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Kann man ferner von Militarismus sprechen bei einer Reform, die die Ungerechtigkeit, daß ein Tauglicher dient, der andere' nicht oder nur kurze Zeit, beseitigen, die die Dienstzeit für alle Fußtruppen abkürzen, die endlich bewirken will, daß eine halbe Million Männer, im wirthschaft- lich besten Alter, von deren Leben das Wohl und Wehe ganzer Familien abhängt, im Kriegsfalle nicht vor den Feind kommen?"

Wie wäre denn das deutfche Reich entstanden, ohne daß Preußen das Werkzeug für die Einheit schmiedete, während in manchem anderen Staate das Heer nur ein Luxus war und die jungen Leute der wohlhabenderen Klaffen andere für sich dienen ließen? Es ist traurig, daß man daran erinnern muß; aber die Nothwendigkeit liegt vor, wenn man gewahrt, wie die rothe, schwarze und freisinnige Demokratie Bürger und Bauern mit dem Schlagwort Militarismus gegen das preußische und nunmehr deutsche Heerwesen auf- zuhetzen sucht. Abgesehen von den Sozialdemo- kraten, denen die Zucht, die Ordnung und der Patriotismus im Heere bei ihren inter­nationalen Träumen zuwider sind, liegt in dem demokratischen Lärm wider den „Mili­tarismus" ein Zug von K l e i n st a a t e r e i, den die geeinte Ration doch glücklich überwunden haben sollte.

Und wenn die Leute, die behaupten, daß Deutschland zu arm sei, um stark nach außen gegenüber den Rüstungen der Nachbarn zu bleiben, mit ihren Absichten durchdrängen, was wäre die Folge, was wäre wenigstens die drohende Ge­fahr? Eben daß für Deutschland Zeiten wieder- kehrten, ähnlich denen des Elends der deutschen Zerriffenheit, für deren Beseitigung unsere Väter und Großväter gestritten und gelitten haben, bis ihr unter König Wilhelm ein Ende gemacht wurde!

Politische Nachrichten.

Berlin, 30. Mai.

Se. Majestät der Kaiser dürfte, wie die „Nordd. Allg. Ztg " erfährt, von seiner Reise nach Pröckelwitz und bezw. von dort nach Danzig, wo Allerhöchstderselbe bekanntlich morgen Nach­mittag dem Stapellaufe und der Taufe der Kreuzer­korvette „J" beizuwohnen gedenkt, am Donnerstag den 1. Juni früh mit den Herren seiner Umgebung wieder im Neuen Palais eintreffen. — Am 2. Juni findet dann auf dem Tempelhofer Felde vor Sr. Majestät die große Frühjahrsparade des Garde­korps aus Berlin und Spandau statt, welcher auch Ihre Majestät die Kaiserin, die Mitglieder der königlichen Familie und die hier eingetroffenen höchsten und hohen fremden Fürstlichkeiten bei­wohnen werden. — Hieran schließt sich sodann im hiesigen Schlöffe am Nachmittage ein größeres Paradediner. — Am nächsten Tage hält Se. Majestät der Kaiser im Lustgarten zu Potsdam über die Regimenter der Potsdamer Garnison gleichfalls die diesjährige Frühjahrsparade ab.

Die Klosterbäuerin.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

„Fällt mir nicht ein," widersprach mit einem verächtlichen Lächeln die Schwägerin.

„Glaub's wohl, daß Du es ungern thust, wirst's aber doch thun müssen."

Jobst war bei diesen Worten näher getreten. Er sah wieder recht verwildert aus, und in seinem Blick lag ein so kalter Hohn, daß die Klosterbäuerin unwillkürlich zusammenschauerte.

„Ich hab' Dir schon einmal gesagt," begann sie nach kurzer Pause, „daß unsere Wege aus­einander gehen. Drohen lasse ich mir nicht."

„Das thue ich auch nicht. Ich fordere nur mein gutes Recht."

