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gesehen, wie Alles in einem Lande daniederliegt, in dem der Krieg wüthet. — Und doch wäret Ihr dem Gegner ein milder Feind; im Herzen jedes Franzmannes aber lodert der glühende Wunsch nach Rache; brennend, sengend und vernichtend wird der Franzose bei uns hausen, wenn er je den deutschen Boden betritt! Er hat es schon wieder­holt offen ausgesprochen, daß er uns dann ver­nichten werde.

Besser als jeder Andere wißt Ihr, daß die Ver­mehrung unseres Heeres unbedingt nothwendig ist, um den Krieden zu bewahren und das Vaterland zu schützen!

Berathen und aufklären müßt Ihr daher unser Volk, Jeder in seinem Kreise. Euere militärische Erfahrung tragt hinein in jedes deutsche Haus!

An die Hewehre! Das ist der Ruf, auf den ein jeder Soldat auf seinen Posten eilt, wenn die Stunde des Kampfes schlägt. Er ergeht an jeden alten Soldaten, sei er Reservist, Landwehr­mann oder gehöre er dem Landstürme an!

Au die Hewehre! Der Wahlkampf beginnt.

In diesem Kampfe sei unsere Losung: allgemeine Dienstpflicht, zweijährige Dienstzeit und dadurch — gesicherter Ariede!

Unser Feldgeschrei aber laute:

An Treue fest, im Sturme treu!

Mit Gott str Kaiser und Reich!

Politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser traf am Montag Vormittag 9 Uhr in B ü ck e b u r g ein und wohnte dann mit den übrigen fürstlichen Trauergästen der Beisetzungsfeier des Fürsten Adolf Georg im Mausoleum zu Stadthagen bei. Um 7 Uhr Abends reiste der Kaiser von Bücke­burg aus nach Berlin zurück.

Am Dienstag früh 8 Uhr begab sich S e. M a j e st ä t der Kaiser vom Schlöffe aus zu Wagen zur Kaserne des 1. Garde-Dragoner­regiments in der Belle-Alliancestraße, stieg mit seiner militairischen Umgebung dort zu Pferde und wohnte sodann auf dem Exerzirplatze an der Tempelhofer Chaussee, im Beisein der resp. Vor­gesetzten und zahlreicher Generale und höherer Offiziere, der Militairbevollmächtigten rc. der Besichtigung der Bataillone des Kaiser Alexander- Garde - Grenadierregiments Nr. I bei. Nach Beendigung der Exerzitien kehrte Se. Majestät an der Spitze des Regiments zur Stadt zurück und entsprach einer Einladung des Offtzierkorps genannten Regimenrs zur Frühstückstafel nach dem Offizierkasino des Regiments.

Wie aus Mannheim gemeldet wird, hielt bei dem 20jährigen Jubiläum des Heidel­berger Militairvereins, an welchem 30 Vereine des Gauverbandes theilnahmen, der Großherzog von Baden eine Ansprache, in welcher er mit Bezug auf die gegenwärtigen

Verhältnisse ausführte, man könne Großes und | Dauerndes nur durch Selbstlosigkeit, Hingebung und Treue erreichen, man müsse darnach trachten zu erhalten, was geschaffen sei. Von hohem Werth sei die Erkenntniß der Nothwendigkeit, daß die militairische Schulung eine immer größere Ausbreitung finde. Wenn man die Selbstlosigkeit an die Stelle von Egoismus setzen würde, dann könne man getrost der Zukunft entgegensehen.

[@in Zeugniß aus Nordamerikas In Magde­burg ist am 14. ein von ungefähr 1000 Personen besuchter nationalliberaler Parteitag abgehalten, auf dem u. A. der Professor Dr. Paasche aus Marburg eine längere Rede hielt. Zu beredten Worten schilderte der Redner die Eindrücke, die er auf einer Reise durch verschiedene Länder Amerikas ge­wonnen habe: Die dort lebenden Deutschen seien erstaunt darüber, daß Leuie, die nie des KönigS Rock getragen, die erste Autorität in militärischen Fragen für sich in Anspruch nehmen wollten. Ohne starkes Heer und ohne kräftige Flotte würde unser blühender Handelsverkehr mit dem Auslande wieder aus eine niedrige Stufe zurücksinken. Das französische Volk habe trotz bergeshoher Schuldenlast seinem Kriegsminister im Frack ohne viel Aufhebens die größten Forderungen bewilligt, während wir uns monatelang vor dem Auslande blamirten und fchließlich der „Civilfeldmarschall" Eugen Richter bei unS die Oberhand behielt. Die Ausdrücke „Mili­tarismus, Reaktion, Deutschlands Armuth" seien nichts als Schlagworte. Frankreich trage eine schwerer Rüstung, und doch spreche dort Niemand von Militarismus. Das Gerede von unserer Armuth und dem großen Reichthum der Fran­zosen sei nicht« als ein Mythus. Frankreich habe beinahe 26 Milliarden Schulden, Deutschland knapp zwei Milliarden. Den Schulden Preußens stände ein ertragreicher Besitz an Domainen, Forsten, Bergwerken und Eisenbahnen in ungefähr gleicher Höhe gegenüber. Heute, wo nicht mehr die großen Recken BiSmarck und Moltke neben dem greisen Heldenkaiser den Hort deS Friedens bilden, müßten wir um so mehr im Stande sein, auf unsere eigene Kraft zu bauen und durch unsere militärische Stärke da« Erwerbsleben zu sichern. Alle Parteien sollten in solchen Fragen einmüthig zusammenstehen, statt daß man sich in Fraktion und Fraktiönchen zersplittere. „Mit Gott für Kaiser und Reich", das solle die Parole deS WahlkampsS sein.

