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und Reisig benutzten Raum entstanden. Die Feuerwehr war rasch zur Stelle, und es gelang ihr, trotz des sehr bedenklichen Wassermangels, das Feuer auf seinen Heerd zu beschränken. Der gesammte Dachstuhl ist aus- und abgebrannt. Die ganze Nacht hindurch war eine starke Feuer­wache mit den nöthigen Löschgeräthen zur Stelle, da das Feuer immer aufs Neue wieder auf- flackerte und größere Dimensionen anzunehmen drohte.

* Hersfeld, 17. Mai. Zur Herbeiführung eines einheitlichen Verfahrens hat, wie die „Voss. Ztg." mittheilt, der Justizminister durch eine allgemeine Verfügung vom 8. d. M. bestimmt, daß für die in Mahnfachen ergehenden Zah­lungsbefehle, sofern nicht der Antragsteller die Entwürfe dazu überreicht, S ch r e i b ge­bühren nach Maßgabe des Gerichtskostengesetzes zu erheben sind.

* Hersfeld, 17. Mai. Eine für Eisenbahn­reisende interessante Entscheidung ist kürzlich in Hamburg in der Berufungsinstanz bestätigt worden.

Ein Schneidermeister fuhr nach dem dortigen Berliner Bahnhof und übergab einem Koffer- träger seine beiden Koffer, während er sich selbst ein Billet löste. Inzwischen war ein Koffer im Gedränge verschwunden. Der Reisende verklagte den Träger auf 80 Mark Entschädigung, aber die Gerichte wiesen die Klage ab. Die Ueber- wachung des Gepäcks bis zur Einlieferung an die Erpedition sei Sache der Reisenden.

Caffel, 16. Mai. Ein recht bedauerlicher Un­glücksfall hat sich gestern Abend gegen * /.28 Uhr beim Baden in der Fulda zugetragen. Der in einer hiesigen Conditorei und Vackwaarenhandlung angestellte Gehilfe E r m i s ch war um diese Zeit mit einem Freund zum Baden auf den sog. Damm gegangen. Unvorfichtigerweise war derselbe über die abgesteckte Grenze hinausgegangen, als ihn plötzlich eine Ohnmacht befiel und er in den Wellen verschwand. Alle sofort von den in der Nähe befindlichen Personen angestellten Rettungsver­suche blieben erfolglos. Erst nach längerer Zeit wurde der junge Mensch als Leiche aus dem Wasser gezogen.

Caffel, 15. Mai. Heute in der Frühe machte ein seit einigen Jahren in den Ruhestand ge­tretener Hauptmann, der den Feldzug 1870/71 mitgemacht hat und Inhaber des eisernen Kreuzes war, in seiner Wohnung seinem Leben durch Er­schießen ein Ende. Derselbe war Junggeselle und lebte in guten Vermögensverhältnissen. Ueber die Motive des Selbstmordes verlautet nichts.

Caffel, 13. Mai. AW Mittwoch den 24. d. M. wird im großen Sitzungssaals des König­lichen Konsistoriums hierselbst eine Besprechung der hessischen Geistlichen über die seelsorgerische Behandlung der Gefangenen und der aus dem Gefängniß Entlassenen stattfinden. Die unter dem Vorsitz des Herrn Generalsuperintendenten Lohr abgehaltene Besprechung wird ein Vortrag des Geistlichen von der Strafanstalt zu Wehl- heiden Herr Pastor Dormann über „die Pflicht der Kirche an den Gefangenen" einleiten.

Caffel, 14. Mai. Der Vorstand des Deutsch­freisinnigen Wahlvereins hierselbst hat gestern Abend eine Sitzung abgehalten, in welcher, wie, die „H. M." vernimmt, beschlossen worden ist, für den Wahlkreis Cassel-Melsungen einen eigenen Kandidaten aufzustellen, der gegen die Militär­vorlage verpflichtet werden soll. Der Vorstand des freisinnigen Wahlvereins hat mit diesem Beschlusse sich gleichzeitig für den Anschluß an die Richter - Paper'sche freisinnige Volkspartei ausgesprochen.

Cschwege, 15. Mai. Eine gestern in B e b r a stattgehabte, von etwa vierzig Vertrauensmännern der freiconservativen und der national- liberalen Partei des Wahlkreises Esch - wege-Witzenhausen-Schmalkalden besuchte Versammlung einigte sich dahin, für die bevorstehende Reichstagswahl als gemeinsamen Candidaten der beiden genannten Parteien Herrn von Christen aufzustellen.

