wurde. Herrn Dr. Israel wurde für seine eifrigen Bemühungen der Dank des Vereins ausgesprochen und der Hoffnung Raum gegeben, daß auch in diesem Jahre ein ähnlicher Kursus zur Ausbildung von Helferinnen und Pflegerinnen zu Stande kommen möchte. Nachdem noch der bisherige Vereinsvorstand durch Akklamation wieder gewählt und zur Prüfung der letztjährigen Rechnung die Herren Kreissekretär Heeg und Oberlehrer Hafner zu Revisoren ernannt worden waren, wurde die Versammlung mit dem Wunsche geschlossen, daß dem Vereine eine fernere gesegnete Wirksamkeit zum Wohl unserer Stadt beschieden sein möge.
— Hersfeld, 27. Februar. Gestern Abend kam es in einem Hause in der Stammengasse zwischen Arbeitern zu einer Schlägerei, in deren | Verlauf einige derselben durch Knüppelhiebe und Steinwürfe erheblich verletzt wurden, auch wurden mehrere Fensterscheiben demolirt. Die Polizei war genöthigt, mehrmals einzuschreiten. Als heute; Morgen die Schlägerei fortgesetzt werden sollte, ! wurde einer der Tumultuanten verhaftet.
Niederaula, 23. Februar. Heute wurde unter großer Theilnahme der Bevölkerung der ganzen Gegend die Schwester des Hessischen Diakonissenhauses, Diakonisse Amalie Beucke, zur letzten Ruhe bestattet. Die Verstorbene ist im Jahre 1865 als Schwester in das Hessische Diakonissenhaus eingetreten und hat am 14. Juni 1891 die 25jährige Feier ihrer Einsegnung beggngen. In der fast 28jährigen Dienstzeit hat sie mit steter Treue und großer Liebe bei dem Brandunglück in Friedewald 1865, in den Kriegslazarethen und auf dem Kriegsschauplatz 1866 und 1870/71, und in Westpreußen bei der großen Hungertyphusepidemie 1868 geholfen. In vielen Familien, ist sie in schweren Zeiten eine stets bereite opferwillige Helferin gewesen; sodann hat sie in den verschiedenen Anstalten zu Arolsen, Cassel und Marburg Kranken, Kindern und Alten in herzlicher Barmherzigkeit gedient. Vom Jahre 1886 bis zu ihrem Tode am 20. d. M. war sie in dem Hospital zu Niederaula stationirt, wo sie eine treue liebevolle Pflegerin der Alten gewesen, in den benachbarten Gemeinden in vielen Krankheiten helfend eingetreten ist. Schwächlich von Körper hat sie doch die langen Jahre hindurch ih'res schönen Amtes warten können. Ihr Leben und Wirken wird so treffend durch das Textwort der Rede wiedergegeben, welche Herr Pfarrer Ger lach zu Niederaula an dem Grabe der Heimgegangenen Schwester gehalten hat! „Ei, Du frommer und getreuer Knecht, Du bist über wenigem treu gewesen, ich will Dich über viel setzen, gebe ein zu Deines Herrn Freuden", Matth. 25, 26. (C. A. Z.)
Casfel, 25. Februar. In vergangener Nacht verstarb hierselbst Herr Sanitätsrath Dr. A n - dreae nach längerem Leiden und nachdem er sich in Folge eines Gehirnleidens noch einer Operation unterzogen hatte.
Cassel, 25. Februar. Bei Schreiner Joh. Härtung von Hertinghausen, welcher vom Schwurgericht bekanntlich wegen Tödtung seiner Geliebten zu 12 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war, ist jetzt — wie man hört — unheilbare Geistesstörung festgestellt worden, in Folge dessen seine Ueberführung von Marburg nach dem Hospital Haina erfolgte.
Cassel, 24. Februar. Eine 29 Jahre alte Krankenwärterin hierselbst hat ihrem Leben durch Gift, das sie sich zu verschaffen gewußt hatte, ein Ende gemacht. — Mit militärischen Ehren wurde gestern die Leiche eines Husaren nach dem Bahnhöfe gebracht, um in die Heimath des Verstorbenen, Bleicherode, überführt zu werden. Der Husar erlag den Folgen eines vor einiger Zeit von einem Pferde erhaltenen Hufschlages, der ihn gegen den Kopf getroffen hatte.
Nentershausen, 24. Februar. Am vergangenen Sonntag unternahmen drei junge Leute aus Süß einen Spaziergang in den nahen Wald (Richelsdörfer Schiefergebirge). Es ward Abend und wieder Morgen, aber sie kehrten nicht wieder zurück. Darüber natürlich große Aufregung und Angst bei den Angehörigen. Sämmtliche Bergleute machten sich nun auf die Suche, und man fand die Vermißten in einem alten Schachte. Die Neugierde hatte sie hierher getrieben. Die Lampe, die sie benutzten, war mit wenig Oel versehen und in Folge dessen erloschen. Sie konnten nun den Rückweg nicht wieder finden. In ihrer Noth zündeten sie ihre Taschentücher an, aber auch das half nichts. So mußten sie ausharren, bis sie, wie geschildert, entdeckt wurden.
