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ist Mein sehnlichster Wunsch, daß alle braven deutschen Männer und vor Allem auch Meine Märker Mir dabei behülflich sein mögen, das ist Meine Bitte, daß unser gesammtes deutsches Vaterland an Festigkeit nach Innen und an Achtung und Respekt nach Außen dadurch ge­winnen möge, das ist Meine Hoffnung. Dann darf Ich getrost aussprecheu:Wir Deutschen fürchten Gott und nichts sonst in der Welt." Daraufhin leere Ich Mein Glas auf das Wohl Brandenburgs und unserer wackeren Märker!"

Das preußischeAbgeordnetenhaus beschäftigte sich am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag mit dem Eisenbahnetat; zahlreiche sehr verschiedenartige Wünsche wurden in den ausgedehnten Debatten hierüber auch diesmal wiederum vorgebracht.

Die R e i ch s t a g s k o m m i s s i o n für den Gesetzentwurf über die Abzahlungsgeschäfte nahm denselben am Dienstag Abend mit 8 gegen 7 Stimmen in der Schlußabstimmung an.

Die Eröffnung der internationalen Sanitätsconferenz in Dresden, welche am 5. d. M. stattfinden sollte, ist auf den 11. März verschoben worden.

Unter dem Titel:Puissance militaire des etats de lEurope hat der Hauptmann im fran­zösischen Generalstabe I. Molard ein Werk heraus­gegeben, das nicht verfehlen wird, berechtigtes Aufsehen zu erregen. Es wird dort, wie die Köln. Ztg." berichtet, für Frankreich rundweg die Rheingrenze" verlangt aus geschichtlichen, geogra­phischen, militairischen und politischen Gründen. Folgende Stellen mögen als Proben dienen:Der Rhein ist kein deutscher Fluß, wie die deutschen Geschichtsschreiber sagen, sondern er ist ein Grenz­fluß. Er theilt Westeuropa in der That in zwei große Gebiete: das französische Gebiet vom At­lantischen Ozean bis zum Rhein, die deutsche Region vom Rhein bis zur Elbe. Auf beiden Seiten dieser Grenze wohnen Gallier und Ger­manen, seit 2000 Jahren Gegner, wie es heute noch Franzosen und Deutsche sind. Wir waren, wir sind es und wir werden es bleiben bis zu dem Tage der endgültigen Abrechnung: Erbfeinde!

Das ist nicht eine Redensart, sondern die einfache Feststellung einer geschichtlichen Wahrheit." Das Buch schließt mit den Worten:Wir wollen unseren Enthusiasmus und die Triumphbogen nicht für Diejenigen aufheben, die uns Kraftstücke vor- führen, sondern für Diejenigen, die eines Tages von Neuem die dreifarbige Fahne an dem Ziele aufpflanzen, das unser Ziel schon früher war, es heute noch ist und stets sein wird: am Rhein!"

In Frankreich kommt eine neue Sen­sationsauflage des Panama-Scandals in Sicht. Der verhaftete Karl v. Lesseps hat thatsächlich vor dem Untersuchungsrichter Franqueville äußerst belastende Aussagen über Clemenceau, den Führer der französischen Radicalen, sowie über die srüheren Ministerpräsidenten Floquet und Frepcinet wegen deren Beziehungen zur Panama- Canal-Gesellschast gemacht. Die drei genannten Staatsmänner selbst haben sich indirect schon als schuldig bekannt, indem aus ihren gleichfalls vor dem Untersuchungsrichter abgegebenen Aus­sagen erhellt, daß sie seinerzeit aus Karl v. Lesseps einen Druck ausübten, behufs Zahlung von fünf Millionen Frcs. an Baron Reinach, welcher mit Enthüllung einer Liste bestochener republikanischer Abgeordneten drohte. Die Sache macht in Paris großes Aussehen, vielleicht wird der neue Zwischenfall aber von den gegenwärtigen Machthabern in Paris doch noch vertuscht.

Die Russen rühren sich in C e n t r a l a s i e n auf's Neue. Die russische Garnison von Kerki am Amu-Darza, nahe der afghanischen Grenze, wurde bedeutend verstärkt.

In Nordamerika folgt an diesem Sonn­abend der Demokrat Cleveland dem Republikaner Harrison in der Präsidentschaft dieser größten Republik der Welt. Das Ereigniß, wird sich zweifellos in der inneren wie äußeren Politik der Union zur Geltung bringen.

Aus Provinz und Nachvargebiet

Hersfeld, den 3. März 1893.

