von der Bochumer Strafkammer als Berufungsinstanz in bejahendem Sinne entfliehen. Ein Lehrer hatte einen Schulknaben anderer Konfession, her einen kleinen Schüler seiner Klasse thätlich angriff, auf der Stelle durch eine Ohrfeige gestraft. Der Vater des Bestraften stellte dieserhalb gegen den Lehrer Strafantrag. Das Schöffengericht sprach letzteren frei, indem es begründend ausführte, daß dem Lehrer das Recht einer solchen Züchtigung eingeräumt werden müsse. Nur wenn das Maß einer solchen Züchtigung seitens des Lehrers überschritten worden wäre, könne die Bestrafung eintreten. Die Strafkammer bestätigte das freisprechende Urtheil des ersten Richters. Der Lehrer habe sich mit Recht, so heißt es in den Gründen, für berechtigt und verpflichtet gehalten, zum Schutze eines Schülers strafend einzuschreiten.
* Der Studentenausstand in Marburg, der in diesen Tagen die Runde durch die Zeitungen machte, hat insofern sein gütliches Ende erreicht, als es der Studentenschaft durch das großherzige Entgegenkommen des Geheimen Medizinalraths Professors Dr. Külz leicht gemacht worden ist, sich auf den richtigen Weg zurückzubegeben. Damit ist aber das Disziplinarverfahren wegen der vorgekommenen Ungehörigkeiten und insbesondere wegen des Ausstandsbeschlusses, der ein höchst bedenkliches Novum in der Geschichte der deutschen Universitäten bildet, noch nicht erledigt. Vielmehr wird dasselbe unveränderten Fortgang nehmen, und die gütliche Beendigung des Ausstands kaun hierbei nur die Bedeutung haben, daß dadurch die Möglichkeit einer milderen Beurtheilung gegeben wird.
Hersfeld, 24. Juli. Die Ermittelungen des S a a t e n st a n d e s in Preußen haben für Mitte Juli im Vergleiche mit den Vormonaten ergeben — wobei Nr. 1 die Berechtigung zur Erwartung einer sehr guten, Nr. 2 guten, Nr. 3 mittleren (durchschnittlichen), Nr. 4 geringen, Nr. 5 sehr geringen Ernte bezeichnet:
Juli
Juni
Mai
April
Winterweizen
2,9
2,6
2,6
2,3
Sommerweizen
3,4
2,9
2,8
2,2
Winterspelz
2,3
3,3
2,9
2,0 '
Sommerspelz
3,7
4,3
4,0
2,6
Winterroggen
2,7
2,8
3,2
2,7
Sommerroggen
3,4
3,2
3,1
2,3
Gerste
3,3
3,0
2,8
2,6
Hafer
3,9
3,1
3,1
2,5
Erbsen
3,4
2,9
2,9
2,4
Kartoffeln
2,8
2,4
2,5
—
Klee (auch Luzerne) 4,4
3,9
3,7
3,1
Wiesen
4,3
4,0
4,0
3,0
Caffel, 24.
Juli.
Die Kaiserlichen
Prinzen fuhren gestern Nachmittag nach Wil
helmsthal. — Die Ankunft Ihrer Majestät der
Kaiserin wird heute odei
: morgen erwartet. —
Die Pferde und Equipagen für
die Hofhaltung
Ihrer Majestät
trafen
gestern
früh
ein. Es
waren 11 Equipagen, darunter
ein Halbverdeck,
welches mit zwei Schimmeln bespannt und von der Kaiserin selbst gefahren wird. (Tgbl.)
Caffel, 22. Juli. Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr verunglückten zwei Arbeiter, welche in einem Steinbruche bei Großenritte beschäftigt waren. Während der eine der beiden leichter beschädigt wurde, sind die Verletzungen des anderen derart, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
Homberg, 22. Juli. Gestern Mittag riß plötzlich der Treibriemen in der Wickersmühle bei Bergen. Der Mahlgehilfe Dippel, Vater von fünf Kindern, kam hierdurch in das Mühlen- rob, wurde mehrere Male mit herumgeschleudert und zermalmt.
Frankfurt a. M., 21. Juli. Der Polizei- bericht meldet: Nach Mittheilung der Polizei- direktion in Metz wurde der Reisende B. Stolz aus Frankfurt mit drei anderen Reisenden gelegentlich eines Ausflugs nach dem Grenzort V i o n v i 11 e von französischen Soldaten angegriffen. Die Behörde ersucht Stolz und seine Begleiter, sich zu melden.
Fronhausen, 18. Juli. Auf eine recht bedauerliche Weise verloren die Eheleute Bremer Hierselbst ihren 13jährigen Sohn Ernst. Derselbe wurde aufs Feld geschickt um Aehren zu lesen, hat dies aber unterlassen und ist wahrscheinlich beim Fischen an der Lahn vom Ufer derselben abgerutscht und ertrunken. Seine Leiche wurde alsbald gefunden.
