(Sridtrint wöchentlich biet Mai Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Abonnement-Preis vierteljährlich 1 Mark 40 Psq exet. Postaufschlag.
Die Jnsertionsgcbühren betragen für den Raum einer Cpaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Hersselder KmsMtt
Mit wöchentlicher Gratis-Veilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 93. Donnerstag den 10. August 1893.
Amtliches.
Hersfeld, den 8. August 1893.
Nach einer Mittheilung des ständischen Bau- amtes dahier sind die Gemeinden rc. Allmershausen, Eitra, Friedlos, Gittersdorf, Lampertsseld, Nial- komes, Meisebach, Oberhaun, ReiloS, Rohrbach, Rolhensee, Sorgn und Unterhaltn mit Erledigung von Landwegebau-Arbeiten im Nückstande.
Die Herren Ortsvorstände der angegebenen Gemeinden rc. Haben für die Ausführung dieser Arbeiten bis spätestens zum 8. Sep - teilt b er er. Sorge zu tragen. Nach Ablauf dieser Frist wird der etwa weiter verbliebene Rückstand auf Kosten der Gemeinde veraccordirt werden.
I. I. 4914—4926. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Gefunden: eine neue Franenjacke. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Kalkobes.
Gefunden: eine Tabakspfeife und ein Taschenmesser. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Reckerode.
Politische Nachrichten.
Aus Co w es wird vom Montag gemeldet: Se. Majestät der Kaiser W i l h e l m hat heute Vormittag 8 Uhr an Bord der Jacht „Hohen- zollern" den hiesigen Hafen verlassen. — L o n - don, 7. August. Bei der Abfahrt der „Hohen- 5ollern" von Cowes gab das englische Kriegsschiff „Neptun" den Ehrensalut ab. Als die „Hohenzollern" bei dem Schloss Osborne vorbei-
hNachdruck vcrbotcn.)
Der Fluch des Mammons.
Novelle von Leo Werner (Fortsetzung.)
Berlitz hatte in seinem Zorne und beleidigtem Nechtsgefühle thatsächlich inzwischen den äußersten Schritt gethan. Er war direkt nach dem Polizeiamte gefahren und hatte um die Verhaftung bes Banquiers Gustav Zacharus wegen Veruntreuung großer Geldsummen und eine Menge Werthpapiere gebeten.
Da die Polizei die tumultarischen Auftritte in unb vor dem Geschäftslokale des Banquiers Zacharus bereits erfahren hatte, daß schwere Anklagen gegen denselben vorlagen, so wurden sofort zwei Criminalpolizisten nach der Zacharus'schen Villa geschickt, um ben Betrüger zu verhaften, und Berlitz, welcher wegen der Rettung seiner Depots noch einmal rasch mit Zacharus zu sprechen verlangte, erhielt die Erlaubniß, die Polizeibeamten begleiten zu dürfen.
Berlitz wartete, als sie die Villa erreicht hatten, 1111 Saiten derselben, während die Beamten in das Haus traten. Es verstrich eine peinliche Viertelstunde, und dann kamen die Beamten ohne Zacharus, aber in Begleitung der Diener zurück.
„Herr Zacharus ist im Hause nicht zu finden und die Diener sagen, er sei schon vor einer Stunde in den Garten gelaufen. Wir werden
fuhr, senkte sich die Kaiserstandarte zum Ab- | schiedsgruß. Von Schloß Osborne wurde der I Gruß in gleicher Weise erwidert. Die deutschen Kriegsschiffe, welche bereits vorausgefahren waren, sollen mit der „Hohenzollern" bei Beachy-Head zusammentreffen.
Von Helgoland meldet „Wolff's Bureau": Se. Majestät der Kaiser traf am Dienstag Vormittag 9 Uhr an Bord der „Hohenzollern" hier ein. Um 101 /s Uhr betrat Se. Majestät die LandungS- b diese und wurde daselbst von dem Kommandauten unb ben Behörden der Insel empfangen und von den Bewohnern, sowie den zahlreich versammelten Badegästen enthusiastisch begrüßt. Nach kurzem Aufenthalt begab sich Se. Majestät mit Gefolge zu Fuß nach bem Tunneleingang und von da zu Wagen nach dem Oberlande. Hier finden Schießübungen mit 21-Centimeter- und mit Revolverkanonen statt. Sämmtliche Straßen, die meisten Häuser und Boote sind mit Flaggen und Guirlanden geschmückt. Das Wetter ist prächtig.
Das sächsische K ö n i g s p a a r traf ant Montag Mittag, von Haag kommend, in Schloß L o o , der Sommerresidenz der Königin Wilhel- mine der Niederlande und ihrer Mutter, der Königin-Regentin Emma, ein. Am Montag Abend setzten die sächsischen Majestäten die Heimreise nach Dresden fort.
Die Bessernn g im Befinden des Herzogs Ernst v o n S a ch s e n - C o b u rg hält erfreulicher Weife derart an, daß bereits die Ausgabe der täglichen Bulletins hat wiederum fi flirt werden können.
