theil der allgemeinen gleichen zweijährigen Dienstzeit bei den Fußtruppen, daß künftig jeder Zweifel über die Dauer der Dienstzeit des einzelnen Fußsoldaten, ob er zu den Dispositionsurlaubern gehören wird oder nicht, wegfällt, daß Eltern, Arbeitgeber, wie die Söhne selbst im Voraus wissen: Nach zwei Jahren ist der Dienst zu Ende.
Die Mehrkosten von etwa 55 Millionen, welche diese Aenderung jährlich verursacht, sind leichter zu tragen als der jetzige wirthschaftliche Stillstand. Das durch vermehrte Heeresmacht gehobene Bewußtsein der eigenen Kraft wird Vertrauen und Unternehmungsgeist wecken und damit trotz vermehrter Steuern dem Niedergang der Geschäfte ein Ende machen.
Wird die Regierungsvorlage vom neuen Reichstage nicht bewilligt, so gehen wir einem Zwiespalt, vielleicht innern Kämpfen entgegen, die unseren Feinden Hoffnung erwecken und die Lage verschlechtern müssen. Jedenfalls wäre der dadurch hervorgerufene Schaden vielmal größer als die Summe, welche die Regierung zur Vermehrung der Wehrkraft fordert.
Arbeit, Handwerk, Gewerbe und Handel können nur gedeihen, wenn wir so stark als möglich gerüstet sind und deshalb keinen Krieg zu fürchten haben. Wer Sicherung des Vaterlandes, Verjüngung des Heeres, Wiederkehr des Vertrauens und schnelle Beendigung des wirthschastlichen Stillstandes will, gebe deshalb nur einem Manne seine Stimme, der die Militairvorlage zu bewilligen verspricht.
Politische Nachrichten.
In Potsdam fand am Pfingstmontag das herkömmliche Stift ungsfe st des Lehr- Infanterie-Bataillons in der üblichen Weise statt. Der Feierlichkeit wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz und die vier älteren kaiserlichen Prinzen, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, der Erbprinz von Meiningen und verschiedene andere Fürstlichkeiten, ferner die Generalität und die sämmtlichen Militairbevoll- mächtigten bei. Bei der Festmahlzeit der Mannschaften in den Colonnaden brächte der Kaiser einen Trinkspruch auf die Armee aus, welchen General Edler v. d. Planitz mit einem Toast auf Se. Majestät erwiderte. .Nachmittags 5 Uhr fand im Muschelsaale des Neuen Palais Festtafel zu etwa 150 Gedecken statt.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die von verschiedenen Blättern gebrachte Nachricht, daß Seine Majestät der Kaiser Sich als Bundesfeldherr kurz vor den Wahlen in einer besonderen Kundgebung an das deutsche Volk wenden werde, entbehrt der Begründung. Der Gedanke an die Möglichkeit eines solchen Schritts mag daher entstanden sein, daß Art. 63 der Reichsverfassung dem Kaiser schwere und verantwortliche Pflichten
auferlegt, deren Erfüllbarkeit ohne die Gewährung der unumgänglich nöthigen Mittel in Frage gestellt ist; nachdem aber Seine Majestät Sich wiederholt und mit voller Klarheit über die geplante Heeresverstärkung ausgesprochen hat, kann die Nation über die an Allerhöchster Stelle bestehende Auffassung nicht im Zweifel fein.
In welcher Weise sich die französische Presse die Lage in Deutschland zurecht zu legen nicht aufhört, läßt ein Artikel des „F i g a r o" vom 20. Mai erkennen. In demselben glaubt Herr Jacques St. Cvre offenbaren zu können, daß die deutschen Dinge und speziell der Kampf um die Militairvorlage nicht allein einen antigouver- nementalen, sondern auch einen antikaiserlichen Charakter annähmen. Kaiser Wilhelm II. täusche sich, wenn er glaube, sein Volk werbe — wie seiner Zeit gegenüber feinem Großvater — nach- geben. In den alten preußischen Landestheilen gäbe es allerdings noch eine wirkliche Anhänglichkeit an den Souverain, im übrigen Theil von Deutschland aber wolle man nicht Gefahr laufen, in neue Abenteuer verwickelt zu werden. Zum Beweise für diese Behauptung, bei welcher der Wunsch als der Vater des Gedankens zu gelten hat, werden die im Uebrigen nicht einmal richtig abgelesenen Abstimmungen der Rheinländer, der Bayern, der Württemberger und Badenser in der Militairfrage herangezogen. — Hier träten zum ersten Male seit 1870 ernste Symptome, wenn nicht von Separatismus, doch von Unzufriedenheit gegen die Hegemonie Preußens zu Tage.
Es dürfte genügen, von Neuem darauf hingewiesen zu haben, welcher Art das Interesse ist, das man jenseits der Vogesen an dem deutschen Wahlkampf nimmt.
Der französische Botschafter am Berliner Hofe, Herbette, hat, wie eine Meldung des „Reichsanzeigers" besagt, seinen Posten auf kurze Zeit verlassen und sich nach Paris begeben. Vielleicht geht man in der Annahme nicht fehl, daß diese Pariser Reise des genannten Diplomaten mit der bekannten Affaire Herbette - Baumbach in Verbindung steht, da es Herr Herbette für nothwendig zu erachten scheint, über diese so viel erörterte Angelegenheit persönlich an maßgebender Stelle in Paris Bericht zu erstatten.
