den „Bund der Landwirthe" verhandelten. Herr ! Landwirth Reinhard-Unterweisenborn eröffnete die Verhandlung mit einem Hoch auf &e. Majestät den Kaiser. Darauf ergriff Herr Oberamtmann Oldenburg-Wilhelmshof das Wort und suchte die Mißstände und Nothlage der zeitigen Landwirthschaft, welche namentlich in neuerer Zeit durch verbilligte Einfuhr von Getreide und Vieh, durch Belastung seitens des Jnvalidengesetzes, durch schmindelhaftes Börsen- treiben schwer geschädigt, in einem fast stundenlangen Vortrage darzulegen. Nach ihm sprachen noch die Herren Trude-Thalhausen, Hosbach- Hof Weißenborn, H a a s e - Gethsemane in zustimmender Weise. Sämmtliche Redner fanden den Beifall der Versammlung und wurde beschlossen, sich dem „Bunde der Landwirthe" anzu- schließen und für jede Gemeinde ein Vertrauensmann bestimmt, um eine weitere Anzahl von Mitgliedern für die als dringend nothwendig gehaltene Sache zu gewinnen. Wie rührig für den „Bund der Landwirthe" im hiesigen Kreise, welcher 86 Orte und einige Höfe mit einer Landbevölkerung von 25000 Seelen hat, agitirt wird, geht daraus hervor, daß vor einigen Tagen in Niederaula eine stark besuchte Versammlung abgehalten wurde und ähnliche Zusammenkünfte auch in Hersseld, Friedewald und Heringen stattfinden sollen. (C. A. Z.)
Eschwege, 2. April. Heute Mittag wurden die meisten Bewohner in unliebsamer Weise im Mittagsessen gestört, gegen ’/4l Uhr nämlich durchtönten die Feuersignale unsere Stadt. Es brannte in dem Lagerhaus der in der Forstgasse gelegenen Flanellfabrik von Gebr. D ö r n b e r g. Binnen kurzer Zeit standen zwei Hintergebäude in hellen Flammen. Das Feuer fand an den großen Woll- und Flanellvorräthen reichliche Nahrung. Dank dem sicheren und raschen Eingreifen unserer Feuerwehr und Dank der herrschenden Windstille blieb das Feuer auf feinen Herd beschränkt. Wäre die Feuerwehr nicht sofort zur Stelle gewesen, so wäre, da an dieser Stelle sehr viele Gebäude aneinander stoßen, gewiß ein großer Brand entstanden. Der Schaden ist ziemlich bedeutend. Die Geschädigten haben selbstredend versichert. Ueber die Entstehungsursache verlautet nichts Bestimmtes. Einige nehmen an, das Feuer sei durch Selbstentzündung entstanden.
Cassel, 3. April. Als gestern Vormittag ein Radfahrer die Schlachthofstraße hergejagt kam, gerieth ein Kind unter die Räder seiner Maschine. Schwerverletzt wurde dasselbe in die in der Müllergasse befindliche elterliche Wohnung geschafft.
Cassel, 4. April. Durch große Plakate an den Litfaßsäulen wurde am ersten Festtage bekannt gemacht, daß am Sonnabend Mittag 2000 Mark in zwei Scheinen ä 1000 Mark verloren worden. Der Inhaber der hiesigen Eisenhandlung en gros Manus Katzenstein, Herr Joseph Katzenstein, hatte dieselben Sonnabend Nachmittag auf dem Wege nach der Reichsbank verloren. Alles sofort vorgenommenes Absuchen des Weges blieb erfolglos, und so erschien die Bekanntmachung, welche dem ehrlichen Finder eine Belohnung von 100 Mark zusicherte. Dem Maurerlehrling Henkel, bei Herrn Maurermeister Chr. Müller thätig, fiel in der Wörthstraße ein braunes Packetchen Papier auf, welches er aufhob, und beim Entfalten entdeckte er, daß es zwei Eintausend Markscheine waren. Er lieferte am ersten Ostertag dem Verlierer die Scheine ab und erhielt die ausgesetzte Belohnung.
Cassel, 4. April. Am ersten Festtag Mittag entstand auf der sog. Sichelbach hinter dem Herkules ein Wald brand, bei welchem eine Fläche von 162 Fuß in der Länge und 40 Fuß in der Breite trockenes Gras und Niederholz verbrannte. Mit vieler Mühe gelang es, das Feuer zu löschen, über dessen Entstehungsursache nichts bekannt geworden ist.