Fürstenthum Waldeck, 24. Februar. Ein
Forstaufseher aus Goldhausen, der während der strengen Kälte vor einigen Wochen in halberstarrtem Zustande außerhalb des Dorfes aufgefunden wurde, befindet sich im Arolser Krankenhause, woselbst ihm beide Hände und sämmtliche Zehen amputirt wurden.
Arolsen, 24. Februar. Nachdem das Eis der in der Umgebung befindlichen Teiche endlich geschmolzen, sieht man erst, wie verderblich der harte Frost für die Teichbewohner gewesen ist. In dem vor dem Thore vor Mengeringhausen befindlichen Teiche sind annähend 2 Ctr. prächtiger Karpfen dem Froste zum Opfer gefallen.
Schlitz, 24. Februar. Beim Aufstellen eines Neubaues auf der Brauereihofraithe des Herrn Manß stürzte am Mittwoch der Zimmergeselle Heinrich F e h r kopfüber in die Tiefe und erlitt dabei so schwere Verletzungen an der Wirbelsäule, daß er bereits gestern Abend starb.
Altenbeken, 25. Februar. Der vor einigen Abenden auf beut hiesigen Bahnhöfe verunglückte Packmeister Wolfahrt, worüber in d. Bl. berichtet wurde, ist seinen Verletzungen erlegen.
Hildburghausen, 25. Februar. Vorgestern Vormittag hat sich hier in seiner Wohnung ein Schüler des Technikums erschossen. Die That scheint in hochgradiger Erregung begangen worden zu sein; er hatte von der Polizei ein Strafmandat zugesandt erhalten, dasselbe aber nicht bezahlt und sollte nun eine entsprechende Haft verbüßen.
Vermischtes.
— Köln, 25. Februar. Das große Loos der Kölner Dombau-Lotterie ist auf Nr. 304306 gefallen. Die glücklichen Gewinner der 75000 M. sind hundert Personen, welche an einem von einem hiesigen Bankgeschäjt veranstalteten Gesellschaftsspiel betheiligt sind. Auf jeden Gewinner entfällt demnach ein Antheil von 750 M.
— Weimarfängtan, sichzu beruhigen. Das Gemeinderaths-Mitglied Grosch erklärte, daß er — bei Aufrechterhaltung seiner sachlichen Ausführungen — die in Uebereilung und Hitze gegen den Oberbürgermeister gebrauchten Ausdrücke bedauere und zurücknehme. Mit Rücksicht hierauf beschloß der Gemeinderath, daß das Entlassungsgesuch des Oberbürgermeisters abzulehnen sei. Letzterer soll die ihm gebotene Genugthuung nicht für eine genügende halten.
— Ein junger Landmann von Aaroe in Nordschleswig hat in sträflichem Leichtsinn seinen Freund erschossen. Jener hatte sein Gewehr, das einer Reparatur unterzogen worden war, abgeholt und ging auf dem Heimwege am Hause seines Freundes vorüber. Als der Landmann diesen am Fenster erblickte, streckte er ihm die Waffe entgegen; in demselben Augenblick entlud sich das Gewehr, und die volle Ladung drang durch die Scheibe in den Kopf des Freundes, der, tödtlich getroffen, zu Boden stürzte. Nach qualvollen Leiden ist der Unglückliche jetzt den schweren Verletzungen erlegen.
— M i t der R u s s i f i z i e r u n g des Namens Dorpat in Jurjew beschleunigt sich die Entfernung der deutschen Professoren von der altberühmten deutsch-russischen Universität. Der „D. Med. Wochenschr." zufolge ist vor einigen Tagen der verdienstvolle Leiter des pathologischen Instituts, Professor Dr. R. Thoma, um seine Entlassung eingekommen. Andere werden bald folgen. Wer nicht freiwillig geht, wird weggeärgert.
— (Kein Jägerlatein!) Mit dieser voraufgeschickten Versicherung erzählt das Neue Wiener Tagblatt folgende Jagdgeschichte: „Graf Rudolf Chotek erlegte im Monat Januar sechs Hasen auf einen Schuß bei einer Jagd in Ungarn. Der Schnee hatte die Hasen veranlaßt, sich dicht neben einander einzulagern, und sie standen erst auf, als der Schütze schon ganz nahe war, den die Wirkung seines Schusses übrigens förmlich erstarren machte." .... Na, na!
— Catania. In der Nacht zum 19. Februar wurde, wie man der „M. Z." von hier schreibt, das Postamt von M i st e r b i a n c o von einer 'Räuberbande überfallen. Misterbianco zählt 7000 Einwohner und liegt etwa eine halbe Stunde von Catania entfernt. Der Posthalter Salvatore Perina und sein Gehülfe wehrten, mit den Waffen in der Hand, den Briganten den Eintritt in das Gebäude. Sie wurden aber niedergeschossen. Die Schwester des Posthalters, die ihrem Bruder zu Hülfe eilte, wurde von den Briganten mit den Flintenkolben todtgeschlagen. Die Räuber
erbrachen hieraus die Kasse des Postamtes und flüchteten. Ehe noch die Bevölkerung des Dorfes recht zur Besinnung kam, waren die Räuber schon über alle Berge. Das Wiederauftauchen der Briganten, die seit einigen Monaten das Land in Ruhe gelassen hatten, hat in ganz Sizilien große Bestürzung hervorgerufen.
