Seine Majestät in Kiel. Das Programm für Montag ist das nämliche wie das für Sonnabend. Am Dienstag früh beabsichtigt der Kaiser, in Berlin einzutreffen und von Bude 4 beim Bahnhof Großgörfchenstraße sich sofort znr Parade des Gardekorps auf das Tempelhofer Feld zu begeben.
Aus Straßburg i. E. wird der Nordd. A. Z. gemeldet, daß der Kaiser daselbst am 10. September ein trifft und bis zum 14. September verweilt. Ueber das 14. und 15. Armeekorps wird bei Straßburg die Kaiserparade abgehalten werden, darauf manövriren die beiden Armeekorps gegen einander bei Straßburg und Kehl; bei diesen Manövern wird eine Brücke über den Rhein geschlagen werden.
Se. Majestät der Kaiser hat, wie das „Militär-Wochenblatt" meldet, dem Kapitän zur See Prinzen Heinrich von Preußen, das Dienstauszeichnungskreuz verliehen.
Wie aus Frankfurt a. M. gemeldct wird, sind die Berathungen dcr Finanzminister gestern Nachmittag 4*/2 Uhr geschlossen worden. Es wurde in der Berathung der speziellen Vorschläge zur Deckung der ReichsauSgaben und zur Durchführung der Reform fortgefahren. Man einigte sich auch hier über die wesentlichen Grundlagen und beschloß, die detaillirte Ausarbeitung und die Erledigung einer Reihe von Spezial- fragen einer alsbald in Berlin zusammentretenden, aus Vertretern der wesentlich betheiligten Staaten und aus Kommissaren der ReichSverwaltung zu bildenden Kommission zu übertragen. ES scheint beabsichtigt zu werden, soweit irgend thunlich, bie gesammten Gesetzentwürfe gleichzeitig dem Reichstage bei seinem demnächstigen Zusammentreten vorzulegen. Alle Aeußerungen der Theilnehmer an der Konferenz zeigen, daß dieselben von den Ergebnissen der Berathungen sehr befriedigt sind. Ueber diese Ergebnisse wird mitgetheilt, daß über den Gang der weiteren Vorarbeiten für die eventuell dem Bundesrathe zu machenden Vorlagen überall ein Einverständniß erzielt ist, insbesondere auch hinsichtlich der gestern berathenen Frage der eventuellen Besteuerung deS Weines. Bindende Beschlüsse sind selbstverständlich nirgends gefaßt worden, da die ganzen Berathungen nur den Charakter eines vorläufigen Gedankenaustausches trugen. Die Frage der eventuellen Besteuerung der Inserate soll bei den Erörterungen ebenfalls gestreift fein.
Der Minister des Innern hat durch Verfügung vom 31. Juli 1893 den Erlaß vom 18. April 1890, soweit er sich auf die Heranziehung einzelner Gendarmen durch die Landräthe bezieht, in seiner Anwendbarkeit auf alle Fälle ausgedehnt, in denen eine Gefährdung oder Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, zu deren Befestigung die vorhandenen Polizeikräfte nicht ausreichen, eingetreten ist oder ernstlich befürchtet wird.
Der deutsch - fpanische Handelsvertrag ist am Dienstag in Madrid von dem spanischen Minister des Aeußern und dem deutschen Botschafter von Radowitz unterzeichnet worden, natürlich vorbehaltlich der Ratifikation, die der Zustimmung des im Herbst zusammentretenden Reichstags bedarf.
Wie eine große Chokoladenfabrik in Dresden der dortigen Handelskammer mit- theilt, hat sich die Erwartung, die Erzeugung von C a c a o werde sich in Kamerun ausdehnen, bestätigt. In Hamburg sind im Vorjahre etwa 1000 Centner Cacao von den deutschen Pflanzungen eingetroffen. Die Waare erfreute sich solcher Beliebtheit, daß sie einen wesentlich höhern Preis als der Cacao aus andern Ländern erzielte.
