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sich eine dichtgedrängte Menschenmenge einge­funden, welche Ihre Majestäten lebhaft begrüßte. Während die Majestäten die Landungsbrücke passirten, streuten junge Mädchen Blumen.

In dem vom Reichstage nach Annahme der Militairvorlage genehmigten Nachtragsetat sind nicht nur die dauernden Kosten der Armee­verstärkung für ein halbes Jahr ausgeworfen, sondern auch die in Folge dieser Maßnahme er­forderlichen einmaligen außerordentlichen Aus­gaben. Die letzteren beziehen sich in erheblichem Umfange auf Bauten und auf Ausrüstungszwecke, und zwar kommen hierfür im preußischen Etat in Betracht: Zur Verlängerung der Militair- eisenbahn bis Jüterbog 1. Rate D00 000 Mark. Zur Erweiterung, bezw. Neuherstellung von Maga­zinanlagen in Berlin, Jnsterburg, Königsberg i. Pr., Bromberg, Stettin, Brandenburg a. H., Küstrin, Frankfurt a. O., Jüterbog, Erfurt, Magdeburg, Glogau, Posen, Reise, Minden, Münster, Köln, Trier, Rendsburg, Verben, Cassel, Darmstadt, Mainz, Rastatt, Danzig-Langfuhr und Graudenz, als 1. Rate 873 400 M. Für Be­kleidung und Ausrüstung der neu aufzustellenden, bez. zu verstärkenden Formation 6028 000 Mark, zur Errichtung von Baracken, Stallungen Reit­bahnen, Menage-Anstalten, zur Beschaffung von Geräthen für die Truppen, Anlage von Schieß- ständen u. s. w. 12 590 039 M., zur Errichtung bez. Erweiterung von Garnisonlazarethen in Jüterbog, Bromberg, Jnowrazlaw, Erfurt, Posen, Trier, Ehrenbreitenstein, Koblenz, Darmstadt-Und Graudenz u. s. w. 704651 M, zur Beschaffung des Uebungsmaterials für die neue Kompagnie desTrainbataillons, nebst Geschirr und Stallsachen 42 800 M., zum Ankauf von 2546 Dienstpferden für die 51 neuen Batterien und das Militair- institut 2 953 750 M., für Errichtung eines neuen Remontedepots 300 000 M. Zum Neubau eines Kadettenhaufes in Naumburg a. S. sind 90000 Mark als 1. Rate, für den Neubau einer Unter­offizierschule in Bartenstein sind 30000 M., zur Be­schaffung von Uebungsmaterial, Feldgeräth u. s. w., für 3 Pionierbataillone sind 384 000 M. und für den Erwerb und Einrichtung von Pionier­übungsplätzen in Königsberg i. Pr. 400 000 M. eingestellt.

Der Reichskanzler hat, wie dieNordd. Allg. Ztg." erfährt, die F i n a n z m i n i st e r der Einzelstaaten eingeladen, zu einer Be­sprechung mit dem Staatssekretair des Reichs­schatzamts am 6. August in Frankfurt a. M. zufammenzukommen. Zweck der Besprechung soll sein, zu einer Verständigung über die beste Art der Deckung der durch die Heeresreform er­wachsenden Mehrausgaben und über verschiedene sonstige Fragen der Reichs - Finanzpolitik zu gelangen.

Der von einigen Blättern bereits für Anfang November angegebene Termin der Landtags­wahlen steht, wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, noch nicht definitiv fest. Der Reichstag dürfte, soweit wir wissen, gegen den Anfang der zweiten Hälfte November wieder zusammenberufen werden.

S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r hat an den Reichstagsabgeordneten v. Koscielski nach­stehende Depefche gerichtet:

Neues Palais, 17. Juli. Ich danke Ihnen und Ihren Landsleuten für Ihre Treue zu Mir und Meinem Hause. Sie sei ein Vorbild für Alle. Für Ihre hingebende Arbeit verleihe Ich Ihnen den Kronenorden zweiter Klasse.

Wilhelm I. R.

Die am Mittwoch im Wahlkreise Neu - st ettin stattgefundene Nachwahl zum Reichstage für Ahlwardt hat die Wahl des antisemitischen Candidaten Förster ergeben; dessen Gegencandidat, Hofprediger a. D. Stöcker, fiel mit Glanz" durch.

Ein neuer Triumph der deutschen Industrie im Auslande kann verzeichnet werden. Zwischen der Waffensabrik Mauser und der türkischen Regierung ist ein abermaliger Vertrag, betr. die Lieferung von noch 154,000 Stück Gewehren, Kaliber 7,65 mm, abgeschlossen worden. Demnach würde das Mausergewehr das Einheitsgewehr für die türkische Armee werden, da die türkische Regierung bislang schon 600,000 Gewehre bei Mauser be­stellt hat.