Die That der Französlinge aus Elsaß-Lothringen, welche um die Militärvorlage zu Falle zu bringen, nach langer Abwesenheit im Reichstage erschienen, bespricht die „Straßburger Post" folgendermaßen: „Die Ablehnung der Militärvorlage durch die elsaß - lothringische Gruppe kann nur aufgefaßt werden als eine politische Kundgebung gegen den Bestand und die Sicherheit des Deutschen Reiches, als ein berechnetes und wie es scheint, leider erfolgreiches Bestreben, die Ueberlegenheit der deutschen Wehrmacht Frankreich gegenüber zu schwächen und zu hindern." — Das sagt genug!

Das vom Reichstage mit einigen Ab­änderungen angenommene Gesetz über die E r - satzvertheilung hat dieser Tage auch die Zustimmung des Bundesrathes gefunden.

Aus Deutsch- Südwest afrika kommt die Nachricht von einem W a f f e n e r f o l g e der deutschen Schutztruppe. Dieselbe erstürmte unter Führung des Hauptmanns Francois die Haupt­position des längst gegen die Deutschen aufsässigen Häuptlings Witboy, Hornkranz. Witboy hatte bei der Affaire 80 Todte und 100 Verwundete; deut­scherseits fiel der Gefreite Sokolowsky, die Soldaten Barsch und Hermann Dietrich wurden verwundet.

Der Großherzog von Hessen hat nach Beendigung seines Dresdener Aufenthaltes auch dem Wie n er Hofe einen Besuch abgestattet. Bei dieser Gelegenheit verlieh der Kaiser dem Großherzog das 14. Infanterie-Regiment, dessen Inhaber schon der Vater und der Großoheim des Großherzogs Ernst Ludwig gewesen sind.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

Hersfeld, den 17. Mai 1893.

* Die preußische Eisenbahnverwaltung hat, wie die „Deutsche Verkehrsztg." berichtet, kürzlich den Versuch gemacht, die höchste Fahrgeschwin­digkeit eines Zuges innerhalb der Grenzen eines gesicherten Betriebes festzustellen. Zu diesem Zwecke wurde unter Betheiligung einer größeren Zahl höherer Eisenbahnbeamten ein aus sieben dreiachsigen und zwei zweiachsigen Personenwagen bestehender Sonderzug vom Bahnhöfe Grunewald bei Berlin nach Schneidemühl abgelassen. Er wurde durch eine Schnellzugs-Lokomotive neuester Art befördert. Der Zug fuhr um 7 Uhr 6 Mi­nuten früh ab und traf in Schneidemühl um 11 Uhr 25 Minuten ein. Die Entfernung beträgt 346 Kilo meter; wenn man 51 Minuten für den Aufenthalt auf den Haltestellen abrechnet, wurden in der Stunde 88,34 Kilometer durchfahren, die schnellste Fahrzeit, die auf deutschen Bahnen bis­her erreicht worden ist.

* Ist Jemand zu Unrecht zu einer Steuer h e r a n g e z'o g e n und hat solche be­zahlt, die nach der bestehenden Abgabenverfassung einem Dritten oblag und von diesem hätte bezahlt werden müssen, wenn er zu derselben herangezogen wäre, so erwächst ihm aus diesen Thatsachen nach §§ 79 9 Titel 14 Theil II. Allgemeines Landrecht ein Erstattungsanspruch gegen den Dritten. Er macht damit keine Steuer­forderung des Verbandes gegen den Dritten geltend, denn der Verband wird Steuergläubiger nur durch die wirkliche „Heranziehung". Dem Dritten steht daher gegen die Erstattungsklage auch nicht der Einwand der Verjährung zu, welchen er dem Verbände gegenüber bei einer Nachforderung nach §§ 5 und 6 des Gesetzes vom 18. Juni 1840 geltend machen kann.

* Die diesjährige Frühjahrspastoralkonferenz des Konsistoriakbezirks Caffel wird am 25. Mai im evangelischen Vereinshause in Caffel statt- finden.

t Hersfeld, 17. Mai. Am Montag Nach­mittag wurde unsere Feuerwehr zwei Mal druch den Thurmwächter allarmirt. Das erste Mal war es ein Waldbrand in der Nähe des Dorfes Niederthalhausen, der ohne erheblichen Schaden verursacht zu haben, bald wieder gelöscht wurde. Das zweite Mal war jedoch die Sache ernster. In dem Gesellschaftshaus des „Vereins" in der Neustadt war auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weife Feuer ausgebrochen und im Nu stand der ganze Dachgiebel in Hellen Flammen. Der Brand ist anscheinend in dem über dem Billard­zimmer gelegenen, zur Aufbewahrung von Holz

den Bauern, ihnen gebieterisch befehlend, den Thorweg zu räumen.