Preungesheim, 21. Juli. Der Oekonom Müller wollte gestern Morgen eine Kreuzotter, welche sich in seinem Hofe befand, tödten. Er holte deshalb das Gewehr seines Schwiegersohnes,
welches mit Schrot geladen war, herbei, um das Thier zu erschießen. Als er mit der Waffe in der Hand kaum auf dem Hof angelangt war, ging der Schuß von selbst los und traf ihn unterhalb der rechten Schläfe in den Backenknochen. Der Verletzte ließ sich nach der Dr. Rehn'schen Klinik fahren.
Gießen, 20. Juli. Vor 14 Sagen entwichen dem Sorger'schen Thierpark (Schöne Aussicht) hier die beiden Affen Joko und Minka. Nach achttägiger Abwesenheit glückte es Joko, welcher sich auf der „Schönen Aussicht" freiwillig wieder eingesunden hatte, einzufangen, doch die schlaue Minka verstand es, sich seither allen Nachstellungen zu entziehen. Das Thier treibt seit 14 Tagen sein Wesen in den Gärten nächst der katholischen Kirche und übernachtet in dem Rosenthaler'schen Kornspeicher in der Wilhelmstraße. Den benachbarten Bewohnern stattet Minka durch die offen- stehenden Fenster regelmäßige Vrsiten ab und wird hauptsächlich von der Kinderwelt mit Milch, Weck und Zucker traktirt. Nur wenn der Besitzer der „Schönen Aussicht" auf der Jagd nach Minka sich in der Nähe des Rosenthaler'schen Speichers aufhält, läßt sich der schlaue Affe nicht blicken.
Gießen, 21. Juli? Der in weiten Greifen bekannte hiesige Rechtsanwalt Curtmann, Mitglied der hessischen Landessynode, hat sich gestern hier erschossen. Der Selbstmord erregt großes Aufsehen.
Darmstadt, 21. Juli. Der Sohn des hiesigen Fabrikanten R a u ist gestern in der Schweiz durch Absturz ums Leben gekommen. Der Unfall fand in Gegenwart des Vaters statt.
Vermischtes.
— Schwimmübungen der Garde- C a v a l l e r i e mit Gepäck über die Havel, finden jetzt bei Werder a. b. H. statt. Die Mannschaften fahren in eigens dazu gebauten Kühnen aus präparirtem Segeltuch über die Havel, die Pferde am Zaum nachziehend. Die Kähne werden zusammengelegt, auf Fuhrwerk fortgeschafft und vor dem Gebrauch die Seiten- wände mit Lust gefüllt. Auch sind sie so eingerichtet, daß sie verpackt auch von den Reitern mitgeführt werden können.
— M üuche n. Der 14. deutsche Feuerwehrtag ist am Sonnabend hier zusammengetreten. Vormittags wurde in der Schrannenhalle eine Ausstellung von Feuerlöschgeräthschaften eröffnet. Zu dem morgigen Festzuge werden gegen 6000 Theil- nehmer aus allen Theilen des Reiches und aus Oesterreich erwartet.
— Antonienhütte, 21. Juli Ein wahrhaft salomonisches Urtheil hat dieser Tage eine Antonienhütter Jndustrielehrerin gefällt. Ein hiesiger Lehrer theilt der „Kattow. Ztg." darüber Folgendes mit: Letzthin wurde ein noch nicht fertig gestrickter Strumpf in einem Klassenzimmer aufgehoben, welchen zwei Mädchen für sich in Anspruch nahmen. Da dieser Strumpf selbstverständlich nur einem dieser Mädchen gehören konnte, so sprach ich mit der«Kndustrielehrerin und fragte diese nach der rechtmäßigen Besitzerin. Allein auch die Lehrerin war nicht im Stande, die richtige Eigenthümerin des Strumpfes heraus- zufinden. Kurz entschlossen aber nahm sie eine Stricknadel und sagte zu den beiden erstaunten Mädchen: „Da ich nicht weiß, wem von Euch Beiden der Strumpf gehört, trenne ich die Arbeit auf unb vertheile dann Wolle und Nadeln unter Euch. Isis Euch recht?" Die Schülerinnen sahen eine Weile verblüfft drein, dann begann die eine fürchterlich zu weinen, während die andere mit schadenfroher Miene dreinblickte. Die Lehrerin wußte nun genug, gab den Strumpf der Weinenden zurück und bestrafte die Lügnerin.
