K l i n g e l h ö f f e r und dessen Ehegattin Anna, geb. Eulner. Der Jubilar, früher ein Bewohner unserer Stadt, jetzt in Darulstadt, ist einer der wenigen noch lebenden kurhessischen Beamten, deren Widerstand gegen den Hassenpflug'schen Verfassungsumsturz durch Bundes-Execution — 25 Mann Strafeinquartierung — gebrochen werden sollte. (Tgbl.)
Caffel, 24. Mai. Während der Psingstfeier- tage ist in den hier einmündenden und durchfahrenden Personenzügen eine große Anzahl Schirme, Stöcke, Koffer, Reisedecken, Portemonnaies mit Inhalt und mehrere werthvolle Ringe gefunden und an das hiesige Fundbureau durch die Zugführer abgeliefert worden.
Dassel, 25 Mai. Gestern ist unsere Artillerie zu den Schießübungen bei Griesheim ausgerückt.
Fulda, 23. Mai. Gestern hat der Blitz in Hofbieber und Böckels eingeschlagen; im ersteren Orte sind 4 Wohnhäuser mit Nebengebäuden abgebrannt, auch soll ziemlich viel Vieh mit verbrannt sein. Näheres ist noch nicht bekannt.
Hanau, 25. Mai. Am Dienstag Nachmittag büßte ein Passagier 4. Klasse des um 5 Uhr von Gelnhausen nach hier abgehenden Zuges auf gräßliche Art sein Leben ein. Der Betreffende, der in Elm ein gestiegen war, begab sich, wie der „G.A." meldet, nachdem der Zug die Station Gelnhausen verlassen hatte, auf die Plattform des 4. Klasse-Wagens, stürzte wahrscheinlich in Folge eines Schwindelanfalls, von dem in vollem Dampf dahinsausenden Zug und war sofort eine Leiche. Die Frau des Verunglückten stand daneben und mußte das schreckliche Ende ihres Mannes mit ansehen.
Vermischtes.
— In Sömmerda ereignete sich am Pfingst- Sonntag ein bedauerlicher Unglücksfall: Der 10 Jahre alte Sohn eines dortigen Werkmeisters spielte in der Wohnstube mit einem Teschin. Dieses entlud sich. Die Kugel flog gegen ein Fensterbrett, prallte ab und traf die in der Nähe stehende Mutter in das linke Auge, welches sofort auslief. Auch das rechte ist stark gefährdet.
— Essen, 23. Mai. Auf Ersuchen der Hamburger Kriminalbehörde wurden heute sorgen auf dem hiesigen Schlachthofe mehrere Viehhändler aus Anlaß des Haniburger Billetschwindels verhaftet.
— Spandau, 23. Mai. In einem hiesigen Vergnügungslokale, der neuen Welt, gaben zwei Seiltänzer Vorstellungen auf dem hohen Seile; einer verlor das Gleichgewicht und stürzte so unglücklich, daß er über das ausgespannte Sicher- Heitsnetz hinaus und einem kleinen Knaben von zehn Jahren mit solcher Wucht aus den Kopf fiel, daß dieser nach zehn Minuten starb. Der Seiltänzer war nur leicht verletzt.
— (Zur Warnung.) Ein Diestmädchen erhielt von einer Herrschaft in Frankfurt, an die es empfohlen worden war, das Reisegeld geschickt. Da es einen Theil desselben aufbrauchte, so sandte man ihm nochmals Geld, bemi nach der Empfehlung sollte das Mädchen „treu wie Gold und unschätzbar" sein. Endlich kam die längst Erwartete, trat ihre Stelle an, gab aber schon nach 3 Wochen den Dienst heimlich auf und nahm sich die Mittel zur Heimreise aus dem Vermögen ihrer Herrschaft. Man wollte das Mädchen nicht unglücklich machen und schlug einen anderen Weg ein, um sich schadlos zu halten. Die Familie, welche das Mädchen als „treu wie Gold" empfohlen hatte, wurde auf Schadenersatz verklagt und vom Amtsgericht nach er- hobenem Beweisverfahren dem Antrag gemäß und in die Kosten verurtheilt.
