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Htlssel-er Kreisbliltt.
Mit wöchentlicher Gratis Verlage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 26. Donnerstag den 2. Mär; 1893.
Amtliches.
Hersfeld, den 27. Februar 1893.
Den Herren Orts- (Guts-) Vorständen wird zur Kenntnißnahme und strengen Nachachtung mitgetheilt, daß der Herr Finanzminister im Interesse der Rechnungsrevision mit Bezug auf Art. 80 Nr. 1 der Ausführungsaumeisung vorn 5. August 1891 zum Einkommensteuergesetze vom 24. Juni 1891 bestimmt hat, daß die Einkommen- steuer-Zu- und Abgangslisten (Muster XVII und XVIII a. a. O.) von den Herren Gemeiude- (Guts-) Vorständen fortan, zuerst also für das zweite Halbjahr 1892/93, nach den Steuern 1) von physischen Personen mit einem Jahres- einkommen von nicht mehr als 3000 M.
2) von physischen Personen mit höherem Ein- fnmnien und nun AktienneieHirbasten 2C.
Hersfeld, den 23 Februar 1893.
Mit Bezug auf die nachstehend veröffentlichten Bekanntmachungen der Herren Minister des Innern und für Handel und Gewerbe bezw. des Herrn Regierungs-Präsidenten werden die Interessenten des Kreises veranlaßt, die der Prüfung und AbstempeLung unterliegenden, noch nicht in den Verkehr gebrachten Handfeuerwaffen behufs Anbringung der Vorrathszeichen gut verpackt bis zum 1 5. März d. Js. unter genauer Angabe des Einsenders an das Königliche Landrathsamt zu Fulda einzusenden. I. 1 1356. Der Königliche Landrath.
I. V.: H e e g.
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Nachstehende Bekanntmachung bringe ich mit bem Bemerken zur Kenntniß der Betheiligten, daß für den Regierungsbezirk Cassel
tritt das Gesetz, betreffend die Prüfung der Läufe und Verschlüsse der Handfeuerwaffen, vom 19. Mai 1891 (Reichs - Gesetzblatt S. 109) zum 1. April 1893 feinem vollen Umfange nach in Kraft. Nach diesem Zeitpunkt dürfen in Deutschland die der Prüfung und Abstempelung unterliegenden Handfeuerwaffen ohne die vom Bundesrath vorgeschriebenen Stempel nur dann noch feilgehalten oder in den Verkehr gebracht werden, wenn sie vorher mit dem von dem Bundesrath bestimmten „Vorrathszeichen" versehen sind (§. 5 des Gesetzes). Ueber letzteres trifft Ziffer 22 der Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 22. Juni 1892 (Reichs-Gesetzblatt S. 674) nähere Bestimmung.
Zur Ausführung des §. 5 des bezeichneten Gefetzes wird nunmehr Folgendes bestimmt:
1. 2c. rc.
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Beilage zur Nr. 25 des Kreisblatts.
Hersf eld, den 28. Februar 1893.
Die Tochi r des Meeres.
Roman von A. Nicolo.
(Fortsetzung.)
Lady Marian wußte genau, wo ihr Vater seine Briefe, Papiere und seine anderen kleinen Schütze aus der Vergangenheit, die von früheren Generationen auf ihn übergegangen waren, ausbewahrte. Sie hegte ein ununterdrückbareS Verlangen, diese Behältnisse jetzt zu durchsuchen, und den Schleier von vergangenen Familienereig- nissen, die man ihr verheimlichte, zu lüften.
_ Ihr Vater schlief. Die Aerzte meinten, es sei keine augenblickliche Gefahr, und Marian war ja nahe genug, um die leiseste Bewegung des Kranken zu hören.
Sie nahm die Schlüssel, die sie selbst aus ihres Vaters Kleidern genommen, als man ihn zu Bette gebracht hatte, und öffnete den Schränk, in dem diese Reliquien aufbewahrt waren.
Derselbe enthielt Fächer, und auf diesen lagen Packete mit genauer Aufschrift ihres Inhaltes, und kleine Kästchen, die allerhand Gegenstände in sich schloffen, welche dem früheren Zweig der Familie angehört hatten.
Lady Marian öffnete eines nach dem andern.