Aus Waldeck, 15. Mai Die Leiche des Fürsten Georg Victor ist heute in Arolsen ein­getroffen und in der Schloßkapelle aufgebahrt worden. Wie die „W. Z." hört, soll sie dort ausgestellt sein, die Ueberführung aber in das Erbbegräbniß nach Rhoden erst am Dienstag nach Pfingsten von der Stadtkirche aus, wo die Leichen­feier stattfinden soll, geschehen.

Vermischtes.

— Gießen, 12. Mai. Hier versuchten zwei Studenten einen Zug der oberhessischen

Eisenbahn dadurch zum Entgleisen zu bringen, daß sie einen Baumpfahl auf die Schienen warfen. Der Zug fuhr über das Hinderniß hinweg. Die bald ermittelten Thäter mürben verhaftet; der Eine machte im Gefängniß einen Selbstmordver­such, indem er sich mit einer Glasscherbe die Puls­ader durchschnitt. Er wurde in die Klinik ver­bracht, wo er unter strenger Beobachtung steht.

— Berlin, 15. Mai. Ein scheußliches Verbrechen, ein Lustmord, ist am Sonntag Nachmittag gegen 4 Uhr in Charlottenburg an einem noch nicht sechs Jahre alten Knaben ver­übt worden. Hinter den Sandbergen, unmittelbar am Schützenhause, auf dem sogenannten Gardes du Korps-Reitplatze, sah ein Arbeiter einen jungen Menschen, der sich mit einem Knaben zu schaffen machte und ihn hinter ein Gebüsch zog. Als der Zeuge sich näherte, sprang der ihm unbekannte junge Mann in großen Sätzen davon. Bei näherer Besichtigung fand der Arbeiter den Knaben als Leiche vor; er war erwürgt, durch Faustschläge in das Gesicht arg zugerichtet und außerdem in einer hier nicht anzudeutenden entsetzlichen Weile verstümmelt worden. Der Polizei gelang es bald, den Mörder in der Person des am 28. Septem­ber 1866 zu Velitz geborenen Barbiergehilfen Ernst K a p p l e r dingfest zn machen. Er war bis zum 10. d. Mts. in Neu-Weißensee bei dem Barbier Haunig beschäftigt und scheint sich seit­dem umhergetrieben zu haben. In dem Opfer- ist der im September 1887 geborene Knabe Erich K l i n g e r festgestellt worden.

— Leipzig, 14. Mai. In der vergangenen Nacht erschoß sich am Schwanenteiche, unzweifel­haft wegen geschäftlicher Nothlage, der aus Walters­hausen in Thüringen gebürtige Kaufmann Ort- mann. Nachdem der erste Schuß fehlgegangen, traf der zweite so gut das Herz, daß der Tod sofort eintrat.

— Wandsbeck, 16. Mai. Dem „Hamb. Korr." wird gemeldet: In dem holsteinischen Orte Schiffbek ist ein Arbeiter unter choleraver- dächtigen Erscheinungen erkrankt und gestern verstorben. Zur Untersuchung des Falles weilten der Vertreter des königlichen Landraths Dr. Bremer und Kreisphysikus Dr. Hunuius dort. 12 Arbeitsgenossen, die mit dem Ver­storbenen zusammen gewohnt haben, sind sofort in die Jsolirbaracke übergeführt. Die umfassendsten Sicherheitsmaßregeln sind angeordnet worden.

— Paris, 15. Mai. Nach einer Meldung aus Sedan hat daselbst in einer Tuchfabrik eine Dampfkeffelexplosion stattgefunden, durch welche ein Theil der Gebäude zerstört und zahlreiche Personen getödtet und verwundet wurden.

— London, 15. Mai. Der „Times" zu­folge würde die Trockenheit der letzten 11 Wochen den vollständigen Ruin verschiedener Landwirthe herbeiführen.

— Chicago, 15. Mai. Die Nachricht, daß die Anarchisten beabsichtigen, die Ausstellung in Brand zu stecken, bestätigt sich. Es wurde bei mehreren verdächtigen Anarchisten Haussuchung vorgenommen, es wurden dabei Briefe gefunden, aus denen hervorgeht, daß die Zerstörung der Wasserleitungen geplant war, um die Löscharbeiten bei einem eventuellen Brande zn verhindern.

