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Ur. 93. Dienstag den 8. August
1893.
Amtliches.
Hersfeld, den 4. August 1893.
Die Erledigung meiner Verfügung vom 24. September 1892 A. Nr. 1703, im Kreisblatt Nr. 114, betreffend die Aufstellung der Gemeinde-Rechnungen, wird den hiermit noch im Rückstände befindlichen Herren Bürgermeistern in Erinnerung gebracht mit Frist bis zum 12. d. Mts.
I. A. Nr. 1414. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 7. August 1893.
Die Fuldabrücke bei Mecklar ist wegen vorzu- üehmeuder Ausbesserung vom 10. d. Mts. ab auf 8 Tage für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.
L 4929. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Politische Ruchrichlcn.
In C o w e s fand, wie von dort gemeldet wird, mit Freitag Abend zu Ehren Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm Galatafel an Bord der Nacht „Osborne" statt, welche prächtig dekorirt und illuminirt war. Auch die übrigen hier anwesenden Aachlen waren glänzend geschmückt. Bei der Galatafel saß Se. Majestät der Kaiser zur Rechten des P r i n z e n v o n W a l e s. Die hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen nahmen an der Tafel theil. Der Besuch der Königin Victoria an Bord der „Hohenzollern" unterblieb heute wegen des ungünstigen Wetters.
Wie aus Gotha gemeldet wird, veröffentlicht die „Gothaische Zeitung" das nachfolgende amtliche Bulletin:
„Se. Hoheit der regierende Herzog Ernst von Sachsen-Koburg-Gotha hat am 1.
tNachdruck verboten.)
Der Fluch des Mammons.
Novelle von Leo Werner.
(Fortsetzung.)
Eine Million kann doch nicht als Einführungs- kojten für das Aktieu-llnternehmen verrechnet werden?"
„Sie verstehen das nicht, Herr Berlitz?" er- underle Zacharus einleukend, als er merkte, j str in i'ein*]!1 schändlichen Bestreben, immer noch Berlitz zu überlisten und bumni zu machen, zu weit gegangen war.
„Söstö soll ich nicht verstehen?" schrie aber Berlitz jetzt im Hellen Zorne aus. „Spitzfindige Beutelschneidereien verstehe ich allerdings nicht, aber soviel verstehe ich doch, daß die Einführungs- losten des Aktien-Unternehmens und die Provisionen keine Million Mark betragen können. Wo ist das viele Geld hin, Herr Berlitz, welches Sie von den Aktionären eingenommen haben. Ich null es wissen, ich habe ein Recht darauf, denn ich bin in der Sache noch viel mehr interessirt als e-ie. Ich bin der Besitzer der Petroleum- guelle und Sie sind nur mein Commissionär, mein Agent."
Am ganzen Leibe zitternd und mit von Wuth verzerrtem Gesichte stand Zacharus vor Berlitz, als wollte er sich auf ihn [türmen.
August Abends einen leichten Schlaganfall erlitten. Die Krankheitserscheinungen sind in der Besserung begriffen, so daß eine vollständige Genesung zu erwarten sein dürfte. Reinhardsbrunn, 4. August 1893, Vormittags 10 Uhr. Medizinalrath Florschütz. Medizinalrath Schwerdt."
Der „Voss. Ztg." schreibt man von Metz über den Plan der Kaisermanöver: „Die beiden Armeekorps werden ganz in der Nähe von Metz aufeinander stoßen, nnd die Aufgabe des den Feind darstellenden 8. Armeekorps wird sein, das 16. Korps durch kühne Reiterangriffe zu durchbrechen und einen Theil des 8. Armeekorps in Metz hineinzuwerfen, den anderen aber gegen Saarbrücken und Saarlouis zu verfolgen. Diese Verfolgung dürfte sich besonders in der Gegend von Urville sehr interessant gestalten. Hier in der Gegend zwischen der deutschen und französischen Ried, in einer Ebene, auf der schon 1870 die Franzosen nach der Niederlage bei Spichern ihre geschlagene Armee ordneten, wird die Verfolgung zum Stehen komme«. Die bis hierher Verfolgten sammeln sich und unternehmen — wahrscheinlich unter persönlicher Führung des Kaisers — gegen die Verfolger einen energischen Vorstoß. Gleichzeitig bricht der nach Metz geworfene Theil des 16. Armeekorps hervor, und es beginnt eine ganz neue Schlacht, in der das 8. Armeekorps, von zwei ©eilen angegriffen, in wilder Flucht gegeu Norden zu geworfen wird. Es ist schon von anderer Seite darauf hingewiesen morden, daß bei diesen Verfolgungen im großen Style hohe Anforderungen au die Marschfähigkeit der Truppen gestellt werden. Daniit die Infanterie einigermaßen mit der Kavallerie und Artillerie gleichen Schritt halten kann, wird sie vielfach auf Wagen geladen werden. Derartige Uebungen werden hier bereits jetzt sehr häufig vorgenommen. Eine Hauptrolle bei dem ganzen Manöver werden die
Aber Berlitz kam ihm zuvor und stieß ihn mit kräftiger Faust zu Bodeu.
