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Hersseldkl freisblatt.
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Mr. 72. Donnerstag den 22. Juni
1893.
Amtliches.
Bei der am 15. b. Mts. stattgehabten Wahl eines Abgeordneten zum Reichstage im VI. Wahlkreise des Regierungsbezirks Cassel sind, wie die vorschriftsmäßige Prüfung der Wahl am heutigen Tage ergeben hat, im Ganzen 11621 gültige Stimmen abgegeben.
Die absolute Mehrheit beträgt == 5811 Stimmen.
Es haben Stimmen erhalten: Redacteur Ludwig Werner zu Cassel . 3986
Landrath Freiherr von Schleinitz zu
Hersfeld......... 3544
Landtagsabgeordneter Kaplan Dasbach zu Trier......... 2302
Oberamtmann Friedrich Otto zuBlanken-
Heim..........1255
Schuhmacher Georg Markus zu Erfurt 422 Rechtsanwalt Martin zu Cassel . . 98
Zersplittert sind........ 14.
Es hat demnach keiner uer Kandidaten die absolute Stimmenmehrheit erhalten.
Nach §. 12 des Wahlgesetzes für den Reichstag vom 31. Mai 1869 ist eine engere Wahl zwischen Redacteur Ludwig Werner zu Cassel und Landrath Freiherr von Schleinitz zu Hersfeld erforderlich.
Den Tag für dieselbe setze ich hiermit auf Sonnabend, den 24. Juni d. Js. fest.
In der engeren Wahl bleiben die Wahlbezirke, die Wahllokale und die Wahlvorsteher unverändert. Die Wahlhandlung beginnt um 10 Ahr Wor- mittags und wird um 6 Uhr Abends geschlossen.
Alle Wahlzettel, welche auf andere Kandidaten als Redacteur Ludwig Werner zu Cassel und Landrath Freiherr von Schleinitz zu Hersfeld fallen, sind ungültig.
Die Klosterbäuerin.
Erzählung von Oskar Höcker.
(Fortsetzung.)
Der Tisch war so entsetzlich leer ... die beiden Stühle fehlten, auf denen sonst um diese Zeit Toni und Rest gesessen hatten. Der alte Murrkopf erinnerte sich jetzt der Stunden vieler Jahre, — von der Zeit an, wo ein kleiner Kraus- kopf am Tische hier Figuren aus Pappe ausgeschnitten und die niedlichen Händchen eines kleinen lustigen Mädels Puppenzeug angefertigt hatten; und dann saßen die beiden wieder da, um vieles ernster, die Stirne krausgezogen und vertieft in ihre Schulaufgaben. Dann kam wieder eine lustige Zeit, wo Toni ein frischer Bursch geworden und Rest zur Jungfrau herangeblüht war; m neckischem Geplauder saßen sie am Tisch, spielten Mühle oder Dame, und lachten oft so herzerquickend, daß es selbst dem alten Murrkopf ^bumg in die Seele drang. Und nun war alle FrohUchkeil verstummt, — durch die große Stube zog das Gespenst der Einsamkeit. Dem Alten wurde es plötzlich zu Muthe, als ob Sohn und Tochter draußen auf dem Kirchhofe lägen und
EiE allein zurückgeblieben sei. Ein Stöhnen drang über seine Lippen. Sein Gesicht war schmerzlich verzerrt. Er löschte hastig die
Bei der engeren Wahl sind dieselben Wählerlisten anzuwenden, wie bei der ersten Wahlhandlung. Dieselben werden sofort den Herrn Wahl- | Vorstehern von mir zugesandt werden. Eine wiederholte Auslegung und Berichtigung derselben findet nach §. 31 des Reglements vom 28. Mai 1870 nicht statt.
Die Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher haben sofort nach Empfang dieser Bekanntmachung dieselbe in ortsüblicher Weise bekannt zu machen und darüber, daß es geschehen, mir eine Bescheinigung e i n z u s e n d e n. W a dj Abschluß der Wahl haben die Herrn W a h l v o r st e h e r die W a h l p r o t o k o l l e m it s ä in m t l i ch e n z u - gehörigen Schriftstücken sofort an m i ch e i n z u r e i ch e n.
®ie Herrn Bürgermeister der Wahlorte, welche nicht selbst Wahlvorsteher sind, haben den Herrn Wahlvorstehern diese Bekanntmachung zur Einsicht mitzutheilen.
Rotenburg, den 19. Juni 1893.
Der Wahlkommissar: von Trott zu Solz, Landrath.
* * *
Hersfelb, den 20. Juni 1893.