„Hehe," kicherte ein kleiner Buckliger, der Schneider des Dorfes, „der Gelzhofener ist ja ihr Liebster!"

Diesen Worten folgte ein höhnisches Lachen der Bauern.

Frieda begnügte sich mit einem verächtlichen Blick, dann ging sie wieder zu Toni zurück, ihn fragend, was geschehen sei.

Erregt theilte er ihr mit, daß er friedlich nach Weiningen gekommen, aber von einigen Be­wohnern verhöhnt worden sei. Er habe mit einer gebührenden Antwort nicht zurückgehalten, dadurch sei die rasch anwachsende Menge noch gereizter geworden, ein Wort habe das andere gegeben, bis er sich schließlich mit der Faust gegen die thätlichen Angriffe zu wehren genöthigt gesehen hätte. Aus allen Häusern seien die Be­wohner herbeigestürzt.

„Mir blieb nichts übrig als die Flucht," schloß Toni athemlos. „Zum Glück war ich von Deinem Hof nicht mehr weit entfernt, sonst wär's um mich sicher geschehen gewesen."

„Es ist eine rechte Heldenthat," rief Frieda verächtlich der noch immer am Thorweg stehenden Menge zu, „au einem Einzelnen seinen Muth zu erproben. Schämt Euch und geht nach Hause."

„Die Gelzhofener haben hier bei uns nichts zu suchen," rief abermals der Schneider.

„Du schweigst ganz still," gebot die Kloster-

i Der Schultheiß verabschiedete sich, während i Marthe mit in die Seite gestemmten Armen dem Paare gehässig nachsah und vor sich hinmurmelte:

„Ei, seht mir doch, da geht etwas vor, was ich wissen muß, und sollte ich dabei verhext werden."

In der Wohnstube angelangt, sank Toni er­mattet auf einen Stuhl.

„Mein Himmel!" rief die Klosterbäuerin. „Was ist denn nur geschehen? Das dumme Volk da draußen kann Dich doch unmöglich so muthlos gemacht haben. Ich kenne dich kaum wieder. Du bist leichenblaß . . . und wahr­haftig, in Deinen Augen stehen Thränen. Toni — Toni, so sprich doch!"

Er seufzte schwer auf, dann bedeckte er schluch­zend mit den Worten die Augen: „Ach, Frieda, es ist Alles aus!"

„Sei vernünftig," drängte die Klosterbäuerin, „beruhige Dich und erzähle."

Indessen währte es noch eine geraume Weile, ehe Toni sich so weit faßte, um dem Wunsche der Geliebten zu willfahren. Ziemlich ausführ­lich berichtete er ihr den Auftritt mit dem Vater, der ihn von Haus und Hof gewiesen, so daß ihmnichts übrig geblieben war, als bei Nacht und Ne­bel dem väterlichen Heim den Rücken zu kehren.

„So haben sich also meine Befürchtungen er­füllt," sagte leise die Klosterbäuerin. „Ihr seid zwei Brauseköpfe, die in ihrer blinden Wuth nicht wissen, was sie thun." (Forts, f.)

bäuerin, „oder ich werde den Schultheiß veran- j lassen, Dich für ein paar Tage auf Wasser und , Brot zu setzen."

Furchtsam verkroch sich der Bucklige unter die murrende Menge.

„Es ist eine Schande für unser Dorf," fuhr die Klosterbäuerin fort, „daß es so schlecht das Gastrecht übt."

„Ach was," rief ein robuster Bauer, „die Gelz­hofener können uns auch nicht leiden."

„Aber sie bedrohen keinen von uns, der ihr Dorf passirt."

Jetzt erschien der weißbärtige Schultheiß, der, nachdem ihm die Klosterbäuerin die Sachlage mit­getheilt, der Sprecherin vollständig beipflichtete und der Menge befahl, sich zu vertheilen.

Mürrisch fügte sich dieselbe dem Gebote.

„Ich werde dafür sorgen," äußerte der Weiß­bart zu Toni, „daß Ihr in Zukunft unbelästigt bleibt. Redet nicht weiter drüber in Eurem Dorf davon."

Toni schüttelte den Kopf. „Ich werde kaum dahin wieder zurückkehren," sagte er dumpf vor sich hin.

Die Klosterbäuerin blickte in ängstlicher Span­nung nach ihm. Er bedeckte die Augen und ein tiefer Athemzug entrang sich seiner Brust.

Verwundert blickte der Schultheiß ihn an.

„Komm mit in die Stube," flüsterte Frieda dem Geliebten zu und wandte sich nach dem Hause.