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Strsftlütr Kreisblatt.
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Ur. 75.Donnerstag den 29. Juni 1893.
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Hersfelder Kreisblatt
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Die Expedition.
Amtliches.
Berlin, den 30. Mai 1893. ■
In dem Verlage der Buchhandlung von Fr. Kortkampf311 Charlottenbnrg, Hardenbergstraße20, sind die in der Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 27. April 1893, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Ziegeleien, vorgeschriebene Tabelle und Tafel erschienen. Ew. Hochwohl- geboren gebe ich hiervon mit dem ergebenen
Die Klosterlränerin.
Erzählung von Oskar Höcker.
(Fortsetzung und Schluß)
Rest war zur Klosterbäuerin getreten, ihre Hände hatten sich vereinigt. Als sich aber Toni endlich aus der Umarmung des Vaters löste, da eilte Frieda auf den Geliebten zu, umschlang feinen Nacken und flüsterte, während heiße Thränen über ihre Wangen rannen:
„Du hast dem Vater verziehen, vergiebst Du auch Deinem Schatz?"
Er sagte nichts, aber der liebende Blick, der sie traf, unb die Küsse, die er aus ihre Stirn u>td ihren Mund drückte, waren die beredteste Antwort. . . .
Der
Der nächste Tag war ein Sonntag.
_ Grüninger saß wieder allein daheim.
Schultheiß von Weiningen war soeben von thut fortgegangen, mit einem guten Bescheid, wie es denn der Weißbart lachte über das ganze Gefecht, als er über den Hof schritt, m W '"^n Alten hatten einen eigenthümlichen
. 0e Wogen. Der Schultheiß hatte sich ver- „ W l.z Ewe von sämmtlichen männlichen Be- l • W11. ^mmngens unterzeichnete Adresse an
R-M-Mg « s-nd-», d-s Jnhnll«, d»b da« / L Errichtung einer Eisenbahnstation ’ ”™ ®«lä»of™ d-djicke-, und jwar au. mohlberechtigten Gründen, die näher ange-
Anheimstellen Kenntniß, die beteiligten Kreise in geeigneter Weise hierauf hinzuweisen.
Der Minister für Handel und Gewerbe.
In Vertretung, gez. L 0 h m a n n.
An den Königlichen Regierungs-Präsidenten, Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Caffel. B. 5741.
* * *
Caffel, den 14. Juni 1893.
Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren zur gefälligen Kenntnißnahme und weiteren Veranlassung.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: von Pawel. An sämmtliche Herren Landrüthe des Bezirks und die Herren Oberbürgermeister von Cassel, Hanau, Marburg, Fulda. A. II. 5292.
* * *
Hersfeld, den 26. Juni 1893.
Wird den Herren Ortsvorständen mit der Veranlassung zur Kenntniß gebracht, die Interessenten äuf die obige Bezugsquelle aufmerksam zu machen. Die richtige Ausführung der Bestimmungen des Herrn Reichskanzlers (abgedruckt im Amtsblatt S. 175) ist polizeilich zu überwachen.
I. 4176. Der Königliche Landrath
_Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 26. Juni 1893.
Der seitherige Bürgermeister Johannes Va npel zu Untergeis ist als solcher auf acht weitere Jahre gewählt, bestätigt und heute verpflichtet worden.
I. A. Nr. 1126. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
f Die ,,Vorfrucht der Socialdemokratie/^
Der Wahlkampf ist zu Ende. Der Ausgang des Kampfes ist eine Niederlage der Opposition
führt werden sollten. Grüninger dagegen ver- i pflichtete sich, durch eine großmüthige That die ' zwischen Gelzhofen und Weiningen' bestehende alte Feindschaft aufzuheben und den ersten Schritt zur Annäherung dadurch zu geben, daß er seinem Sohne gestattete, die Klosterbäuerin zu heirathen. Das sollte der Schultheiß von Weiningen der Klosterbäuerin heute verkünden und ihr sagen, daß Grüninger sie am Nachmittag in seinem Hause erwarte, um betreffs des Ehekontrakts alles ausführlich zu besprechen. Toni, der sich nach seiner zweiten Ausweisung aus dem Vaterhause in der Verzweiflung nach dem Forsthanse begehen hatte, war auch dort geblieben, doch wollte der Vater ihn einlaben, am Nachmittag zu der wichtigen Handlung gleichfalls zu erscheinen.