Der Streithandel zwischen Frankreich und Siam ist durch das französische Ultimatum an Siam in sein entscheidendes Stadium einge­treten. Das Ultimatum enthält vorläufig blos

die Forderung einer pauschalen Geldentschädigung Frankreichs seitens Siams, zugleich verlangt es aber als Zeichen des guten Willens der siamesischen Regierung die Auslieferung eines Forts oder eines vortheilhaften Ankerplatzes für die Fran­zosen, zum Unterpfand während der Dauer der französisch - siamesischen Verhandlungen. Sollte Siam nicht gleich die geforderte Entschädigungs­summe von 3 Millionen Francs bezahlen, so will Frankreich als Ersatz die Einnahmen aus den Fischereien im Großen See verlangen. Im Falle einer Ablehnung des Ultimatums droht Frankreich mit einer Blokade der gesummten siamesischen Küste; die Frist bis zur Beantwortung des Ulti­matums beträgt 48 Stunden. Es wird den Siamesen wohl nichts anders übrig bleiben, als in den sauern Apfel zu beißen und das französische Ultimatum anzunehmen, zumal die Siamesen schwerlich auf die Hülfe der Engländer rechnen können, dieselben rühren bislang noch keinen Finger für Siam. Selbstverständlich wird dann Siam auch die bei Weitem hervorragendste For­derung Frankreichs, betreffend die Ueberlassung des linken Ufers des Mekongflusses an Frankreich behufsAbrundung" des hinterasiatischen Colo- nialreiches desselben, wohl oder übel zngestehen müssen.

Aus Provinz und Nachbargebiet

Hersfeld, den 21. Juli 1893.

* (Personal-Veränderungen.) Er­nannt: der Gerichtsassessor Theodor Steinhauß I zum Amtsrichter in Naumburg i/H. Versetzt: der Gerichtsvollzieher Fromm in Salmünster an das Amtsgericht in Neukirchen; die Gerichtsvoll­zieherstelle in Salmünster wird nicht wieder be­setzt. Verliehen: dem Bürgermeister Jacob Bellon in Carlsdorf das Allgemeine Ehrenzeichen.

Verzogen: der praktische Arzt Dr. med. Hermann Schmidt von Haina nach Dalldorf.

* Frhr. v. Salmuth, Major u. Bats.- Commandeur vom 2. Thür. Ins.-Regt. Nr. 32, unter Beauftragung mit den Functionen des etatsmäß. Stabsoffiziers, in das 5. Westfäl. Jnf.-Regt. Nr. 53 versetzt. v. Beeren, Major vom 2. Thür. Jnf.-Regt. Nr. 32, zum Bats.-Commandeur ernannt.

* Die Pfarrstelle in Breitenbach a/F., Klasse Rotenburg, ist in Folge Ablebens ihres seitherigen Inhabers zur Erledigung gekommen. Meldungs­gesuche sind durch Vermittelung des Diözesan- vorstandes baldigst an Kgl. Konsistorium zu Cassel einzureichen.

* Die vorsätzliche und rechtswidrige Zerstörung eines fremden Gebäudes, Schiffes, einer Brücke rc. wird nach § 305 des Strafgesetzbuchs mit Ge­fängniß nicht unter einem Monat bestraft. In Bezug auf diese Bestimmung hat das Reichsgericht, III. Strafsenat, vom 27. Februar 1893 ausge­sprochen, daß unter einer Brücke nicht ein bloßer Steg", sondern ein Bauwerk von einiger Er­heblichkeit, d. h. von einer gewissen Größe, inneren Festigkeit und nicht ganz unbedeutender Trag­fähigkeit zu verstehen ist.

* Einer Verfügung der Staatsbahnver­waltung zufolge sollen die Beamten des äußeren Betriebsdienstes kostenlos unterwiesen werden, wie erste Hilfeleistungen bei U n g l ü ck s f ä l l e n ge­bracht werden. Auf jeder Bahnstation und Halte­stelle hat die Behörde Rettungsküsten aufstellen lassen, welche mit allem nothwendigen Material zu Verbänden u. a. m versehen sind. Die in dem genannten Samariterdienste unterwiesenen Beamten sind auch mit der Handhabung des Rettungskastens vertraut gemacht und können so bei eintretenden Unfällen erste helfende Hand vor Ankunft des Arztes anlegen.

* Die Stichwahl für Rinteln - Ho fgeismar ist auf den 24. Juli anberaumt.

* Das Meininger Regierungsblatt veröffentlicht eine Zuschrift des A m t s t h i e r - arztsBaßinKranichfeld, welche lautet: Unter Hinweis auf die im Regierungsblatt veröffentlichten Futterrezepte möchte ich die in der Nähe von Schneidemühlen wohnenden Land­wirthe auf die Verfütternng von Säge- spännen aufmerksam machen. Es sind hierzu geeignet nur die von weichem Holz, am besten von Fichte, da dieses geruchlos; weniger gut von Kiefer. Seit 14 Tagen gebe ich des Ver­suches halber einem Pferde anstatt Häcksel Säge- spähne. Es zeigt sich dabei dieselbe Arbeitskraft Munterkeit u. f. w. Dem Hafer und den Säge- spähnen setze ich etwas Kochsalz zu. Für Rindvieh würde sich folgende Futtermischung eignen, wie

sie von einem mir bekannten Besitzer schon lange angewandt wird. Derselbe nimmt 7 Pfund Sägespähne, 6 Pfund Schrot, übergießt die Mischung mit kochendem Wasser und fügt kaltes Wasser hinzu, sowie etwas Salz. Die Mischung bereitet er kurze Zeit vor dem Ver­füttern. Die Thiere gewöhnen sich in kurzer Zeit an die Fütterung; anfangs können etwas weniger Spähne genommen werden." Vielleicht werden auch anderwärts Versuche mit diesem billigen Fütterungsmittel einmal angestellt.