Cassel, 5. April. An den Ostertagen kam überall Bockbier zum Ausschank. Ein Gebräu hiervon scheint durch irgend etwas verdorben gewesen zu sein. Alle Personen, welche davon getrunken haben, sind erkrankt und haben sich erst nach einigen Stunden wieder erholen können. Dem Vernehmen nach ist eine Untersuchung eingeleitet.
Knallhütte, 31. März. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich in hiesiger Brauerei. Ein Braubursche gerieth zwischen die Transmission und wurde am folgenden Morgen mit vielfach zerbrochenen Gliedern todt aufgefunden. Man
hatte geglaubt, er wäre noch mit anderen Burschen nach Cassel gegangen.
Volkmarsen, 3. April. Am Charfreitag ereignete sich hier in Folge unvorsichtigen Hantirens mit einem Revolver wieder einmal ein Unglücksfall, das Geschoß entlud sich, während dasselbe einer neugierigen Betrachtung unterzogen wurde, plötzlich und die Kugel drang einer Frau seitwärts in den Hals, die Luft- und Speiseröhre wurde nicht berührt, doch konnte das Geschoß bis jetzt noch nicht entfernt werden, weil es sich bereits gesenkt hat.
Giehen, 3. April. Ein richtiges Gauner- i stückchen verübte ein Mensch von etwa 30 Jahren. I Er stellte sich als armer, arbeitsloser Dachdecker vor und bat, da er auf dem Dach einige Schäden entdeckt haben wollte, um Auftrag zur Reparatur. Dieser Auftrag wurde auch ertheilt, aber anstatt aufs Dach zu steigen, besah er sich die innere Einrichtung des Hauses und, da ihm gerade eine goldene Damenuhr zu Gesicht kam, so machte er sich nichts daraus, diese mitgehen zu heißen. Und für die prompte Ausführung dieser That ließ er sich auch noch für „Reparaturkosten" 85 Pf. zahlen. Bis jetzt ist der Spitzbube noch nicht ergriffen.
Stadt 4000 Häuser und Hütten durch eine Feuersbrunst zerstört; fünf Eingeborene sind dabei ums Leben gekommen und achtundzwanzig schwer verletzt worden.
— Auch aus London wird eine Feuersbrunst signalisirt. Dort brach am Sonnabend zwischen Ludgate Hill und Queen Victoria Street in der Druckerei der Firma Judd eine Feuersbrunst aus, die, wie es heißt, einen Schaden von 100,000 Lstr. verursacht haben soll. Der größere Theil der Gebäude, in denen sich die Druckerei befand, ist völlig niedergebrannt, und dreizehn benachbarte Häuser sind entweder zerstört oder ■ beschädigt worden.
— „Mit de Ehe is bet so wie mit 'ne belagerte Festung: die draußen sind, möchten jerne 'rin und die drin sind, möchten wieder raus! Ick jehöre zu de jroße Armee von 'ringefallene Ehemänner." Es war der Krankenwärter Gläsing, welcher vor dem Berliner Schöffengericht auf Grund seiner Erfahrungen im Eheleben dieses Klagelied Jeremiae anstimmte. Der Vorsitzende kannte den Mann bereits, denn er hatte ihn erst kürzlich wegen Mißhandlung seiner Ehefrau zu einer Gefängnißstrafe verurtheilt. Jetzt hatte er sich wieder wegen desselben Vergehens zu verantworten. — Vors.: Schämen Sie sich den» gar nicht, Ihre eigene Frau fortwährend zu mißhandeln? Jetzt sollen Sie dieselbe sogar mit einem Hausschlüssel geschlagen haben. Angekl.: Dafor kann ick mir leji- timiren. Präs.: WaS heißt das? Angekl.: Weil jedes Wort, wat die Frau sagt, die ick meinen ehrlichen Namen verliehen habe, 'ne auSgestunkene Liege is! Vors.: Hüten Sie sich ja, hier Beleidigungen auszustoßen. Angekl.: So Eenc kann ick ja nich beleidigen. So ville, wie die verdragen kann, kann ick ihr jar nicht aufspacken, da is et Ende von weg! Wissen Se, wat die jemacht hat, als ick ihr jeöhlicht hatte? Bors.: Um