„Dein gutes Recht?" gab die Klosterbäuerin unsicher zurück.

„So ist's."

Er zog einen Stuhl herbei und ließ sich neben Frieda nieder. Dieselbe rückte seitwärts.

„Hast Dich immer gerühmt," fuhr er höhnisch fort, „nur die Wahrheit zu sprechen und nie mit etwas zurückzuhalten. Hast's aber doch gethan.

Die Klosterbäuerin schielte betroffen nach ihm hin.

„In der Amtsstadt drüben hab' ich erfahren, daß mein Bruder selig ein Testament hinterlegt hat. Haha, nicht wahr, das hat getroffen?" fügte er rauh lachend hinzu, als er den jähen Schreck bemerkte, der über die Züge der Schwägerin

Der Reichsanzeiger schreibt: In ihrer Nummer vom 27. d. M. bringt die „Bossische Zeitung" ein Telegramm aus Belgrad, wonach Seine Majestät der Kaiser beim Empfange des serbischen außerordentlichen Gesandten, Obersten Pantelitsch geäußert habe: „Schneidiges Unternehmen des jungen Königs, dem meine vollen Sympathien gehören! Da hat Alles geklappt wie auf dem Exercierfelde." Demgegenüber sind wir zu der Erklärung ermächtigt, daß Seine Majestät Herrn Pantelitsch lediglich beauftragt hat, den jungen König der freundschaftlichen Gesinnungen Seiner Majestät für ihn zu versichern, jedoch keines der Ihm in den Mund gelegten Worte über den serbischen Staatsstreich gesprochen hat.

Innerhalb der Staatsregierung sind allgemeine Verhandlungen darüber im Gange, unter welchen Umständen den nach dem Dienstaltersprinzip im Gehalt aufrückenden Beamten bei Versetzungen und Beförderungen die in der vorigen Beamten- klasse zugebrachte D i e n st z e i t zu einem Theile anzurechnen sei. Hierbei ist auch der Grundsatz in Erörterung gezogen worden, daß die in einer Beamtenklasse einmal erreichte Gehaltsstufe und die in dieser Stufe zugebrachte Dienstzeit auch in der neuen Beamtenklasse, welche dieselbe Ge­haltsstufe hat, berücksichtigt und angerechnet werden möge.

Die Vorbereitungen zur Einführung der Sonntags - ruhebcstimmungen für Industrie undHand - w e r k werden in den einzelnen zuständigen Behörden eifrig gefördert. Soweit Bundesrath und Reichsbehörden dabei be- theiligt sind, ist der gegenwärtige Stand der Albeitcn bekannt. Aber auch die Regierungen der Einzelstaaten sind an der Ausführung bethciligt und bereiten die hierzu nothwendigen Maßnahmen vor. So wird bekannt, daß der preußische Handelsminister, nachdem er schon einmal im Januar d. I. die BezirkSregierungen zu Gutachten in der erwähnten Sonn- tagSruhefrage aufgefordert hat, neuerdings nochmals eine Untersuchung auf diesem Gebiete vorzunchmcn angeordnet hat. Die Kompetenzabgrenzung zwischen Bundesrath und Einzel­regierungen ist folgende. Der Bundesrath kann Ausnahmen von den allgemeinen SonntagSruhebestimmungen auf Grund bs« § 105 d für solche Gewerbe bezw. Betriebe zulassen, in denen Arbeiten vorkommen, welche ihrer Natur nach eine Unterbrechung oder einen Aufschub nicht gestatten, sowie für Saisonindustriebetliebe. Die Ausnahmegestaltung für Gewerbe, deren Ausübung an Sonn- und Festtagen zur Befriedigung täglicher oder an diesen Tagen besonders hervortretender Be­dürfnisse der Bevölkerung erforderlich ist, sowie für mit Wind oder unregelmäßiger Wasserkraft arbeitende Betriebe ist den höheren Verwaltungsbehörden auf Grund des § 105 e Vorbe­halten. Um die erstere dieser beiden Kategorieen von Be­trieben handelt eS sich denn auch bei der erwähnten vom Preußischen Handelsminister angeordneten Untersuchung. Ins­besondere sollen die Ausnahmen für Kunst- und Handels- gärtnereien, WasserversorgungSanstalten, Konditoreien, Fleische­reien, Barbier- und Friseurgewerbe, Badeanstalten, Buch- druckereien, Photographische Anstalten, Molkereien, EiStabri- kation, Mmeralwasserfabriken sestgestellt werden. Man wird gut thun, sich stets der Kompetenzabgrenzung zwischen BundeS- rath und Einzelregierungen bewußt zu bleiben, damit nicht etwa für einzelne Gewerbe an die letzteren Forderungen ge­richtet werden, die diese gar nicht zu erfüllen im Stande sind, die vielm hr nur der Bundesrath bewilligen kann.