— Lille. Eine überaus heitere Szene spielte sich dieser Tage in einem herumziehenden Theater auf dem Meßplatze ab. Der Zauberkünstler Sarbacan richtete am Schlüsse einer seiner Vorstellungen folgende Ansprache an das Publikum: „Jetzt will ich die angekündigte sensationelle Enthauptung eines Zuschauers vornehmen. Ich fordere irgend einen Herrn, der sich dieser Operation unterziehen möchte, aus, zu mir auf die Bühne zu kommen." Sofort meldete sich ein junger Mann aus Armentiores, der, von Eifersucht geplagt, mit seiner Braut Streit gehabt hatte, und stieg die zur Bühne führende Treppe hinan, mit dem ihm von der Verzweiflung eingegebenen festen Entschlüsse, sich den Kopf abschneiden zu lassen. Schon war Alles zu der mit Spannung erwarteten Enthauptung bereit,
als plötzlich die Braut des Delinquenten laut weinend und jammernd auf die Bühne stürzte, ihren Geliebten unter dem Rufe: „Nein, Paul, Du darfst nicht sterben!" in die Arme schloß und ihn mit Gewalt aus der Meßbude schleppte. Man kann sich denken, welche erheiternde Wirkung diese rührende Szene auf sämmtliche Zuschauer ausübte.
— Ein Verbrechen, wie es entsetzlicher in den Annalen der Kriminalgeschichte wohl kaum dagewesen sein dürfe, wird dem N. W. T. aus Brüssel telegraphisch gemeldet. In Water- l o o hat der Fleischhauer Grimonprez sein eigenes $inb getödtet; der Mörder zerlegte die Leiche und verkaufte die einzelnen Theile als Fleischwaare in seinem Laden. Grimonprez' Knecht erstattete Anzeige. Der Mörder wurde verhaftet, und die Bevölkerung konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden, das Ungeheuer in Menschengestalt zu lynchen.
— Venedig, 22. Juli. Die „Gazeta di Venezia" meldet, daß am 19. d. Mts. in Alessandria und in Piemont 14 Cholerafälle vorgekommen, wovon 11 tüdtlich verliefen. Die Unterfuchung ergab Cholera asiatica.
— London. Ueber den großen Brand in der City von London, der 30 Waarenhänser in Asche legte und einen Schaden von 40 Millionen Mark verursachte, liegen jetzt ausführlichere Meldungen vor. Danach entstand der Brand in dem Hause St. Mary Axe Nr. 40, in dem die Druckerei der Firma W. Brown und Co. unter- gebracht ist. Es ist ein Eckhaus der Burystreet und St. Mary Axe. Das Feuer brach in den ersten Morgenstunden aus und wurde erst spät entdeckt, so daß schon wenige Minuten nach Ankunft der Feuerwehr das Dach des Hauses einstürzte und mehrere Nachbargebäude in Brand standen. Mit Feuerwehren ist London bestens versorgt; zahlreiche Feuerwehrfilialen sind in den einzelnen Stadtbezirken vertheilt und jede besitzt mehrere Dampfspritzen. Am Abend werden auf größeren Plätzen und an Straßenkreuzungen Feuerleitern aufgefahren, die von je zwei Feuerwächtern besetzt sind, die Nachtwache haben. Wenige Stunden nach Ausbruch des Brandes waren bereits 25 große Cityhäuser niedergebrannt und trotzdem 30 Dampfspritzen und mehrere hundert Löschmänner an der Unterdrückung des Feuers arbeiteten, gelang es nicht, es auf seinen Herd zu beschränken, und der Brand ergriff auch die zweite Straßenseite der St. Mary Axe. Der ganze Häuserblock, der von der St. Mary Axe- street, Bevis Marks und Burystreet ■ begrenzt wird, wurde schließlich vernichtet. In der Nähe des Brandplatzes befindet sich Leadenhall Market, der größte Geflügelmarkt Londons, die Jute-, Woll-, Zucker-, Kaffee und Theebörse, dann die Kornbörse, der Markt für ostindische Artikel und große Entrepots. Der letzte große Brand in London war im Jahre 1854. An einem Sonnabend Nachmittag brach in den Lagerhäusern von Rothschild an der Themse durch Entzündung feucht gelagerter Wolle das Feuer aus und ergriff die ganze Reihe aneinandergebauter Waaren- Häuser, worunter auch 36 000 Fäffer Walrath sich befanden, das sich im brennenden Zustande in die Themse ergoß und die Schiffe in Brand steckte. Salpeterfässer explodirten und riesige Feuergarben stiegen über London auf. Der Brand währte mehr als sechs Wochen und konnte nur dadurch unterdrückt werden, daß man Häuserreihen niederriß und die Keller vermauerte. Der Schaden betrug damals mehr als 60 Mill. Mark.
— (Durch bie Blum e.) Fleischer (zu einer Kundin, welche an dem Fleisch riecht): „Entschuldigen Sie, Madamken, Sie lieben wohl Rindfleisch mit Jurke?"
— (M ißtrauis ch.) Kaufmann: „Sieh, das ist mein neuer Kassirer!" — Frau, „Aber Fritz, hat der Mensch nicht furchtbar lange Beine?"
— (M i ß v e r st ä n d n i ß.) Gemüsefrau: „Ach, entschuldigen Se Herr Doktor, daß ich Ihnen hier anrede, aber es will sich mit meiner Gesundheit gar nit mache." Doktor: „Haben Sie denn heute schon etwas eingenommen?" Gemüsefrau: „Ach, 's is uit der Rede werth, noch kei' Markstückelche."
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