Gottes willen, erzählen Sie uns nicht wieder Ihre ganze SchmerzenSgeschichte. Die kennen wir noch so ziemlich vom letzten Male. ES ist genug, wenn Sie sagen, Sie leben nicht glücklich mit Ihrer Frau. Angekl.: Die jönne ick meinem ärgsten Feind nich. Am Tage der Hochzeit is se auSjerückt und ick babc festjestellt, daß se Amme war. Ick kann mir darüber lejitimiren, denn ick habe hier ihre Zeugnisse, wo sie als Amme jedient hat, und een Kind, da drückt man ja noch en Ooge zu, un so habe ick ihr ooch jcsagt: Emilic, schön iS et nich, aber weil Du'« bist, wollen wir'« mit'n christlichen Mantel zudecken, aber nu kommt se ooch mit Nummer zwee, wat se mir bis dahin verheimlicht hat, un denn rückt se aus und ick sitze alS Bräutijam da wie Nulpe. JS bet weiblich? N-e, tue, wir brauchen keene Schlummerköppe un ick bin.. ,. Bors, (unterbrechend): Nun dämmen Sie mal Ihren Redefluß etwas ein und kommen Sie zur Sache. Sie sind doch mit Ihrer Frau wieder zusammengegangen, weshalb halten Sie nicht Frieden mit ihr? Angekl.: De« kommt bloß von ihren Umjang, dafor kann ick mir lejitimiren. Wat rennt se denn immer zu 'ne Frau, die schon zwcemal an'n Strick je» hangen hat? Is bet anständig, wenn se sich von de jungen Kerls Honig um de Backen schmieren läßt? Aber mit so'ne Jesellschaft hält se sich uff und dator hat se von mir ’n Vergißmeinnicht jekrtegt. P'äs.: Sie sollten doch nun durch Ihre vorige Verurtheilung klug geworden sein und nicht noch einmal gegen Ihre Ehefrau, die doch wieder von Ihnen gegangen ist, gewaltthätig werden. Angekl.: Herr JerichtShof, ick denke, wir Männer müssen zusammenhallen. Wir brauchen keene Schlummerköppe! Wo sie mir zumuthet, daß ich soll in meine gebauten wahnsinnig werden, von wejen Dalldorf und so, damit se in een Jahr vielleicht wieder ecnen Anderen am Hochzeitstag ausrücken soll? Wo sie jesagt hat, sie läßt nich eher nach, als bis ich als Schaalbruder dastehe; Dafor kann ick mir lejitimiren! Bors.: Ihre Frau behauptet, daß sie von Ihnen mit einem Hausschlüssel geschlagen worden sei, als Sie sie vor einem Hause der Landsbergerstraße trafen. Angekl.: Meine Musterehefrau schloß jerade den Thorweg uff, als ick ihr ins Auge krieje. Ick trete janz friedlich ran un sage: Mile, wir können uns doch in Jüte ausenandersetzen, Wat duht se? Se will ’n Thorweg zuschmeißen, dabei jeräth mein Finger in de Thüre, ick höre de Engel im Himmel pfeifen und habe ihr natürlich de Backen jeschminkt. Dafor kann ick mir lejitimiren. Bors.: Nicht mit einem Hausschlüssel? Angekl.: Wenn die Person deS behauptet, denn muß se farbenblind sind. — Die Frau des Angeklagten, welche schüchtern ,»gesteht, daß sie ihrem Ehemann als HochzeitSangebinde zwei Kinder mitgebracht, davon aber eins verheimlicht hatte, beschwört, daß ihr Ehemann sie mit einem Hausschlüssel so gemißhandelt habe, „daß sie ganz schwarz im Gesicht gewesen." Der StaatSanwalt beantragt 4 Wochen Gefängniß. Vorsitzender: Was haben Sie darauf zu sagen? — Angekl.: I Ick kann bloß sagen, daß die Person schon von Jugend uff mit Lügen und Trügen in de Ehe hineingegangen ist, — Bors.: Von Jugend auf ist sie in die Ehe gegangen ? — An- ; gekl.: Na, nach meine Erfahrungen führt ’n kinderloser Wittwer bet jlücklichste Familienleben! — Der Gerichtshof erkannte auf 3 Wochen Gefängniß.
— (A u s einem R o m a n f e u i l l e t o n.) „Sie haben da wirklich zwei entzückende Kinder, gnädige Frau!" — Gabriele lächelte glücklich und lispelte: (Forts, folgt.)
