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vom 1. April 1892 bis Ende Januar 1893 be­trägt der reine Ueberschuß 22 792 628 M., d. i. ein Mehr gegen denselben Zeitraum des Vorjahres von 2 288 497 M.

Nach Meldung der „B. P. N." ist die preu­ßische Bergverwaltung beauftragt, das Vor­kommen v o n G o l d auf der ganzen Erde, seine Produktionsverhältnisse und Produktions­bedingungen zu studiren und zu ermitteln, um auf diese Weise bestimmte und sichere Unterlagen für die Beurtheilung der Frage zu gewinnen: „ob und inwieweit angenommen werden darf, daß der Vorrath und die Produktion von Gold den Bedarf für industrielle und Münzzwecke deckt oder ob und in welchem Umfange es für den letz­teren Zweck der Heranziehung von Silber bedarf." Im Reichstage debattirt man noch immer über den Etat des Reichsamtes des Innern und im preußischen Abgeordnetenhause des­gleichen über den Cultusetat. Im Reichstage ge­langten von genanntem Spezialetat am Mittwoch nur zwei weitere Kapitel, diejenigen „Statistisches Amt" und „Normal-Aichungskommission", zur Er­ledigung, während die Debatte über das Kapitel „Reichs-Gesundheitsamt" nach stundenlanger Dauer abgebrochen werden mußte. Eine ganze Reihe von Einzelfragen gelangten in letzterer Discussion zur Erörterung, so speciell diejenige der Anwendung der Biersurrogate. Außerdem veranlaßten auch die Choleragefahr und die Frage der Leichenver- brennung längere Debatten. Tebattelos war im Beginne der Sitzung die Vorlage, betr. die Ein­führung einer einheitlichen Zeitbestimmung in Deutschland, endgiltig angenommen worden. — Im preußischen Abgeordnetenhause wurde am Mittwoch die Spezialberathung des Cultusetats bis zum Etat des Elementar-Unterrichtswesens gefördert; am Schlüsse stellte Präsident v. Köller die Zuhilfenahme von Abendsitzungen behufs be­schleunigter Erledigung des Cultusetats in Aussicht. Die Militairkommission des Reichs­tages trat am Donnerstag in die Berathung der finanzpolitischen Anträge Richter - Buhl - v. Stumm ein und erledigte die Positionen, welche sich auf die fortdauernden Mehrausgaben beziehen. Der Gesetzentwurf betr. die Abzahlungs­geschäfte ist von der betr. Kommission in zweiter Lesung nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen.

Eine Sekundärbahnvorlage wird dem Vernehmen nach dem Landtage noch in der gegenwärtigen Session, aber erst nach Ostern, zugehen.

In Frankreich scheint der Strudel der Panama- Ereignisie Herrn Jules Ferry, diesen zweifel­los bedeutendsten französischen Staatsmann der Gegenwart, wieder auf die politische Tagesbühne bringen zu wollen. Der bisherige Senats­präsident Le Royer hat bekanntlich sein Amt niedergelegt, wie allgemein das Gerücht geht, wegen seiner Verwickelung in den bevorstehenden Panama-Bestechungsprozeß. Am Mittwoch hiel­ten nun die republikanischen Senatsgruppen eine ' Stimmprobe bezüglich des zu nominirenden Can- didaten für den Präsidentschaftssitz ab. Dieselbe ergab die absolute Mehrheit für Jules Ferry, denn von 169 abgegebenen Stimmen fielen auf ihn 87 Stimmen. Falls also bei der eigentlichen Präsidentenwahl nur noch ein kleiner Theil auch der conservativen Senatoren ebenfalls für Jules Ferry stimmt, so ist dessen Wahl zum ersten Vor­sitzenden des Senats sicher. Von der Senats- präsidentschaft aus aber kann dann Jules Ferry mit Leichtigkeit seine Candidatur für die Präsi­dentschaft der Republik aufstellen.

Aus Provinz und Nachbargebiet

H e r s f e l d , den 24. Februar 1893.

* Die telegraphische Verbindung mit K a m e r u n ist hergestellt und am 21. Februar in Kamerun eine Kaiserlich Deutsche Telegraphen­anstalt eingerichtet worden. Die Wortgebühr für Telegramme aus Deutschland nach Kamerun beträgt 10 Mk. 10 Pf.; die Beförderung findet über England, die Eastern-Kabel und St. Vincent statt.

* (Personal-Veränderungen.) Ver­liehen: dem Königlichen Forstmeister H a ß e l in Mottgers bei Schwarzenfels der Rothe Adler- Orden IV. Klasse; dem bisherigen Pfarrer Krö ger in Nassenerfurt die Pfarrstelle in Wabern. Niedergelassen: der praktische Arzt Dr. Emil Rothfuchs in Wabern. — Pensionirt: der Förster Huppmann in Treisbach zum 1. April d. I.