— S t. Johann, 19. Mai. Wie schon gemeldet, ist das große Loos der preußischen Lotterie in die Saarbrücker Kollekte gefallen. Den Löwenantheil davon erhielt der Bahnhofsrestaurateur Müller, der eine Hälfte des Looses spielte. Herr Müller hat den Betrieb der Bahnhofswirthschaft sofort gekündigt, so daß diese am 1. Juli ich andere Hände übergeht. Die andere Hälfte spielten 12 (nicht 17) Wirthe und Geschäftsleute aus Saarbrücken, St. Johann und Umgegend.
— Freudig überrascht wurde, wie die „Solinger Ztg." berichtet, ein dort an der Ziegelstraße wohnender Miether. Derselbe überbrachte wie gewöhnlich dem Hausherrn pünktlich den fälligen Miethzins. Als ihm der Hausherr die Quittung überreichte, schob er dem Miether das Geld wieder zu und sagte: „He haad Ihr ühr Gaild weder, Ihr haad fanfontwengdig Johr bei us gewannt onn oech emmer net grauten onn pöntlich de Paite betallt. Ech schenk öch dat Gaild. Win wöllen hopen, dat wir noch fanfontwengdig Johr gering benein blieven, dann füllt Ihr dat ganze Jahr geschenkt kriegen." Man kann sich die Freude der Leute denken. Das Vorkommniß — selten in unserer materiellen Zeit — ehrt Vermiether und Miether.
— St. Jngbert, 24. Mai. Gestern Abend 6 Uhr fand eine Explosion in der Pulverfabrik statt. Sieben Personen wurden getödtet, viele andere wurden schwer verletzt.
— Magdeburg. Gestern wurden hier der Agent Fritz Erbe und die Schneiderin Dorothea Buutrock aus Holzminden, welche Ende 1891 die stellensuchende Emma Kasten aus Hannover im Neuhaldenslebener Forste ermordet haben, durch den Scharfrichter Reindel enthauptet.
— Athen, 23. Mai. Heue Abend fand abermals ein heftiger Erdstoß statt. In Folge des gestrigen Erdbebens sind in Theben und anderen Orten Thessaliens viele Häuser einge- stürzt.
— Kasan, 23. Mai. Hier gerieth gestern auf der Wolga inmitten einer größeren Anzahl dort versammelter Petroleumbarken eine leere Barke und eine solche mit ungefähr 30 000 Pud Petroleum in Brand. Es gelang, das Feuer zu lokalisiren, Menschen sind bei dem Brande nicht umgekommen.
-- Chicago, 24. Mai. Der Geheimpolizei der Ausstellung ist es am Sonntag gelungen, einen der schweizerischen Abtheilung für Uhren und Geschmeide zugedachten Diebstahl rechtzeitig zu verhindern. Die Diebe hatten bereits unterhalb des Fußbodens des Ausstellungsraumes die Durchbrechung desselben begonnen, als die Vereitelung des Anschlags gelang. Eine Kollektion von Uhren und Geschmeide waren der Gefahr zunächst ausgefetzt. Von den Thätern fehlt jede Spur.
— Bombay. Die Regierung hat einen interessanten Bericht über die in Indien ausgeübten Vergiftungen veröffentlicht. Der unkriegerische Hindu hat es von jeher vorgezogen, seinen Feind durch Gift aus der Welt zu schaffen, und der Giftmischer von Beruf spielt in dem Lande noch heutzutage eine große Rolle. Gewöhnlich ist eine unbekannte Frau, die sich in mysteriöser Weise im Hause des auserlesenen Opfers einstellt und demselben Zucker oder in Zucker eingemachte Früchte zur Vertheilung an Freunde oder Kinder überreicht und darauf verschwindet. Die von ihr überbrachten Gaben enthalten Arsenik. Das Opfer stirbt plötzlich und muß in einem Klima, wie dem von Indien, schnell begraben werden. Die Entdeckung des Uebelthäters ist gewöhnlich unmöglich.