Bezüglich der am 8. d. Mts. begonnenen Frankfurter Conferenzen bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.": Was in Frankfurt erwogen und beschlossen werden wird, kann nicht allzulange geheim bleiben, und besteht auch wohl kaum die Absicht es zu verheim-
also ben Garten durchsuchen," sagte der ältere der Polizisten.
Sorgfältig suchten sie den Garten ab und näherten sich dem Gartenhause. Dasselbe war von innen verriegelt.
Heftig klopfte der ältere Polizist an die Thüre und rief laut:
„Im Namen des Gesetzes, Herr Zacharus, öffnen Sie sofort die Thüre!"
Da krachte im Gartenhaus^ ein Schuß und ein schwerer Körper fiel zu Boden.
Berlitz und die Diener eilten rasch herbei, man stieß ein Fenster des Gartenhauses ein, öffnete von innen die Thüre und gelangte so in das kleine von Pulverqualm erfüllte Gebäude.
Mitten in demselben lag mit zerschmettertem Schädel Gustav Zacharus in seinem Blute. Kurz vor der drohenden Verhaftung hatte er sich mit einem Revolver, der sich in einem Schränkchen des Gartenhauses befunden hatte, erschossen.
Erschüttert stauben Berlitz, die Polizisten unb die Diener vor dem leblosen Leichnam des einst so hoch angesehenen Mannes, der aus Ehrgeiz und Goldsucht ein Betrüger geworden war, und Berlitz flüsterte leise: „Er hat sich selbst gerichtet !"
Dann ging er tief ergriffen und ganz in schwermüthige Gedanken versunken davon.
Noch hatte er aber den Garten nicht verlassen, als aus der Villa heftiges Geschrei und Welt
lichen. Für eine ernsthafte Erörterung seitens der politischen Kreise und der Interessenten ist die Zeit doch aber erst dann gekommen, wenn in beglaubigter Form bekannt wird, welches Resultat die Conferenzen gereift haben, bis dahin können die glänzendsten Widerlegungen ebensowenig etwas nützen, wie die bestgemeinten und eingehendsten Vertheidigungen.
Der „Reichs- und Staats-Anzeiger" meldet nichtamtlich: „Nach amtlicher Mittheilung der hiesigen kaiserlich russischen Botschaft beabsichtigt die russischeRegierung, auch den finn - l ä n d i s ch e n Zolltarif Deutschland gegenüber um fünfzig Prozent zu erhöhen."
Mit den Vernehmungen der Interessenten über die Regelung der Sonntagsruhe in Industrie und Handwerk wird im nächsten Monat begonnen werden; wie gemeldet wird, sind die Gutachter aus dem Kreise der Arbeitgeber in Erzgruben, Kohlengruben und Hüttenwerken auf den 20. September nach Berlin berufen, während die Arbeitnehmer in denselben Berufszweigen durch die Gewerberäthe vernommen werden sollen.
Nach einem im „Evangelischen Arbeiterboten" veröffentlichten Verzeichnisse der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands umfaßt der Gesammtverband 44411 Mitglieder. Die örtlichen Verbände sind daran folgendermaßen betheiligt: Rheinland-Westfalen mit 24930, Mitteldeutschland mit 5528, Baden mit 2127, die Rheinpsalz mit 1784, Württemberg mit 1728, der Mittelrhein mit 1440, Kurhessen mit 1007 und 19 Einzelvereine mit 5867 Mitgliedern. Außerhalb des Gesammt- verbandes bestehen in Rheinland-Westfalen noch 49 Vereine mit zusammen 12 274 Mitgliedern und im übrigen Deutschland außer dem Königreich Bayern noch 42 Vereine mit 6306 Mit
klagen von weiblichen Stimmen erscholl.
Berlitz blickte erschrocken empor und die Diener eilten in das Hans. Doch ehe sie es verhindern konnten, stürzte wie rasend Frau Zacharus nebst ihrem Stubenmädchen, welches die unglückliche Frau zu beruhigen und festzuhalten suchte, auf den Balkon der Villa, welcher nach dem Garten führte.
„Mein Mann hat sich erschossen, er ist todt, und ich kann nicht weiter leben!" schrie wie im Wahnsinn die bemitleidenswerthe Frau und stürzte sich, das Stubenmädchen zurückstoßend, von dem hohen Balkon in den Garten herab.
Ein Schrei des Entsetzens entfuhr deu Lippen Derjenigen, welche diese schreckliche Scene sahen, und Berlitz und die Polizisten eilten herbei, um die unglückliche Gattin des Selbstmörders auf- zuheben.
Man trug sie wie todt in das Haus, denn sie hatte das Genick gebrochen, und ein rasch herbei- gerufener Arzt konnte nur feststellen, daß sowohl bei Herrn Zacharus als auch bei seiner Frau jede menschliche Hülfe vergeblich war, denn der Tod war bei beiden alsbald eingetreten.
Furchtbare Tage waren auch für Berlitz hereingebrochen, denn der Katastrophe in der Zacharus'schen Villa war der schmachvolle Zu- sammenbruch des Bankhauses, welches den Namen des einst so angesehenen Gustav Zacharus trug, gefolgt, und Bernhard Berlitz hatte dabei die