— Budapest. (Eine tragische Hochz. > .kreise.) Am 4. d. fand hier die Vermählung bc8 Frl. Margit Chmel, einziger Tochter des bekannten Klavierfabrikanten, mit dem jungen Gutsbesitzer Geza von Walla statt. ES war eine Liebesheiratb, die sie geschlossen, und als das Paar die Hochzeitsreise antrat, meinte man, nur daS Glück könne ihm leuchten. Am 5. d trafen Herr und Frau Geza v. Walla in Wien ein und stiegen im „Hotel Jmperial" ab. Am folgenden Vormittag nach dem Frühstück begab sich Herr v. Walla in den im Hotel befindlichen Friseurladen. Frau Margit war noch im Morgenkleid, einem seidenen Rock mit Spitzen- überwurf; sie las einen Brief und warf ihn dann in den Ofen, in dem ein lustiges Feuer flackerte. Dann ging sie in den Fond des ZimmerS zurück. Dabei entging eS ihr, daß daS zusammengeknitterte Papier, nachdem es rasch Feuer gefangen, wieder aus dem Ofen fiel, und zwar aus ihr Kleid — und bevor sich die junge Frau versah, hatte der Spitzen- rock Feuer gefangen. . . In wahnsinniger Angst, daS ruhige Bewußtsein verlierend, machte nun die unglückliche Dame, die so leicht zu retten gewesen wäre, keinen Schritt, der ibr Rettung bätte bringen können. Sie hätte nur auf den elektrischen Taster zu drücken gebraucht, und die Dienerschaft wäre herbeigeeilt; sie hätte sich nur aus das Bett, auf den Boden zu werfen gebraucht, und die Flammen wären erstickt oder hätten wenigstens nicht so rasch um sich gegriffen. Sie lief unter kläglichem Wehgischrei immer nur zwischen den beiden Zimmern, die sie bewohnte, hin und her, wodurch sie den Luftzug nur noch anfachte und die Flammen vermehrte. Ein WohnungSnachbar, Baron Born, hörte endlich die Hülfe- rufe. Er kam gerade dazu, wie die arme junge Frau mit brennenden Gewändern erschöpft auf den Teppich hinsank. Nun schüttete man den Inhalt von so und so vielen Wasser- krügen und Karaffen über sie auS und löschte die Flammen — aber zu spät. Herr v. Walla fand sein junges Weib, das er vor kaum fünf Minuten verlassen, ohnmächtig, in verkohlte Fetzen gehüllt, den zarten Leib von schrecklichen Brandwunden bedlckt. Die junge Frau hatte schwere Brandwunden bis zur Taille und leichtere an den Armen davongetragen. Allein diese waren es nicht, welche daS Leben der Frau bedrohten. Die Erschütterung der Nerven, der Schrecken und die Angst, die sie auSgestanden hatte, warfen sie in eine schwere Nervenkrankheit, welcher die junge Frau am 22. d. erlag.
— Halifax, 24. Februar. Der Dampfer „Moravia" von der Hamburg - Amerikanischen P.-A.-G. ist mit erschöpftem Kohlenvorrath und durch Sturm erheblich beschädigtem Verdeck hier eingetroffen; auch die Schraubenblätter hatten Schaden gelitten. Der Dampfer setzt seine Reise nach New-2)ork fort.
— San Francisco, 24. Februar. Heute schoß ein 73 jähriger Mann Namens Ratcliffe auf den bekannten Millionär John Mackay und traf ihn im Rücken. Ratcliffe schoß sich sodann in die Brust, sein Zustand ist gefährlich. Mackays Wunde ist nicht tödtlich. Der Beweggrund zum Attentat ist unbekannt.
— Saarlouis, 26. Februar. Heute früh 4 Uhr entstand in Folge der Explosion eines Verkaufslagers von Feuerwerkskörpern eine Feuersbrunst, durch welche mehrere Häuser vollständig eingeäschert wurden. Eine Person ist verbrannt.
— Ulm a. d. Donau, 26. Februar. Heute Mittag wurde die vierzigjährige Professorstochter Fräulein Neuß auf einem Promenadenweg in unmittelbarer Nähe der Stadt ermordet und ihrer Uhr nebst Börse beraubt. An der Leiche zeigten sich Stiche in Hals und Brust.
— New-Uork, 25. Februar. Beim Ein- stllrz des Fußbodens der Freimaurerhalle in Toronto in Ober-Canada wurden sieben Personen getödtet, 24 schwer verletzt.
— Verfängliches Lob. „ . . Ist Ihr Mann denn auch wirthschaftlich?" — „O, ich sage Ihnen, der kommt aus den Wirthschaften überhaupt gar nimmer 'raus!"
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