Der geplante Abschluß eines öster - reichisch-russischen Handelsvertrages scheint doch nicht so glatt vor sich zu gehen, wie man erwartet hat. Einer Meldung aus Wien zufolge wären die Verhandlungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland über den Abschluß eines Handelsvertrages in's Stocken gerathen, weil Rußland sich nicht mit den Meistbegünstigungen begnügen wolle, welche Oesterreich- Ungarn anderen Ländern gewährt habe, sondern für feinen Getreidehandel die besonderen Vergünstigungen verlange, welche von jenem Italien und Serbien zugestanden wurden. Rußland habe sein Verlangen in einer Note an die österreichischungarische Regierung formulirt, und es sei nicht ausgeschlossen, daß die Verhandlungen an diesem Punkte scheitern. Man wird gut thun diese Mittheilung mit Vorsicht aufzunehmen, denn zeitweise kommen Stockungen in allen Vertrags- verhandlungen vor, und der österreichisch-russische Handelsvertrag kann inzwischen auch abgeschlossen sein, zumal Rußland Werth darauf legt, sich mit Oesterreich auf möglichst guten Fuß zu stellen.
Aus Petersburg wurde aus sicherer Quelle gemeldet, daß das russische ständische Mittelmeergeschwader bereits fertig gestellt ist und aus den aus Amerika anläßlich der Columbus- feier zurückkehrenden russischen Kriegsschiffen, sowie aus drei weiteren Panzerfahrzeugen besteht. Erwägt man ferner, daß der russische Botschafter Baron Mohrenheim in Paris bei bem Besuche französischer Badeorte sich mit Vorliebe in Kon-
' zerten die „Marseillaise", die französische National- 1 Hymne, vorspielen läßt, so geht daraus deutlich hervor, daß Rußland sein Freundschaftsverhültniß zu Frankreich so intim als möglich zu gestalten sucht.
Die letzte Woche hat den gelddurstigen Amerikanern eine böse Lektion gebracht, denn in einer sehr bitter klingenden Botschaft beruft der Präsident Cleveland den Kongreß zur Beseitigung der Silbergesetze und Steuerung der Geldnoth ein. Die Anhänger und Interessenten der freien Silberausprägung wollen sich aber der Aufforderung, die Geldverhältnisse der Vereinigten Staaten zu reformiren, nicht fügen, und haben im Kongreß bereits ein Silberliga gebildet.
Geradezu trostlos lauteten in letzter Woche die Nachrichten aus der Republik Arg entinien, welche vollständig der Revolution und Verwirrung preisgegeben ist. Die Provinzialtruppen haben sich auch als unzuverlässig erwiesen und mußten entwaffnet werden. Dabei sind viele Anhänger der Partei Mitre's in La Plata eingerückt, und der Kriegsminister sucht als einzige feste Stütze der Regierung die Aufständischen im Zaume zu halten.
Aus Provinz und Nachbargebiet,
Hersfeld, den 11. August 1893.
* (Personal-Veränderungen.) Ernannt: der Pfarrverweser Schmidt in Renda auf erfolgte Präsentation zum Pfarrer dafelbst, der Pfarr- amtscandi.dat Weinhausen zum Gehilfen des Pfarrers Ewald in Allendorf a/Landsburg, die Königlichen Oberförster Lorge in Felsberg und Ditmar in Todenhaufen zu Forstamtsanwälten, letzterer für den periodischen Gerichtstag in Frielen- dorf, der Fabrikant Carl Kehl in Hanau zum Handelsrichter bei dem Landgericht in Hanau. — Versetzt: die Postverwalter Hoppe von Debschwitz nach Kleinschmalkalden und Zobel von da nach Schalkau, der Förster Henker von Marienhagen zum 1. Oktober d. J. nach Wenigenhasungen. — bestätigt: die Wahl des Gutsinspektors Wittmer zum Bürgermeister der Stadt Liebenau auf die Dauer von acht Jahren.