— Titusville (Pennsylvanien). Ein hiesiger Bürger tödtete sich vor einigen Tagen, weil er der melancholischen Ueberzeugung war, fein eigener Großvater zu sein. Er hinterließ einen Brief folgenden Inhalts: „Ich heirathete eine Wittwe, die eine erwachsene Tochter hatte. Mein Vater besuchte uns sehr oft, verliebte sich in meine Stieftochter und heirathete sie. So wurde mein Vater mein Schwiegersohn, und meine Stieftochter meine Mutter, weil sie meines Vaters Frau war. Nach einem Jahre besam meine Frau einen Sohn; dieser wurde somit meines Vaters Schwager und mein Onkel, denn er war der Bruder meiner Stiefmutter. Meines Vaters Frau — d. h. meine Stieftochter — besam auch einen Sohn. Er war natürlich mein Bruder und gleichzeitig mein Enkel, benn er war der Sohn meiner Tochter. Meine Frau war nun meine Großmutter, denn sie war meiner Mutter (Stiefmutter) — Mutter. Ich war also meiner Frau Mann und gleichzeitig ihr Enkelkind. Da nun der Mann der Großmutter — Groß­vater heißt — war ich mein eigener Großvater."

— (Gute Folgen e i n es schlechten Witzes.) Eine empfindliche Strafe erlitt dieser Tage ein Berliner Bauführer für einen schlechten Scherz. Er sah vor sich seine Braut, die ihre Geldtasche in der Hand hielt, entriß ihr von hinten das Portemonnai und lief damit fort.

Die junge Dame rief verzweifelt: „Haltet den Dieb", Vorübergehende verfolgten den Flüchtigen und holten ihn ein. Als die anscheinend Be- flohlene herbeikam und in dem „Dieb" ihren Bräutigam erkannte, hatte dieser — bereits eine gewaltige Tracht Schläge erhalten! Man wird wenig Mitleid verspüren!

— Ein Prahler erwähnte in einer Ge­sellschaft eines Streites mit seinem Nachbar und erzählte: „Ich warf den unverschämten Kerl die Treppe hinunter, daß er den Hals brach, nun geht der Schuft hin und verklagt mich."

— (Auch ein Beweis.) A.: „Sie haben kein Vertrauen zu dem Doktor Fischer?" — B. (Schnapsfabrikant): „Nein, denn wie er mich das letzte Mal behandelte, hat er mir meinen eigenen Magenbitter verordnet, — das ist mir Beweis genug, daß er nichts versteht!"

* ** Schützet alle nützlichen Vögel!

Es ist sehr zu beklagen, daß sich unsere einheimischen Vögel, insonderheit die kleinen Insektenfresser sehr vermindern. Die Ursache liegt einmal in der fortschreitenden Cultur. Sümpfe und Teiche werden trocken gelegt, Wälder theilweise abgetrieben und in Ackerland verwandelt, Feldhecken, Gebüsche und Dorn­raine beseitigt.

Was soll da aus vielen Vögeln werden? Sie haben keine Brutplätze, fühlen sich heimathlos und ziehen weg. Auch bieten die kahlen Felder den Jnsektenvertilgern keinen Schutz gegen Stößer und andere Raubvögel, da sie vergeblich nach einem Baume suchen, um sich zu retten Daneben werden die Drosseln, Lerchen und Wachteln zu Tausenden gefangen, und wird die Vertilgung jagdmäßig betrieben.