Von der türkisch-montenegrinischen Grenze wird wieder einmal einer der zwischen den beiderseitigen Grenzbewohnern üblichen Rauf- Händel gemeldet. Zwischen Bewohnern der Stadt Skutari und Angehörigen des wilden Albanesen- stammes der Miriditen kam es zu einem blutigen

fuhr. „Ich weiß aber auch, was in dem Testa­mente steht. Dir gehört freilich der Hof, Du bist da unumschränkte Herrin. Aber wenn der ver­schollene jüngere Bruder Jobst wiederkommen sollte, so hat die Klosterbäuerin ihn aufzunehmen und für ihn anständig zu sorgen, hat ihn auch mit Taschengeld zu versehen. Ja, ja, so steht's in dem Testamente. Und deshalb bin ich so frei, verehrte Frau Schwägerin, und melde mich zur Stelle. Du hast wohl die Gewogenheit, mir ein hübsches Zimmer einzuräumen, in dem sich's gut Hausen läßt."

Frieda erhob sich von ihrem Platz. Aus ihren hübschen Augen sprühten Zorn und Verachtung.

„Und wenn es zehnmal im Testamente steht," rief sie, „daß ich Dich aushalten soll, so thu' ich's doch nicht, — das schwör ich Dir zu."

„Wenn die Schwägerin nur nicht da falsch schwört," versetzte Jobst mit höhnischer Ruhe. „Denn giebt mir die Schwägerin nicht sreiwillig, was das Testament für mich aussetzt, so suche ich bei Gericht mein Recht, und weiß, daß ich es da bekommen werde."

„Thu' das nur," erwiderte die Klosterbäueriu, „ich fürchte mich auch davor nicht."

Damit wandte sie ihm den Rücken, ging zum Ofen hin, ihre Hände an die durchwärmten Kacheln haltend.

Jobst blieb auf seinem Stuhle sitzen. Er hatte die Arme auf die Kniee gelegt und blickte mit einem überlegenen Lächeln auf sie nieder.

„Du glaubst wohl, mir fehlen die Mittel, um

Zusammenstöße, bei welchem fünf Personen ge- tödtet wurden. Der Vali (Gouverneur) von Skutari hat sich mit einer Truppenabtheilung nach dem Schauplatze des Zusammenstoßes be- geben.

Die Frage der Ausweisung der Chinesen aus Nordamerika ist für die Unionsregierung plötzlich acut geworden. Der chinesische Gesandte in Washington überreichte dem Auswärtigen Amte Namens der chinesischen Regierung eine Note, welche die Ausweisung aller Amerikaner aus China, den Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen und das Aufhören sämmtlicher Handels­beziehungen Chinas zur Union androht, falls letztere mit der Chinesen-Vertreibung Ernst machen sollte.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

Hersfeld, den 31. Mai 1893.

