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Htlsstl-kr Krtisblatt
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 69.Donnerstag den 13. Juni 1893.
Amtliches.
Ministerium der geistlichen, UnterrichtS- und Medizinal-Angelegenheiten.
Berlin, den 1. Juni 1893.
In mehreren Kreisen des Regierungsbezirks Oppeln (Schleß, Kutscher, Tarnowitz) ist neuerdings eine beträchtliche Anzahl von Pockener- krankungsfällen festgestellt worden, deren erste Entstehung auf Einschleppung aus den anliegenden Grenzbezirken von Oesterreich-Ungarn und Russisch- Polen zurückzuführen ist. Da die Möglichkeit vorliegt, daß Arbeiter aus den verseuchten Gegenden auch in den dortigen Verwaltungsbezirk gelangen und die Pocken einschleppen können, so ersuche ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst, gefälligst dafür Sorge.zu tragen, daß die dortselbst etwa beschäftigten oder neu eintreffenden russisch-polnischen bezm. galizischen Arbeiter hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes polizeilich überwacht und nicht zur Arbeit neu angenommen werden, sofern nicht die in der Heimath oder in Preußen wirksam erfolgte Impfung glaubhaft nachgewiesen und daß eventl. sofort die Impfung der bisher nicht mit Erfolg geimpften Personen vorgenommen wird.
Im Auftrage, gez: B arisch.
Au den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Cassel. M. Nr. 6019.
Cassel, den 6. Juni 1893.
Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren zc. zur gefälligen Nachachtung.
Der Regierungs-Präsident. J. V.: von Pawel. An die sämmtlichen Königlichen Landräthe des Regierungsbezirks und den Königlichen Polizei- Präsidenten hier. A. II. 5153.
Hersfeld, den 12. Juni 1893.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.
I. 3925. Der Königliche Landrath
_____________Freiherr von Schlei n i tz.^
Hersfeld, den 12. Juni 1893.
Den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises mache ich im Anschlüsse an meine Verfügung vom 28. Mai 1888 I. Nr. 5846, im Kreisblatt Nr. 63, die Erstattung von Anzeigen über Brandschäden betreffend, hierdurch zur Pflicht, außer der Bezeichnung der zerstörten und beschädigten Gebäude und der Höhe des ungefähren Schadens auch gleichzeitig die muthmaßliche Entstehungsursache unter Hervorhebung etwaiger Verdachtsmomente mir anzugeben, damit ich in der Lage bin, prüfen zu können, ob die Entsendung eines Kriminal - Schutzmannes zur Ermittelung von Brandstiftungsfällen angezeigt erscheint.
Die Königliche Gendarmerie wird ebenfalls angewiesen, in den bezüglichen Berichten eben solche Angaben zu machen.
I. 3302. Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l e i u i tz.__
Hersfeld, den 6. Juni 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, in deren Gemeinden S ch w e i n e v e r s i ch e r u n g e u (gleichviel welcher Art) bestehen, haben mir solches bis spätestens zum 14 d. M t s. berichtlich an- zuzeigen.
I. Nr. 3731. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
Die Herrn Lokalschulinspektoren und Herrn Lehrer des Kreisschulinspektionsbezirkes Hersfeld II werden auf Montag den 19. d. Mts. zur
Ein neues Lied für die Reichstagsmahl j8H3.
(Met.: Kaiser
Kaiser Wilhelm blickt' vom Himmel Einst herab in's Weltgetümmel: Schmerz durchzuckt sein Angesicht. „Armer Enkel! was vor Jahren Ich vom Unverstand erfahren, Das erspart auch Dir man nicht!"
„Mußt ich unter heißem Ringen Nicht mein Lebenswerk vollbringen? Und vergaß mein Volk das schon? Braucht' ich Geld, braucht ich Soldaten Immer schrie'en die Demokraten: s' ist nicht nöthig, voller Hohn."
„Ja," sprach da der alte Fritze, Seine Augen sprühten Blitze: „Mir wär' das wohl nicht passirt Wären mir die Kerls gekommen, Hätt' ich meinen Stock genommen, Hätte sie nicht schlecht traktirt!"