Wir empören uns über die Italiener und andere Südvölker, daß sie über unsere Zugvögel herfallen und unbarmherzig er­würgen, wenn diese ermattet von der weiten Reise an ihren Küsten niederfallen, und doch sind wir oft eben solche Mörder an unsern eignen LandeSkindern. Statt mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die nützlichen Thiere als treue Freunde zu schätzen und zu schützen, werden aus Gedankenlosigkeit und Mangel an Einsicht in das Leben der Natur dieselben als Feinde verfolgt und ihre Nester muthwillig zerstört. Sind doch die Vögel des LandwirthS treueste Verbündete, da ohne ihre Unterstützung es unmöglich wäre, sich gegen die Ver­heerungen der Infekten zu schützen. Die Zahl der Vögel, die nicht nur durch ihren wunderbar schönen Gesang uns erfreuen, sondern auch wie eifrige Schutzmänner unsere Gärten, Felder und Wälder von dem verderblichen Ungeziefer säubern, ist groß. Treffliche Dienste leisten vor allem die nützlichen und liebenswürdigen Singvögel. Es sind meisten« kleine, schwache Vögel, die Wald und Gebüsch, Gärten und Felder bewohnen. Die meisten von ihnen sind Zugvögel, die im Herbste in wärmere Länder ziehen und im Frühjahr wieder- kehren. — Die Bachstelze (weiße und gelbe Ackermännchen) laufen sehr schnell an Bächen, Viehweiden und in der Furche hinter dem pflügenden Landmann und erhäschen Insekten (namentlich Schnaken und Mücken) und Würmer. Sie kommen sehr früh, oft schon int März zu uns. — Die Fliegenschnäpper nähren sich nur von Fliegen, Mücken und andern Insekten, denen sie mit großer Geduld auf einem Pfahle oder Zweige sitzend, auflauern und mit lautem Schnappen erhäschen. — Auch daS sangreiche, viel verfolgte Geschlecht der Drosseln ist durch Vertilgung von Insekten und deren Larven und Puppen sowie von Regenwürmern äußerst nützlich. Die Vertilgung der Wachholderdrossel oder Krammetsvogel wird wegen des wohlschmeckenden Fleisches sogar jagdmäßig betrieben. Die Nachtigall, die Königin unter den Sängern, das muntere Rothkelchen, und unser kleinster Vogel, der Zaunkönig, sind ebenfalls zu schonen. — Der Stieglitz oder Distelfink frißt Kletten-, Distel- und anderen Unkraut­samen. Die Meisen leben vorzugsweise von Blattläusen, Insekten, Raupen u. dgl. Die Lerchen, deren graues Ge­fieder schwer von dem Erdboden zu unterscheiden ist, erfreuen durch ihren trillernden Gesang, den sie vom frühsten Morgen bis zum späten Abend ertönen lassen, des Menschen Herz. Da sie außerdem auch Hauptinsektenvertilger sind, so ist sehr zu beklagen, wenn man sie in einigen Gegenden, besonders in Deutschland, schockweise im Garne fängt, um sie zu ver­speisen. — Größerer Schonung haben sich die Schwalben zu erfreuen. Ihr zutrauliches Wesen hat sie zum Lieblinge und Hausfreunde der Menschen gemacht. Der Bauer räumt ihnen gern ein Plätzchen zum Neste ein; auch der Städter hegt sie als liebe Nachbarin. Sie sind aber auch dieses Schutzes würdig; denn unablässig fangen sie Mücken, Fliegen und andere schädliche Insekten, um sich und ihre stet­hungrigen Jungen damit zu nähren. Sehr nützlich sind auch die Eulen, welche man leicht an dem katzenartigen Kopf und den großen Augen, die mit einem Federkranz umgeben sind, erkennt. — Vor allem ist die Schleiereule ein uner= müdlicher Vertilger der Feldmäuse, Hamster und der schäd­lichen, wurzelfressenden Wasserratten. Auch die sehr ver­breiteten und bekannten Käuze (Todenvogel) sind sehr nützlich, da sie sich hauptsächlich von Mäusen, Blindschleichen und größeren Insekten nähren. Wenn daher auf den Dörfern hier und da manche Jäger Eulen schießen und als Sieges­zeichen an das Scheuncuthor nageln, so zeigt dies von Leichtsinn und Unkenntniß. — Ein Freund der Obügärten und Forstmänner sind ferner die Spechte. ES sind dies Klettervögel, wie schon der Bau ihrer Füße verräth. Die Zehen sind mit scharfen gebogenen Krallen versehen und stehen paarweise zwei nach vorn und zwei nach hinten, wo­durch eS ihnen möglich wird, sich an dem Baume festzu- halten. Sie suchen erkrankte Bäume auf, in denen sich pflauzenfeindliche Insekten finden. Mit ihrem Hammer, dem langen, starken Schnabel und der hornartigen Zunge, die am Ende mit Wiederhäkchen besetzt ist, holen sie die unter der Rinde lebenden Käfermaden und Holzwürmer heraus und verzehren dieselben. — Der Kuckuck, der allbe­kannte Frühlingsbote, an dessen Ruf sich mancher Aberglaube anknüpft, vertilgt ganze Heere von Kerbthieren, Larven und haarigen Raupen. Da er der einzige Vogel ist, der den genannten Raupen, deren Stacheln andere Vögel scheuen, zu Leibe geht, so ist er sehr nützlich. — Möge doch die Wichtig­keit der nützlichen Vögel immer besser emgesehcn werden, und jedermann dieselben nach Kräften schützen, hegen und pflegen!