* (Frachtberechnung nach Ausnahme­tarifen.) Während bei den Verfrachtern größerer und regelmäßiger Sendungen die Kenntniß der Bestimmungen über die Frachtberechnung nach solchen Ausnahmetarifen, deren Anwendung an die Bedingung der Ausnutzung des Ladegewichts der gestellten Wagen geknüpft ist, vorausgesetzt werden kann, trifft dies bei Versendern, welche

ivvt mini, wvjf* ^^ IV .^.^^ ^v,^»^4^p v^h-luh-. X/Uyvivynvi «ycinnu;

nur hin und wieder eine Wagenladung der zu, Seelig von Kathus bedachte der Gerichtshof

jenen Ausnahmetarifen gehörigen Güter auf­geben nicht immer zu. Wenn auch grundsätzlich daran festzuhalten ist, daß es Sache der Absender ist, sich über die Höhe und Art der Fracht­berechnung aus den veröffentlichten Tarifen selbst zu unterrichten, so ist doch nach einer Verfügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten ein ent­gegenkommendes Verhalten der Dienststellen zur Vermeidung unbeabsichtigter Frachtvertheuerung geboten. Solche Versender sind über die Folgen der Nichtausnutzung des gestellten Ladegewichts zu belehren, wenn wegen Mangels des verlangten Wagens ein solcher von höherem Ladegewicht gestellt wird, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich den Vortheil des Ausnahmetarifs durch Aus­nutzung des vollen Ladegewichts zu sichern.

* Das erste der diesjährigenVierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs" enthält eine Nachweisung über die Zusammensetzung der Be­völkerung nach Alter, Geschlecht und Familienstand, welche nach den Ergeb- nissen der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 aufgestellt worden ist. Danach befanden sich unter den 49 428 470 Einwohnern des Deutschen Reichs männliche weibliche Personen

ledige . . verheirathete verwittwete geschiedene .

15 058108

8 372 486

774 967

25271

14591560

8 398 607

2157 870

49 601

zusammen . 24 230 832 25 179 638.

Dem Alter nach gliederte sich die Bevölkerung, wenn man nur einige große Altersklassen unter­scheidet, in folgender 'Weise:

Es standen im Alter von

Personen

in Prozent

unter 15 Jahren

17 372 100

35,1

15-20

19112174

38,7

4060

8 999 554

18,2

über 60

3 944 542

8,0

zusammen

49 428 470

100,0. '

Insbesondere wurden 8892 Personen und zwar 3295 Männer und 5597 Frauen gezählt, welche ein Alter von mehr als 90 Jahren erreicht hatten.

* (Personal-Veränderungen.) E r- nannt: der Rechtscandidat von Deines zum Referendar, der Regierungs-Civil-Supernumerar Matthäi zum Rentmeister für die Steuerkasse in Reichensachsen. Verliehen: dem Staats­anwalt Wagener bei dem Landgericht in Cassel den Rang der Räthe 4r Klaffe. Versetzt: der Rentmeister Wiedemann von Reichensachsen an die Steuerkaffe in Ziegenhain, der Gerichts­vollzieher Fellenz in Gelnhausen an das Amts­gericht in Cassel (mit der Gerichtsvollzieherstelle in Gelnhausen wird möglicher Weise diejenige in Meerholz vereinigt werden). Entlassen: der Referendar Dr. Miedenfeld aus dem Be­zirk des Ober-Landesgerichts in Cassel behufs Uebertritts in den des Kammergerichts.

* Die Vorstände der I n v a l i d i t ä t s - und Altersversicherungsanstalt en sind seitens des Reichs-Versicherungsamtes für Ende dieses Monats zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen worden, in welcher einige auf die weitere Durchführung des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes bezügliche Fragen ge­meinsam erörtert werden sollen.

* Der Regierungs - Rath Maximilian von Kehler zu Cassel ist zum Ehrenritter des Johanniterordens ernannt.

* (B a u e r n r e g e l n i m M ä r z.) Viel und langer Schnee viel Heu, aber mager Korn und dicke Spreu. Märzenschnee thut Frucht und Weinstock weh; Märzenstaub bringt Gras und Laub. Donnerts im März, schneits im Mai. Wie's im März regnet, wirds im Juni wieder regnen. Märzendonner bedeutet ein fruchtbares Jahr. Nasser März, trockner April, das Futter nicht gerathen will, kommt dazu ein kalter Mai, giebt es wenig Frucht, Wein und Heu. So viel im Märzen Nebel dich plagen, so viele Ge­witter nach 100 Tagen. Ist es an Longinus (15.) feucht, so bleiben die Kornböden leicht Jst's am Josefstag (19.) klar, so folgt ein frucht­bares Jahr. Ist an Ruprecht (27.) der Himmel rein, so wird es auch im Juni sein. Char- freitag Regen bringt ein fruchtbares Jahr zuwegen.

(:)^Hersfeld, 2. März. (Schöffengericht.) Der Tagelöhner Friedrich Stiehl von hier er­hielt wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung eine Gesammtstrafe von 9 Wochen Gefängniß. Wegen Sachbeschädigung wurde der Tagelöhner Emanuel Schüßler von hier mit 2 Wochen Gefängniß bestraft. Den Tagelöhner Heinrich

wegen Körperverletzung mit 2 Wochen Gefängniß.

