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Hersseldtr Kleisbliitt
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Dienstag den 21. Mär;
1893.
Amtliches.
Der Herr Ober-Präsident hat durch Erlaß vom 24sten v. M. die Genehmigung zu der von dem Pferdemarkt-Comito in Fulda gelegentlich des am 29ften und 30. August d. I. daselbst statt- findenden Pferdemarktes beabsichtigten Verloosung von Pferden, Ackergeräthen, Fahr- und Stalluten- silien, im Gesammtwerthe von mindestens 65 °/0 des Loosertrags, unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 5000 Loose zu 2 Mark ausgegeben werden und daß deren Vertrieb auf den Umfang der Kreise Fulda, Gersfeld, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau, Hünfeld, Hersfeld, Roten- burg und Eschwege beschränkt bleibt.
Die Polizeibehörden wollen dafür Sorge tragen, daß der Vertrieb der Loose in den genannten Kreisen nicht beanstandet wird.
Cassel am 2. März 1893.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.
Nachdem die in der letzten Cholera-Epidemie gewonnenen Erfahrungen dargethan haben, daß mit der Ein- und Durchfuhr von Hadern und Lumpen aller Art, Obst, frischem Gemüse, Butter und sogenanntem Weichkäse aus von Cholera befallenen Ländern eine nur verhältnißmäßig geringfügige Gefahr verbunden ist, und daß sich der letzteren auch ohne Hemmung des Verkehrs in wirksamer Weise entgegentreten läßt, wird hiermit auf Veranlassung des Herrn Ressortministers das in der Amtsblattsbekanntmachung vom 29. Juli v. J. (S. 189/90) gegenüber Rußland erlassene Verbot der Ein- und Durchfuhr der vorbezeichneten Gegenstände aufgehoben.
Die Aufhebung dieses Verbotes erstreckt sich nicht auf die Ein- und Durchfuhr gebrauchter Kleider, sowie gebrauchter Leib- und Bettwäsche.
Caßel am 11. März 1893.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. P a w e l.
Hersfeld, den 17. März 1893.
Die Herren Ortsvorstände und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises fordere ich hierdurch auf, mir bis zum 28. d. Mts. zu berichten, ob aus ihrer Gemeinde rc. bei dein diesjährigen Ersatz- Geschäft mehrere Söhne einer Familie gestellungspflichtig sind, sowie ob sich Brüder der beim Ersatz-Geschäft vorzustellenden Militairpflich- tigen bereits im aktiven Dienst befinden, unter genauer Bezeichnung der in Betracht kommenden Personen nach Namen und Geburtsdatum rc. Gleichzeitig ist in dem Berichte anzu- geben, daß, wo zwei arbeitsfähige Söhne einer Haushaltung nicht gleichzeitig entbehrt werden können, die Eltern derselben auf Einreichung einer Reklamation an die Ersatz- Kommission um Zurückstellung des Jüngeren aufmerksam gemacht worden sind.
Ferner ist anzugeben, ob seitens derselben auf Reklamation verzichtet wird.
I II. Nr. 927. Der Königliche Landrath.
_I. V.: Heeg. ____
Hersfeld, d^n 17. März 1893.
Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden hierdurch veranlaßt, von denjenigen Mili- tairpflichtigen ihrer Gemeinden, welche sich im laufenden Jahre zur Stammrolle gemeldet bezw.
sich dahier zur Musterung zu stellen haben, die j Loosungsscheine, soweit solches nicht bereits geschehen sein sollte, alsbald einzuziehen und mir dieselben bis zum 25. d. Mts. einzureichen.
I. II. Nr. 928. Der Königliche Landrath.
___I. V.: Heeg.
Hersfeld, den 18. März 1893.
Für den am 14. Dezember 1874 geborenen Heinrich Ernst zu Schenklengsfeld ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I. I. Nr. 1809. Der Königliche Landrath.
J. V.: Heeg.
Politische Nachrichten.
Berlin, 18. März.
S e. Majestät d e.r Kaiser, Allerhöchst- welcher sich am Freitag Vormittag zur Besichtigung der Offizier-Reitstunden nach Potsdam begeben und nach dem Schluß der Besichtigungen einer Einladung des Offizierkorps des Leib-Garde- Husarenregiments zur Tafel nach dem Offizierkasino entsprochen hatte, begab sich nach Aufhebung der Tafel nach dem königlichen Stadt- fchlosse. Um 6 Uhr nahm Allerhöchstderselbe an dem Mittagessen beim Offizierkorps des Regiments der Gardes du Corps im Offizierkasino Theil. — Am Abend um 10 Uhr erfolgte sodann die Rückkehr mittelst Sonderzuges nach Berlin. — Am Sonnabend früh erledigte Se. Majestät der Kaiser zunächst Regierungsangelegenheiten und besuchte alsdann gegen 9 Uhr das Atelier des Professor Vegas. Um 10*/4 Uhr hatte der Professor Raschdorf die Ehre des Empfanges. Von Vormittags 10 Uhr ab wohnte der Monarch den Offizier - Reitstunden - Besichtigungen beim Garde-Kürassierregiment, sowie beim 2. und dem 1. Garde-Dragonerregiment bei. — Zum Frühstück verblieb Se. 'Majestät beim Offizierkorps des 1. Garde-Dragonerregiments.
