Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

AbonnementSpreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.

Die JnscrtionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile ' 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Hersseldkr IreisbUtt.

Mit wöchentlicherGratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 31. Dienstag den 14. Mär; 1893.

Amtliches

Hersfeld, den 9. März 1893.

Für den am 24. Februar 1876 zu Kleba ge­borenen Kellner Johannes N e u b e r ist um Ent­lassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

I. I. Nr. 1550. Der Königliche Landrath.

Freiherr von Schleinitz.

Cassel, den 7. März 1893.

Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf m i i r r , 13. März 1878 Grund des Preuß. Gesetzes vom 23 Juni 1884 zur Zwangserziehung überwiesene und von mir bei dem Schmiedemeister Johannes Bückel zu Motzlar in Lehre untergebrachte Christian Christoph Waldmann aus Aue geboren am 14. Februar 1878 ist am 28; Februar d. J. aus der Lehrstelle durch- gebrannt.

Königliches Landrathsami ersuche ich ganz er- gebenst, nach dem Zögling umgehend Nach­forschungen gefälligst anstellen, im Betretungsfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civil- person, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachtung ein solches von 4 Mark gewähren werde, in die Rettungs-Anstalt zu Sannerz zurückführen lassen zu wollen.

Vom Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nach­forschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benachrichtigen.

Der Landes-Direktor.

An Kgl. Landrathsamt zu Hersfeld. I. II. Nr. 1220.

* * *

Hersfeld, den 11. März 1893.

Wird den Herren Ortsvorständen und der Königlichen Gendarmerie zur Fahndung nach dem rc. Waldmann mitgetheilt.

Im Betretungsfalle ist derselbe in die Nettungs- anstalt zu Sannerz zurückführen zu lassen und mir vom Geschehenen Anzeige zu erstatten.

I. 1698. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Die Heberollen der Grund- und Gebäudesteuer des hiesigen Bezirks für das Etatsjahr 1893/94 liegen vom 20. bis einschließlich 23. d. M. Vor­mittags zur Einsicht der Steuerpflichtigen dahier offen, was die Herren Bürgermeister in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise alsbald ver­öffentlichen wollen.

Friedewald, den 11. März 1893.

Königliche Steuerkasse. W e st e.

Nichtamtliches

Der Fürst und die Fürstin von Schwarz- burg-Rudolstadt weilten in den letzten Tagen zum Besuch am kaiserlichen Hofe. Während ihres Aufenthaltes in Berlin wohnten die fürstlichen Herrschaften in Gemeinschaft mit den kaiserlichen Majestäten u. A. der am Freitag Vormittag statt- gefundenen feierlichen Einweihung der neuen Nazarethkirche bei.

Im Befinden des schwer erkrankten greisen Generalfeldmarschalls Grasen B l u m e n t h a l ist eine Besserung eingetreten.

In der M i l i t ä r k 0 m m i s s i 0 n ist am Freitag die erste Lesung der Militärvorlage beendet. Dieselbe ist in allen Theilen abgelehnt. Der Abg. v. Bennigsen hatte seinen Antrag zurück­gezogen und einen anderen auf die Dauer der Formation der 4. Bataillone bezüglichen gestellt. Derselbe fiel aber ebenso wie ein Antrag Richters. Die zweite Lesung wird am Donnerstag den 16. März beginnen.

Der Reichstag ist nach Erledigung des Marineetats beim letzten Gegenstände seiner langen Etatsberathungen angelangt, beim Militär- e t a t. Am Donnerstag wurde die Berathung desselben begonnen, doch gelangte in genannter Sitzung nur der Titel:Kriegsminister" zur Er­ledigung und Genehmigung. In der Freitagssitzung wurden die CapitelMilitär-Justizverwaltung", commandirende Generäle" undGeldverpflegung der Truppen" erörtert uno fanden die zur Debatte gestandenen Etatspositionen sämmtlich Annahme. Am Sonnabend setzte der Reichstag die Debatte über den Militäretat fort.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat eine seiner Hauptarbeiten, die Etatsberathung, hinter sich. In der Freitagssitzung wurde der Rest der dritten Etatslesung erledigt und hierauf das Etatsgesetz und das Ergänzungsgesetz angenommen. Schließlich genehmigte das Haus in der end­gültigen Abstimmung den gesammten Etat ein­stimmig. In der nächsten Sitzung, am Montag, stand das mit der Steuerreform zusammenhängende Gesetz über die Abänderung des Landtagswahl­gesetzes zur Debatte.

Die Reichstagskommission zur Vor- berathung der Vorlage, betr. die Bekämpfung der Unsittlichkeit (lex Heinze), beendete am Freitag die zweite Lesung des Entwurfes.

Am Sonnabend ist in Dresden die inter­nationale Sanitätsconferenz unter dem Ehrenvorsitz des sächsischen Staatsministers v. Mietzsch zusammengetreten, die sich vor Allem mit der Choleragefahr beschäftigen soll.