Bezugnehmend auf vorstehende Bekanntmachung des Herrn Wahlkommissars, welche sofort in den einzelnen Gemeinden in ortsüblicher Weife bekannt zu machen ist, werden die Herren Wahlvorsteher des Kreises angewiesen, die Wahlprotokolle mit sämmtlichen zugehörigen Schriftstücken sofort nach Abschluß derselben an den Herrn Wahlkommissar in Rotenburg abzusenden, bei der Wahl selbst aber folgende Punkte zu beachten:
1. Die Wählerlisten, Wahlprotokolle und Gegenlisten müssen unter'm 24. Juni d. Js. vom
Wahlvorstand (Wahlvorsteher, Protokollführer
Lampe und schlich aus dem Zimmer hinaus, nach seiner Kammer, dort die Ruhe suchend, aber nicht findend.
Wie es oft der Sonne gelingt, ihren leuchtenden Strahl durch einen Erdspalt tief in das Innere zu senden und dort Tag werden zu lassen, wo bisher nur Finsterniß geherrscht: so war es der Sehnsucht geglückt, in das starre Herz des alten Murrkopfs zu dringen, und sie wirbelte Alles auf, was dort seither brach gelegen hatte.
Am andern Morgen vernahm man die scheltende Stimme Grüningers nicht. Er saß ruhig im Büreau bei seiner Arbeit. Der Ablöhnungstag für die Arbeiter stand wieder einmal bevor, und er zählte die Gelder ab. Sonst hatte er sich gern an dem Anblick des Silbers und Goldes geweidet, das die Beutel in der Truhe enthielten; heute kam es ihm so vor als hätten die Gold- nnd Silbermünzen ihren Glanz verloren und wären werthlose Schaumünzen geworden. Verdrießlich schloß er die Beutel wieder und dann auch die Truhe, setzte sich an sein Pult und versank in ein langes, düsteres Sinnen. Plötzlich stand er auf und legte die Hand auf die Brust.
Gleich nachher öffnete er vorsichtig die Thüre und spähte hinaus.
Es war niemand auf dem Flur.
Nun stieg er langsam die Treppe hinauf,
und mindestens 3 Beisitzern) unterschriftlich vollzogen werden.
2. Nicht nur im Wahlprotokoll sondern auch in der Gegenliste müssen bei jedem Gewählten die Stimmen einzeln und fortlaufend aufgezählt werden.
3. Im Wahlprotokoll muß Seite 3 ordnungsmäßig ausgefüllt werden, so daß ersichtlich gemacht ist, wie viel gültige und ungültige Stimnien abgegeben sind. Sind ungültige Stimmen nicht abgegeben, so muß dies gehörigen Orts wenigstens bemerkt werden durch das Wort „keine" oder durch ein entsprechendes Zeichen.
4. A ußer dem Wahlprotokoll und der Gegenliste muß auch die Wählerliste vom Wahlvorsteher an den Wahlkommissar eingesandt werden.
Im Uebrigen ist diese Verfügung den Herren Wahlvorstehern, welche nicht Bürgermeister sind, durch die Herren Bürgermeister der Wahlorte sofort bekannt zu geben. Die Protokollformulare werden den Herren Wahlvorstehern von hier aus zugesandt.
I. 4075. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
Mit Bezug auf die §§ 26 und 31 des Reglements vom 28. Mai 1870 zur Ausführung des Wahlgesetzes für den Reichstag vom 31. Mai 1869 bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß die Ermittelung des Ergebnisses der am 24. Juni d. Js. vorzunehmenden engeren Wahl eines Reichstagsabgeordneten für den 6ten Wahlkreis im Regierungsbezirk Cassel am Mittwoch, den 28. I u n i d. I s. von Vormittags 8 U hr an im Geschäftslokal des Kreis- a u S s ch u s s e s (alte L a n d v o g t e i) d a h i e r
I immer höher, bis er vor einer Kammer stehen blieb, die er öffnete. In dem kleinen Raum herrschte eisige Kälte. Die Fensterscheiben zeigten dicke Eisblumen. Natürlich, die Kammer wurde ja schon seit längerer Zeit nicht mehr bewohnt. Der Toni war ja fortgegangen aus dem Vaterhaus. Aber es fah doch alles so nett und zierlich darin aus, so peinlich sauber, als ob eine gute Fee in dem Raume waltete. Diese gute Fee war nun auch fort . . . Der Alte preßte die Lippen fest zusammen, seine Augenbrauen zuckten, und sein Blick hatte etwas seltsam feuchtes. Er preßte wieder die Hand auf die Brust und verließ rasch die Kammer.
Auf der Treppe blieb er stehen und lauschte.
Wie oft hatte er sie von hier aus singen gehört, die kleine Nachtigall, die da unten das Hausmütterchen spielte. Jetzt zum ersten Male vermißte er den Gesang.
Und die Sehnsucht trieb ihn hinunter in die Wohnstube, zum Fenster, wo der Nähtisch stand — ach, und da lag noch eine angefangene Häkelarbeit, die sie erst gestern konnte begonnen haben; unb als ob noch der warme Pulsschlag ihrer Finger daran hafte, schloß er die kleine Arbeit in seine Hände, so zärtlich innig, als ob er das Herz eines Kindes darin halte. Und da endlich rannen aus den harten, grauen Augen die himm-