* Am 3. März tritt in Berlin der Central-

JnnungSausschuß aus ganz Deutschland zusammen. Am 10. März folgt eine große Ver- fammlung der 60 Innungen, welche zum Ber­liner Jnnungsausschuß gehören.

* Ueber die Gefahr, die bei der Behandlung von mit Maul- und Klauenseuche behafteten Thieren für Menschen besteht, wird durch Nach­stehendes ein neuer Beleg geliefert. Bei dem Besitzer Ph. in Drenkfurt herrschte unter dem Rindvieh die Seuche. Trotzdem wurden die Thiere gemolken und die Milch auch in der Wirthschaft verbraucht, bald stellte sich heraus, daß die Magd, der das Melken oblag, an Händen und Zehen von Hautausschlag befallen wurde und ebenso wie der Kuhfütterer ärztlich behandelt werden mußte. Der Besitzer, der von einer Ueber- tragbarkeit der Krankheit auf Menschen nichts misten wollte, hatte auch seine Kinder unbean­standet von der frischen Milch trinken und sich in dem Stalle aufhalten lasten. Alsbald trat auch bei den Kleinen ein friefelartiger Hautaus­schlag über den ganzen Körper zu Tage, der nach ärztlichem Gutachten auf eine innerliche An­steckung zurückzuführen ist. Die Kinder liegen derartig schwer darnieder, daß ihre Wiederher­stellung noch zweifelhaft erscheint.

* Ueber den Stand der Saaten wird ge­schrieben, daß dieselben, soweit aus verschiedenen Gegenden Berichte vorliegen, durchweg gesund und wohlerhalten den Winter bis jetzt überstanden haben. - Den Feldmäusen hat das Thauwetter sehr schlimm mitgespielt, indem es einen Theil in ihren Löchern ertränkte, die meisten jedoch aus denselben vertrieb. Als die Nager nun rathlos aus den Feldern umherirrten, stellten vom Hunger geplagte Krähen in großen Schaaren sich ein und machten ihnen den Garaus. So eine ausgehungerte Krähe verschlingt in ganz kurzer Zeit wohl ein Dutzend Mäuse; ein ganzer Schwärm jener Schwarz- und Grauröcke kann demnach auf einem Felde unter den kleinen Feinden des Landwirths hübsch aufräumen. Die Krähen scheinen also unter Umständen doch nicht ganz so schlecht zu sein, wie sie von allen Seiten gemacht werden.

* Wegen eines in den Niederlanden befindlichen tiefen barometrischen Minimums, welches nord- ostwärts fortschreitend in Norddeutschland eine starke Zunahme der östlichen Winde veranlaßt, ist die Ostseeküste von Swine münde bis Memel seitens der Seewarte gewarnt worden.

(§) Hersfeld, 24. Februar. Eine mit zahl­reichen Unterschriften bedeckte Erklärung zu Gunsten der M i l i t a i r v o r l a ge ist von hiesigen patriotischen Männern an den Reichs­tag abgesandt worden.

Hersfeld, 24. Februar. Aus den Verhand­lungen des am Montag in Bebra abgehaltenen Verbandstag s der Genossenschaften nach Raiffeisenschem System im diesseitigen Regierungsbezirk sei noch erwähnt, daß Herr Restaurateur M e i ß - Kirchditmold den Verbands­tag aufforderte, bei den communalständischen Behörden dahin vorstellig zu werden, daß aus deren Kassen den Darlehnskassen gegen einen geringen Zinsfuß Geld geliehen werde. Die Versammlung beschloß, durch die Verbands­anwaltschaft einen Berichterstatter ernennen zu lassen und den Antrag Meiß dem nächsten Verbandstage zur Beschlußfassung zu unter­breiten. Endlich ersuchte man den General­anwalt Herrn Direktor Cremer, auf dem diesjährigen großen Verbandstag in Straßburg dahin wirken zu wollen, daß der nächste Vereins­tag Raiffeisen'scher Darlehnskassen in Cassel abgehalten werde.

; Caffel, 22. Febr. Vergangene Nacht gegen ! 3-412 Uhr wurde der Kassirer einer hiesigen Brauerei in der Cölnischen Allee von drei Strolchen angefallen. Dieselben versetzten ihm mit einem Stock einen Schlag über den Kopf, raubten ihm sodann feine Taschenuhr und suchten, als der ; Ueberfallene um Hilfe rief, eiligst das Weite. Nach einer anderweitigen Mittheilung ist der Ueberfallene ein städtischer Beamter, welcher sich aus dem Heimwege befand. Der Ueberfall er­folgte bei dem sogenannten schwarzen Weg, welcher vom Bahnhof auf die Allee führt, wo die drei Strolche hinter den Bäumen hervorsprangen. Der erste riß dem Angegriffenen gleich Uhr und Kette fort,, ber, zweite gab ihm einen Schlag aus den Kopf, daß er bewußtlos zusammenstürzte. — Drei Verdächtige wurden im Laufe des heutigen Tages in Haft genommen.

