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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Herssel-el Kreisblatt.
Mit wöchentlicherGratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 32. Donnerstag den 16. Mär;
1893.
Amtliches.
Hersfeld, den 11. März 1893.
Von dem Handbuch für Standesbeamte von Bender und Raabe ist neuerdings im Verlag von Rud. Bechtold und Comp. in Wiesbaden eine zweite Auflage erschienen, welche von dem Königlichen Kreissecretair Bender in Diez bearbeitet worden ist. In das Handbuch sind mit Sorgfalt die bis in die neueste Zeit in Standesamtssachen erlassenen Anordnungen der Aufsichtsbehörden ausgenommen, sodaß dasselbe den Standesbeamten als ein geeignetes Hülfsmittel für die Bearbeitung von Standesamtsfachen empfohlen werden kann.
Der Preis des dauerhaft eingebundenen Buches ist auf 4 M. 50 Pfg. festgesetzt.
I. A. Nr. 411. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 15. März 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 15. April 1886 Nr. 4578, im Kreisblatt Nr. 46, die Früh- jahrs-Körung der Zuchtbullen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis ;um 22. d. Mts. erinnert bei Meidung von 3 Mk. Strafe.
I. I. Nr. 1776. Der Königliche Landrath. _____________________I. V: Heeg.
Hersfeld, den 13. März 1893.
Die Heberollen über die Grund- und Gebäudesteuer des diesseitigen Kassenbezirks für das Etatsjahr 1893/94 liegen vom 16. d. Mts. bis einschl. den 20. d. Mts. Vormittags zur Einsicht der Steuerpflichtigen hier offen.
Königliche Steuerkasse: Hecker, Rentmeister.
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nieolo.
(Fortsetzung.)
„Wer sollen die mitspielenden Herren sein?" erwiderte die Tochter. „Du wirst doch nicht wollen, daß ich mit einem mir ganz gleichgültigen Menschen spiele?"
„Nein, nein ... ich werde mein Möglichstes thun. Für Cora werde ich Herrn de Bettune bitten, und für Dich will ich Sir Claud Wilmot auffordern ... der paßt gut dazu, des Herzogs Eifersucht zu erregen, im Fall er doch noch an Dich denken sollte. Und die übrigen Rollen können Dein Bruder und einige seiner Freunde übernehmen. Es bedarf nur noch Deines Onkels Einwilligung, sobald ich mir überlegt habe, wie ich das Speise- und Bibliothekzimmer in ein Theater umwandle, und Eure Costüme gewählt habe."
„O Mama, das kann ich rasch allein arrangiren," rief Trissa eifrig. ..Für Titania möchte ich Silbergaze und einen blauen Shawl haben, und zu einer Krone giebst Du mir das Brillantdiadem, das Du mir versprochen hast, wenn ich mich ver- heirathe . . . und für Helena ein schwarzes Sammetcostüm und meinen Perlenschmuck und nur weiße Rosen in's Haar. Das sind zwei reizende, gänzlich verschiedene Costüme, die mir beide herrlich stehen werden."
Politische Nachrichten.
Berlin, 14. März.
Se. Majestät der Kaiser hatte sich heute Morgen mit seiner militairischen Umgebung per Bahn nach dem großen Artillerieschießplatz bei Kummersdorf begeben, um den dort stattfinden- den größeren Schießver'uchen beizuwohnen.
Ueber b i e Opposition gegen die Militärvorlage hat kürzlich die „Rordd. Allg. Ztg. in einem mit Recht viel beachteten Artikel u. A. folgendes ausgeführt: Was soll es heißen, wenn man gegenüber dem Urtheil unserer erfahrenstenGenerale, der Männer, diekünftig unsere Heerführer fein werden, mit philosophischer Gleichgültigkeit ausspricht: Wir geben Euch die Mittel nicht, die Armee so auszubilden, zu formiren, zu gebrauchen, wie Ihr es uns als nöthig schildert, aber wir erwarten, daß Ihr siegen, den Feind von unserem Boilen fern halten werdet! Und wenn man 'nun jene Kolitis er frägt: Wie soll dies denn gemacht werden, so erhält man die Antwort: Da sehet Ihr zu. Was denn nun, wenn unsere gegebenen Heerführer erklärten, solche Verantwortung übernehmen wir nicht, wir nehmen lieber im nächsten Kriege das Gewehr in die Hand, als daß wir unsere Ehre an unmöglichen Aufgaben aufs Spiel fetzen? Ist Herr Eugen Richter geneigt, das Kommando zu übernehmen, oder Feldherren, die mit geringeren Mitteln auszukommen vermöchten, zu stellen? Eine solche Schädigung unserer Wehrkraft, wie sie in jenem, die Festhaltung der Friedenspräsenz- stärke fordernden sogenannten „Angebot" liegt, kann das deutsche Volk nicht -wollen, können die verbündeten Regierungen nicht annehmen. Sie wollen dem Volke die Erleichterungen bieten, die möglich sind: Die Verkürzung der Dienstzeit, die
„Anspruchsvolles Mädchen!" sagte sie halb vorwurfsvoll. „Deinem kostspieligen Geschmack nach bist Du allerdings zu einer Herzogin geboren. Doch dieses Mal will ich Dir freie Hand lassen. Nur bedeute, daß, wenn Du Deinen Zweck nicht erreichst und das viele Geld vergeudet worden ist, Dn die großen Ausgaben in den nächsten Monaten durch Sparsamkeit wieder einzubringen suchen mußt."