* Gegenwärtig ist die Fleckenbildung auf der Sonne eine sehr lebhafte, es vergeht kein Tag, wo nicht neue Flecken entstehen und andere vergehen. Bekanntlich bilden dieselben in der Regel zwei Zonen, die auf beiden Seiten des Sonnenäquators von Ost nach West über die Sonne ziehen. Die Vertheilung der Flecke aus diese beiden Zonen ist oft eine fehr ungleiche, im laufenden Sommer überwiegen, wie der „Franks. Z." gemeldet wird, entschieden die Flecken in der südlichen Zone an Zahl und Größe. Augenblicklich ist in derselben ein Fleck von solcher Größe vorhanden, daß er mit bloßem Auge gesehen werden kann. Nach ungefähren in der Eile heute Mittag (7. August) angestellten Messungen nimmt er etwa den 190. Theil der Sonnenober- fläche ein, übertrifft also die ganze Erde nicht weniger als 60 mal an Ausdehnung. Trotz dieser kolossalen Größe erscheint er ohne Fernrohr wegen der ungeheueren Entfernung der Sonne nur als schwarzer Punkt. Er befand sich heute Mittag im unteren Theil der Sonnen- scheibe ungefähr in der Mitte und wird, wenn er nicht kleiner wird, noch einige Tage sichtbar fein, wobei er sich wegen der Umdrehung der Sonne langsam nach der rechten Seite bewegt. Das Fernrohr zeigt in ihm an beiden Seiten zwei Gruppen großer schwarzer Punkte, die sogenannten Kerne, die umgeben und verbunden sind durch eine graue Masse, den Hof oder die Penumbra.
* Hersseld, 11. August. Für die gefiederte Welt war der Verlauf des Sommers ein sehr günstiger. Die Trockenheit hat die Entwickelung der Brut außerordentlich gefördert und zugleich auch für die Vermehrung der Infekten gesorgt, sodaß an hinreichendem Futter kein Mangel war. Die meisten Vögel haben das Brutgeschäft schon beendet, nur einige, wie Schwalben, Garten-Grasmücken rc. haben noch mit dem Aufziehen ihrer Jungen zu thun.
t Hersfeld, 11. August. Die dem hiesigen Kreise aus den l a n d w i r t h s ch a f t l i ch e n Zöllen des Etatsjahres 1892/93 zu überweisende Summe beträgt nach einer Bekanntmachung des Finanzministeriums 33 947 Mark.
* Hersfeld, 11. August. Zur Vorsicht beim Ankauf amerikanischen Heus warnt Dr. I. H. Vogel in Berlin. Unter Hinweis auf eingehende Untersuchung des Prof. Atwater er
innert Dr. Vogel daran, daß die amerikanischen Gräser und Kleearten im Vergleich zu den europäischen relativ sehr arm an Eiweiß sind. Außerdem verweist er auf die große Gefahr einer Einschleppung neuer Schädlinge der Insekten und Pilzwelt, die die leider an sich schon erhebliche Zahl der einheimischen Feinde unserer Ernten noch vermehren würden. Der angeblich billige Preis des amerikanischen Hens ist somit ein sehr trügerischer, da man bei bem geringen Protein- gehalt thatsächlich theure Waare kauft und Gefahr läuft, das Land voll neuen Ungeziefers zu setzen.
