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durch die Revolverkugel eines Wahnwitzigen ver­wundet worden, die eine Contusion des Herzens zurückgelassen hatte, an den Folgen dieser Herz­krankheit ist nun Ferry am Freitag Abend 6 4 Uhr plötzlich gestorben. Jules Ferry hat im öffentlichen Leben Frankreichs als einer der her­vorragendsten und begabtesten republikanischen Staatsmänner, als Reffortminister, zweimaliger Cabinetschef und Präsidentschaftscandidat der ge­mäßigten Republikaner bei der Präsidentenneu­wahl des Jahres 1887 wiederholt eine einfluß­reiche und glänzende Rolle gespielt, freilich sah er sich daneben auch der erbittertsten Bekämpfung von Seiten seiner politischen Gegner ausgesetzt und mußte er so manche herbe Enttäuschung ver­zeichnen. Nachdem er Jahre lange das politische Stillleben eines einfachen Senators geführt/ wurde Ferry kürzlich vom Senat zum Präsiden­ten gewählt und es hieß allgemein, er werde von diesem Posten aus seine abermalige Candi- datur für die Präsidentschaft der Republik ener­gisch betreiben, welchen ehrgeizigen Plänen nunmehr durch den Tod ein Ende gemacht worden ist. Der Heimgang Ferry's hat in der politischen Welt Frankreichs allgemein den tiefsten Eindruck gemacht, gerade wie seinerzeit das Ableben Gambettas. Zahlreiche Politiker begaben sich im Laufe des Freitag Abend in das Sterbe- zimmer Ferrys und unterzeichneten eine Condo- lenzliste.______________________________________________________

Aus Provinz und Nachbargebiet.

H e r s f e l d , den 20. März 1893.

* Dem Lehrer und Organisten an der Stifts- ; Kirche Franz Adam S i n n i n g zu Roten- burg ist von dem Königl. Consistorium der Cantor- Titel verliehen worden.

* Es ist jetzt die geeignetste Zeit, die für unsere Vogelwelt so wichtigen Nistkästen anzubringen. Man scheue die kleine Mühe und Ausgabe nicht, es lohnt sich reichlich. Bei bet Anlage ist es sehr wichtig, die Kästen auch in der richtigen Höhe anzubringen, wenn dieselben die Vögel benutzen sollen. Die Kästen der Meisen befestigt man an nicht zu großen Bäumen, 3 bis 5 Meter hoch, wenn möglich im Gebüich. Die Kästen für Stare, | Bachstelzen, Wendehälse werden an großen Bäumen, I 7 bis 8 Meter hoch, angebracht, die Kästen für Rotschwänzchen an mittleren und großen Bäumen 3 bis 41/» Meter hoch. Die Kasten für Fliegen­schnäpper befestigt man an großen Bäumen 3 bis 41/o Meter hoch.

Hersfeld, 20. März. Das Gesetz über die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung, welches am 1. April in Kraft tritt, ist bereits publiziert. Danach ist die gesetzliche Zeit in Deutschland von diesem Zeitpunkt abdie mittlere Sonnenzelt des fünfzehnten Längengrades östlich von Greenwich."

( -) Hersselv, 20. März. Der Professor Falb hat mit seiner Theorie diesmal Recht behalten. Die von ihm für den 18. März prophezeihete Wetter-Krisis ist wirklich eingetreten. Lchan am 17. März zeigten sich die Vorboten derselben; es wurde kälter, der Wind drehte sich nach Nord­ost und ein Schneesturm jagte den anderen. Des Nachts sank das Wetterglas tief unter den Ge­frierpunkt und am Morgen des 18. März konnte man die schönste Winterlandschast bewundern. Der Uebergang von dem milden, wannen Früh­lingswetter zur eisigen Luft des Winters ist ein zu schroffer. Dieser Wechsel wird auch aus die Wintersaaten voraussichtlich einen nachtheiligen Einfluß ausüben. Sagt doch schon die alte Bauernregel:Märzenschnee thut Saat und Bäumen weh." Nun hat uns aber der kritische Tag nicht nur Schnee, sondern auch eine ganz empfindliche Kälte und echtes zolldickes Eis gebracht. Hoffen wir, daß die Kälte nicht lange anhält und daß Herr Falb mit allen derartigen Prophe- zeihungen für die Folge gründlich hineinfällt.