Hersseld, 21. Juli. Bei der Infanterie werden Uebungen der Reserve in diesem Jahre noch einmal und zwar vom 15. August ab stattfinden. Zu diesen auf zwanzig Tage be­rechneten Uebungen werden alle diejenigen Mann­schaften der Reserve einberufen werden, die nur eine oder gar keine Uebung im Reserve-Verhältniß mitgemacht haben. Es sind die Jahrgänge 1886, 1887 u. f. w.

t Hersfeld, 21. Juli. Um den Kommunen Gelegenheit zu geben, sich möglichst bei Zeiten über die im Zusammenhang mit dem K o m m u - nalsteuergesetz nöthig werdende Umformung ihres Finanzwesens klar zu werden, wird, wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, demnächst eine im Finanzministerium ausgearbeitete gemeinverständ­liche Zusammenfassung der bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen erscheinen und in großer Auflage verbreitet werden.

Hersfeld, 21. Juli. Bei der Hessen- Nassauischen Baugewerks-Berufs- g e n o s s e n s ch a f t wurden im Mai d. I. 131 Unfälle, dabei 1 Todesfall, angemeldet, gegenüber 188 Unfällen mit 5 Todesfällen im Mai vorigen Jahres.

Hersfeld, 21 Juli. Ueber den neuen, am 9. Juli entdeckten hellen Kometen liegen bereits Beobachtungen aus Kiel, Straßburg, Königsberg, Hamburg und Göttingen vor. Die vorläufige Berechnung der Bahn des neuen Himmelskörpers ergab, daß er bereits am 7. Juli seine Sonnennähe mit dem kleinsten Abstande von etwa 13 Millionen Meilen erreicht hatte, seine Helligkeit bereits im Abnehmen begriffen ist. Der Komet bewegt sich ziemlich rasch vom kleinen Löwen durch den östlichen Theil des Sternbildes großer Löwe, um dann gegen Ende Juli in das Stern­bild der Jungfrau überzugehen. Der mit einem kleinen Schweife behaftete Komet wird im Fern­rohre und zwar am besten bald nach dem Sinken der Abenddämmerung aufzusuchen sein.

^ Schenklengsfeld, 19. Juli. Der Aus- züger Johann Martin Rüger von Motzfeld wurde vom Königlichen Schöffengericht wegen Beleidigung und Widerstands mit einer Woche Gefängniß bestraft. (In dem Bericht vom 11. d. Mts. in Nr. 81 d. Bl. heißt es irrthümlich Auszüger Johann Martin Bommer von Motzfeld.)

Cassel, 20. Juli. Die Kaiserlichen Prinzen und die Prinzessin trafen gestern Nachmittag kurz vor 3 Uhr mittels Extrazuges von Potsdam, wo die Abfahrt 8 Uhr 20 Min. Morgens erfolgt war, auf der Station Wilhelms­höhe ein. Der Extrazug bestand aus zwei Ge­päckwagen, zwei Wagen erster Klasse und zwei Kaiserlichen Salonwagen. In der Begleitung der Prinzen befinden sich der Militärgouverneur Herr Major von Falkenhayn, Oberstabsarzt Dr. von Junker, der Lehrer der Prinzen, Herr Sachse, die Hofdame Gräfin Keller und Miß Green. Auf dem Bahnhof Wilhelmshöhe, welcher beflaggt war, hatte sich trotz des Regens ein zahlreiches Publikum versammelt, welches die Prinzen be­grüßte, die in den Hofequipagen sofort nach dem Wilhelmshöher Schloß fuhren. Weitere Equipagen und Wagen mit dem Gepäck folgten. Am Wilhelmshöher Schloß waren die Hauptein­gangsthüren des Mittel- und Seitenbaues mit Blumenguirlanden geschmückt. (Tgbl.)

Cassel, 21. Juli. Ein nichtswürdiger roher Streich wurde gestern Abend von der Brücke der Kirchditmolder Landstraße aus verübt. Während der 11 Uhr 17 Minuten in Cassel eintreffende Frankfurter Personenzug von Wilhelmshöhe aus die fragl. Strecke passirte, wurde von der Brücke aus einer der dort liegenden grob geschlagenen Basaltsteine in den Zug geworfen. Der Stein flog durch die Fensterscheibe der Locomotive, ohne glücklicherweise einen der Beamten zu verletzen. Alle sofort von Cassel aus erfolgten Nach­forschungen nach dem Thäter blieben erfolglos.

Cassel, 20. Juli. Heute feiert Herr L. Steindecker, Königlicher Castellan des Schlosses Wilhelmsthal, nach 50jähriger Amtsführung sein goldenes Jubiläum.