Hersfeld, 11. August. Gestern am 10. August waren 80 Jahre verflossen, seit König Friedrich Wilhelm III. von Neudorf in Schlesien an seine kommandirenden Generale den Befehl erließ, daß bei allen Truppen des Morgens nach der Reveille und des Abends nach der Retraite ein Gebet zu verrichten fei, wie dies heute noch üblich ist. Ueber den Ursprung und die bezügliche Allerhöchste Ordre, welche den Truppen unter dem 19. August 1813 mitgetheilt wurde, ist Folgendes in den Akten verzeichnet: Die Schlacht bei Groß-Görschen war am 2. Mai 1813 geschlagen; nahe an 8000 Verbündete und ebensoviel Franzosen bedeckten das Schlachtfeld. König Friedrich Wilhelm III. und der Kaiser von Rußland verweilten bis 10 Uhr auf dem Schlachtfelde. Die Monarchen ritten die Front ihrer Krieger entlang. Auf dem russischen Flügel angelangt, wurden sie mit Trommelwirbel begrüßt, der in den russischen Zapfenstreich über- ging; die Musik fiel ein und spielte das erhebende Gebet. Die Häupter entblößten sich, und niemals mag ein inbrünstigeres Gebet zum Lenker der Schlachten emporgestiegen sein als damals. Der König war tief gerührt und konnte seiner Erregung auf dem Heimritt nach Groitsch nicht Herr werden. Während des Waffenstillstandes vom 5. Juni bis 10. August brächte der König feinen gehegten Plan, diese so erhebende militairische Feierlichkeit auch in seiner Armee einzuführen, zur Ausführung. Im Hauptquartier zu Neudorf zwischen Reichenbach, Schweidnitz und Peterswalde wurde zum ersten Male: „Helme ab zum Gebet!" kommandirt. Aber auch schon in früheren Zeiten wurde bei den Truppen Morgens und Abends gebetet. „Es wird alle Tage zweymal Betstunde abgehalten und zwar des Morgens gleich nach der Wachtparade und des Abends nach 6 Uhr", sagt schon ein im Jahre 1750 zu Berlin gedrucktes Reglement der preußischen Armee. Der 4. Artikel lautet: „Des Sonntags um 9 Uhr wird ordentlich gepredigt, und die Predigt kann eine Stunde dauern. Alle 14 Tage wird in einem Standlager Communion gehalten." Von der Betstunde heißt es: „Es soll keine Betstunde länger als eine Viertelstunde mit Singen und alles dauern. Dem Priester, welcher drüber schreitet, soll vor jedesmal
1 Rthlr. zur Jnvalidenkasse abgezogen werden, worauf der Adjutant Acht haben soll."
Cassel, 10. August. Ihre Majestät dieKai- s e r i n nahm gestern Abend den Thee bei Seiner Excellenz dem kommandirenden Herrn General, General-Adjutant v o n W i t t i ch ein und beehrte denselben für heute mit einer Einladung zum Frühstück. — Die Ankunft Ihrer Majestät der Kaiserin hatte sich rasch im Publikum verbreitet, und so hatte sich vor dem Bellevueschloß ein zahlreiches Publikum angesammelt, welches i die Kaiserin bei der Abfahrt gegen 10 Uhr durch begeisterte Hochrufe und Tücherschwenken begrüßte.
— Ihre Majestät hatte von Wilhelmshöhe Nachmittags mit den jüngsten 3 Prinzen in Begleitung der Hofdame Gräfin Keller, sowie der Erzieherin Miß Brock in zwei Wagen eine Spazierfahrt bis in die Nähe von Wilhelmsthal gemacht. Nach der Rückkehr wurde im Schloß den kaiserlichen Prinzen von Ihrer erlauchten Mutter eine besondere Freude dadurch bereitet, daß der gegenwärtig hier anwesende Zauberkünstler Mr. Chery aus Wien die Ehre hatte, vor der Kaiserlichen Familie eine Vorstellung in der modernen Salonmagie zu geben. Von 5 Uhr ab führte derselbe in Gegenwart Ihrer Majestät die unterhaltendsten Experimente vor. — Die Hofdame Gräfin von der Schulenburg machte gestern im Auftrage der Kaiserin in verschiedenen hiesigen Geschäften Einkäufe. — Nach neuerdings getroffenen Dispositionen wird Ihre Majestät, wie verlautet, sich Sonnabend oder Sonntag nach Berlin begeben.
Cafsel, 10. August. • Das Artillerieregiment rückte in vergangener Nacht um 1 Uhr zu den Manöverübungen in Thüringen aus.
Cassel, 9. August. Das Königliche Gericht der 22. Infanterie-Division (Cassel) hat vor