— Von TriNkschalen aus menschlichen Schädeln im Hwterlande von Togo erzählt Lieutenant Herold in den „Mittheilungen aus den deutschen Schutzgebieten." Darin heißt eS: Die Schädel erschlagener Feinde werden zum Schmuck der KriegStrommeln benutzt, an welchen ste ringsherum befestigt werden. Was den Unterkiefer betrifft, so herrscht allgemein der Glaube, daß Gott jedem Menschen nach dem Tode den Unterkiefer abnimmt, welcher als Ansatz zu Formung eines neuen Menschen dient. Daher gilt es ihnen als größte Schmach, wenn ein Todter ohne Kopf, bez. ohne Unterliefet vor Gott treten muß. Aus diesem Grunde hängen die Jäger die Unter tiefer des erlegten Wilde« als Trophäe in ihren Hütten auf. Noch auS einem anderen Grunde ist eine Liebhaberei für Menschenschädel in einigen Landschaften vorhanden. In Nkonya im Otschi Sprachgebiet wird zu Wurupong (Gbome) dem Hauptfetisch Sia geopfert. Demselben muß j-bes Jahr eine neue, aus einem Menschenschädel gefertigte Trinkschale geopfert werden, weil er auS einer gewöhnlichen Kürbisschale nicht zu trinken Pflegt. Naturgemäß wird nun Jeder, welcher eine solche Trinkschale bringt, als ein befoimrä tapferer Mann angesehen, weil er einen Menschen erschlag-m hat. Da die Opfer unter den Ange- höiigl'n desselben Stammes nicht gesucht werden dürfen, hält man sich an Personen aus entsernten Stämmen, namentlich einsam Versprengte. Der Mord wird dadurch verlockend, daß daS Eigenthum des Ermordenden dem Mörder gehört, welcher am Schlüsse der großen Regenzeit, gelegentlich des Feste« deS großen Sia, bei welchem die zwei großen Fetischtrommeln geschlagen werden, die Ehre genießt, mitzutanzen. Derartige Morde weiden sehr geheim auSgeführt, erklären aber zur Genüge das Verschwinden von einzelnen Händlern in diesen Gegenden. In der Landschaft Nkonya bringt man die so entstandenen Trinkschalen dem Fetisch Kompi zu Bckanase. Die nämlichen Gebräuche sind bei den Crobos auf dem rechten (englischen) Volta Ufer vorhanden. Eine solche Trinkschale von einem festgenommenen Agosso hat Lieutenant Herold dem Berliner Museum für Völkerkunde gesandt.
— (Modernes Dienstmädchen.) Frau: „Nun also, Sie sind bei mir ausgenommen. Wie ruft man, wenn man Sie braucht?" — Dienstmädchen : „Rufens ganz einfach Fräulein Meyer!"
— Ein etwas angeheiterter junger Mann tritt in ein Weißwaarengeschäft, bläst der Verkäuferin eine Rauchwolke aus seiner Cigarre in's Gesicht und verlangt eine blaue Kravatte, die zu feinen Augen passe. Die Verkäuferin ent- gegnet: „Diese Farbe führen wir nicht, aber ich kaun Ihnen eine rothe Kravatte geben, die zu Ihrer Nase paßt."
— (A u ch eine Beruhigung.) Der Kammerdiener Johann ist sternhagelbetrunken. „Unglücklicher" sagt ihm sein Herr, „wenn man dich in diesem Zustande auf der Straße findet!" — „Herr Graf können ganz beruhigt sein; ich trage immer Ihre Visitenkarte bei mir!"
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Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst Sonntag den 28. Mai Vormittags: Herr Pfarrer H o S b a ch. Nachmittags: Herr Pfarrer S chafft. AbendgottesÜienst Mittwoch den 31. d. M. Herr Pfarrer S chafft.
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