Den Bundesrath beschäftigt der Entwurf einer Verordnung behufs Regelung der Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugend­lichen Arbeitern in Ziegeleien. Nach dem Entwürfe sollen beide Kategorieen von Arbeitern zur Gewinnung und zum Transport von Rohmaterialien, sowie zu Arbeiten in den Oefen und zum Befeuern der Oefen, Arbeite­rinnen auch zur Handformerei der Ziegelsteine mit Ausnahme der Dachziegel (Dachpfannen) und Bimssandsteine (Schwemmsteine) nicht verwendet werden dürfen. Im Uebrigen soll die tägliche Beschäftigung' 12 Stunden, die wöchentliche 66 Stunden nicht überschreiten; die Arbeitsstunden dürfen nicht vor 4'/, Uhr Morgens beginnen und nicht über 9 Uhr Abends dauern. Es müssen zwei Arbeitspausen gewährt werden, die nach je längstens vier Stunden Arbeit eintreten, die Dauer der Mittagspause muß mindestens eine Stunde, die der übrigen Pausen mindestens je eine halbe Stunde betragen. Die Bestimmungen sollen im Wesentlichen mit dem 1. Mai d. I. in Kraft treten und fünfjährige Gültigkeit haben.

Nach der im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten imReichs- u. Staats-Anzeiger" veröffentlichten Nachweisung der auf deutschen Eisenbahnen ausschließlich Bayerns im Monat Januar d. I. beim Eisenbahnbetriebe (mit Ausschluß der Werkstätten) vorgekommenen Unfälle waren im Ganzen zu verzeichnen: 35 Ent­gleisungen und 4 Zusammenstöße auf freier Bahn, 34 Entgleisungen und 36 Zusammenstöße in Stationen und 293 sonstige Unfälle (Ueber- fahren von Fuhrwerken, Feuer im Zuge, Kessel- explosionen und andere Ereignisse beim Eisen­bahnbetriebe, sofern bei letzteren Personen ge- tödtet oder verletzt worden sind.) Bei diesen Un­fällen sind im Ganzen, und zwar größrentheils durch eigenes Verschulden, 339 Personen verun­glückt, sowie 111 Eisenbahnfahrzeuge erheblich und 270 unerheblich beschädigt. Von den beför­derten Reisenden wurden 2 getödtet und 10 ver­letzt. Von Babnbeamten und Arbeitern im Dienst wurden beim eigentlichen Eisenbahnbetriebe 36 getödtet und 26$ verletzt, von Steuer- u. s. w. Beamten 1 getödtet und 5 verletzt, von fremden Personen (einschließlich der nicht im Dienst be­findlichen Bahnbeamten und Arbeiter) 18 ge­tödtet und 5 verletzt. Außerdem wurden bei Nebenbeschäftigungen 38 Beamte verletzt.

Amtlicher Nachweisung zufolge sind in der Zeit vom 1. Oktober 1892 bis zu Ende Februar 1893 an Branntwein 1821813 Hektoliter gegen 1 630 030 Hektoliter im gleichen Zeitraum des Vorjahres hergestellt. Davon wurden nach Entrichtung der Verbrauchsabgabe in den freien Verkehr 986 735 Hektoliter gegen 986 173 Hekto­liter übergeführt. Am Schlüsse des Februars verblieb unter steuerlicher Kontrolle in den Lagern und Reinigungsanstalten ein Bestand von 694 374 Hektoliter.

Ueber den Verlauf des P a n a m a - Be­st e ch u n g s - P r 0 z e f s e s berichtet der Pariser Telegraph fortgesetzt in ausführlicher Weise. Namentlich über die Freitagssitzung des Prozesses, in welcher die Entlastungszeugen vernommen wurden, liegt ein langer Drahtbericht vor. Ihm läßt sich entnehmen, daß sowohl Floquet, als auch Freycinet und Clemenceau, welche hervorragenden Politiker ja durch die Aussagen Karl v. Lesseps so bedenklich belastet sind, bemüht sind, sich nach Kräften rein zu waschen, während Lesseps bei seinen Anschuldigungen gegen das edle Trio ver­harrt. Im günstigsten Falle werden Floquet und Genossen mit einem etwas ramponirten politischen und persönlichen Rufe aus dem Prozesse her- vorgeheu.

Die Meldungen über die in S e r b i e n statt- gefundenen Kammer- oder Skupschtinawahlen sind zwar noch sehr unvollständige, es kann jedoch nicht bezweifelt werden, daß durch die Neuwahlen die bisherige erdrückende Majorität der Radicalen in der serbischen Volksvertretung zu Gunsten der liberalen Regierungspartei beseitigt worden ist. Ueber die befürchteten blutigen Wahlunruhen meldet der Belgrader Telegraph noch nichts, viel­leicht kommt aber der hinkende Bote noch nach!

Im Süden des centralamerikanischen Freistaates Honduras ist eine Revolution ausgebrochen. Der Leiter der ganzen Bewegung ist der General