zur Stellen," stammelte das schöne Mädchen, „wie freue ich mich über unser Wieder
Kreis Ziegenhain, geborenen Sohn Nicolaus um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverband zwecks Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
1- 5199. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
sehen; schon gestern Abend —"
„Ich habe Sie gesehen," sprach er tief bewegt, „Ihre Augen leuchteten und Sie schämten sich nicht, mich wiederzuerkennen."
„Nein, wir hatten uns ja auf Wiedersehen gesagt," entgegnete sie, aber sie senkte das Köpfchen vor seinem glühenden Blicke.
„Und dennoch wagte ich nicht, an ein solches zu denken; die chinesische Mauer der Welt trennt uns."
„Sie sehen, daß ich dieselbe niederreiße, indem ich Ihnen herzlich die Hand reiche."
Er hielt die schlanken Finger wie damals in den seinen, dann zog er sie langsam an die heißen Lippen und flüsterte:
„Ich danke Ihnen, Gräfin, auf den Knieen danke ich Ihnen für diese Güte. Und nun noch eine unbescheidene Frage: Haben Sie mitunter — an jene Gewitterstunde in der Bergschänke gedacht — an meine indiskrete Frage nach dem Leuchten und Schimmern Ihrer Augen?"
Sie blickte befangen zu ihm — und er sah, daß eben diese Augen seitdem gelernt hatten, so zu glänzen.
„Ich habe viel — 0 sehr viel an — jene Stunde gedacht — und ich weiß, daß ich Unrecht that —"
Weiter kam sie nicht, der Photograph erschien,
Berlin, 27. August.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin begaben sich heute früh mittelst Sonderzuges von der Wildparkstation aus nach dem hiesigen Gör- litzer Bahnhof und von diesem aus in Wagen nach dem Lausitzer Platz, wo die feierliche Einweihung der Emmauskirche erfolgte. Von hier aus begaben sich die Majestäten nach dem königlichen Schloß, wo die Frühstückstafel stattfand.
Die äußerlichen Formalitäten, welche den Thronwechsel in Coburg-Gotha begleiteten, sind mit dem am Freitag im coburg- gothaischen Landtage stattgefundenen StaatS- acte zum Abschluß gekommen. Der Staatsminister Strenge überreichte dem Hause die Urkunde über die im Beisein des Kaisers vollzogene Eidesleistung des Herzogs Alfred. Im Anschlüsse hieran erklärte der Minister, daß die Regierung an den Herzog Alfred übergegangen sei und schloß er mit warmen Segenswünschen für den Herzog und das Land. Landtagspräsident Berlet nahm hierauf die Urkunde unter einer kurzen Erwiderung in Empfang, worauf der Schluß der außerordeutlichen Landtagssitzung erfolgte.
Die feierliche Beisetzung der Leiche des Herzogs Ernst findet an diesem Montag Mittags in der Fürstengruft der Moritzkirche zu Coburg statt. Zahlreiche deutsche und ausländische Fürstlichkeiten, an ihrer Spitze Kaiser Wilhelm, werden den Beisetzungsfeier beiwohnen.
Die Prinzessin von Schaumburg- Lippe sieht, der „Köln. Ztg." zufolge, 511 Neujahr einem frohen Ereigniß entgegen. In Folge dessen würde die Kaiserin Friedrich auf den ursprünglich geplamen Winteraufenthalt in Italien voraussichtlich verzichten.
Die Jstrinnahme an Zöllen u n d V e r -
um sich zu bedanken und zu erklären, die Bilder wären brillant gelungen.
„Ich darf wohl nur eine Minute um Geduld bitten, meine gnädigste Gräfin, wandte er sich sodann an Therese, „das Arrangement im Atelier muß nur etwas geändert werden."
„Sehr gern," erwiderte die junge Dame und beugte sich über ein Bild, um ihr Vergnügen über diesen Aufschub zu verbergen; da im selben Moment, als die Thür sich hinter dem Manne schloß, fiel die Theerose von dem Gürtel ihres Kleides, und ehe sie noch nach derselben zu greifen vermochte, hatte zur Stetten sie aufgehoben.
„Lassen Sie mir die Rose, Comteß," bat er halblaut mit bebenden Tönen, „sie soll mich stets an diese Stunde des Wiedersehens erinnern. Ich bin tollkühn, Gräfin, nicht wahr, aber Sie sind der Engel, dessen blaue Augen mein einsames Dasein für Minuten erleuchteten."
„Herr zur Stetten —"
„Werden Sie morgen wieder im Theater sein? Dann sollen Sie meinen Talisman an meiner Brust sehen. O, zürnen Sie mir nicht, Gräfin, sagen Sie mir, welches Unrecht Sie thaten."
„Daß ich Baron Hohenthal mein Wort gab."
Der Photograph erschien, schweigend verneigten sich die beiden jungen Leute vor einander und Therese schritt hinüber nach dem Atelier. Aber