Nach achttägiger Pause in den Verhandlungen ist die M i l i t ä r k o m in i s s i o n am 16. d. M. in die zweite Lesung eingetreten. Es lagen zwei Anträge vor, ein Antrag Lieber und ein Antrag v. Bennigsen. Jener beruht auf der gegenwärtigen Prüfenzzahl und macht nur einige nebensächliche Zugeständnisse, wie die Festsetzung einer Durchschnittsstärke an Stelle der Maximalstärke und die Uebernahme der Unteroffiziere auf den Reichshaushalt. Der Antrag des Abg. v. Bennigsen will ’/12 der Vorlage gewähren; die Friedens- präsenz soll auf 462 000 Gemeine an Stelle der geforderten 492 000 festgesetzt, an Neuformationen sollen die vierten Bataillone, die 60 Feldbatterien, die Forderungen für Train und Eisenbahntruppe, nicht aber auch für die anderen Specialwaffen, bewilligt werden. Statt der Vermehrung des Rekrutenkontingents um 60000 Mann enthält der Antrag eine Vermehrung um 45000 Mann. Der Reichskanzler erklärte, daß der Antrag Lieber den Zweck der Vorlage „volle Ausnutzung der nationalen Wehrkraft" verneine, der Antrag Bennigsen aber zwar das Ziel annehme, aber militärisch ungenügend und zu einer Verständigung nicht geeignet sei. Nicht ohne Bedenken hätten die Regie
rungen sich entschlosien, auf die zweijährige Dienstzeit einzugehen. Sie hätten das nur unter der Voraussetzung gethan, daß ihnen die Mittel gegeben würden, die Nachtheile dieser abgekürzten Dienstzeit unschädlich zu machen. Jetzt biete Herr von Bennigsen weniger, als dazu nöthig und wolle der Militärverwaltung überlassen, damit auszu- kommen. Das sei unmöglich, ohne jene Kompensationen keine zweijährige Dienstzeit. Herr von Bennigsen empfehle Haushalten und Sparsamkeit, das sei schön und gewiß oft zu beherzigen; hier handle es sich aber um ganz bestimmte Be- dürsnisse, deren Maß nicht herabgesetzt werden könne, wenn die zweijährige Dienstzeit überhaupt ermöglicht werden solle. Mündlich wurde ein Antrag Richter angekündigt, der noch unter dem Anträge Lieber bleibt und daher erst recht ganz unannehmbar ist. In der darauf folgenden Sitzung am 17. d. M. wurden bei der Schlußabstimmung sowohl die gestellten Abänderungs- anträge, wie die Regierungsvorlage selbst — und zwar letztere gegen sechs Stimmen — verworfen. Hiermit ist die Arbeit der Kommission bis auf die Fertigstellung des dem Abg. Gröber (Centrum) übertragenen schriftlichen Berichts beendigt; die Verlesung dieses Berichts soll nach Ostern, zwischen dem 14. und 17. April, erfolgen.
Großfürst Constantin Constan - tinowitsch vonRußland traf am Freitag früh, von Petersburg kommend in Berlin ein und nahm im russischen Botschaftsgebäude Absteigequartier. Hier empfing der hohe Reisende im Laufe des Vormittags den Besuch des Kaisers. Mittags begab er sich in das Residenzschloß und begrüßte daselbst die Kaiserin. Nachmittags setzte der Großfürst die Weiterreise zunächst nach Weimar fort.
Die erstmalige Erörterung der Novelle zum R e i ch s g e s e tz zum U n t e r st ü tz u n g s - w o h n f i tz g e s e tz , mit welcher Vorlage sich der Reichstag in den Sitzungen vom Donnerstag und Freitag vorwiegend beschäftigte, hat ergeben, daß die Novelle, wenn auch mit einigen Abänderungen, vom Parlamente genehmigt werden wird. Fast sämmtliche Parteien ließen durch die vorgeschickten Redner ihre Zustimmung zu den Grundzügen der Novelle bekunden, und die verschiedenen Bedenken, welche hierbei gegen Einzelheiten der Vorlage laut wurden, dürften durch die Kommissions - Vorberathung des Entwurfes sicherlich beseitigt werden. Im weiteren Verlause der Freitagssitzung wurden nach erfolgter Ueberweisung der genannten Vorlage an eine Kommission die Vorlagen, betr. die Abänderung der Maß- und Gewichtsordnung, und betr. die Begründung der Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, in dritter Lesung debattelos genehmigt. Am Sonnabend befaßte sich der Reichstag zunächst mit der ersten Lesung der Novelle zum Militärpeusionsgesetz.
Im preußischen Abgeordnetenhaus ist das durch die gegenwärtige Steuerreform iu Preußen bedingte Gesetz über die Abänderung der Landtagswahlordnung am Donnerstag mit großer Mehrheit endgiltig angenommen worden.
In Frankreich hat der überraschende Tod Jules Ferrp's das Interesse an den schwebenden Panamafragen vorläufig in den Hintergrund gedrängt Ferry war bekanntlich im Januar 1888