Sie enthielten wunderliche antike Schmucksachen, halb verblichene Miniaturbilder, die man aus ihren Rahmen genommen hatte.
Sie legte dieselben ohne weiteres Interesse bei Seite. Dann aber kam ein staubiges und offenbar sehr vernachlässigtes Schmuckkästchen zum Vorschein, auf welchem eine dicke Staubdecke lag, die das ursprünglich rothe Maroquinleder vollständig verbarg.
Dieser kleine unansehnliche Kasten zog Lady Marian's Aufmerksamkeit ganz besonders auf sich,
und sie ruhte nicht, bis sie das verrostete Schloß gewaltsam erbrochen hatte.
Als ihr das endlich gelungen war, zeigte sich ihren Blicken ein großes Medaillon; seiner Größe und Schwere nach enthielt es nach Marian's fester Ueberzeugung ein Porträt oder eine Haarlocke, und ihr nächstes Bemühen war, diesem Geheimniß auf den Grund zu kommen. Es gelang ihr bald, das Diebaidon zu öffnen, und ihr Auge ruhte voll Interesse auf dessen Inhalt.
Es war ein Porträt, und zwar das Porträt eines jungen hübschen Mannes mit den stark markirten Zügen der Biddulps, aber von der Kleidung war so wenig zu sehen, daß sich nicht beurtheilen ließ, zu welcher Zeit das Original des Bildes gelebt hatte.
Lady Marian hielt es an das Licht, um zu sehen, ob irgend etwas Eingravirtes Aufschluß darüber geben könnte.
Die Fassung enthielt einige Worte, doch nicht in englischer Sprache.
Marian besaß nicht-geringe Sprachenkennt- nisse, aber es währte doch einige Zeit, ehe sie entziffern konnte, daß es spanisch war, und ehe sie mit Hilfe ihrer Kenntniß des Italienischen endlich die Worte übersetzen konnte.
Es waren nur wenige Worte, aber die Entdeckung, die sie daraus zu entnehmen meinte, durchzuckte seltsam ihre Brust.
Die Worte lauteten:
„Meinem geliebten Weibe I. C. von P. B."
Voll Interesse blieben Lady Marian's Augen eine Weile auf dieser Inschrift haften. Die von ihrer Haushälterin erzählte Geschichte kam ihr wieder in den Sinn . , . doch war das Ganze so unwahrscheinlich, und die Anfangsbuchstaben konnten sich, obwohl sie sonderbarer Weise paßten, ebenso gut auf Andere beziehen, als auf die un
glücklichen Personen jener tragischen Geschichte.
Lady Marian hatte aber wenig Zeit, über solche Möglichkeiten nachzudenken.
Ein leiser. Ruf aus dem anstoßenden Zimmer rief sie an ihres Vaters Lager. Er hatte zum ersten Male seit dem Sturz sein volles Bewußtsein wiedererlangt.
Die Aerzte hatten gesagt, daß viel von einem solchen Erwachen abhängen würde, und Marian's Hoffnungen stiegen bei der schwachen, aber natürlichen Annahme, die hieraus folgerte.
Auch war die Besserung nicht nur vorübergehend, obwohl die Genesung des Kranken nur langsam vorwärts ging.
Nach einer Woche wurde Lord Marston für außer Gefahr erklärt, obwohl sein Zustand noch beständige Fürsorge erforderte.
„Lady Marian, es wird dem Grafen gut thun, wenn er, sobald er stark genug dazu ist, in ein wärmeres Klima geht," erklärte der Arzt. „Seine Nerven werden sich in milderer Luft rascher wieder stärken" . . .
Während Lady Marian noch lange über das nierkwürdige Medaillon nachgrübelte, dessen Vorhandensein sie sogar der treuen Frau Aston verschwieg, war sie über den Ort, wohin sie sich mit ihrem Vater begeben würde, bald mit sich einig. Sie wollte nach Cannes gehen. Kein anderer Ort würde , so gesund für einen Kranken sein, und dort war auch Netta unter ihres Onkels Schutz.
Ahnte Lady Marian, daß die junge Waise den beiden Männern, die ihren: stolzen Gemüth Interesse eingeflößt hatten — Lord Belfort und dem Fremden aus den Bergen, Rupert Falkner — ein Magnet, ein Leitstern sein würde?