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Dienstag den 9. Mai

1893.

Amtliches.

Hersfeld, den 6. Mai 1893.

Zur Vereinfachung des Geschäftsganges in Ein- kommensteuersachen ist mit Genehmigung des Herrn Finanzministers bestimmt worden, daß fortan bei Umzügen von Einkommensteuer­pflichtigen, welche ausschließlich mit Ein ko mmen aus Arbeitsverdienst zur Einkommensteuer veranlagt sind, die Herrn Ortsvorstände in dem Benachrichtigungs- schreiben (Muster XVI. zu Artikel 75, Absatz 4 der Ausführungsanweisung vom 5. August 1891) einen kurzen Vermerk über die wesentlichen Besteuerungsmerkmale aufzunehmen haben.

Die Bestimmung im Artikel 80 Nr. 1 Absatz 4 derselben Anweisung, wonach in der Abgangsliste die Steuerpflichtigen in derselben Ordnung auf- znnehmen sind, wie sie in der Einkommensteuer­rolle oder in der Abgangsliste aufeinander folgen, wird außer Anwendung gesetzt.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungskommission:

Freiherr von Schleinitz.

I. III. Nr. 1297.

"Hersfeld, den 4. Mai 1893.

Die Witwe des Ackermanns Peter M a u s e - Hund zu Rohrbach hat um Ertheilung eines Reisepasses für sich und ihre am 16. Dezember 1872 geborene Tochter Anna Katharina M ause- hund behufs Auswanderung nach Amerika nach­gesucht.

I. I. Nr. 2813. Der Königliche Landrath.

I. V.: ^ee gL

Nachtrag.

Im Anschluß an mein Ausschreiben vom 4. d. M.

Die Klosterbänrei«.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Siehst ja garnicht nach Kirmes aus," meinte Jobst.

Der Teufel mag ein lustiges Gesicht schneiden," gab der Bauer mürrisch zurück,wenns einem an die Nieren geht."

Was giebt's denn schon wieder?"

Was wird's geben Geldnoth. Der Henker hole das verwünschte Metall."

Jobst lachte.Ich hab' mein Lebtag kein Geld gehabt und bin doch fidel. Man muß nur Philosophie besitzen, verstehst Du, Philosophie!" Ach laß mich in Ruh' mit Deinen fremd­ländischen Worten."

Jobst rückte jetzt näher an den Bauer heran und flüsterte ihm zu:Ich hab' gute Nachricht für Dich. Der Rehbock und ein Rudel Kälber wechseln wieder drüben auf dem Grenzrevier. Ich hab' ihr Lager erkundet."

Die mürrische Miene Kellermaiers machte einer hellen Freude Platz. Gleich nachher raunte er seinem Vertrauten ängstlich zu:

Sprich leiser, der Kuhnt ist in der Nähe."

Jobit blickte sich rasch um. Nichtig, unweit des Tisches stand der fürstliche Nevierförster, in den Tanzsaal spähend.

I. Nr. P. 4338 wird noch weiter mitgetheilt, daß der unbekannte Einbrecher aus einer ver­schlossenen Büchse 4 Loose der Stettiner Pferde­lotterie und zwar die Nummern 189 757, 189 758, 189 759 und 189 762, vor deren Ankauf hiermit dringend gewarnt wird, entwendet hat. Die Ziehung dieser Loose findet am 9. b. M. in Stettin statt.

Um Fortsetzung der eingehendsten Nachforschun­gen und eventl. Nachricht wird ergebenst ersucht. Hanan, am 4. Mai 1893.

J. Nr. P. 4410. Königl. Polizei-Direktion.

Hersfeld, den 6. Mai 1893.

Wird den Ortspolizeibehörden und der Königl. Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf das Ausschreiben vom 4. d. Mts. I. 2808 (Kreisbk. Nr. 53) zur weiteren Nachforschung mitgetheilt. I. 2862. Der Königliche Landruth

I. V.: H e e g.

Nichtamtliches.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 6. Mai. In der heutigen (91.) Plenarsitzung des Reichstages wurde die zweite Berathung der Mili- tairvorlage fortgesetzt. Abg. H e l l d o r f f erklärte sich für den Antrag v. Huene, würde aber die Regierungsvorlage vorgezogen haben. Auch Fürst Bismarck habe noch 1890 eine Verstärkung des Heeres für angezeigt gehalten. Die Vor­lage sei eine nothwendige Konsequenz der Gedanken, welche Preußen groß gemacht. Nach den großen und überraschenden Erfolgen von 1864, 1866, 1870/71 hätte ganz Europa das preußische Wehrsystem nachgemacht, nur wir selbst seien in der Weiterentwickelung desselben zurückgeblieben. Die Frage der dreijährigen Dienstzeit sei zwar eine sehr wichtige Frage, be­treffs der Ausbildung der Armee, aber an sich doch kein Prinzip. Ein Prinzip sei aber die Frage der vollen Aus - nützung der VolkSkraft. Und wenn wir an diesem Stand­punkt festhalten, würde Frankreich uns nicht ferner nachfolgen

Was hat denn der auf dem Korn?" flüsterte Jobst.

Er steigt der Rest vom Holzhofe nach."

Hui! Wenn das der alte Grüninger wüßte."

Nenn' den Namen nicht," brummte Keller- maier,sonst geht mein letzter Rest von guter Laune zum Teufel." Auf einen fragenden Blick von Jobst fuhr er fort:Der Kerl hat micl) um die ganze Kirmesfreude gebracht."

Jobst wollte Näheres wissen, aber Kellermaier hüllte sich in Schweigen.