„Jetzt verstehe ich erst die Leute, nobeler Herr Zacharus, die sich in Ihrem Contore drängen und „Schuft! Lump und Schwindler!" rufen," rief dann Berlitz den sich am Boden windenden betrügerischen Banquier zu. „Sie sind der Schuft, der Lump, der Dieb und Betrüger, und ich werde immer der Erste sein, welcher Ihre Verhaftung beantragen wird, denn wenn Sie einmal als Betrüger entlarvt sind, so haben Sie jedenfalls noch viel mehr Betrügereien aus dem Gewissen. Geben Sie mir sofort die bei Ihnen deponirten Werthpapiere zurück. Ich verlange es! Folgen Sie mir auf der Stelle zu Ihrem Geschäfte!"
Mit einem krampfhaften Zucken erhob sich Zacharus, es war, als wollte er antworten, seine Lippen bewegten sich, aber er brächte keine Silbe hervor.
Da ging eine Nebenthüre auf und Frau Zacharus in reicher seidener Toilette trat mit den Worten in den Salon:
„Mein Gott! Was geht denn hier in unserem Hause vor?"
„Verzeihung, gnädige Frau," entgegnete Berlitz, „es soll Ihnen nichts vorenthalten werden, denn | Sie sind mit Ihrem luxuriösen Leben wahrscheinlich nicht ohne Schuld an dem Unglücke. Ich
Kavallerie und die reitende Artillerie, die stets zusammen operiren, spielen."
Der Z o l l k a m p f zwischen Deutschland und Rußland hat kaum eine Woche gedauert, und schon machen sich Anzeichen geltend, welche auf eine baldige Beilegung dieses wirthschaftlichen Krieges hindeuten. So weiß die Stettiner „Ostsee- Zeitung" zu melden, daß zwischen der deutschen und der russischen Regierung neuerdings Verhandlungen zur Beilegung des Zollkrieges und behufs Abschlusses eines Handelsvertrages begonnen hätten. Die Meldung des genannten Stettiner Blattes gewinnt durch die ihr vorangegangenen Mittheilungen an Wahrscheinlichkeit, denen zufolge an der Newa wieder eine versöhnlichere Stimmung gegen Deutschland Platz gegriffen haben sollte, die sich namentlich in den ruhigeren Beurtheilungen des Zollstreites seitens der Petersburger Presse bekundet habe. Falls nun wirklich neue zoll- polilische Verhandlungen zwischen Berlin und Petersburg eingekitet worden sind, so muß allerdings der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß Rußland hierbei sich entgegenkommender verhält, als dies bislang der Fall war, daß es sich also zu gleichwertbigen Auerbietungen gegenüber den Zugeständnissen Deutschlands versteht.
Die Konferenzen der Finanz- m i n i st e r der verbündeten Regierungen Deutschlands werden in Frankfurt a. M. heute, Dienstag den 8. August beginnen und im Sitzungssaals des ehemaligen Palais des Bundestages in der Eschenheimer Gasse, der jetzigen Ober-Postdirektion, stattfinden.
Nach dem Reichstagshandbuch von J. Kürschner sind die meisten Mitglieder des neuen Reichstags evangelisch; als Katholiken sind bezeichnet 95 Mitglieder des Centrums, 4 Konservative, 1 Antisemit (Zimmermann), 19 Polen, 3 Nationalliberale, 1 süddeutscher Volksparteiler, 4 Socialdemokraten,
habe soeben Ihren Gemahl als Schuft und Betrüger entlarvt und nehme meine Worte nicht zurück."
„Barmherziger Himmel!" schrie die Dame händeringend auf. „Das ist mein Tod, das Schreckliche überlebe ich nicht!"
Sie wankte nach einem Diwan und sank wie ohnmächtig auf demselben nieder."
Zacharus stand bebend vor seiner ebenfalls mit in das Verderben gerissenen Frau und stammelte einige Worte der jammervollsten Entschuldigungen.
„Verlassen Sie aus der Stelle mein Haus!" fuhr Zacharus dann plötzlich mit drohender Ge- berde Berlitz an. „Ich habe mit Ihnen nichts mehr zu verhaudeln!"
„So!" erwiderte Berlitz mit seltsamem Nachdruck und warf dem Elenden einen verächtlichen Blick zu „Ich frage Sie noch einmal, wollen Sie mir meine deponieren Werthpapiere sofort zurückgeben oder nicht!"
„Nein, ich will nicht, ich kann nicht!" schrie Zacharus wie ein Gequälter. „Verlassen Sie nur schnell mein HauS, Herr Berlitz, sonst lasse ich Sie von meinen Dienern hinauswerfen."
Da wurde Berlitz kreideweis und dann wieder hochroth vor Zorn.
„Ich gehe, Herr Zacharus," sagte er dann mit unheimlicher Miene. „Sie sind ja noch aus eine halbe Stunde hier Hausherr und haben noch das