§ Hersfeld, 20. März. Wir machen darauf aufmerksam, daß in dem neuen vom 1. April d. J. ab gültigen Fahrplan der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Frankfurt a M. die Ab­fahrtszeiten in mitteleuropäischer Zeit angegeben sind, welche für Stationen je nach der geographischen Lage desselben 6 bis 29 Minuten vor deren Ortszeit liegt. Für Frankfurt beträgt die Zeit­differenz 25 Minuten. Die Abfahrtszeit eines Zuges, der Frankfurt um 8 Uhr Ortszeit ver­läßt, ist daher in dem Fahrplan vom 1. April d. J. auf 8 Uhr 25 Minuten angegeben.. An den Schaltern der einzelnen Stationen kann er­sehen werden, um wie viel Minuten die M. E .Z. von der Ortszeit abweicht. In der Nacht

vom 31. März zum 1. April d. J., um 12 Uhr werden die Stationsuhren nach M. E. Z. gestellt d. h. also um die entsprechende Differenz zwischen Ortszeit und mitteleuropäischer Zeit vorgerückt werden. Die Abfahrtszeiten der auf der hiesigen Station ankommenden Züge sind vom 1. April ab folgende: 1) in der Richtung nach Bebra 64t 10°° 12'6 ZZ; 0" 8" 11". 2) in der Rich­tung nach Frankfurt 43* 8°35" 5" 9*< t Mengshausen, 18. März. g-eit Dienstag Abend wird der Ackermann Heinrich R e u b e r von hier vermißt. 2c Reuber, welcher am Abend des genannten Tages in einer Gastwirthschaft zu N i e d e r a u l a gewesen war, hatte dieselbe gegen 10 Uhr verlassen und den Heimweg angetreten. Wahrscheinlich ist Reuber in der Dunkelheit vom Wege abgekommen und in die Fulda gerathen, da Fußspuren nach dem Ufer derselben führen, auch wurde die Mütze des Vermißten in der Fulda aufgefunden.

Cassel, 18. März. Ueber die Casseler Frühjahrs-Leder-Messe geht dem Tgbl. noch folgender Bericht zu: Die Anfangs Februar d. J. begonnenen anhaltend günstigen Witterungs- Verhältniffe, welche bis zu den letzten Tagen anhielten, bewirkten einen wesentlich ver­größerten Leder - Verbrauch. In Folge dessen zeigte die Kundschaft, welche sich vielfach schon vor dem Beginn der Meffe einstellte, lebhaften Bedarf. Das Hauptinteresse nahmen auch dieses Mal wieder Sohlleder in wirklich starker Waare, feinster Gerbung und bester Stellung in Anspruch. Einzelne Marken davon erfuhren zwar kleine Preisrückgänge, im großen Ganzen aber bewegten sich die Notirungen für derartig hervorragend gute Ledersorten zwischen M. 180 und 190 per Centner. Rindleder halten volle seitherige Preise; Roßleder aber, und zwar deutsche sowie wilde Waare, wurde billiger verkauft als seither.

Von der Schwalm, 15. März. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr hatten wir in diesem Jahr das erste Gewitter mit Blitz und Donner, nach demselben stellte sich Regenwetter ein. Nach der alten Bauernregel gilt dasselbe als ein gutes Zeichen für eine reiche Ernte. Auch besteht hier die Sage, daß wenn es donnert im März, das junge Vieh, namentlich die kleinen Gänse, welche hier sehr viel gezüchtet werden, keine rechte Art haben. Ueber den hiesigen Stand der Wintersaat kann nur Erfreuliches berichtet werden. Roggen und Weizen stehen so schön, wie selten in einem Frühjahr, so daß der Schwälmer Bauer auf eine gute Ernte rechnet. Raps und Klee dagegen sind etwas ausgewintert.

Vermischtes.

Köln, 18. März. Heute Vormittag 10 Uhr fand in der Maschinenfabrik von W. Ouester in der Peterstraße eine Dampfkessel- e x p l o s i o n statt, bei welcher drei Personen schwer, zwei leicht verwundet wurden. Ein Mann wurde verschüttet und ist wahrscheinlich todt.

Eine künstliche Jnsluenzaepi- d e m i e hatten die Zöglinge eines Schullehrer- seminars in Schwaben ins Werk gesetzt und damit auch eine zeitweise Schließung der Anstalt erreicht. Die Jünglinge hatten Seifenwasser getrunken, um krank zu erscheinen. Durch eine Postkarte, welche denSieg" meldete, kam die Sache heraus, und so sind die Ferien den Seminaristen theuer zu stehen gekommen.

Ueber einen Fall von Bigamie bei den Störchen berichtet dasArchiv des Ver­eins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklen­burg" Folgendes: Nach Mittheilung des Guts­pächters Babendererde ist int Jahre 1891 auf dem Pachthofe Klein-Wockern bei Teterow das dortige Storchenpaar zur gewohnten Zeit ange­kommen und hat Besitz von seinem Nest auf der einen Scheune ergriffen Nach etwa acht Tagen stellte sich ein dritter Storch ein, und nun be­gannen furchtbare Kämpfe, die nach fast vierzehn Tagen damit endeten, daß alle drei Störche gemüthlich neben einander saßen und den Ausbau des Nestes in der Weise sortierten, daß ein Doppelnest entstand. Jedes dieser beiden Nester wurde von einem der beiden Weibchen in Besitz genommen, mit Eiern besetzt und glücklich wurden fünf junge Störche großgezogen. Es ist an zu­nehmen, daß auf der Reise das Pärchen ausein­ander gekommen ist, daß der Herr Gemahl sich eine andere Gattin gesucht hat und daß dann etwas verspätet die rechtmäßige Besitzerin des Nestes nachgekommen ist und ihr altes Recht be­ansprucht hat. Höchst interessant ist die Lösung

dieser ehelichen Verlegenheit, gewinnt aber noch an Interesse durch den Umstand, daß auch im vorigen Jahre alle drei Störche in Eintracht auf dem Doppelnest ihren Wohnsitz aufgeschlagen und wie im Vorjahre wieder fünf Junge heran­gezogen haben.

