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Politische Nachrichten.

Berlin, 25. Juli.

Die Aiserlich en und Königlichen Majestäten, welche sich des besten Wohl­seins erfreuten, sind gestern Nachmittag um 4 Uhr an Bord der MachtHohenzollern" wieder in Kiel eingetroffen. Der Aufenthalt Sr. Majestät des Kaisers in Kiel soll ungefähr zwei Tage wahren, während welcher Zeit Vorbereitungen für die Reise nach England getroffen und Kohlen für die MachtHohenzollern" eingenommen werden.

Wie dieNordd. Allg. Ztg." erfährt, ist es richtig, daß die Inkraftsetzung des r u s s i s ch e n Maximaltarifs zum 1. August erfolgen soll.

Wie aus M ü n ch e n gemeldet wird, hat laut amtlicher Mittheilung der Prinz-Regent von Bayern für das 2. Armeekorps das Ausfallen der K o r p s m a n ö v e r und der. Kavalleriedivi- sionsmanöver ungeordnet, während die kleineren Manöver der 3. und 4. Division in die Gegenden von Regensburg, Straubing, Schwandorf nnd Fürth verlegt werden. Hier wie bei den Ma­növern der 5. Division in der Pfalz soll die Verpflegung ausschließlich aus den Magazinen erfolgen.

DasKöln. Tbl." schreibt: Ueber die Annahme der Militärreform durch den Reichstag hat sich nun die ausländische Presse ihr Urtheil gebildet. Auf russischer wie auf französischer Seite gibt man sich der Hoffnung hin, daß die Herbsttagung in den Verhandlungen über die Deckungsfrage der Regierung neue, vielleicht unüberwindliche Schwierigkeiten bringen werde. 9lun, das Gegen­theil wird rasch genug bewiesen werden. Der LondonerStandard" führt aus, die Annahme der Vorlage habe zunächst dahin geführt, daß die Franzosen sich sagen müßten, daß am Rhein keine Lorbeeren für sie zu holen seien, und daß ihr Drang nach Ruhm ein anderes Feld und zwar in Asien und wo sonst englisch-französische Inte­ressen aneinandergrenzen, zu suchen beginne. Da­mit habe England zu rechnen, und in Siam stehe jetzt eine ernste Probe bevor.Die Kräftigung Deutschlands und des Dreibundes muß mit Roth- wendigkeit dahin führen, daß der Ehrgeiz Frank­reichs und Rußlands sich aus entferntere Objekte richtet. Ist der Rhein unpassirbar geworden, so werden einer traditionell ruhelosen und agressiven Macht Menam und Mekong um so anziehender. Wir thäten gut, in Asien ebenso vorausschauend zu sein, wie Deutschland sich in Europa gezeigt hat."

Der s r a n z ö s i s ch - s i a m e s i s ch e Streit- tz a n d e l nimmt mehr und mehr einen Verlauf, wie er offenbar von den Chauvinisten an der Seine gewünscht wird. Das Pariser Cabinet hat die Antwort Siams auf das französische Ultimatum als nicht genügend zurückgewiesen, da sich die siamesische Regierung sträubt, alle die weitgehenden, in dem Ultimatum der Rothhosen enthaltenen Forderungen ohne weiteres anzu- nehmen. Zunächst ist deshalb der französische Gesandte in Bangkok von Paris aus angewiesen worden, seinen Posten zu verlassen, die Abreise soll er längstens am 26. Juli auf dem Kreuzer Forfait" vollziehen. Die Blokirung der sia­mesischen Küste durch die französischen Kriegsschiffe soll dann sofort folgen, freilich würde die Blokade bei der gegenwärtigen Schwäche der Seestreit­kräfte Frankreichs in den siamesischen Gewässern einstweilen nur eine nominelle sein. Auffallender Weise zögert aber der Gesandte Siams in Paris, Prinz Vadhana, noch immer mit seiner Abreise, wac zu der vielleicht nicht ganz unberechtigten Annahme Anlaß gegeben hat, Siam werde sich in letzter Lckunde vielleicht doch noch bequemen, sämmtliche Forderungen Frankreichs zuzugestehen.

1 r klägliche Rolle spielen in der siamesischen Affaire fortgesetzt die Engländer, die angeblichen Beschützer Siams, sie sehen der brutalen Ver­gewaltigung dieses Landes durch Frankreich noch inimer ruhig zu,^ als ob die Engländer an der Festsetzung der Franzosen in Siam weiter gar kein Interesse hätten. Das deutsche KanonenbootWolf" ist zur Wahrung der ^utereffen der Deutschen in Bangkok daselbst eingetroffen.

Die schweizerische Bundesregierung zieht endlich straffere Saiten gegen die sozialdemo- kratischen Agitatoren im Lande auf. Am Montag wurden auf Anordnung des Bundesanwaltes vier Führer der unabhängigen socialistischen Partei 1,1 Zürich wegen ihres revolutionairen Auftretens verhaftet.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

Hersseld, den 26. Juli 1893.