„Das wird sich ja finden, Mama. Wozu wollen wir uns damit im Voraus Sorgen machen?" entgegnete Trissa munter. „Aber was soll Cora tragen? Jedenfalls wird sie Dir doch die Entscheidung darüber erlassen, und Du wirst sie an Eleganz doch nicht mir gleichstellen wollen?"
Frau Digby überlegte einen Augenblick.
„Was meinst Du dazu, wenn sie grün trägt? Es kann ja sehr nett arrangirt werden, doch grün ist, glaube ich, die Farbe, die sie am wenigsten gut kleidet?"
„Ich glaube, Du hast Recht. Das ist die beste Farbe für Cora."
Die Vorbereitungen zu der Theatervorstellung waren in vollem Gange, und Frau Digby's Programm wurde genau durchgeführt . . . mit einer einzigen Ausnahme: Herr de Bettune fehlte unter den Mitwirkenden, er hatte abgelehnt.
Da übernahm ein alter Schützling von Sir Fulke die ihm zugetheilte Rolle ... ein Herr Beauclerc, der schon als Jüngling unter des Admirals
i Schonung älterer Jahrgänge im Kriege, die Gleichheit der Pflicht — aber sie können niemals darein willigen, das deutsche Heer zu ruiniren. Lieber Rückkehr zur vollen dreijährigen Dienstzeit, wenn der gegenwärtige Zustand der verstümmelten Dienstzeit sich als unhaltbar herausstellt, als jenes „Angebot". Was hat alles Addiren und Subtrahiren von russischen, französischen und Dreibunds-Zahlen für einen Werth, wenn diejenigen Männer, deren Beruf es ist, den künftigen Krieg vorauszudenken und welche über Beweismaterial verfügen, wie kein anderer, erklären, wir sind zu schwach, wir müssen verstärken, verjüngen, verbepern? Warum sollen diese Männer weniger Glaube» verdienen als ihre Vorgänger? Der Hochselige Kaiser Wilhelm, die Generale Roon und Moltke hatten auch noch nicht die Erfolge hinter sich, als sie 1861 eine Vermehrung der Armee forderten, und die Gründe, die man ihnen damals entgegen- hielt, gleichere uuuu der jetzigen Opposition wie ein Ei dem anderen. Auch jetzt ist die Verstärkung der Wehrkraft das Ziel der verbündeten Regierungen, und sie müssen, außer den Ausgleichmaßregeln für die zweijährige Dienstzeit, Neuformationen bei allen Waffen fordern, vor Allem, um unsere.Reserve-Divisionen so zu verjüngen und zu stärken, daß sie in vorderster Linie wenige Tage nach der Mobilmachung als vollwerthig auftreten können. Was giebt uns das Angebot Richter-Lieber hierfür? Nichts.
Der Reichstag nahm in feiner Montags- sitzung zunächst die Novelle zum Reichspostdampfergesetz in zweiter Lesung mit großer Mehrheit an. Eine längere Debatte veranlaßte nur die frei- sinnigerseits beantragte Resolution, wonach der Reichskanzler mit dem Norddeutschen Lloyd wegen Aufhebung des Dienstes der Zweiglinie von
Befehl einige Zeit zur See gewesen, dann aber in den Besitz eines genügend großen Vermögens gekommen war, um von seinen Renten leben zu können.
„Miß Cora," bemerkte Herr Beauclerc während der Generalprobe, „Sie scheinen wenig Lust zu ihrer Partie zu haben? Wollen Sie nicht Ihr Möglichstes zur Vorstellung beitragen?"
Ein halb spöttisches Lächeln spielte um Cora's Lippen.
„Gewiß!" entgegnete sie. „Ich möchte nicht schlecht spielen. Man soll nicht von mir glauben, ich verderbe Alles was ich unternehme . . . doch Comödie spielen ist Verstellung, und man sollte sich nicht so viele Mühe geben, Unwahres wahr zu erscheinen lassen."
Herr Beauclerc schüttelte den Kopf und erwiderte:
„Wir sollten zu stolz auf unsere großen Dichter sein, um so etwas zu sagen, Miß Cora. Wir geben der Wahrheit unb Wirklichkeit nur Leben. Zeigt uns nicht das Stück, das wir aufführen wollen, die Welt genau so wie wir sie täglich finden?"
„Nein!" sagte sie kühl. „Was nützt es, wenn das Herz nicht vertrauen kann ? Ich glaube an keine Zauberkraft; die unfehlbare Sympathie verwandter Herzen ist es, die sie wie mit von Gott gesandter Liebe aneinander fesselt."
Cora's Blicke entsprachen vielleicht der Empfin-