* Seitens der Tarifkommission deut­scher Eisenbahnverwaltungen wurde ein Antrag Bayerns, die Gültigkeitsdauer der Rückfahr­karten allgemein auf zehn Tage zuerstrecken mit überwiegender Mehrheit angenommen. Nach der „Badischen Korrespondenz" stimmte auch der Vertreter der badischen Staatsverwaltung zu.

* Die Generalversammlung des am Sonntag in Hannover tagenden Vereins für Schul- r e f o r m faßte eine Resolution, in welcher es heißt: Die Versammlung erkennt mit Befriedi­gung in den neuen Lehrplänen die Absicht der Schulbehörde, das höhere Schulwesen den natio­nalen und modernen Bedürfnissen unseres Volkes anzupassen. Sie spricht die Ueberzeugung aus, daß die jetzt begonnene Reform nur mit einem gemeinsamen lateinlosen Unterbau für alle höheren Schulen einen organischen Abschluß finden kann.

* Nach einer Verfügung der Neichspostver- waltung sind die bestellenden Boten ermächtigt, Sendungen mit Werthangabe bis zum Betrage von 400 Mark und Postanweisungen an ihnen unbekannte Personen auch dann zu bestellen, wenn sie genügende Ausweispapiere zwar nicht beizu- bringen vermögen, indessen eine andere als zu­verlässig und zahlungsfähig bekannte Person mit dem Zusatz „als Bürge" die Quittung mit vollzieht.

* Nach einer Verfügung des preußischen Kultusministeriums haben am Donnerstag, den 15. Juni, als am Tage der allgemeinen Reichs- tagswahlen, sämmtliche Schulen der preu­ßischen Monarchie geschlossen zu bleiben. Dasselbe gilt für die Tage der Stich- oder Nach­wahlen überall da, wo folche Wahlen erforderlich sein werden. In den anderen deutschen Einzel­staaten dürften demnächst gleiche Anordnungen getroffen werden.

* (Warnung für Zeugen.) Ein Hotelbe­sitzer aus Köln war in Bingen als Zeuge vor dem Schöffengerichte vernommen worden. Bei der Kostenliquidation legte er dem Gericht eine Rechnung über 35 M. vor, welche Summe er in Bingen für Uebernachten und Beköstigung aus­gegeben habe. Es wurde ihm die geforderte

einen Prozeß anzufangen? Da bist du auf dem Holzweg. Ich hab' noch gute Freunde, die mir das nöthige Geld gern geben."

„Na ja, so nimm's nur und streng den Prozeß gegen mich an."

Jobst zog die Brauen zusammen. Die Ruhe der Schwägerin ärgerte ihn um so mehr, als er seiner Sache gewiß war.

„Was soll die Komödie?" rief er barsch. „Du weißt recht gut, daß Du verlieren wirst."

„Das weiß ich allerdings," tönte es ruhig vom Ofen her. „Ich weiß aber noch etwas, und dieses etwas verleiht mir eben meine Sicherheit. Du wirst keinen Prozeß gegen mich führen."

„Himmelmohrenelement!" schrie Jobst, vom Stuhle aufspringend, „und ich werde es doch thun! So weit geht Deine Macht nicht, mir zu wehren, mein gutes Recht zu suchen."

„Doch," antwortete die Klosterbäuerin in eisig- kaltem Ton, während sie so höhnisch auf Jobst blickte, daß dieser die Hände drohend ballte. „Komm nur an!" rief Frieda furchtlos. „Ich fürchte mich nicht vor Dir, Du . . . Giftmischer!"

Jobst knickte zusammen, als hätte er von un­sichtbarer Hand einen Schlag erhalten. Scheu hing sein Blick an der Schwägerin, die jetzt langsam auf ihn zukam.

„Den Gifttrank, den Du mir danials brautest, — weißt, nach dem Auftritt, den Du zwischen Deinem Bruder und mir heranfbeschworst, — hab' ich sorgsam bewahrt. Er wird meine Ant­wort auf Deinen Prozeß sein."