Kaiser Friederich der Dritte Trat da lächelnd in die Mitte: „Ja, verdient wär's," meint er still; „Doch ich hoffe, daß zum Frommen Wird das Volk zur Einsicht komme», Da mein Sohn sein Bestes will.
„Dieses Wühlen, dieses Hetzen Muß ja Jedermann verletzen, Der sein Vaterland noch ehrt. O, wie tief ist der gefallen, Der für die Partei vor Allen Ehr' und Vortheil nur begehrt.
„Furchtbar hab ich leiden müssen, Doch mein Volk lag mir zu Füßen," Sagt der edle Dulder sacht. „Ach ich danke Gott von Herzen, Das er mir erspart die Schmerzen, Die man meinem Sohn jetzt macht!"
„Friedrich", sprach der Heldenkaiser, Dieser Freisinn wird nicht weiser, Braver nicht der Sozialist.
Auch ich bin betrübt darüber, Daß ein solcher Mann wie Lieber Heut in Deutschland möglich ist.
t Auf zur Wahl!
Der Wahltag — Donnerstag — ist nunmehr erschienen! An diesem Tage giebt es für den wahlberechtigten Bürger keine andere, keine höhere Pflicht, als sein Wahlrecht aus- zuüben, dabei aber auch andere säumige Wähler zur Ausübung ihrer Wahlpflicht anzuhalten!
Seit Bestehen des Reiches ist wohl noch nie eine so ernste, wichtige und bedeutungsvolle Frage
Konferenz nach hier refp. Weidenhain hiermit freundlichst eingeladen. Bibliothek: morgens 9Uhr. Philippsthal, den 13. Juni 1893.
Die Kreisschulinspektion Hersfeld II.
Wilhelm saß ßanj heiter.)
„Brausen nicht gewalt'ge Stürme,
Die das klägliche Gewürme, Aus dem Parlamente fegt?
Spürt mein Preußen nicht die Schande, Die der „Mutzpreutz" meinem Lande Vor der Welt hat auferlegt?
„Packt nicht jeden Patrioten
Heil'ger Zorn vor all' den Rothen, Die das Deutsche Volk verhetzt?
Hab' vergebens ich gestritten, Daß man jetzt mit Riesenschritten Deutschlands Ehr' und Ruhm zersetzt?"
D'rauf der Alte Fritz im Grimme und mit zornerfüllter Stimme: „Das wär ja der reine Hohn! Sind die Preußen Jammerlappen, Daß sie feig zusammenklappen, Wenn ringsum die Feinde drohn?
„Gilt in Preußen denn der König Heutzutage gar so wenig, Daß man ihm nicht mehr vertraut, Als belieb'gen Demokraten, Die stets haßten die Soldaten? Donnerwetter!" rief er laut.
Nun trat Moltke zu den Dreien: „Majestäten woll'n verzeihen, Noch glaub ich ans Deutsche Land;
Wie im Jahre stebenundachtzig
Bin ich überzeugt, es macht sich, Daß sich Deutschlands Volk ermannt.
Hier Partei! — Hier Deutschlands Ehre!
Ist die Wahl da eine schwere?
Hier Monarch! — Hier Demokrat!
Ich vertrau' dem deutschen Volke, Wie ein Blitz aus dunkler Wolke Brichts hervor zur raschen That!"
Deutsches Volk! Dich rief Dein Kaiser!
Auf zur Wahl! Sorg', daß ein weiser Reichstag uns beschieden sei!
Auf zu Vaterlandes Wohle!
Das sei Deine Wahlparole: Dein Vaterland, nicht der partei!
an das deutsche Volk herangetreten wie bei der gegenwärtigen Wahl! Ernst, wichtig und bedeutungsvoll in zweierlei Hinsicht: einmal durch das, was auf dem Spiele steht; denn an diesem Tage soll das deutsche Volk die Probe darauf bestehe«, ob sein nationales Bewußtsein in den letzten zweiundzwanzig Jahren so erstarkt ist, daß es sich durch nichts hindern läßt, die Opfer zu bringen, die für die Erhaltung des Friedens, für den glücklichen Ausgang eines Krieges, für die Sicherstellung des Reichs, für