Der Schultheiß mochte etwa eine halbe Stunde fort fein, als auch Grüninger den Hof verließ und seine Schritte dem Forsthaus zuwandte.
Toni und Rest kamen ihm dort mit freudestrahlendem Gesicht entgegen. In Arnolds Befinden war wiederum eine bedeutende Besserung eingetreten Der Alte nickte ihnen freundlich zu. Wie that es ihm so wohl, seine Kinder zu um« fassen und an sein Herz zu drücken.
Ach, was ist aller irdischer Besitz gegen die Wonne, Wesen zu besitzen, die man von ganzer Seele liebt.
„Wenn Du willst, Vaterle," sagte Rest, „so kannst Du heute Arnold sprechen."
im vorigen Reichstage. Nicht alle drei Gruppen dieser Opposition — Centrumsdemokratie, freisinnige und süddeutsche Volkspartei, Socialdemokratie — sind gleich stark getroffen; das Centrum hat nur geringe Verluste erlitten, der äußerste linke Flügel, die Socialdemokratie, hat sich sogar um 290 000 Stimmen und 7—8 Mandate verstärkt, dafür aber hat die ehemalige deutschfreisinnige Partei ungefähr 35 Mandate eingebüßt, Richter, der im vorigen Reichstag über 66 Mann gebot, kehrt nur mit anderthalb Dutzend zurück.
Am Tage der Reichstagsauflösung hatte Richter die Spaltung seiner Partei vollzogen. Er trennte die Theile, die seine halsstarrige Abwehr der guten, für die Militärreform sprechenden Gründe nach ihrer inneren Ueberzeugung nicht mitmachen konnten, mit kühnem Streiche ab und machte mit seinen „Unentwegten" einen kräftigen „Ruck nach links." Dabei schmeichelte er sich mit der Hoffnung, daß er durch raffinirte Aufregung der Massen die große Bedeutung der vaterländischen Frage, wegen der der Reichstag aufgelöst werden mußte, verdunkeln und einen großen Zulauf gewinnen werde. Er bewies damit, wie sehr er feine eigenen Rechenkünste überschätzt und wie wenig er sich auf die Empfindungen des Volkes versteht. Schon im vergangenen Herbst, als die Militärvorlage erst im Anzüge war, hatte er alle agitatorischen Mittel, die ihm im reichsten Maße zu Gebote standen, die von ihm abhängige freisinnige Presse, die Figuren der Vertrauensleute, die er am Schnürchen hielt, das Netz von Vereinen, spielen lassen, um eine öffentliche Meinung gegen die Militärreform herzurichten und die Fraktion im Voraus in eine gebundene Marsch- route zu zwingen. Den Widerhall, den er bei seinen Allergetreuesten, jenen kleinen Parteigrößen, die ein Freisinniger selbst Vereinsdemagogen
Er kniff sie in die Wange. „Vaterle" hatte sie gesagt . . . Wie so herzig das klang! Er umfing sie und Toni von neuem und schritt mit ihnen langsam und leise nach der Krankenstube.
Vor dem Bett blieb er stehen und reichte Arnold die Hand.
„Setz Dich doch, Vaterle," bat Resi, ihm einen Stuhl unterschiebend.
Er lachte sie an, wie der Sonnenschein im Frühling, nachdem er alles Eis des Winters geschmolzen. Dann wandte er sich an den Kranken.
„Dars ich Ihnen etwas sagen," begann er freundlich, „wird es Sie nicht aufregen?"
Der Revierförster schüttelte den Kopf. „Sie sagen mir heute nichts Schlimmes. Das weiß ich."
„Der versteht sich auf die Physiognomie der Diensten," rief der Alte seinen Kindern zu. „Also, mein sehr verehrter Herr Revierförster, da mein Mädel mir nun einmal durchgegangen ist, um Sie zu pflegen, so müssen Sie sie auch behalten. Ei Wetter," unterbrach er sich, „Ihr drückt mir ja die Hände wund. Aber bei meinem Worte bleibt es doch: einem Förster geb ich meine Tochter nicht, das ist mir ein zu gefährliches Gewerbe. Sie verstehen sich aber auf den Holzhandel, — wie wär'S denn, wenn Sie umsattelten, als mein Schwiegersohn in mein Geschäft ein- treten, um später einmal mit meinem Sohn in Kompagnie zu gehen?"
Rest hing am Halse des Alten, seine Wangen