Einer Meldung von „Wolff's Tel.-B." vom 18. Mai aus Kapstadt zufolge, ergiebt ein genauerer Bericht des Hauptmanns v. Fran- cois, daß bei der Erstürmung von Hornkrantz von der Besatzung 50 Mann getödtet und 100 Mann verwundet worden sind. Witboi, zu größeren militairischen Unternehmungen unfähig, ist nach Westen geflohen.
Z w e i i n t c r e s s a n t e p o l i t i s ch e P f i n g st - reden, beide am Sonntag gehalten, werden aus Frankreich gemeldet. In Bordeaux sprach der frühere Ministerpräsident Goblet auf einem ihm zu Ehren veranstalteten Banket. Die Rede Goblet's betonte die militairische Wieder- kräftigung Frankreichs und wandte sich dann dem
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französisch-russischen Verhältnisse zu. Offen bedauerte hierbei Goblet, daß dasselbe noch immer zu keinem festen Bündnisse geführt habe, Frankreich könne daher dem Dreibünde nichts als einen Austausch von Sympathiekundgebungen mit Rußland entgegensetzen. Nach dieser deutlichen chauvinistischen Anzapfung Rußlands erging sich der als Anhänger des Revanche-Gedankens ja bekannte Redner und Ex-Minister in allerlei Klagen über die Frankreich in Asien, Afrika u. s. w. entgegenstehenden feindlichen Einflüsse, wodurch die Actionskraft Frankreichs nur zu häufig gelähmt würde. Schließlich ertheilte Goblet den Opportunisten eine scharfe Absage. Von anderem Zuschnitte war die Rede, welche der Ministerpräsident Dupuy am gleichen Tage auf einem Banket zu Toulouse hielt. In ihr entwickelte Dupuy ein förmliches Programm für die nächsten Wahlen, mit patriotischen „Schlagern" geschickt verziert; bemerkens- werth ist, daß Dupuy den Papst wegen seiner Stellungnahme zu Gunsten der Republik unverkennbar feierte. Die Rede fand lebhaften Beifall.
Aus Provinz und Nachbargebiet.
H e r s f e l d , den 24. Mai 1893.
* Nach einer Mittheilung der Kaiserlich Russischen Postverwaltung werden durch ein am 1./13. Juni in Rußland in Kraft tretendes Zollgesetz russisch e C r e d i t b i l l e t s (Rubel- noten rc.) sowohl bei der Einfuhr wie bei der Ausfuhr den zollpflichtigen Gegenständen b e i g e z ä h l t, und dürfen daher mit Bezug auf Artikel 16 des Weltpostvertrages, welcher die Einlegung zollpflichtiger Gegenstände in gewöhnliche oder eingeschriebene Briefpostsendungen verbietet, vom genannten Zeitpunkte ab in gewöhnlichen oder eingeschriebenen Briefpostsendungen nach oder aus Rußland nicht mehr versendet werden. Die russischen Behörden werden in den Fällen, wo in derartigen Sendungen bei der Ankunft oder beim Abgänge das Vorhandensein russischer Creditbillets festgestellt wird, 25 Prozent von der vorgefundenen Summe als Strafe einbehalten. Auf die Versendung von russischen Creditbillets in Briefen mit Werthaugabe bezieht sich obige Mittheilung n i ch t.
* Mit den wärmeren Tagen stellt sich zugleich der Mücken- und Fliegen schwärm wieder ein; da dürfte es an der Zeit sein, darauf aufmerksam zu machen, daß Fleischreste, Blut, todte Thiere 20 gut verwahrt resp, gut verscharrt werden. Durch diese Maßregel ist den gefährlichen Blutvergiftungen vorzubeugen.
* Ein über ein wucherisches Darlehnsgeschäft ausgestellter Wechsel kann, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Civilsenats, vom 1. März 1893, vom Wucherer überhaupt nicht, auch nicht in Höhe der von ihm thatsächlich gewährten Darlehns- summe, eingeklagt werden; der Wucherer kann nur die von ihm hingegebene Darlehnssumme auf Grund des thatsächlichen Sachverhalts zu- rückfordern.
Donnerstag den 25. Mai 1893 Nachmittags von 1 Uhr an sollen in der Diebner’fdjen Wirthschaft in HeimSokdshausen
1 Dreschmaschine, 3 Fuder Rotsnenstroh, $ Fuder Heu, 1 Futtermaschine, 1 Ackerpflug, 1 Webstuhl, mehrere Hühner, 1 steinerner Viehtrog, 2 Paar Dungleitern und mehrere Haus- und Wirthschastsgerüthe
öffentlich meistbietend und gegen sofortige Zahlung versteigert werden.
Friedewald, den 23. Mai 1893.
Peirse,
Gerichtsvollzieher.
SchmrMißn Spitz
entlaufen.
Gegen Belohnung abzugeben bei
Wagner, Alohrbach.
Anzeige.
Wegen Neubau der hiesiPN Werrabrücke ist dieselbe von nächstem Mittwoch den 28. d. Mts. an bis auf Weiteres gesperrt und für den Verkehr geschloffen.
Dankmarshanfen, den 19. Mai 1893.
Der HeMeindevorstand
Zimmmnann.
Montag den 29. d. Mts.
Vormittags 10 Uhr
soll in der Wohnung des Unterzeichneten eine ca. SjäbttcK
braune Stute öffentlich meistbietend und gegen gleich baare Zahlung verkauft werden.
Mühlbach, den 23. Mai 1893.
Der Bürgermeister
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