Marburg, 23. Februar. (Schwurgericht.) Die gestrige Schwurgerichtsverhandlung war

gegen den Tagelöhner Conrad M a r e t von Treysa gerichtet. Derselbe ist der vorsätzlichen Tödtung, begangen am 14. August 1892 an dem Schuhmacher Sebastian Rocken süß, mit dem er zusammen in einem Hause wohnte und seit längerer Zeit in Unfrieden lebte, beschuldigt. Maret, der dem Trunke ergeben war, hat dem Rockensüß am Abend jenes Tages aufgelauert und mit einem Beil den Schädel gespalten. Während der Untersuchungshaft hat der Ange- flagte. Geistesstörung simulirt, jedoch vergebens, da durch Beobachtung desselben in der Jrrenheil- anstalt seine vollständige Zurechnungsfähigkeit festgestellt wurde. Das Urtheil lautete auf eine Zuchthausstrafe von 12 Jahren.

Beiseförth, 22. Februar. Heute wurde der Leichnam des am zweiten Weihnachtstag hier unter das Eis der Fulda gekommenen Schul- knaben Christoph Keudel bei Melsungen an das Land gezogen.

Mainz, 21. Februar. Gestern Abend fand eine nationalliberale Versammlung statt, in der Professor Dr. Egelhaaf aus Stuttgart die poli­tische Lage besprach und unter einmüthigem leb­haftem Beifall die Militärvorlage befürwortete.

Altenbecken, 22. Februar. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute Abend gegen 7 Uhr auf hiesiger Station. Der dienstthuende Packmeister L. wurde von einer Heranbrauseuden Rangiermaschine erfaßt und demselben beide Beine abgefahren. Der Beklagenswerthe, welcher sich noch am Leben befindet, wurde nach Pader- born in ärztliche Behandlung gebracht.

Frankfurt, 20. Februar. Mehrere hundert am letzten Sonntag in Dillenburg zufammsn- gekommene patriotische Männer gründeten einen sich über das ganze Amt Dillenburg erstreckenden Patriotischen Verein und beschlossen, an den Reichstag, den Reichskanzler und ihren Reichs­tags - Abgeordneten Resolutionen für die volle Annahme der Militärvorlage zu senden, sowie eifrigst für die weitere Bildung von Patriotischen Vereinen im ganzen Reichstags-Wahlbezirk zu wirken. In Osthofen (Rheinhessen) traten die Krieger-, Soldaten-, Turn-, Feuerwehr- und Ge­sangvereine zu einem Patriotischen Verein zu­sammen. Patriotische Vereine haben sich ferner gebildet in Polzin (Pommern) und Gimbsheim (Hesten).

Hanau, 21. Februar. Wie sich jetzt heraus- stellt, verloren in Folge des jüngsten Eisganges Millionen von Mainfischen das Leben. Die Fische suchen nämlich bekanntlich, namentlich bei Hochwasser, mit Vorliebe die weniger tiefen Stellen auf. So geriethen sie mit dem Eife über die Ufer und beim Fallen des Wassers ver­sperrten ihnen die am Ufer lagernden Eismassen den Rückweg, wodurch sie elend nmkommen mußten.

Weimar. Die Bürgerschaft unserer so vor­nehmen Residenzstadt befindet sich gegenwärtig in einer grenzenlosen Aufregung und hat leider durch einen Vorfall, der wohl einzig im Deutschen Reiche dastehen dürfte, allen Grund dazu. In der Sitzung des Gemeinderathes am letzten. Frei­tag sind dem Oberhaupte der Stadt, Herrn Oberbürgermeister Geh. Regierungsrath Pabst, seitens eines Mitgliedes der Versammlung Ohr­feigen angeboten worden. Der Anlaß war ein ganz geringfügiger. Das ist allerdings recht nett!

Vermischtes.

— Würzburg. Hier wurde eine geheime Schülerverbindung ausgehoben und die Theilnehmer an derselben, Schüler des hiesigen Realgymnasiums, sofort entlasten. Das Merk­würdige an dieser Sache aber ist, wie der „Volksztg." von hier geschrieben wird, daß dieser Schülerverbindung, die studentisches Gebühren nachahmte, auch zwei Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren angehörten, welche bei den Kneipereien gleichfalls mit Mütze und Band prä- sidirten.

_ Meseritz, 22. Februar. Die Dienstmagd Ätengert aus Leimnitz wurde am Sonnabend in einem Gehölz zwischen Leimnitz und Paradies an ernem Baume erhängt vorgefunden. Die Obduk­tion der Leiche hat nun ergeben, daß ein Selbst­mord der St. ausgeschlossen ist; vielmehr lassen dre zahlreichen Flecke an Hals und Brust auf einen Mord schließen. Auch war die Schlinge in einer Weise um den Hals gelegt, daß der Tod dadurch nicht hat eintreten können. Als muthmaßlicher Mörder ist der Bräutigam der St. verhaftet worden. Wahrscheinlich" hat er ferne Braut begleitet, erdrosselt und, um den