* Die ermäßigten Ausnahmetarife für Futter- u n d S t r e u m i t t e l sind nunmehr auf die Eisenbahnen des ganzen Reichsgebietes ausgedehnt worden.

* Bei der am Montag im Wahlkreise Hof- g e i s in a r - R i n t e l n - W o l f h a g e n statt- gehabten Stichwahl zum Reichstage (Nachwahl) erhielten Dr. med. K önig - Mitten (Antisemit) 5012 Stimmen, Herr Land rath von Buttlar- Wolfhagen (conservativ) 3435 Stimmen. Dr. König ist sonach gewählt.

* Reichstags-Nachwahl im 3. Hessischen Wahl­kreise (A l s f e l d - La u t er b a ch). Stich- w a h l zwischen Backhaus (nationalliberal) und Bindewald (Antisemit).

* Der Kellnerfrack scheint nunmehr definitiv auf den Aussterbeetat zu kommen. Seit längerer Zeit schon, so schreibt derBerner Bund", be­schäftigen sich viele Gastwirthe mit der Frage, ob nicht der unpraktischeSchwalbenschwanz" durch ein zweckmäßigeres Kleidungsstück ersetzt werden könnte. DerDeutsche Gastwirthsver- band" hat seiner Zeit ein Preisausschreiben er­lassen und sich jetzt für eine Art Joppe oder Jaquet aus dunkelblauem Tuch nach Art der Steward-Uniform auf Schiffen entschieden. Diese Joppe soll praktisch und geschmackvoll sein; in vielen Städten Deutschlands tragen die Kellner dieselbe bereits. Die Gradabzeichen befinden sich am Kragen. Der Oberkellner trügt drei Sterne, Franz oder Jean zwei, der Piccolo einen Stern.

* Die Ziehung der zweiten Klasse der 189. königlich preußischen Klassenlotterie beginnt am 7. August d. I. Die Erneuerung der Loose muß bis zum 3. August, Abends 6 Uhr, bei Ver­lust des Anrechts bewirkt werden.

* Hersfeld, 26. Juli. (Neue Kalamität.) Aus verschiedenen Gegenden unseres Regierungs­bezirks wird berichtet, daß die Fluren von einer neuen Kalamität bedroht werden, indem sich in Folge des langen trockenen Wetters die Mäuse sehr vermehrt haben. Es kann nur gerathen werden, dieselben schon jetzt, wo es angeht, zu vernichten, denn wenn die Getreidefelder abge- erntet, ziehen sich die Mäuse in die Kartoffeln und von diesen in das Wurzelzeug und die junge Saat. Auch dürfte sich empfehlen, die Getreide­haufen nicht allzu lange auf dem Felde sitzen zu lassen, da hier die Mäuse sich zusammenziehen und oft beträchtlichen Schaden verursachen.

* Hersfeld, 26. Juli. In Folge des Mangels einheitlicher deutscher Postwerthzeichen ist int Publikum vielfach die Ansicht verbreitet, daß bei Postkarten mit Antwort die Antwortskarte n u r in demjenigen Postgebiete Gültigkeit habe, welchem das eingestempelte Werthzeichen a n g e - hört. Diese Annahme ist unzutreffend; Ant­wort s - Postkarten können bei jeder deutschen Postanstalt zur Einlieferung gelangen.

Caffel, 25. Juli. Die Ankunft Ihrer Maje­stät der Kaiserin auf Wilhelmshöhe wird nunmehr Donnerstag früh erwartet, wo Ihre Majestät nach den bisherigen Bestimmungen Morgens 7 Uhr 25 Minuten mittels Extrazugs von Kiel auf Bahnhof Wilhelmshöhe eintreffen wird

Caffel, 24. Juli. In vergangener Nacht be­nahm sich in einem hiesigen Vergnügungslokal ein Gast derart ungebührlich, daß ihn der Wirth auffordern mußte, dasselbe zu verlassen. Als der Betreffende dieser Aufforderung nicht Folge leistete und nunmehr seine gewaltsame Entfernung be­werkstelligt werden sollte, versetzte er dem Wirth einen Messerstich in den Unterleib. Der Bursche wurde darauf durch Nachtwächter verhaftet.

Caffel, 25. Juli Der Arbeiter, welcher dieser Tage infolge eines Erdrutsches im Steinbruch bei Großenritte verunglückte, ist im Landkranken­hause, wohin man ihn gebracht hatte, nunmehr seinen Verletzungen erlegen.

Dörnhagen, 24. Juli. Am Sonnabend hatte der Knecht eines hiesigen Landwirths das Unglück, daß ihm, während er an der Futterschneidemaschine beschäftigt war, in Folge eigener Unvorsichtigkeit zwei Finger der rechten Hand abgeschnitten wurden.