— (Steigerung.) Feldwebel: Soldaten, ihr wißt, daß ich die Mutter von der Kompagnie heiße. Wenn ihr eure Sache gut macht, dann werde ich eine zärtliche Mutter sein .und euch als meine zärtlichen Kinder betrachten. Wenn es aber schlecht geht, dann nehmt euch in Acht, dann bin ich eure Mutter nicht mehr. Sollte ich aber mal sehen, daß ihr mir nicht folgen wollt, dann — bin ich eure Schwiegermutter!
Aechte englische Cheviots und Kammgarne, Buxkin und Mellon, Cheviot,
ä Mk. 17,5 Pfg. bis 9,75 Pfg. per Meter versenden jede beliebige einzelne Meterzahl birect an Private.
Buxkin-Fabrik-Döpüt Oettinger & Co., Frankfurt a. 71
Neueste MusteranSwahl franco in'S Haus.
Vermischtes.
— Etwas kostspielig gestaltete sich ein Aprilscherz, den ein in der Jakobstraße zu Berlin wohnender Herr U. sich geleistet hat. Schon seit einigen Tagen hatte er seiner Gattin geheimnißvolle Andeutungen über eine zu erwartende größere Geldsendung gemacht, und die Gattin war schon im Stillen mit sich zu Rathe gegangen, in welcher Weise sie am besten einen Theil des Mammons für ihre eigenen Bedürfnisse verwenden könne. Für eine Badereise, oder für eine neue Robe, oder vielleicht für beides zusammen? Aber vorläufig mußte sie noch mit ihren Entschlüssen zurückhalten, da ihr Gatte über die Höhe der zu erwartenden außergewöhnlichen Geldsendung ein geheimnißvolles Schweigen bewahrte. Da endlich — es war am Sonnabend früh — erscheint der Geldbriefträger mit schmunzelndem Gefühl und der Mittheilung, daß er eine für Madame persönlich bestimmte Postanweisung habe. Mit zitternder Hand quittirt sie, ohne in der Aufregung erst nach dem Betrage der Einzahlung zu sehen, und dann legt der Postbote lächelnd . . . fünf Pfennig auf den Tisch. „Die Geldsendung beträgt zehn Pfennig/' sagt er, „davon gehen fünf Pfennig Bestellgebühr ab, so daß . . ." „Behalten Sie den Rest, ich danke ... ein Scherz meines Mannes," ruft Frau A., die einer Ohnmacht nahe ist. Ihr Gatte findet sie bald darauf in einem sehr bedenklichen Zustande, sie hat einen ihrer „Zufälle", der sie erst verläßt, nachdem er ihr unter heiligen Schwüren . . . eine Badereise und drei neue Roben versprochen hat. Er hat aber auch geschworen , niemals mehr einen Aprilscherz zu machen.
— Zu einem heiteren Jagdabenteuer kam es in der Nähe von P a y ß e l n in Ostpreußen bei dem Eisgange der Jnster. Auf einer Eisscholle kam ein Reh angeschwommen, ängstlich umherblickend und scheinbar dem Untergänge geweiht. Zwei Arbeiter gedachten an demselben eine gute Beute zu machen und hetzten einen großen Hund, der auch verwegen in die Fluth sprang und die: Scholle zu erreichen suchte. Kaum berührte er: dieselbe, als das Reh mit einem Satze sie verließ ; und, zwischen die Eisschollen sich zwängend, das Ufer zu erreichen suchte. Hier wollte der eine Mann es fassen, wurde aber über den Haufen gerannt. Als er sich mit blutender Nase erhob, war die erhoffte Beute längst über alle Berge. Der Hund aber trieb heulend mit der Scholle davon und ist nicht wiedergekommen.
— Ein schrecklicher Vorfall, den alle Eltern sich zur Warnung gereichen lassen sollten, hat sich in dem Bauerndorfe F a l k e n h a g e n im Kreise Lebus ereignet. Der dortige Amtsschäfer Schulze hatte wiederholt in Gegenwart seiner Kinder scherzweise gesagt, wenn sie nicht artig seien, würde er ihnen mit dem Beil die Hände abhauen. Wer beschreibt sein Entsetzen, als nun sein siebenjähriger Sohn dein fünfjährigen Brüderchen „aus Scherz" mit einem Beil auf dem Hof durch einen wohlgezielten Hieb die rechte Hand abtrennte. Die Kleinen hatten „schlachten" gespielt.
— Nach einer aus M a n i l l a eingetroffenen Meldung wurden daselbst im Weichbilde der