Eine Operation, durch die dem Guts­besitzer Schulze in dem Dorfe Eutzsch bei Witten- berg das Leben gerettet wurde, ist dem bekannten Professor von Bramann geglückt, der seinerzeit den Kaiser Friedrich behandelte. Schulze er­krankte im Jahre 1885 im Alter von 51 Jahren an Schmerzen in der rechten Lunge, die mit einem quälenden Husten verbunden waren. Alle von dem Kranken in Berlin, Leipzig und Halle aus­gesuchten Aerzte vermochten ihm nicht zu helfen; auch der in jedem Jahre wiederholte Befuch von Bade- und Kurorten hatte nicht den geringsten Erfolg. Im Gegentheil, das Uebel wurde immer schlimmer. Behandelt wurde der Kranke an Lungenkatarrh, an chronischem Lungenleiden, an Exsudaten in der Lunge u. f. tu., bis er endlich, als an hochgradiger Schwindsucht leidend, als unheilbar aufgegeben wurde. Endlich stellte Pro­fessor von Mering in Halle durch Untersuchung des Auswurfs des Kranken fest, daß dessen Krank­heit durch eine Kolonie von Echinococcen (Blasenwürmern) in der Lunge, die er sich durch Duldung der Liebkosungen seines Jagdhundes zugezogen hatte, veranlaßt war. Der Kranke wandte sich nun auf den Rath Merings an Professor von Bramann, der ihn mit dem besten Erfolg operierte. Dem Kranken wurde ein halbes j Seidelglas kirschgroßer Blasenwürmer aus der : Lunge geschnitten. Sofort hörten die Schmerzen in der Lunge und der Husten auf; sechs Wochen i nach der Operation konnte der Geheilte ent­lassen werden, dem nach siebenjähriger schwerer Krankheit die Gesundheit wieder beschert war. Zur Zeit befindet sich der vollständig Genesene so frisch und munter wie ein junger Mann. Der schließlich noch glücklich verlaufene Fall möge aber als Warnung für alle Besitzer und Be­sitzerinnen von Hunden dienen.

Ein amerikanischer Don Juan. St. Louis, 1. März. Gegen den hier wegen Viel­weiberei verhafteten, aber unter Bürgschaft auf freien Fuß gesetzten Oberst A. E. Haygood aus Charleston ziehen sich immer mehr Anklagen zu-^ sammen. Bislang ist etwa ein Dutzend Frauen aufgetaucht, die Gattenrechte aus ihn geltend machen, und jeden Tag kommen mehr Anmeldungen. Nachforschungen haben ergeben, daß Haygood ein naher Verwandter des berühmten konföderierten Generals Johnson Haygood ist. Haygood ist 60 Jahre alt, verlor durch den Krieg alles und ernährte sich seither durch Kartenspielen und Heirathen. Er ist eine hübsche Gestalt und der vollendete Weltmann. Zuerst heirathete er ein Fräulein Beck in Savannah vor 20 Jahren. Leine zweite Frau, ein Fräulein Davis aus Walterboro, starb aus Gram über seine Untreue. Dann begab Haygood sich nach Nem-Iork und Philadelphia, von wo bis jetzt erst zwei Anfragen, von deutschen Damen, eingelaufen sind. Vor zehn Jahren führte er Fräulein Alley, die Tochter eines reichen Bauunternehmers in Charleston, an den Altar. Nach drei Wochen brannte er I durch. Die Frau starb aus Gram. Haygood wandte sich nach Berkeley, wo er Fräulein Lulu Atkins heirathete. Nachdem er in Vances ein weiteres Opfer gefunden, verschwand er auf fünf Jahre und war in dieser Zeit in Chicago, St. Louis und New-Dort thätig. Vor zwei Jahren tauchte er in Charleston unter dem Namen Coyle wieder auf und heirathete eine hübsche Wittwe, Frau Clancey. Nach drei Monaten reiste er nach Philadelphia, von wo er dieser schrieb, daß er an der Grippe schwer erkrankt darniederliege. Drei Tage später schickte er ihr eine Zeitung mit seiner Todesanzeige. Sie er­kannte jedoch seine Handschrift auf der Adresse. 10000 Dollars Bürgschaft für ihn hat seine letzte Chicagoer Gattin gestellt, die sehr reich ist.

Saint Sebastian, 19. März. Ein in einem Spirituslager ausgebrochenes Feuer zerstörte in vergangener Nacht drei Häuser, etwa zehn Personen sind umgekommen.

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