Wegen Unterschlagung erhielt die Haushälterin Wilhelmine Urbach zu Rotensee 2 Wochen Ge­fängniß. Wegen desselben Vergehens wurde der Kuhhirt Conrad H i l d von hier zu 2 Wochen Gefängniß verurtheilt.

Cassel, 1. März. Am 24., 25. und 27. Februar fand hier die Zeichnerprüfung im Gebäude der Königlichen Generalkommission in Gegenwart des Vorsitzenden der Prüfungs-Kom- mission, Herrn Ober-Vermessungs-Jnspektor Kunke vom landwirthschaftlichen Ministerium, statt. Der Prüfung unterzogen sich die Herren Albrecht aus Cassel, Baerthel aus Hofgeismar und Berneburg aus Eschwege, welche sämmtlich das Examen be­standen.

Cassel, 2. März. In einem Anfall von Somnambulismus kletterte gestern Abend ein junger Mann in der Wolfhager Straße auf das Dach eines Hauses. Leute, welche den Unglück­lichen beobachtet hatten, wußten geschickt und vorsichtig denselben noch rechtzeitig auf seiner bedenklichen, die Zuschauer aufregenden Wander- schaft aufzuhalten und zurück zu rufen, fo viel­leicht schweres Unglück verhütend. Der kranke junge Mann mußte in ärztliche Behandlung ge­nommen werden.

Cassel, 2. März. Zum Andenken an den vor 22 Jahren stattgefundenen Einzug der deut­schen Truppen in Paris fand gestern vom Hu- saren-Regt. Landgraf Friedrich II. von Hessen- Homburg eine große Felddienstübung nach dem Söhrewald statt. Hier versammelte der Regiments- Commandeur, Herr Oberstlieutenant v. Wer­thern, die Mannschaften um sich, und führte denselben die Bedeutung des Tages in begeisterten Worten vor die Augen. Wie bekannt, war die erste Escadron des genannten Regimentes diejenige deutsche Truppe, welche zuerst die französische Hauptstadt betrat.

Cassel, 1. März. Zu dem Liebesdrama wird noch Folgendes bekannt: Das junge Mäd­chen, Frl. Auguste von der Mörtel, wurde, wie bereits gemeldet, noch lebend gestern Abend in das Landkrankenhaus getragen. Die von ihrem Bräutigam auf sie abgeschossene Revolver­kugel hatte trotz entblößter Brust das Herz ver­fehlt, sie ist oberhalb des Herzens in die Lunge gedrungen und sitzt im Rücken fest. Heute Abend lebte das Mädchen noch, die gegenteiligen Gerüchte, daß es gestorben, sind unrichtig. Ihre Verwandten aus Dortmund, ein Hotelbesitzer und ein Bruder, waren heute hier; sie geben zu, daß sie von Anfang an gegen die Verbindung gewesen; auch die schwer getroffene Mutter des Erschossenen weilt hier, sie will dem Glück ihres Sohnes nicht in den Weg getreten sein.

Breitenbach, 27. Februar. Heute Morgen passirte in unserem Orte ein schreckliches Unglück. Drei Männer wollten einen starken Kirschbaum füllen; derselbe fiel, was sie nicht vermutheten, auf die Seite, wo die drei Männer standen, und traf den ledigen Bauer Emil Ritzmann. Der Bedauernswerthe erlitt 6 Rippenbrüche rechts, 5 links und eine Zerquetschung der Lunge, so daß der Tod sofort eintrat. Der Bruder Eduard wurde an einem Fuße nur leicht verletzt; der Verletzte mußte erst durch Absägen von Aesten aus seiner gefährlichen Lage befreit werden.

Gemünden, 26. Februar. In Kirchhain sollte am vergangenen Sonntag ein diphtheritis- krankes Kind aus Amöneburg per Bahn nach Marburg zur Operation verbracht werden. Als man einsteigen wollte, war das Kind eine Leiche. Die unheimliche Krankheit tritt in der dortigen Gegend sehr verheerend auf.

Rinteln, 27. Februar. In der zwischen Möllenbeck und Stemmen gelegenen Sandgrube verunglückten am Sonnabend eine hierselbst wohnende Frau und Tochter dadurch, daß sie beim Sandholen von einer stürzenden Sandwand überschüttet wurden. Die Tochter konnte noch gerettet werden, während die Frau erstickte.

Aus dem Kreise Höxter, 27. Februar. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich zu Heister- Holz im Forsthause. Der Förster Fohney war mit seiner Familie in der Wohnstube vereint und während die Mutter sich mit einer Handarbeit beschäftigte, spielte das älteste, etwa 5 Jahre alte Söhnchen mit Knöpfen. Einen derselben steckte es in den Mund und ehe die Eltern sich ver­sahen, war der Knopf in die Luftröhre gerutscht. Der Knabe konnte noch einmalWasser!" rufen, dann traten Erstickungsanfälle auf und nach noch nicht zwei Minuten trat der Tod ein.