Ich werd' es Dir noch sagen. Kannst mir da vielleicht einen guten Rath geben. Es soll Dein Schaden nicht sein."

Wenn's Geld giebt," jauchzte Jobst auf,so bin ich zu allem bereit."

Ich denke, du machst Dir nichts daraus?" höhnte der Bauer.

Nur wenn ich keins hab'", lachte der Schmiede­geselle.Aber ohne Passion bin ich nicht, und ich sag' Dir hier in der Gegend wäre ein Ge­schäft zu machen, wenn man nur ein kleines Kapital besäße.'

Kellermaier blickte ihn forschend an.

Hast Du nicht auch Deine Passion?" raunte der Geselle ihm zu, während er ihn recht unsanft in die Seite stieß.Wenn schon die Wilderei ein armseliges Gewerbe ist, und die Harzkratzerei ! dazu."

können, zumal sein Bevölkerungszuwachs geringer sei, als der unserige. An dem Ernst unserer Lage dürfe doch Niemand zweifeln! Es sei daher auch sehr anzuerkennen, daß die Regierung die Schwere der Lage offen dargelcgt; daß sie aber dabei Deutschland bloßgestellt, könne er keineswegs zugeben. Der preußische StaatSgedanke, der Deutschland erst möglich gemacht, möge ja mancherlei UnliebenSwürdigeS an sich haben, aber dieser preußische Geist habe uns doch groß gemacht. Wenn Abg. Dr. Lieber die Deutung, die der Herr Reichs­kanzler beffen Worten gegeben habe, als eine Uebersetzung ins echt BiSmarck'sche bezeichnet habe, so sei doch an daS Anseben zu erinnern, welches der Name Bismarck zumal in Süd­deutschland habe. BiSmarck sei eben die Verkörperung deS Reichsgedankens, über alle Irrungen und Wirkungen und die Schwächen des Alters hinweg! Angesichts der Entrüstung deS Abg. Winterer sollte man doch auf die Nachrichten aus PariS sehen, wo Jubel geherrscht über die Meldung, daß die Militairvorlage gefährdet sei, und wo man den Elsatz-Loth­ringern, die hierher gereist, um gegen dieselbe zu stimmen, den Dank der französischen Nation ausgesprochen habe. Ver­antwortlich seien die Elsaß Lothringer für ihre Abstimmung nicht nur ihren Wählern, sondern dem deutschen Volke. Zu biefen Bundesgenossen gratulire er dem Herrn Lieber von Herzen. ES sei nicht richtig, daß Deutschland bereits für Militairzwecke überlastet sei. Die Entwicklung des FraktionS- wesens müsse mit Besorgniß erfüllen. Für daS Ueberwuchern deS Fraktionstreibens gebe es kein charakteristischeres Zeichen, alt die jetzige Haltung des EentrumS. Der Redner ent­wickelte schließlich die Grundsätze, welche die konservative Partei als die einzig richtigen und dem Wohle des ganzen Vaterlandes heilsamen, dem katholischen Theile deS Volkes gegenüber, erachtet. Abg. Graf Preyfin g rechtfertigte die Haltung des Centrums, dessen Antrag seinen Namen trägt. Abg. Frhr. v. Hornstein erklärt, auS eigener Ueberzeugung und in Uebereinstimmung mit seinen Wählern für den Antrag Huene zu stimmen. Er wolle nickt mit den Elsaß-Lothringern stimmen, die, nach Pariser Depeschen, dort verhimmelt würden. Abg. Frhr. v. Münch betonte in einer langen, von Schluß- rufen vielfach unterbrochenen Rede, daß, wenn eine politisch und militairisch brauchbare Vorlage eingebracht wäre, man zu finanziellen Opfern bereit sein könne. Darauf wird ein VertagungSantrag abgelehnt, ein Schlußantrag aber ange- n o m m e n. ES folgten persönliche Bemerkungen. Zur Ge­schäftsordnung erklärte Abg. Dr. Böckel, zugleich im Namen der Abgg. Werner und Zimmermann, daß sie gegen die Vorlage stimmen würden. Abg. P i ck e n b a ch erklärte dagegen namens feiner politischen Freunde (Heiter­keit), daß sie für den Antrag von Huene stimmen würden;

Schweig' still," unterbrach ihn Kellermaier furchtsam, sich erschreckt nach dem Revierförster umsehend, der jedoch inzwischen in dem Tanzsaal verschwunden war.

Gestern war der Lorenz bei uns in der Schmiede," erzählte Jobst.Ich gab ihm dann ein Stück Weges das Geleit und schloß Freund­schaft mit ihm. Ich sage Dir, das ist ein Hauptkerl."

Ich weiß, weiß," nickte Kellermaier,der ge- fürchtetste Pascher in der Runde."

Ein Filou," bestätigte Jobst unter Lachen, wie es kaum einen zweiten giebt. Donnerwetter, ja, der hat mir zu seinem Metier Lust gemacht. Nur ein bischen Geld zum Anfang und man kann's zum wohlhabenden Manne bringen. Aber," sagte er mehr zu sich selbst,ich werde mir schon den elenden Mammon verschaffen und zwar in kurzer Zeit."

Vielleicht kann ich Dir auch zu einem hübschen Geldverdienst verhelfen," äußerte Kellermaier, dem Genossen wohlwollend zublinzelnd.

Es entstand jetzt im Zimmer eine Bewegung und alles drängte dem Saale zu, aus dem scheltende Stimmen ertönten.

Was giebt's denn?" fragte Jobst, der sich der neugierigen Menge anschloß.

Ei," erwiderte ein Gelzhofener Bursche lachend, der Toni hat mit der Klosterbäuerin schon