Floh, 23. Juli. Einen grausigen Fund machten einige hiesige Arbeiter, welche am Höhn- berge Holz abgefahren hatten. Sie fanden da­selbst im Dickicht ein Paar alte Stiesel, in denen Menschenknochen steckten, daneben ein Stück alten blauen Kittels, an einem Aste des daneben stehenden Baumes war ein Strick angemacht. Wahrscheinlich hat sich an dieser Stelle Jemand

durch Erhängen den Tod gegeben, der Leichnam ist abgefallen, verwest und von Thieren angenagt und stückweise verschleppt worden. Im Zusammen­hänge mit diesem Fund dürfte das vor dr§i Jahren erfolgte Verschwinden eines Floher Einwohners stehen, welcher seitdem verschollen blieb.

Wilhelmshausen, 25. Juli. Am Sonntag Abend entstand hier in der Sch.'schen Wirthschaft eine blutige Schlägerei zwischen den hier bei der Fuldacanalisirung beschäftigten bayrischen nnd italienischen Arbeitern mit Bewohnern unseres Ortes, bei welcher das Messer eine unheilvolle Rolle gespielt hat. Sechs Arbeiter erlitten er­hebliche Verletzungen. Das Wirthslokal bot am andern Morgen einen chaotischen Anblick dar. Fenster, Thüren, Lampen, Gläser, alles war zer­trümmert.

Ellers, 22. Juli. Bei dem gestern über unseren Ort niedergegangenen Gewitter schlug der Blitz in die Stallungen des Landwirths Robert Schmitt ein und tödtete drei Kühe und ein Schwein.

Obcrkaufungeit, 25. Juli. Hier ist in der vergangenen Nacht ein Schadenfeuer ausgebrochen und hat die Scheuer des Gastwirths Friemann eingeäfchert

Hannover, 25. Juli. Einer der beiden Westthürme der im Bau begriffenen hiesigen Garnisonkirche ist heute Morgen in sich zusammen­gestürzt. Das Mauerwerk des Thurmes mochte bis etwa 40 Meter Höhe gediehen sein. Der Einsturz erfolgte heute Morgen noch vor Aus­nahme der Arbeit, so daß angenommen wird, daß Personen nicht zu Schaden gekommen.

Aus Thüringen. Folgender heitere Zwischen- fall soll sich bei der Musterung in Waltershausen zugetragen haben. Ein Musterungspflichtiger antwortete, vermuthlich infolge eines Mißver­ständnisses, auf die Frage nach seinem Berns: Ich bin Radfahrer auf dem hohen Zweirad!" Dann eignet sich der Mann vorzüglich zur Marine," sprach unter allgemeiner Heiterkeit der Herr General. Und also geschah es; der Rad­fahrer wurde zur Marine ausgehoben. Ein Fabrikant aus Debschwitz bei Gera hat auf der Chicagoer Weltausstellung recht schlimme Er­fahrungen gemacht. Demselben fiel bei einem Gang durch die Straßen plötzlich ein Stück Ziegelstein auf den Kopf, sodaß er betäubt nieder­siel. Hilfsbereite Männer sprangen sofort hinzu und trugen den Verletzten in ein Krankenhaus. Als derselbe wieder zu sich kam, entdeckte er, daß die Retter ihm alle Werthsachen gestohlen hatten.

Gera, 25. Juli In einem hiesigen Hause sind acht Fälle von Schwarzen Pocken vor- | gekommen. Dieselben wurden durch einen ; böhmischen Lehrling eingeschleppt. Das Bureau der Ortskrankenkasse ist bis morgen wegen Ge­fahr der Ansteckung geschlossen.

Cleve, 21. Juli. In die Kirche in Affendelst (Holland) schlug der Blitz und zündete. Das Gotteshaus wurde in Asche gelegt. Der Thurm stürzte in sich zusammen, ohne Neben­gebäude zu beschädigen.

Ragusa. Am 25. b. früh 5 Uhr hat hier ein heftiger vertikaler Erdstoß stattgefunden, welcher mehrere Sekunden andauerte.

A po ! da , 25. Juli. Ein in Freiburg i B. gefangener Dresdener Deserteur sprang zwischen Apolda und Oßmannshausen aus dem Zuge, welcher sich in voller Fahrgeschwindigkeit befand. Eine Verfolgung war vergeblich.

(Malitiös ) Student:Sie, welche Z it ist es?" Psandleiher:Was, solcher Lappalie wegen wecken Sie mich mitten in der Nacht?" Student:Na ja, Sie haben doch meine Uhr!"

Auch eine E h r e n e r k l ü r u n g.Die gegen Kaufmann S. ausgestoßene Beleidigung, daß demselben nur noch zu einem Pinsel die Haare fehlten," nehme ich hiermit reuig zurück und erkläre,daß demselben zu einem Pinsel nichts mehr fehlt." August Kränkheim."

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